Zur Pädagogik der Aufklärung. Unter besonderer Berücksichtigung der Religion im Unterricht


Seminararbeit, 2019

12 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zum Jahrhundert der Aufklärung

3. Zur Pädagogik der Aufklärung

4. Zur Religion im Unterricht

5. Resümee

6. Quellen- und Literaturverzeichnis
6.1 Quellen
6.2 Literatur

1. Einleitung

Wieso ist der Mensch denn so verdorben? [Hervorhebung i.O.] Durch den Fall und Ungehorsam unserer ersten Eltern Adam und Eva im Paradies ist unsere Natur so vergiftet worden, daß[sic] wir alle als Sünder empfangen und geboren werden. (Ursinus 1563, S. 3)

Dies ist ein Auszug aus dem 1563 erschienenen Heidelberger Katechismus, welcher seinerzeit als Lehrmittel für den Schulunterricht diente. Sein Frage-Antwort-Prinzip und das ständige Appellieren an die geerbte Sünde des Menschen ließen dabei wenig Spielraum für die Entfaltung der unterrichteten Kinder. Der Fokus an den deutschen Schulen lag klar auf der religiösen Unterweisung. Die Vermittlung von Grundfertigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen wurde hingegen vernachlässigt (vgl. Hofmeister 2006, S. 188; 193).

Mit der Aufklärung gerieten die bestehenden schulischen Verhältnisse jedoch mehr und mehr in Kritik. Es kamen neue Vorstellungen von Erziehung auf. Zur Zeit der Aufklärung wurde so detailliert und hingebungsvoll wie nie zuvor über pädagogische Fragen diskutiert (vgl. Schmid 2006, S. 15). Neue aufklärerisch-pädagogische Ideen verpönten nun das stumpfe Auswendiglernen und forderten eine weltlichere Erziehung (vgl. ebd., S. 16; Hofmeister 2006, S. 194). Die Aufklärung stellte nunmehr den Menschen in den Mittelpunkt. Dementsprechend wurde auch die Kindheit als ein eigener Lebensabschnitt mit entsprechenden Entwicklungsphasen erkannt, auf welche die Pädagogik abzielen sollte (vgl. Schmid 2006, S. 16). Die Erziehung zum vernünftigen Menschen war nunmehr das Ziel der aufklärerischen Bewegung (vgl. ebd., S. 5).

Die Aufklärung stellte eine kritische Auseinandersetzung hinsichtlich aller Lebensbereiche dar (vgl. Bürmann et al. 2000, S. 133). Das 18. Jahrhundert, ein Jahrhundert der Aufklärung, war also eine Zeit, in der sich die Menschen versuchten von Fremdbestimmung loszusagen und anfingen unabhängig von kirchlichen und staatlichen Instanzen zu denken (vgl. Stollberg-Rilinger 2000, S. 97; 11). Ziel war es sich zu einem autonomen und sich seiner Vernunft bedienenden Menschen zu entwickeln. Gerade die deutsche Aufklärung war davon überzeugt, dass dieses Ziel mithilfe der Erziehung erreicht werden könne (vgl. Schmid 2006, S. 18). Man war „überzeugt von der Allmacht der Erziehung“ (ebd.).

Aus eben dieser Relevanz der Pädagogik für die Aufklärung ergibt sich das Thema der Hausarbeit. Ziel der Arbeit ist es zunächst aufzuzeigen, was die neuen aufklärerisch-pädagogischen Ideen beinhalten. Darauf aufbauend soll untersucht werden, wie sich diese Ideen hinsichtlich des Unterrichts, speziell in den Landschulen, äußerten. Der Fokus soll hierbei darauf liegen, welchen Wandel die Rolle der Religion im Unterricht vollzog.

Als These lässt sich formulieren, dass sich der Wandel des Unterrichts im Sinne der aufklärerischen Ideale nur langsam entwickeln konnte und gerade in den Landschulen das angeprangerte Auswendiglernen und der Katechismus vorerst weiter dominierten.

Die Grundlage dieser Arbeit bilden vor allem Lehrmittel aus dem Ende des 18. Jahrhunderts, das Königlich-Preußische General-Land-schul-Reglement von 1763 sowie der Kinderfreund: Ein Lesebuch zum Gebrauch in Landschulen von 1776. Zum Vergleich vorheriger Lehrmittel dient der Heidelberger Katechismus aus dem Jahre 1563. Ergänzend dazu wird eine Reihe von Sekundärliteratur herangezogen, um ein aussagekräftige historische Einordnung und ideengeschichtliche Erklärung gewährleisten zu können.

Um sich der Thematik anzunähern und zu zeigen, unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen die neuen pädagogischen Ansätze entstanden sind, folgt im Anschluss eine Einführung in das Jahrhundert der Aufklärung, in welchem besonders die gesellschaftlichen Verhältnisse zur Sprache kommen sollen. Daran schließt sich das Kapitel an, in welchem gezeigt werden soll, welche neuen Ideale die Pädagogik der Aufklärung ausmachen. In dem darauffolgenden Kapitel zur Religion im Unterricht soll geklärt werden, ob und wie sich die vorher beschriebenen aufklärerisch-pädagogischen Ansätze im Unterricht konkretisieren. Hierbei wird speziell die Rolle der Religion im Unterricht betrachtet. Abschließend wird ein zusammenfassendes Resümee gezogen, in welchem eine letzte kritische Auseinandersetzung mit der Thematik stattfinden soll und die vorher aufgestellte These überprüft wird.

2. Zum Jahrhundert der Aufklärung

Die Bezeichnung des 18. Jahrhunderts als das „Jahrhundert der Aufklärung“ (Stollberg-Rilinger 2000, S. 11) ist keine Zuschreibung, welche nachträglich stattgefunden hätte. Von einem „Zeitalter der Aufklärung“ (Kant 1784, S. 59) wurde bereits zeitgenössisch gesprochen. Aufklärung wurde zu einem Modewort des 18. Jahrhunderts und meinte die Unvernunft zu überwinden sowie Vorurteile und Bevormundung zu vertreiben und durch eigene, überprüfbare Vorstellungen zu ersetzen (vgl. Stollberg-Rilinger 2000, S. 11). „Sapere Aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ (Kant 1784, S. 53) wurde zum Leitspruch der Aufklärung, welcher die aufklärerische Forderung an den Menschen impliziert, sich aus „seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“ (ebd.) zu befreien. Das Jahrhundert der Aufklärung war folglich geprägt von der allgemeinen Forderung an jeden Menschen die bisher bestehenden religiösen, politischen und kulturellen Verhältnisse kritisch zu hinterfragen. Wie einleitend bereits erwähnt, fand also eine Auseinandersetzung mit allen bestehenden Lebensbereichen statt (vgl. Bürmann et al. 2000, S. 133).

Eine kritische Auseinandersetzung fand folglich während der Aufklärung auch mit den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen statt. Die deutsche Gesellschaft der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war agrarisch geprägt und ständisch gegliedert. Ein Fünftel der Bevölkerung lebte auf dem Land und es herrschte starke gesellschaftliche Ungleichheit zwischen den Ständen Adel, Bürgertum und Bauern. Zusätzlich fand, zur Zeit der Aufklärung, eine katastrophale Verarmung der Bevölkerung in ganz Europa statt, welche durch den zu dieser Zeit erstandenen Begriff des „Pauperismus“ (Schmid 2006, S. 15) beschrieben wurde. Diese Massenarmut beförderte die aufklärerische Forderung bestehende Strukturen kritisch zu prüfen. Dies führte dazu, dass in der Gesellschaft immer mehr Zweifel an der Legitimität adliger Vorrechte aufkamen. Die Ständegesellschaft geriet folglich ins Wanken (vgl. ebd., S. 15f.). Die Stimmen wurden langsam lauter, welche die Adelsprivilegien und die auf ihr gründende Ständegesellschaft anzweifelten. Die Aufklärung brachte Bewegung in die sonst so starre ständisch gegliederte Gesellschaft, in dessen Rechtsverhältnisse spätestens die Französische Revolution 1789 eingreifen sollte (vgl. ebd., S. 16).

Aufklärerische Strömungen führten dazu, dass neben der Ständegesellschaft auch die kirchlichen Instanzen für die Menschen keine Basis mehr boten, auf welche sie sich hätten stützen können. Die Wahrheit war, aufgrund des verlorenen Absolutheitsanspruchs der Kirche, nicht mehr von oben diktiert, sondern war etwas, was man selber begreifen musste (vgl. Stollberg-Rilinger 2000, S. 167; 114). Die Menschen hatten eine gewandelte Auffassung vom Christentum, der Kirche und der Religion insgesamt. Die christliche Lehre musste sich nunmehr am Maßstab der Vernunft messen lassen (vgl. ebd., S. 97-99). Es lag nun am Menschen selber über sein Schicksal zu entscheiden und darüber zu entscheiden, was wahr und was falsch sei (vgl. Schmid 2006, S. 17).

Mit diesen aufklärerischen Überzeugungen ging auch eine neue Berufsidee einher, welche das Verständnis von Beruf als individuell und frei wählbar beinhaltete. Der Beruf sollte nicht mehr an den sozialen Status geknüpft sein, sondern zum Einflussfaktor auf den individuellen sozialen Status werden (vgl. Stichweh 1999, S. 51). Das Wissen dieser neuentstandenen Berufe soll in einer „funktional differenzierten Gesellschaft“ (ebd., S. 49) in Professionen bewusst kultiviert und verschriftlicht werden, sodass diese dadurch eine Form der akademischen Lehrbarkeit erreichen würden (ebd., S. 51). Die aufklärerische Berufsidee trug zum Wandel von einer Ständegesellschaft hin zu einer funktionalen Differenzierung der Gesellschaft bei. Diese Entwicklung lässt bereits vermuten, welche Zielsetzung der Pädagogik der Aufklärung innewohnt. Nämlich die einer praxisbezogeneren Pädagogik, welche auf das Leben im Diesseits vorbereiten will.

3. Zur Pädagogik der Aufklärung

Es wurde bereits herausgestellt, dass die Kindheit, während der Aufklärung, als eigener Entwicklungsabschnitt verstanden wurde. Dies nahm selbstverständlich auch einen Einfluss auf die aufklärerische Pädagogik. In der Erziehung, wie sie die Aufklärung verstand, sollte nun die Entwicklung des Kindes von Geburt an gefördert werden, um es zu einem vernünftigen Menschen zu erziehen (Schmid 2006, S. 6). Die Aufklärung stellte den Menschen an sich mehr in den Mittelpunkt. Somit wurde in dem aufklärerischen Konzept von Kindheit auch das Kind mehr in den Mittelpunkt gerückt. Was bei dem neuen Verständnis von Kindheit hinzukommt, ist die Überzeugung, dass Kinder bereits vernunftbegabte Wesen seien, welche nicht weiter grundsätzlich als defizitär angesehen werden müssten. Die Pädagogik der Aufklärung hatte sich dementsprechend zur Aufgabe gemacht, diese Vernunft im Kind anzusprechen und zur Entfaltung zu bringen und somit letztendlich zur Unabhängigkeit von äußeren Zwängen zu erziehen (vgl. ebd., S. 18-21).

Es entstanden vor allem zum Ende des 18. Jahrhunderts, dem Jahrhundert der Aufklärung, eine Reihe neuartiger Schulbücher, welche diese neuverstandene Kindheit berücksichtigen sollten und entsprechende didaktische und methodische Neuerungen beinhalteten (vgl. Berner 2009, S. 193). Die, sich in einer nun anerkannten Entwicklung befindlichen, Kinder, wurden in eben solchen Lehrbüchern oftmals als „liebes Kind“ (ebd.) adressiert. Die neuen Lehrmittel ließen den Versuch erkennen, sich bei der Vermittlung des Lehrstoffes an der „Auffassungskraft und dem Verstehenshorizont der jungen Adressanten“ (ebd., S. 196) auszurichten. Lehrmittel, wie die Der Kinderfreund: Ein Lesebuch zum Gebrauch in Landschulen, wurden, wie der Name schon vermuten lässt, kindgerechter. Sie begriffen das Kindesalter nun als eigenen Lebensabschnitt, mit spezifischen Entwicklungsaufgaben und -phasen (vgl. Schmid 2006, S. 16).

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Zur Pädagogik der Aufklärung. Unter besonderer Berücksichtigung der Religion im Unterricht
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
12
Katalognummer
V463944
ISBN (eBook)
9783668908147
ISBN (Buch)
9783668908154
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pädagogik, Aufklärung, Unterricht, Katechismus, Religion, Pietismus, Bildung, Erziehung
Arbeit zitieren
Jan Dissemond (Autor), 2019, Zur Pädagogik der Aufklärung. Unter besonderer Berücksichtigung der Religion im Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463944

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