Die Hausarbeit untersucht Hassrede im Online-Bereich, wobei der Fokus auf Facebook, einer der beliebtesten Plattformen, liegt. Dabei wird auch auf Gegenrede und auf mögliche Einflussfaktoren eingegangen. Die Arbeit klärt zunächst wichtige Begriffe und führt bisherige theoretische Erkenntnisse in diesem Bereich auf. Anschließend werden das methodische Vorgehen dieser Forschung und die daraus resultierenden Ergebnisse behandelt. Ziel der vorliegenden Arbeit wird es sein, herauszufinden, wie Facebook-Nutzer auf Hatespeech reagieren. Hierfür werden Einflussfaktoren wie die Bystanderzahl oder das Vorhandensein eines Normappells zur genaueren Beschreibung herangezogen.
Seit Flüchtlinge vermehrt nach Deutschland kommen, um vor Krieg und Verfolgung zu fliehen, dienen die sozialen Netzwerke immer häufiger als Plattformen des Austauschs, der Diskussionen, aber auch der Hetze. Jeder hat eine Meinung, macht sich Sorgen, oder will seinen Hass nach außen tragen. Nutzer dieser sozialen Medien treffen dabei häufig auf eindeutig rassistische und fremdenfeindliche Äußerungen und Kommentare, manche sind auch selbst diejenigen, die diese verbreiten. Auch Rechtsextreme und deren Anhänger versuchen in Sozialen Netzwerken, das Meinungsklima gegenüber der Flüchtlinge negativ zu beeinflussen, indem sie gezielt rechtsideologisch geprägtes Gedankengut propagieren.
Durch die hohen Einwanderungszahlen regt sich in so manchem Bürger Zweifel und Ungewissheit über die Zukunft und genau dies nutzen die ‚Hetzer‘ aus. Rechtsextreme Ausdrucksweisen verbreiten sich und rassistische Posts werden geteilt. Im Extremfall kann dies zu expliziter körperlicher Gewalt werden, nicht online, sondern offline. Am Beispiel der rassistischen Hetze in Clausnitz, wo Anfang 2016 eine wütende Menschenmenge vor einem Bus mit neu angekommen Flüchtlingen Parolen wie „Wir sind das Volk“ und „Haut ab!“ brüllte, wird deutlich, wie ausgeprägt die tatsächlichen rassistischen Handlungen in Deutschland sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Begriffsklärungen
2.1.1 Hatespeech
2.1.2 Counterspeech
2.2 Aktueller Forschungsstand
2.2.1 Der Bystander-Effekt
2.2.2 Soziale Identität
2.2.3 Ableitung der Hypothesen
3. Methodisches Vorgehen
3.1 Experimentelle Befragung
3.2 Design des Fragebogens und Messung
3.3 Stichprobe, Rekrutierung und Feldphase
4. Ergebnisse
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Reaktionsverhalten von Facebook-Nutzern auf Hatespeech. Ziel der Studie ist es, auf Basis des Bystander-Effekts und der Theorie der sozialen Identität zu analysieren, welche Faktoren, insbesondere die Anzahl der Bystander sowie vorhandene Normappelle, die Bereitschaft zur Gegenrede (Counterspeech) beeinflussen.
- Analyse des Einflusses der Bystanderzahl auf die Interventionsbereitschaft.
- Untersuchung der Rolle von sozialer Identität und Gruppennormen bei Hatespeech.
- Experimentelle Erforschung von Counterspeech auf Facebook.
- Identifikation von Hemmschwellen bei Online-Hassrede.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Der Bystander-Effekt
Als Grundlage der Bystander-Theorie gilt John M. Darleys und Bibb Latanés Forschung von 1968 in diesem Bereich. In ihrer ersten Studie definieren sie den Begriff des „Bystander-Effekts“ indem sie sagen, dass „ die Wahrscheinlichkeit dafür, dass eine beliebige Person in einer Notsituation hilft, in dem Maße abnimmt, wie die Anzahl der anderen Anwesenden zunimmt“ (Levine & Manning, 2008, S. 367). Als mögliche Ursache für dieses Phänomen gilt die ‚Verantwortungsdiffusion‘, welche besagt, „dass in Notfällen das Gefühl, für die Hilfe verantwortlich zu sein, bei jedem Zuschauer umso stärker abnimmt, je mehr die Zahl der Zuschauer zunimmt“ (ebd., S. 371). Wenn also mehrere Menschen Zeugen einer Notfallsituation wären, würde sich demzufolge niemand aufgefordert fühlen, in das Geschehen einzugreifen, weil genug andere Leute da sind, die auch helfen könnten.
Die Kosten, die das Helfen mit sich bringen würde, zum Beispiel die Gefährdung des eigenen physischen Wohlbefindens oder eine Blamage, werden als Hindernis angesehen, aktiv zu werden. Letztendlich würde dies dazu führen, dass niemand in die Notsituation eingreift (ebd.). Als weiterer Einflussfaktor dafür, ob jemand eingreift oder nicht, gilt die ‚Bewertungsangst‘ durch ein Publikum. Durch andere Anwesende wird sich der potentielle Helfer darüber bewusst, dass der Eingriff in die Situation beobachtet wird. „Dies führt zu Stress, der wiederum die individuelle Wahrscheinlichkeit eines Eingriffs senkt, vor allem in unvertrauten Situationen, in denen sich der individuelle Zuschauer unsicher ist, was er tun soll oder ob sein Eingriffsversuch erfolgreich sein wird“ (ebd.). Der potentielle Helfer macht sich in diesem Fall darüber Gedanken, ob er die Situation vielleicht missinterpretiert hat und würde mit einem Eingreifen riskieren, sich vor den anderen Anwesenden zu blamieren (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Zunahme rassistischer Hetze in sozialen Netzwerken und definiert das Forschungsziel, die Reaktion von Nutzern auf Hatespeech auf Facebook zu untersuchen.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel klärt die Kernbegriffe Hatespeech und Counterspeech und erläutert psychologische Theorien wie den Bystander-Effekt sowie das Konzept der sozialen Identität als Erklärungsmodelle.
3. Methodisches Vorgehen: Hier wird das experimentelle Forschungsdesign beschrieben, das mithilfe von Online-Fragebögen und manipulierten Facebook-Stimuli Daten zur Interventionsbereitschaft von Nutzern erhebt.
4. Ergebnisse: Die Ergebnisse präsentieren die statistische Auswertung der fünf Hypothesen, wobei insbesondere der signifikante Zusammenhang zwischen Bystanderzahl und der Äußerung von Counterspeech hervorgehoben wird.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Diskrepanzen zwischen den erhobenen Daten und existierenden Theorien zusammen und diskutiert Limitationen sowie Ansätze für zukünftige Forschung.
Schlüsselwörter
Hatespeech, Counterspeech, Bystander-Effekt, Soziale Identität, Facebook, Online-Hetze, Gruppennorm, Interventionsbereitschaft, Verantwortungsdiffusion, Experimentelle Befragung, Flüchtlingskrise, Cybermobbing, Soziale Netzwerke, Nutzerverhalten, Normappell.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verhalten von Facebook-Nutzern, wenn diese mit Hatespeech konfrontiert werden, und analysiert die psychologischen Faktoren, die ihre Bereitschaft zur Gegenrede beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Verbreitung von Hassrede in sozialen Netzwerken, die Dynamik von Online-Interventionen durch Zuschauer sowie die Rolle von Gruppenidentität und sozialen Normen.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das primäre Ziel ist herauszufinden, wie die Anzahl der anwesenden Beobachter (Bystander) und der Einsatz von Normappellen die Wahrscheinlichkeit beeinflussen, dass ein Nutzer aktiv gegen Hatespeech vorgeht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine experimentelle Online-Befragung mit N=198 Teilnehmern durchgeführt, bei der ein 2x3-faktorielles Design genutzt wurde, um Reaktionen auf variierte Facebook-Posts zu messen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, wie den Bystander-Effekt, die Beschreibung des methodischen Aufbaus der Online-Umfrage und die Darstellung der empirischen Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Hatespeech, Counterspeech, Bystander-Effekt, soziale Identität und Interventionsbereitschaft.
Warum wurde eine studentische Facebook-Gruppe als Kontext gewählt?
Die studentische Gruppe wurde gewählt, um die sichtbare Anzahl der Beobachter (Bystander) natürlich wirken zu lassen und um die Untersuchung eines Gruppennorm-Einflusses besser operationalisierbar zu machen.
Wurde der Bystander-Effekt in dieser Studie bestätigt?
Teilweise: Während die Wahrscheinlichkeit für Counterspeech mit steigender Bystanderzahl abnahm, stieg die generelle Reaktionswahrscheinlichkeit wider Erwarten an.
Welche Rolle spielt der sogenannte „Normappell“?
Der Normappell diente als experimentelle Variable innerhalb des Stimulus, um zu prüfen, ob direkte Ansprachen an die Verantwortung als Gruppenmitglied die Interventionsbereitschaft erhöhen.
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- Magdalena Pfitzmaier (Autor), 2017, Hatespeech und Counterspeech im Netz. Hintergründe und Einflussfaktoren, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464115