Kaum ein anderes Thema hat in den letzten Jahren zu derart kontroversen Diskussionen im deutschen Gesundheitswesen geführt wie die Einführung eines neuen Abrechnungs- und Kalkulationssystems in deutschen Krankenhäusern. Es handelt sich dabei um das System der G-DRG („German Diagnosis Related Groups“). Im Zuge des Gesundheitsreformgesetzes 2000 wurde mittels des am 1. Januar 2000 in Kraft getretenen § 17 b des Krankenhausfinanzierungsgesetzes (KHG) die Einführung eines fallpauschalenorientierten Entgeltsystems beschlossen. Die Selbstverwaltungspartner im Gesundheitswesen - die deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), die gesetzlichen Krankenkassen und der Verband der privaten Krankenversicherung, denen seitens des BMGS die Betreuung und Weiterentwicklung des Systems überlassen wurde, verständigten sich darauf, das in Australien verwendete AR-DRG-System mit erstmaliger Gültigkeit zum 1. Januar 2003 in Deutschland einzuführen. Zwecks Unterstützung der Selbstverwaltung bei der Einführung und Entwicklung des Systems wurde von den Partnern das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus gGmbH (InEK) gegründet.
Ziel der Umstellung auf eine vollständig fallpauschalenbasierte Finanzierung der Krankenhäuser ist nach den Erwartungen des Gesetzgebers eine Intensivierung des Wettbewerbs, Erschließung von Wirtschaftlichkeitsreserven sowie eine verbesserte Effizienz der benötigten Ressourcen.
Hiermit soll eine Minimierung der Kosten für Krankenhausbehandlungen und dadurch eine Stabilisierung des Beitragssatzes der Gesetzlichen Krankenversicherungen erreicht werden. Eine Intensivierung des Wettbewerbs bedeutet für viele Krankenhäuser häufig erstmalig, eine bessere Effizienz und Qualität liefern zu müssen als es andere erreichen.
Inhaltsverzeichnis
1 Fragestellung und Konzeption
2 Grundzüge von Diagnosis Related Groups
3 Historische Entwicklung
3.1 Entstehung von DRG-Systemen
3.2 DRG-System der Health Care Financing Administration (USA)
3.3 Refined Diagnosis Related Groups (USA)
3.4 All Patient Diagnosis Related Groups (USA)
3.5 All Patient Refined Diagnosis Related Groups (USA)
3.6 Australian National Diagnosis Related Groups
3.7 Australian Refined Diagnosis Related Groups
4 Systematik und Gruppierung der AR-DRGs
4.1 Grundlagen des AR-DRG-Systems
4.2 Gruppierungsprozess im AR-DRG-System
4.2.1 Zusammensetzung einer AR-DRG-Fallgruppe
4.2.2 Plausibilitätsprüfung der Patientendaten
4.2.3 Zuordnung der Hauptdiagnose
4.2.4 Zuordnung der Hauptdiagnosekennziffer
4.2.5 Zuweisung in die Partition
4.2.6 Schweregrad eines Behandlungsfalles
4.2.7 Bewertung des Ressourcenverbrauches einer Fallgruppe
4.2.8 Bewertung der Fallschwere eines Krankenhauses
5 Vom Optionsmodell zum einheitlichen G-DRG-System
5.1 Leistungsvergütung vor Einführung der DRGs
5.2 Einführung der DRGs in Deutschland
5.3 Anpassung: Optionsmodell 2003
5.4 Weiterentwicklung: 2004 und 2005
5.5 Auswirkungen auf das Krankenhausbudget
6 Anforderungen an die Kostenrechnung
6.1 Bisherige Gegebenheiten
6.2 Gegebenheiten nach der DRG-Einführung
6.3 Klinische Behandlungspfade
7 Perspektiven und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Einführung und Systematik der German Diagnosis Related Groups (G-DRG) in deutschen Krankenhäusern. Das primäre Ziel ist es, den Aufbau und die historische Entwicklung des DRG-Systems darzustellen, die Herausforderungen für das interne Rechnungswesen zu analysieren und Lösungsansätze für eine effiziente Krankenhausführung unter den neuen Abrechnungsbedingungen aufzuzeigen.
- Historische Entwicklung und Genese der DRG-Systeme (von den USA nach Australien und Deutschland)
- Systematik und Gruppierungsprozess des AR-DRG-Systems in der Version 4.1
- Transformation des deutschen Krankenhausfinanzierungssystems und die Konvergenzphase
- Notwendigkeit einer erweiterten betrieblichen Kosten- und Leistungsrechnung
- Bedeutung klinischer Behandlungspfade zur Kostenoptimierung und Qualitätssicherung
Auszug aus dem Buch
4.2.6 Schweregrad eines Behandlungsfalles
Letztlich ist nun noch die Zuordnung des Gesamtschweregrades des Behandlungsfalles vorzunehmen.
Jede im Zuge der Gruppierung des Behandlungsfalles relevante Diagnose, mithin die Hauptdiagnose und sämtliche Nebendiagnosen, welche während der Behandlung einen medizinischen bzw. ökonomischen Aufwand verursachten, ist hinsichtlich ihres Schweregrades unterschiedlich bewertet.
Das AR-DRG-System sieht eine Unterteilung der Diagnosen bei chirurgischen Fällen in fünf, im anderen Falle in vier Schweregradkategorien vor. Die Schweregrade der Diagnosen sind mit dem CCL-Wert (Clinical Complexity Level) bewertet.
Die CCL-Werte sind folgendermaßen eingeteilt:
CCL 0: keine Komplikation oder Komorbidität
CCL 1: leichte Komplikation oder Komorbidität
CCL 2: mäßig schwere Komplikation oder Komorbidität
CCL 3: schwere Komplikation oder Komorbidität
CCL 4: äußerst schwere Komplikation oder Komorbidität
Darst. 4: Übersicht über die CCL-Werte (Quelle: Eigene Darstellung)
Der CCL der einzelnen Diagnosen fällt im Hinblick auf die jeweilige Basis-DRG unterschiedlich hoch aus. Demnach wird jede Diagnose je nach abzurechnender DRG unterschiedliche Gesamtschweregrade auslösen. Der gesamte ökonomische Schweregrad des einzelnen Behandlungsfalles errechnet sich aus den CCLs sämtlicher Diagnosen unter Anwendung einer Glättungsformel.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Fragestellung und Konzeption: Dieses Kapitel erläutert die Einführung des DRG-Systems in Deutschland als Reaktion auf das Krankenhausfinanzierungsgesetz 2000 zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit.
2 Grundzüge von Diagnosis Related Groups: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Patientenklassifikation erläutert, die stationäre Fälle nach medizinischen und ökonomischen Kriterien in Fallpauschalen gruppiert.
3 Historische Entwicklung: Dieses Kapitel zeichnet die Entstehung der DRG-Systeme nach, ausgehend von den USA über die australische Weiterentwicklung bis hin zur Übernahme durch Deutschland.
4 Systematik und Gruppierung der AR-DRGs: Detaillierte Darstellung des technischen Prozesses, wie ein Behandlungsfall durch Diagnosen, Prozeduren und Schweregrade in eine spezifische DRG eingruppiert wird.
5 Vom Optionsmodell zum einheitlichen G-DRG-System: Analyse der Einführungsschritte in Deutschland vom Optionsjahr 2003 über die Konvergenzphase bis hin zur geplanten budgetären Angleichung.
6 Anforderungen an die Kostenrechnung: Erörterung der Notwendigkeit einer betrieblichen Kosten- und Leistungsrechnung, um die Anforderungen an die Kalkulationsverfahren der Selbstverwaltung zu erfüllen.
7 Perspektiven und Ausblick: Kritische Würdigung der zukünftigen Herausforderungen für Krankenhäuser durch den steigenden Kostendruck und die Rolle klinischer Behandlungspfade als Ausweg.
Schlüsselwörter
G-DRG, Diagnosis Related Groups, Krankenhausabrechnung, Fallpauschale, Kostenträgerrechnung, Gruppierung, Klinikmanagement, Konvergenzphase, Kodierrichtlinien, Fallschwere, Behandlungspfade, InEK, Budgetneutralität, Relativgewicht, Ressourcenverbrauch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das System der German Diagnosis Related Groups (G-DRG) und dessen Einführung als neues Abrechnungs- und Kalkulationsmodell in deutschen Krankenhäusern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Genese der DRGs, die Systematik der Gruppierung, der Wandel der Krankenhausfinanzierung in Deutschland sowie die neuen Anforderungen an das betriebliche Rechnungswesen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die fundierte Erläuterung der Funktionsweise des DRG-Systems und die Aufzeigung, wie Krankenhäuser ihre interne Kostenstruktur anpassen müssen, um im neuen wettbewerbsorientierten Vergütungssystem zu bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die deskriptive Darstellung von Prozessen und rechtlichen Rahmenbedingungen der DRG-Einführung unter Einbeziehung ökonomischer Kalkulationsmodelle.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der technischen Systematik des AR-DRG-Systems, die chronologische Einführung in Deutschland vom Optionsmodell bis zur Konvergenzphase sowie die notwendige Etablierung einer detaillierten Kostenträgerstückrechnung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
G-DRG, Fallpauschalen, Krankenhausfinanzierung, Kostenträgerrechnung, Gruppierung, Konvergenzphase und klinische Behandlungspfade.
Wie unterscheidet sich die Abrechnung ab 2005 von der budgetneutralen Phase?
Ab 2005 begann die prospektive Konvergenzphase, in der die krankenhausindividuellen Basisfallwerte schrittweise an bundeslandeinheitliche Preise angeglichen werden, anstatt sich rein am Vorjahreserlös zu orientieren.
Warum sind klinische Behandlungspfade für Krankenhäuser wichtig?
Sie dienen als Instrument zur Standardisierung von Behandlungsabläufen, um medizinisch notwendige Behandlungen effizienter zu gestalten und die Kosten innerhalb der durch die DRGs vorgegebenen Pauschalen zu minimieren.
- Quote paper
- Andre Dobelmann (Author), 2005, Das System der German Diagnosis Related Groups und dessen Einführung in der Krankenhausabrechnung in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46394