Der Fokus des Unterrichts vor der Aufklärung lag klar auf der religiösen Unterweisung. Die Vermittlung von Grundfertigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen wurde hingegen vernachlässigt.
Mit der Aufklärung gerieten die bestehenden schulischen Verhältnisse jedoch mehr und mehr in Kritik. Es kamen neue Vorstellungen von Erziehung auf. Zur Zeit der Aufklärung wurde so detailliert und hingebungsvoll wie nie zuvor über pädagogische Fragen diskutiert. Neue aufklärerisch-pädagogische Ideen verpönten nun das stumpfe Auswendiglernen und forderten eine weltlichere Erziehung. Die Aufklärung stellte nunmehr den Menschen in den Mittelpunkt. Dementsprechend wurde auch die Kindheit als ein eigener Lebensabschnitt mit entsprechenden Entwicklungsphasen erkannt, auf welche die Pädagogik abzielen sollte. Die Erziehung zum vernünftigen Menschen war nunmehr das Ziel der aufklärerischen Bewegung.
Die Grundlage dieser Arbeit bilden vor allem Lehrmittel aus dem Ende des 18. Jahrhunderts, das "Königlich-Preußische General-Land-schul-Reglement" von 1763 sowie der "Kinderfreund: Ein Lesebuch zum Gebrauch in Landschulen" von 1776. Zum Vergleich vorheriger Lehrmittel dient der "Heidelberger Katechismus" aus dem Jahre 1563. Ergänzend dazu wird eine Reihe von Sekundärliteratur herangezogen, um ein aussagekräftige historische Einordnung und ideengeschichtliche Erklärung gewährleisten zu können.
Um sich der Thematik anzunähern und zu zeigen, unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen die neuen pädagogischen Ansätze entstanden sind, wird mit einer Einführung in das Jahrhundert der Aufklärung begonnen, in welchem besonders die gesellschaftlichen Verhältnisse zur Sprache kommen sollen. Daran schließt sich das Kapitel an, in welchem gezeigt werden soll, welche neuen Ideale die Pädagogik der Aufklärung ausmachen. In dem darauffolgenden Kapitel zur Religion im Unterricht soll geklärt werden, ob und wie sich die vorher beschriebenen aufklärerisch-pädagogischen Ansätze im Unterricht konkretisieren. Hierbei wird speziell die Rolle der Religion im Unterricht betrachtet. Abschließend wird ein zusammenfassendes Resümee gezogen, in welchem eine letzte kritische Auseinandersetzung mit der Thematik stattfinden soll und die vorher aufgestellte These überprüft wird.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. ZUM JAHRHUNDERT DER AUFKLÄRUNG
3. ZUR PÄDAGOGIK DER AUFKLÄRUNG
4. ZUR RELIGION IM UNTERRICHT
5. RESÜMEE
6. QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS
6.1 QUELLEN
6.2 LITERATUR
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Wandel pädagogischer Vorstellungen während des 18. Jahrhunderts und analysiert, inwieweit aufklärerische Ideale die religiös geprägte Schulpraxis tatsächlich transformieren konnten. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie sich das neue Verständnis von Kindheit und Vernunft in Lehrmitteln und Unterrichtsmethoden niederschlug, während gleichzeitig die Dominanz kirchlicher Strukturen und traditioneller Lehrinhalte kritisch hinterfragt wird.
- Gesellschaftlicher Wandel und Aufklärung im 18. Jahrhundert
- Entwicklung eines neuen, positiven Bildes von Kindheit
- Kritik am traditionellen Auswendiglernen und Katechismus-Unterricht
- Die Rolle der Religion und des Pfarrers im aufklärerischen Schulwesen
- Spannungsfeld zwischen theoretischem Reformanspruch und schulischer Realität
Auszug aus dem Buch
3. Zur Pädagogik der Aufklärung
Es wurde bereits herausgestellt, dass die Kindheit, während der Aufklärung, als eigener Entwicklungsabschnitt verstanden wurde. Dies nahm selbstverständlich auch einen Einfluss auf die aufklärerische Pädagogik. In der Erziehung, wie sie die Aufklärung verstand, sollte nun die Entwicklung des Kindes von Geburt an gefördert werden, um es zu einem vernünftigen Menschen zu erziehen (Schmid 2006, S. 6). Die Aufklärung stellte den Menschen an sich mehr in den Mittelpunkt. Somit wurde in dem aufklärerischen Konzept von Kindheit auch das Kind mehr in den Mittelpunkt gerückt. Was bei dem neuen Verständnis von Kindheit hinzukommt, ist die Überzeugung, dass Kinder bereits vernunftbegabte Wesen seien, welche nicht weiter grundsätzlich als defizitär angesehen werden müssten. Die Pädagogik der Aufklärung hatte sich dementsprechend zur Aufgabe gemacht, diese Vernunft im Kind anzusprechen und zur Entfaltung zu bringen und somit letztendlich zur Unabhängigkeit von äußeren Zwängen zu erziehen (vgl. ebd., S. 18-21).
Es entstanden vor allem zum Ende des 18. Jahrhunderts, dem Jahrhundert der Aufklärung, eine Reihe neuartiger Schulbücher, welche diese neuverstandene Kindheit berücksichtigen sollten und entsprechende didaktische und methodische Neuerungen beinhalteten (vgl. Berner 2009, S. 193). Die, sich in einer nun anerkannten Entwicklung befindlichen, Kinder, wurden in eben solchen Lehrbüchern oftmals als „liebes Kind“ (ebd.) adressiert. Die neuen Lehrmittel ließen den Versuch erkennen, sich bei der Vermittlung des Lehrstoffes an der „Auffassungskraft und dem Verstehenshorizont der jungen Adressanten“ (ebd., S. 196) auszurichten. Lehrmittel, wie die Der Kinderfreund: Ein Lesebuch zum Gebrauch in Landschulen, wurden, wie der Name schon vermuten lässt, kindgerechter. Sie begriffen das Kindesalter nun als eigenen Lebensabschnitt, mit spezifischen Entwicklungsaufgaben und -phasen (vgl. Schmid 2006, S. 16).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet den historischen Kontext der schulischen Erziehung vor der Aufklärung und definiert das Ziel der Arbeit, den Wandel hin zu einer aufklärerischen Pädagogik anhand ausgewählter Lehrmittel zu untersuchen.
2. ZUM JAHRHUNDERT DER AUFKLÄRUNG: Dieses Kapitel beschreibt das 18. Jahrhundert als eine Ära des gesellschaftlichen Umbruchs, geprägt von Ständegesellschaft, Pauperismus und dem wachsenden Streben nach Autonomie und Vernunft.
3. ZUR PÄDAGOGIK DER AUFKLÄRUNG: Hier wird das neue, positive Verständnis der Kindheit als eigenständige Lebensphase und die daraus resultierende Notwendigkeit kindgerechterer Lehrmittel und Unterrichtsmethoden erläutert.
4. ZUR RELIGION IM UNTERRICHT: Dieses Kapitel analysiert die Diskrepanz zwischen den aufklärerischen Reformzielen und der fortbestehenden Dominanz kirchlicher Lehrinhalte und Strukturen im ländlichen Schulwesen.
5. RESÜMEE: Das Resümee zieht eine kritische Bilanz und bestätigt die These, dass die tatsächliche Umsetzung aufklärerischer Ideale in der Schulpraxis aufgrund der starken Beharrungskraft traditioneller Lehrmittel nur sehr langsam voranschritt.
6. QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS: Dieses Verzeichnis listet die verwendeten Primärquellen (Lehrmittel und zeitgenössische Schriften) sowie die herangezogene Sekundärliteratur auf.
Schlüsselwörter
Aufklärung, Pädagogik, Schulerziehung, Kindheit, Religion, Katechismus, Unterrichtsreform, Vernunft, Landschulen, Historische Bildungsforschung, Lehrmittel, Ständegesellschaft, Säkularisierung, Autonomie, Didaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Wandel der Pädagogik im 18. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung der Rolle der Religion im Schulunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der gesellschaftlichen Bedeutung der Aufklärung, der pädagogischen Neubewertung der Kindheit sowie dem Spannungsverhältnis zwischen Reformansprüchen und kirchlich geprägter Schulpraxis.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich aufklärerische Ideale in der Pädagogik manifestierten und inwiefern sie die Rolle der Religion im Unterricht veränderten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, basierend auf der Auswertung von Primärquellen (Lehrmittel des 18. Jahrhunderts) und relevanter Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des gesellschaftlichen Umfelds der Aufklärung, die Analyse der neuen pädagogischen Ideale sowie eine Untersuchung der religiösen Unterrichtspraxis in den Schulen jener Zeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Aufklärung, Pädagogik, Kindheit, Religion, Katechismus, Didaktik und Säkularisierung.
Welchen Stellenwert hatte der Heidelberger Katechismus für die Untersuchung?
Er dient als Vergleichsfolie für die traditionelle Unterrichtspraxis vor der Aufklärung und verdeutlicht das damalige, auf dem Sündenbegriff basierende Erziehungskonzept.
Welche Rolle spielte der "Kinderfreund" von 1776 für die pädagogischen Reformen?
Das Werk gilt als Beispiel für die neuen, kindgerechteren Lehrmittel, die sich am Verstehenshorizont der Kinder orientierten und eine Praxisnähe des Wissens forderten.
- Arbeit zitieren
- Jan Dissemond (Autor:in), 2019, Zur Pädagogik der Aufklärung. Unter besonderer Berücksichtigung der Religion im Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463944