Schwarzarbeit in Deutschland - Ein unkontrollierbares Kontinuum im tertiären Sektor


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

20 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der primäre und sekundäre Sektor der deutschen Gesellschaft
2.1. Der tertiäre Sektor

3. Schwarzarbeit in Deutschland
3.1. Schwarzarbeit im Haushalt
3.2. Schwarzarbeit in öffentlichen Dienstleistungen
3.3. Schwarzarbeit im Baugewerbe

4. Maßnahmen zur Verhinderung von Schwarzarbeit

5. Fazit

6. Literaturnachweis

7. Eigenständigkeitserklärung

1. Einleitung

Viele Soziologen dürften sich diese Frage gestellt haben: „In welcher Gesellschaft leben wir eigentlich?“. Zur Beantwortung dieser Frage gibt es zahlreiche Antwortmöglichkeiten wie beispielsweise Spassgesellschaft, Konsumgesellschaft, Risikogesellschaft (U.Beck), Wissensgesellschaft, Informationsgesellschaft oder auch Dienstleistungsgesellschaft (J.Fourastié )

„Die wirtschaftliche Entwicklung wird einen tertiären Weltwandel immer notwendiger machen.“ (Fourastié 1969: 211) So erklärte der französische Ökonom Jean Fourastié die Entwicklung des tertiären Sektors.

Es heißt weiter, unsere Gesellschaft wandle sich immer mehr zu einer Dienstleistungsgesellschaft, da in Deutschland die Anzahl der sozialen Dienstleistungen stetig steigt. In diesem Zusammenhang sagte Luhmann „Nächstenliebe ist OUT!“ (Luhmann 1973: 36). Soziale Dienste, die früher als Nachbarschaftshilfe angeboten wurden, werden nun bezahlt.

Auf Grund des Booms der Dienstleistungsgesellschaft steigen auch die Zahlen der Schwarzarbeiter, die eine „schnelle Mark“ machen wollen. Im Haushalt wird die Putzfrau nicht angemeldet oder die Enkelin pflegt die Großmutter und erhält das Pflegegeld.

Diese Arbeit soll sich mit Schwarzarbeit in Dienstleistungen beschäftigen, wie sie entsteht und verhindert werden kann. Daher wird zunächst explizit auf die Gesellschaft und ihre Sektoren eingegangen, um darauf folgend auf die Dienstleistungen einzugehen.

Ferner gibt es einen Einblick in den Bereich der Schwarzarbeit in Deutschland. Hierbei wird auf die Entstehung und die Verhinderung dieser eingegangen, sowie Beispiele gegeben.

Schließlich werden im Fazit Zukunftsaussichten sowie argumentatorische Erläuterungen zu finden sein.

2. Der primäre und sekundäre Sektor der deutschen Gesellschaft

Unsere Gesellschaft wird, wie der Name der „Drei-Sektoren-Hypothese“ schon vermuten lässt, in drei Sektoren aufgeteilt (Rohstoffgewinnung, Rohstoffverarbeitung, Dienstleistung), deren Schwerpunkte sich im Laufe der Zeit verlagern. Das Modell soll die Entwicklung von der Agrargesellschaft hin zu Informationsgesellschaft aufzeigen. Die Gründungsväter, dieser in der Volkswirtschaftslehre entstandenen Hypothese, waren C. Clark (1952) und Jean Fourastié (1954)[1], aber schon Allan B. G. Fisher war 1939 ein Vorreiter dieser Theorie[2]. Für Fourastié ist der Wandel der Gesellschaft vom primären über den sekundären, hin zum tertiären Sektor durchaus positiv.

Nun soll explizit auf die „Drei Sektoren Hypothese“ von Fourastié eingegangen werden. Zunächst teilt Fourastié die Gesellschaft in drei Sektoren auf. In den primären Sektor (Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, Energie Wasserversorgung, Bergbau), den sekundären Sektor (Industrie, Baugewerbe) und in den tertiären Sektor (übrige Wirtschaftsabteilungen, Dienstleistungen) (Häußermann/Siebel 1995: S.22).

Nach Fourastié ist in der Gesellschaft ein Strukturwandel zu verzeichnen, der in drei Schritte eingeteilt werden kann. Da wäre zunächst die Traditionelle Zivilisation. Hierbei arbeiten 70 % der Beschäftigten im primären, 20 % der Arbeitenden im sekundären und nur 10 % im tertiären Sektor. Diese Gesellschaft entsprach „europäischen Staaten im Mittelalter und war „wissenschaftlich gesehen noch nicht weit entwickelt“. Maschinen kamen in der Produktion selten zum Einsatz. Die zweite Phase nennt Fourastié die Übergangsperiode. Die meisten Beschäftigten arbeiteten hier im sekundären Sektor (50 %). Die Zahlen des primären Sektors gingen rapide zurück (20 %) und die Beschäftigungszahlen des tertiären Sektors stiegen von 10 % auf 30 %. Beispielsweise in der Landwirtschaft wurden in dieser Zeit Maschinen eingesetzt, die im sekundären Sektor produziert werden mussten. Die Folge war die Rationalisierung der Arbeitsplätze, die von Maschinen ersetzt wurden. Fourastié setzt die Entwicklung der Übergangsphase mit der Entstehung der Industrialisierung gleich, die mit einer erhöhten Nachfrage von Maschinen und der Fließbandarbeit einhergeht. Die dritte und letzte Phase, die Fourastié beschreibt bezeichnet er als tertiäre Zivilisation. Die Hauptbeschäftigungszahlen hat in dieser Phase der tertiäre Sektor zu verzeichnen (70%). Die Zahlen des primären Sektors sinken auf 10% und die des sekundären Sektors auf 20 %1.

Die beiden ersten Sektoren (primär und Sekundär) stehen für die Produktion von Gütern, wobei der sekundäre Sektor ein hohes Rationalisierungspotential aufweißt, wodurch mehr Produkte mit weniger Menschen produziert werden können. Dadurch werden Stellen von Arbeitern reduziert, die ihren neuen Platz in den Dienstleistungen finden, da diese nur durch „Menschenhand“ ausgeführt werden können. Nach Fourastié wird der Bedarf an Produkten aus dem sekundären Sektor ansteigen, da viele verschiedene Produkte ohne großen Aufwand produziert werden können. Für Fourastié ist auch der tertiäre Sektor ein Produktionssektor, allerdings einer mit geringer Arbeitsproduktivität[3]. Das heißt, im tertiären Sektor kann keine Überproduktion entstehen, da das niedrige Rationalisierungspotential es verhindert (Fourastié 1969). Unter dem soeben genannten „Rationalisierungspotential“ wird die Tatsache verstanden, dass beispielsweise in Dienstleistungen Produkte nicht auf Vorrat gefertigt werden können, wobei es im sekundären Sektor der Fall ist.

Es gibt natürlich nicht nur Optimisten, wie Fourastié, die sich für die Dienstleistungsgesellschaft aussprechen, sondern auch Pessimisten wie den Sozialwissenschaftler Christian Girschner. Er schrieb 2003 das buch „Die Dienstleistungsgesellschaft - Zur Kritik einer fixen Idee“ in dem er die Begriffe „Dienstleistung“ und „Dienstleistungsgesellschaft“ als Allerweltsfloskeln tituliert, die nur verwendet werden, wenn ein Allheilmittel für soziale Krisenbereiche gesucht wird. Keiner wisse genau, was Dienstleistungen eigentlich seien. Die Dienstleistungsgesellschaft sei schlichtweg eine sozialwissenschaftliche Fiktion, wobei der Dienstleistungssektor nicht steigt, sondern sinkt[4].

„Während Industrie und verarbeitendes Gewerbe zurückgehen, nimmt der Bereich der Dienstleistungen zu“(Schulte in Mangold 1998: 147).

2.1. Der tertiäre Sektor

Die Technologie entwickelt sich stets weiter und somit entsteht die Nachfrage nach „neuen Tätigkeitsfeldern“ in den Berufen (Schulte in Mangold 1998: 147). „Gaststätten, Hotelgewerbe, Krankenhäuser, Haushaltstätigkeiten, Kinder- und Altenbetreuung oder Reparaturarbeiten an Gebäuden oder Häusern sind nur einige Bereiche“, in denen Dienstleistungen ausgeführt werden. Der Trend zu Singlehaushalten und der demographische Wandel der Gesellschaft, das heißt das immer älter werden der Bevölkerung, tragen einen großen Beitrag zum Boom der Dienstleistungen bei. In Deutschland sind über 60% der Beschäftigten in Dienstleistungen tätig, wobei die Zahl ständig steigt (Nerdinger in Spieß 1998: 81).

Dienstleistungen (DL) werden in Sektoren eingeteilt. Zunächst gibt es die produktionsbezogenen DL wie Versicherung, Reinigung, Rechtsberatung, Wohnungswesen, Vermietung und viele andere. Des Weiteren werden DL in distributive (Einzelhandel, Eisenbahn, Schifffahrt), konsumbezogene (Gaststätten, Medien, Fotografie), soziale (Schulen, Kinder- und Altenheime) und staatliche (Sicherheit, Ordnung, Verteidigung) Dienstleistungen unterteilt[5].

Ferner gibt es zwei Formen von Dienstleistungen. Zum einen die direkt bezogenen, worunter beispielsweise die Massage oder der Frisörbesuch zu verstehen sind und die indirekt bezogenen Dienstleistungen. Indirekt bezogene Dienstleistungen sind in der Gastronomie zu finden. Hierbei wird der Kellner für die guten Künste des Kochs bezahlt. Ein weiteres Bespiel wäre der Besuch beim Arzt, denn zunächst bezählt der Kunde nicht den Arzt für deine Dienstleistung, sondern die Krankenkasse und diese bezahlt schließlich den Arzt.

Wichtig bei Dienstleistungen ist es, dass sie auf dem „uno-actu-Prinzip beruhen“. Das heißt, „Produktions- und Konsumtionsprozess fallen räumlich und zeitlich zusammen“ (Nerdinger 1994: 81). Der direkte Kontakt zwischen Kunde und Dienstleister ist Voraussetzung für Kooperation. Möchte beispielsweise ein Kunde von einem Frisör die Harre geschnitten bekommen, so müssen beide zur gleichen Zeit am gleichen Ort sein, um die Dienstleistung zu vollziehen.

Ferner kennzeichnen die drei KO’s Dienstleistungen. Die Anwesenheit (Ko-Präsenz), die Zusammenarbeit (Ko-Produktion) und die Kommunikation. Dienstleistungen sind eine spezifische Form von Interaktionsarbeit.

Dienstleistungen sind nicht lagerbar, allerdings exportierbar, was auf dem Weltmarkt eine große Rolle spielt. Beispielsweise importieren Amerikaner tertiäre Güter, da diese günstiger als in ihrem Land sind. Dies geschieht häufig „in Form von internationalen Handelsdiensten (internationales Bank- und Versicherungswesen, Schifffahrt). Fourastié bezeichnet diese Dienstleistungen als kollektiv und anwendbar in „freien Berufen“. Weitere tertiäre Dienstleistungen, die exportierbar sind, können in Fluggesellschaften gefunden werden, die ausländische Mitarbeiter (Piloten, Stewardessen) beschäftigen. Exportierbare Dienstleistungen sind ferner im Bauwesen und der Schifffahrt möglich. Personal kann hierbei aus ärmeren Ländern importiert werden, um Kosten zu sparen. Viele Menschen bieten ihre Dienstleistungen Firmen an, deren Land einen höheren Lebensstandard aufweist (Saisonarbeiter) (Fourastié 1969: 209 ff).

Ferner weisen Dienstleistungen eine „Inhomogenität“ auf, da das Ergebnis stets variiert, auch wenn die Herangehensweise immer die gleich ist.

Es darf auch bei einem regelrechten Boom von Dienstleistungen, nicht von einem „Ende der Industriegesellschaft“ gesprochen werden, da „ohne den industriellen Bereich die Dienstleistungen keine Zukunft“ hätten (Schulte in Mangold 1998: 148). Industrie und Dienstleistungen müssen zusammenarbeiten – „neue Produkte durch innovative Konsum- und Investitionsgüter“ entstehen, damit „qualitativ hochwertige Dienstleistungen“ gewährleistet werden können“ (Schulte in Mangold 1998: 148).

Der Sektor Dienstleistungen gilt häufig als Ausweg aus der Arbeitslosigkeit. Herr Schulte fordert für eine Realisierung „Innovationen und Investitionen zur Entwicklung internationalwettbewerbsfähiger Güter und Dienstleistungen (Schulte in Mangold 1998: 149). Natürlich dürfen die fehlenden Arbeitsplätze jetzt nicht nur im Dienstleistungsbereich gesucht werden. Es gilt, die bereits vorhandene Arbeit in anderen Bereichen sinnvoll zu verteilen, um die Arbeitslosigkeit zu verteilen.

Weiterführend soll nun ein großes Thema angeschnitten werden, das hier unvermeidbar ist – die Dienstleistungslücke. Wissenschaftler behaupten, dass im tertiären Sektor eine Dienstleistungslücke entsteht. Das heißt, dass Dienstleister fehlen, die die stetig nachfragen Dienstleistungen ausführen. Wird diese Tatsache genauer beleuchtet, so kann festgestellt werden, dass diese Aussage allein aus statistischen Problemen herrührt. Arbeitet beispielsweise eine Putzfrau bei Opel, so leistet sie eine Dienstleistung ab. Da Opel allerdings in der Produktion tätig ist und die Putzfrau dort angestellt ist, wird sie statistisch in den sekundären Sektor aufgenommen und nicht in den tertiären.

Soziostrukturelle Veränderungen, wie beispielsweise die steigende Lebenserwartung oder die steigende Frauenerwerbsarbeit, führen zu einer Zunahme des Dienstleistungsbedarfs, wobei dementsprechend die Dunkelziffer der Schwarzarbeiter in Deutschland auch steigt.

3. Schwarzarbeit in Deutschland

Den Begriff Schwarzarbeit kennt heute jeder. Es ist ein Begriff, der jene Tätigkeiten erfasst, die beispielsweise nach der beruflichen Tätigkeit entgeltlich ausgeführt werden, oder illegal hauptberuflich, vorbei an staatlichen Abgaben (Lohnsteuern, Sozialversicherungsabgaben)[6].

Die Frage, die hier gestellt werden muss ist, warum Schwarzarbeit für Unternehmer so attraktiv ist? Schwarzarbeit verzeichnet in Deutschalnd einen regelrechten Boom, da viele sich einen Vorteil daraus versprechen. Der Vorteil besteht häufig darin, Steuern zu sparen und baren Lohn zu erhalten.

Ein Teil der schwarz Beschäftigten bezieht Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe und geht nebenbei einer Tätigkeit nach. Das dabei zusätzlich verdiente Geld wird nicht staatlich abgesetzt, sondern illegal verwendet und ausgegeben.

Schwarzarbeit wirkt sich negativ auf die Wirtschaft aus, da Unternehmer, die sich an die rechtlichen Vorschriften des Staates halten, sich den „Dumpingpreisen“ der Schwarzarbeiter nicht beugen können. Der Schaden lag 2004 bei 474,4 Millionen Euro[7].

Eine Studie der dänischen Rockwool Stiftung stellte fest, dass der allgemeine Trend zur Schwarzarbeit sinkt. Vom Jahr 2001 bis zum Jahr 2003 reduzierte sich der Prozentsatz um ¼ auf 3,1 %. Allerdings stieg der Prozentsatz der Schwarzarbeit im Baugewerbe von 29 % (2001) auf 49 % (2003)[8].

[...]


[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Drei-Sektoren-Hypothese abgefragt am.3.10 2005 um 17.28 Uhr.

[2] http://www.schader-stiftung.de/gesellschaft_wandel/442.php abgefragt am 3.10.2005 um 12.25 Uhr.

[3] Arbeitsproduktivität wird hier als Arbeitsergiebigkeit, als Verhältniszahl des Produktionswertes und damit der Wertschöpfung im Hinblick auf die eingesetzte Arbeitsmenge definiert. (http://www.schader-stiftung.de/gesellschaft_wandel/442.php abgefragt am 2.10.2005 um 19.20 Uhr.)

[4] http://www.papyrossa.de/dienstleistung.htm abgefragt am 31.08.2005 um 14.37 Uhr.

[5] http://www.imo-institut.de/download/tourismusbericht/Anhang1-3.pdf abgefragt am 10.09.2005 um 12.30 Uhr.

[6] http://www5.citeq.de/20/probuerger/public/produkt_detail.cfm?Produkt_ID=984 abgefragt am 30.08.2005 um 10.36 Uhr.

[7] http://www.schwarzarbeiter.de/ abgefragt am 29.08.2005 um 12.54 Uhr.

[8] http://www.schwarzarbeiter.de/modules.php?name=News&file=article&sid=139 abgefragt am 29.08.2005 um 13.20 Uhr.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Schwarzarbeit in Deutschland - Ein unkontrollierbares Kontinuum im tertiären Sektor
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Einführung in die AWI
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
20
Katalognummer
V46397
ISBN (eBook)
9783638435956
ISBN (Buch)
9783638763882
Dateigröße
795 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schwarzarbeit, Deutschland, Kontinuum, Sektor, Einführung
Arbeit zitieren
B.A. Sonja Pawlowski (Autor), 2005, Schwarzarbeit in Deutschland - Ein unkontrollierbares Kontinuum im tertiären Sektor, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46397

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