Die Nutzung von Fitness-Apps und Gruppenfitness. Welche Motivationsunterschiede gibt es?


Bachelorarbeit, 2017

64 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

II Abkürzungsverzeichnis

III Abbildungsverzeichnis

IV Diagrammverzeichnis

V Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Einführung in die Thematik
1.2 Literaturüberblick und Zielsetzung der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit

2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Selbstbestimmungstheorie
2.1.1 Intrinsische Motivation und die Cognitive Evaluation Theorie
2.1.2 Extrinsische Motivation und die Organismic Integration Theorie
2.2 Entwicklung und Vorstellung der Hypothesen

3 Methodik
3.1 Auswahl der Forschungsmethode und Aufbau des Fragebogens
3.2 Grundgesamtheit und Stichprobenverteilung

4 Ergebnisse
4.1 Analyse der Ergebnisse
4.1.1 Ergebnisse für das Gruppenfitness Piloxing ®
4.1.2 Ergebnisse für die Fitness-App Freeletics

5 Schlussfolgerung
5.1 Diskussion der Ergebnisse
5.2 Grenzen und Implikationen der Untersuchung

VI Literaturverzeichnis

VII Anhangsverzeichnis

VIII Anhänge

Abstract

Die vorliegende Arbeit untersucht die Motivationsunterschiede zur Betätigung im Sport anhand der Fitness-App Freeletics und des Gruppenfitness Piloxing ® basierend auf der Selbstbestimmungstheorie. Dazu wurden 139 Nutzer der Fitness-App Freeletics und 79 Nutzer des Gruppenfitness Piloxing ® im Alter von 17 Jahren bis 64 Jahren befragt. Für die Datenanalyse wurden die Mittelwerte und Standardabweichungen berechnet sowie eine Varianzund eine Korrelationsanalyse durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass es bei beiden Trainingsarten keine signifikanten geschlechtertypischen Unterschiede gibt. Des Weiteren konnte ein partieller Zusammenhang zwischen den Trainingshäufigkeiten und selbstbestimmteren Formen der Motivation für beide Trainingsarten festgestellt werden. Schließlich legen die Resultate des Gruppenfitness Piloxing ® , anders als bei der Fitness-App Freeletics, dar, dass die intrinsische Motivation nicht mit dem Alter steigt. Bei der Fitness-App konnte hier ein positiver Zusammenhang identifiziert werden.

II Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

III Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Ansicht Workout ,ATHENA"

Abbildung 2: Korrekte AusfUhrung der Ubung ,Squats"

Abbildung 3: Kontinuum der Selbstbestimmungstheorie

IV Diagrammverzeichnis

Diagramm 1: Anzahl der Trainingshäufigkeiten mit Piloxing ®

Diagramm 2: Anzahl der Trainingshäufigkeiten mit Freeletics

Diagramm 3: Vergleich der Mittelwerte der Regulationen zwischen den Geschlechtern Piloxing ®

Diagramm 4: Zusammenhang zwischen den Häufigkeiten und Mittelwerten der externen Regulation Piloxing ®

Diagramm 5: Zusammenhang zwischen den Häufigkeiten und Mittelwerten intrinsischer Motivation Piloxing ®

Diagramm 6: Zusammenhang zwischen dem Alter und Mittelwerten der Amotivation Piloxing ®

Diagramm 7: Zusammenhang zwischen dem Alter und Mittelwerten der integrierten Regulation Pil oxing ®

Diagramm 8: Vergleich der Mittelwerte der Regulationen zwischen den Geschlechtern Freeletics

Diagramm 9: Zusammenhang zwischen den Häufigkeiten und Mittelwerten der identifizierten Regulation Freeletics

Diagramm 10: Zusammenhang zwischen den Häufigkeiten und Mittelwerten intrinsischer Motivation Freeletics

Diagramm 11: Zusammenhang zwischen dem Alter und Mittelwerten der introjizierten Regulation Freeletics

V Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Allgemeines Ranking der Regulationen für Piloxing ®

Tabelle 2: Auflistung der Korrelationskoeffizienten der Häufigkeiten Piloxing ®

Tabelle 3: Auflistung der Korrelationskoeffizienten des Alters Piloxing ®

Tabelle 4: Allgemeines Ranking der Regulationen für Freeletics

Tabelle 5: Auflistung der Korrelationskoeffizienten der Häufigkeiten Freeletics

Tabelle 6: Auflistung der Korrelationskoeffizienten des Alters Freeletics

1 Einleitung

In diesem Kapitel wird der Leser in die Thematik eingeführt und an die Ziele dieser Arbeit herangeführt. Zur Vereinfachung wird in der folgenden Arbeit nur die männliche Form genutzt. Dies stellt keine Diskriminierung dar.

1.1 Problemstellung und Einführung in die Thematik

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist das Fehlen von physischer Aktivität ein hoher Risikofaktor für nicht übertragbare Krankheiten wie Schlaganfall, Diabetes oder Krebs. Des Weiteren verbessern physische Tätigkeiten die kardiorespiratorische und muskuläre Fitness, hilft das Gewicht zu halten, verringert das Risiko eines Herzinfarktes und an Depression zu erkranken (WHO 2017a). Insgesamt 3% aller Todesfälle sind auf zu geringe körperliche Tätigkeiten zurückzuführen (WHO 2017c, S. 22). Körperliche Aktivität wird definiert als „any bodily movement produced by skeletal muscles that requires energy expenditure“ (WHO 2017a), also als jede körperliche Bewegung, welche durch Skelettmuskeln produziert wird und die Energieaufwand erfordert. In der Altersklasse 18 Jahre bis 64 Jahre sollten sich Erwachsene entweder mindestens 150 Minuten pro Woche mäßig körperlich betätigen oder mindestens 75 Minuten, wenn sie sich mit höherer Intensität körperlich betätigen (WHO 2017a). Körperliche Tätigkeiten im Erwachsenenalter umfassen Sportaktivitäten in der Freizeit, z. B. Tanzen oder Wandern, Aktivitäten für die Beförderung, z. B. Laufen oder Fahrrad fahren, oder auch das Training zu Hause oder im Fitnessstudio (WHO 2017a). Die Vorteile für aktivere Menschen sind ein geringeres Sterberisiko, niedrigerer Blutdruck, geringeres Risiko an koronaren Herzkrankheiten sowie ein geringeres Risiko an einer Hüftoder Wirbelfraktur zu erleiden (WHO 2017a). Weltweit treiben Menschen viel zu wenig Sport. Laut einer Statistik aus dem Jahr 2010 treiben global 23% der Erwachsenen ab 18 Jahren zu wenig Sport. Bei Teenagern zwischen 11 Jahren bis 17 Jahren sind es sogar 81% (WHO 2017b). Des Weiteren zeigt die WHO, dass im Jahr 2016 39% der über 18-Jährigen übergewichtig sowie 13% derselben fettleibig waren (WHO 2017d). Daraus lässt sich entnehmen, dass zumindest die physische Aktivität mit dem Alter zuzunehmen scheint. Dies ist jedoch nicht mit der „Health Behaviour in SchoolAged Children“-Studie (HBSC) kongruent. Diese Studie, die eine kollaborative grenzüberschreitende Studie der WHO ist, veröffentlicht alle vier Jahre Informationen zu den Themen Gesundheit, Wohlbefinden, soziales Umfeld sowie Gesundheitsverhalten. Die aktuelle Studie der HBSC, welche die Jahre 2013/2014 betrifft, wurde im Jahr 2016 veröffentlicht. Aus diesem Report lässt sich entnehmen, dass lediglich 9% der 15-jährigen Mädchen in Deutschland mindestens 60 Minuten am Tag mäßige bis starke körperliche Aktivität betrieben haben (WHO 2016, S. 137). Bei den 13Jährigen sind es 12% und bei den 11-jährigen Mädchen sogar 16% (WHO 2016, S. 136-137). Bei den 15-jährigen Jungen in Deutschland waren es 16%, bei den 13-Jährigen 17% und bei den 11-Jährigen sogar 25% (WHO 2016, S. 136-137). Eine andere Studie der Statista gibt an, dass 21,4 Millionen Deutsche besonders und 26,1 Millionen mäßig an Sport interessiert sind (Statista 2017a). Daraus lässt sich schließen, dass ca. 27% (eigene Berechnung) der Deutschen keinen oder nur wenig Sport treiben, was mit der Statistik der WHO übereinstimmt. Um Erwachsene und auch Kinder zu vermehrter physischer Aktivität zu überzeugen, ist es äußerst wichtig die Motivationen hinsichtlich körperlicher Tätigkeit und sportlicher Betätigung zu kennen. Aus diesem Grund beschäftigt sich diese Arbeit einerseits mit der Motivation zur Betätigung im Sport bzw. um zu Trainieren.

Andererseits sind in der heutigen Zeit, in welcher fast jeder ein Smartphone besitzt, Apps nicht mehr wegzudenken. Laut einer Studie der IHS sollten die globalen App-Installationen im Bereich Sport und Fitness in den Jahren 2012 bis 2017 um 63% steigen (IHS 2013). Dies zeigt, welches Ausmaß Fitness-Apps bereits haben. Unter all diesen Apps befindet sich jedoch eine Fitness-App, die besonders heraussticht: Freeletics. Allein die weltweiten Umsatzzahlen vom Google Playstore für den September dieses Jahres sind beachtlich. Diese betrugen nach Angaben von Statista 244.000 USD (Statista 2017b). Freeletics ist eine Fitness-App, die wiederum in verschiedene Kategorien unterteilt ist. Es gibt die Freeletics Bodyweight- App, die Freeletics Running- App, die Freeletics Gym -App und schließlich die Freeletics Nutrition- App. Je nachdem welche App man besitzt, zielt das Training darauf ab, entweder mit seinem eigenen Körpergewicht oder im Fitnessstudio zu trainieren, seine Laufgeschwindigkeit und Distanz beim Joggen zu verfolgen oder Ernährungstipps zu erhalten. Das Training kann alleine zu Hause, im Fitnessstudio oder zusammen mit anderen Freeathleten (Name der Nutzer von Freeletics) im Freien und in einem Zeitfenster von 10 Minuten bis 30 Minuten absolviert werden. Die App umfasst 140 Übungen und 900 verschiedene Workout-Variationen (Freeletics 2017). Dabei werden die Übungen, die Anzahl der Wiederholungen und die korrekte Ausführung der Übung in der App angezeigt. Ein Beispiel ist das Workout „ATHENA“ und die Übung „Squats“. Wie diese in der App angezeigt werden, kann aus Abbildung 1 und Abbildung 2 entnommen werden.

Abbildung 1: Ansicht Workout „ATHENA“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigener Screenshot von der App

Abbildung 2: Korrekte Ausführung der Übung „Squats“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigener Screenshot von der App

Da es noch keine bekannte Arbeit über das Motivationsverhalten von Nutzern gibt, die mit Freeletics trainieren, soll diese Fitness-App Teil dieser Arbeit sein. Ein weiterer Fitnesstrend, der in den letzten Jahren im Kommen ist, ist Piloxing ®, welches im Gegensatz zur Fitness-App, als Gruppenfitness in einem Fitnessstudio ausgeführt wird. Piloxing ® ist eine Kombination aus den Elementen von Pilates, Boxen und Tanz, wobei beim Training spezielle Handschuhe mit einem Gewicht von 250g pro Handschuh trainiert wird. Es ist ein hochintensives Intervalltraining, wodurch vor allem das Herz-Kreislauf-System verbessert wird, bis zu 1200 Kalorien in der Stunde verbrannt werden und Muskeln aufgebaut und definiert werden können (Piloxing® 2017). Da auch zu diesem Fitnesstrend noch keine bekannten Studien vorhanden sind, soll Piloxing ® ebenfalls als Untersuchungsobjekt dieser Arbeit dienen, um die Motivationen für physische Aktivitäten zu klären.

1.2 Literaturüberblick und Zielsetzung der Arbeit

Zum Thema Motivation im Sportbereich gibt es mittlerweile eine umfangreiche wissenschaftliche Literatur, die im Folgenden kurz vorgestellt werden soll. Hieraus wird im Anschluss das Ziel der Arbeit entwickelt und dargelegt.

Es gibt einerseits die Literatur, in welcher die Motivationen für die Betätigung im Sport basierend auf der Selbstbestimmungstheorie (SDT), welche in Kapitel 2 der vorliegenden Arbeit genauer beschrieben wird, erforscht wurde. Hierzu gehören u. a. Sibley, Hancock & Bergmans (2013, S. 322-339) Studie zum Motivationsverhalten von Studenten. Die Autoren untersuchten darin den Zusammenhang zwischen den Motiven für die Sportbetätigung und der körperlichen Fitness. Auch der Artikel von Lauderdale, Yli-Piipari, Irwin & Layne (2015, S. 153-172) beschäftigt sich mit den Motivationen für die Beteiligung im Sport auf Basis der SDT. In dieser Untersuchung wurden zudem die Geschlechterunterschiede in den Motivationen erforscht. Zuvor untersuchten Kilpatrick, Hebert & Bartholomew (2005, S. 87-94), ähnlich wie die soeben erwähnten Artikel, die Motivationsunterschiede bei der Sportbetätigung zwischen männlichen und weiblichen Studenten. Ein weiterer Artikel eruierte die Beziehung zwischen der Gewichtswahrnehmung, Trainingszielen, Motivationen für das Training, Lebensqualität und das Verhalten beim Freizeitsport von Schulkindern anhand der SDT (Gillison, Standage & Skevington 2006, S. 836-847). Des Weiteren erfasste die Studie von Egli, Bland, Melton & Czech (2011, S. 399-406) die Motivationsunterschiede bei sportlichen Tätigkeiten zwischen Männer und Frauen, zwischen verschiedenen Altersklassen und verschiedenen Rassen. Schließlich erforschten Strachan, Fortier, Perras & Lugg (2013, S. 273-285) Veränderungen der Identitätsstärke und Verhaltensregulationen beim Training anhand der SDT und einer Identitätstheorie. Andererseits gibt es Studien, die nicht basierend auf der SDT entstanden sind. Beispielsweise untersuchten Schutzer & Graves (2004, S. 1056-1061) die Motivationen, aber auch die Hürden für die sportliche Betätigung bei älteren Erwachsenen anhand einer Literaturrecherche. Wold & Kannas (1993, S. 283-291) führten eine Untersuchung zu dem Thema „Sport motivation among young adolescents in Finland, Norway and Sweden“ (Wold & Kannas 1993, S. 283) durch. Dafür nutzten sie einen Fragebogen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), welcher 1985-1986 in Finnland, Norwegen und Schweden durchgeführt wurde (Wold & Kannas, S. 283-284). In einem anderen Artikel wurde die Beziehung zwischen Athleten und dem autonomen oder kontrollierenden Verhalten des Trainers, der psychologischen Grundbedürfnisse, der Zielmotivation, dem Wohlbefinden und Unwohlsein analysiert (Healy, Ntoumanis, Veldhuijzen van Zanten & Paine 2014, S. 446-459). In einer Pilotstudie von Fisher, Sales, Carlson & Steele (2016, S. 1227-1234) wurden die Motivationsunterschiede von CrossFit®1 -Teilnehmern und anderen Teilnehmern von Krafttrainings untersucht. Ein Teil der soeben vorgestellten Literatur wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit nochmals aufgegriffen werden.

Motivationen und Motivationsunterschiede bei der Sportbetätigung zwischen Männer und Frauen wurden bereits vielfach erforscht. Jedoch beschränkten sich die bekannten Studien zu Motivationen hauptsächlich auf junge Erwachsene und bestimmte Sportarten oder Fitnesstrends. Ausgehend von der soeben vorgestellten, auf der SDT basierenden Literatur und der zuvor erläuterten Problematik bezüglich des Mangels an körperlicher Tätigkeit von jungen Erwachsenen und Erwachsene, soll die vorliegende Untersuchung einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag leisten um die Motivationen zur Betätigung im Sport noch besser verstehen können. Da noch keine Forschungen bekannt sind, die sich mit der Fitness-App Freeletics und dem Gruppenfitness Piloxing ® beschäftigt haben, sollen anhand der zwei genannte Beispiele die Motivationsunterschiede beider Fitnessarten in dieser Arbeit mithilfe eines Fragebogens erörtert und identifiziert werden und dabei v. a. auf Unterschiede zwischen Männern und Frauen, dem Alter und der Häufigkeit des Trainings eingegangen werden. Somit können theoretische und praktische Implikationen für die Sportindustrie und für das Marketing der gleichen gegeben werden.

1.3 Aufbau der Arbeit

Für die Erklärung und Identifikation von Motivationen bei körperlicher Aktivität bzw. bei der Sportbetätigung wird die vorliegende Arbeit in fünf Kapitel unterteilt. Der einleitende Teil beschreibt die Problemstellung sowie die Zielsetzung dieser Arbeit und gibt einen kurzen Literaturüberblick.

Der darauffolgende Teil untergliedert sich in zwei Kapitel. Während das Kapitel „Theoretischer Hintergrund“ genauer auf eine Motivationstheorie, nämlich die Selbstbestimmungstheorie, eingeht, werden im zweiten Teil des zweiten Kapitels die Hypothesen dieser Arbeit entwickelt und vorgestellt.

Das darauffolgende Kapitel drei stellt die Methodik dieser empirischen Arbeit vor, indem auf die Forschungsmethode, dem Aufbau des Fragebogens und auf die Grundgesamtheit sowie Stichprobenverteilung eingegangen wird.

Schließlich werden im Kapitel vier die Ergebnisse, die aus der Umfrage für die Fitness-App Freeletics und für das Gruppenfitness Piloxing ® resultieren, analysiert und dargestellt.

Das fünfte Kapitel beschließt die Arbeit. Hier werden die Ergebnisse nochmals zusammengefasst sowie die Grenzen dieser Forschung aufgezeigt und schließlich Implikationen für weitere Forschungen gegeben.

2 Theoretischer Hintergrund

Im Folgenden soll die Selbstbestimmungstheorie, eine Motivationstheorie, von Deci & Ryan (1985) erörtert werden, um ein Verständnis für das Konstrukt der Motivation zu erlangen.

2.1 Selbstbestimmungstheorie

Innerhalb der Motivationsforschung gibt es unzählige Theorien, die sich mit der menschlichen Motivation beschäftigen. Jedoch wurde nur eine Theorie im Bereich des Trainingsund Sportverhalten so vielseitig erforscht wie die Selbstbestimmungstheorie (kurz SDT) von Deci & Ryan (1985). Die Selbstbestimmungstheorie ist eine Makrotheorie, die wiederum aus verschiedenen Mikrotheorien besteht. Im Rahmen dieser Arbeit sollen jedoch nur zwei der sechs Mikrotheorien genauer betrachtet werden, da es sonst den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Dabei handelt es sich um die Cognitive Evaluation Theorie sowie um die Organismic Integration Theorie, die in den Kapiteln 2.1.1 und 2.1.2 weiter vertieft werden. Die SDT ist ein Ansatz zur Erklärung der menschlichen Motivation und Persönlichkeit (Ryan & Deci 2000a, S. 68), wobei Motivation als Erregung bzw. Aktivierung angesehen wird, etwas zu bewegen (Ryan & Deci 2000b, S. 54). Sie erforscht die angeborenen psychologischen Grundbedürfnisse von Menschen, welche die Basis für Selbstmotivation und Persönlichkeitsintegration sowie für die Voraussetzung, welche die positiven Prozesse nährt, ist (Ryan & Deci 2000a, S. 68). Den Rahmen der SDT bilden die drei psychologischen Grundbedürfnisse Autonomie, Kompetenz und soziale Eingebundenheit (Deci & Ryan 2000, S. 228). Diese Grundbedürfnisse werden als angeboren, essentiell sowie als universal beschrieben und sind trotzdem von Kultur zu Kultur unterschiedlich (Ryan & Deci 2000a, S. 74-75). Ein Bedürfnis wird in der Theorie definiert als „energizing state that, if satisfied, conduces toward health and well-being but, if not satisfied, contributes to pathology and ill-being“ (Ryan & Deci 2000a, S. 74). Dies bedeutet, dass Bedürfnisse einen Erregungszustand darstellen, welcher, wenn befriedigt, die Gesundheit und das Wohlbefinden fördert, aber, wenn nicht befriedigt, die Pathologie und das Unwohlsein erhöht (eigene Übersetzung). Das Bedürfnis Autonomie soll in der SDT nicht als Unabhängigkeit oder egoistisch angesehen werden, sondern es ist vielmehr das Gefühlt von Freiheit (Deci & Ryan 2000, S. 231) und etwas von sich aus zu wollen ohne dabei kontrolliert zu werden (Ryan & Deci 2000a, S. 74). Autonomie ist ein essentieller Aspekt für gesundes menschliches Funktionieren (Deci & Ryan 2000, S. 231) und wird im Zusammenhang mit Motivation auch oftmals mit Selbstbestimmtheit gleichgesetzt (Deci & Ryan 1985, S. 154). Die Befriedigung des Bedürfnisses Autonomie ist ein wichtiger Bestandteil für selbstbestimmtes zielgerichtetes Verhalten (Deci & Ryan 2000, S. 242) und Wohlbefinden (Ryan & Deci 2000a, S. 68). Kompetenz ist das Bedürfnis in seiner Umgebung effektiv zu sein (Schreiber 2016, S. 45). Die Befriedigung dieses Bedürfnisses führt laut der Theorie zu einer langfristigen psychologischen Gesundheit (Deci & Ryan 2000, S. 231). Soziale Eingebundenheit wiederum wird von Ryan & Deci (2000b, S. 64) definiert als Zugehörigkeit und Verbundenheit zu einer Person, Gruppe oder Kultur. Ebenso wie die beiden anderen Bedürfnisse führt auch die Befriedigung von sozialer Eingebundenheit zu einer Steigerung des Wohlbefindens (Deci & Ryan 2008, S. 183). Zusammengefasst bedeutet dies, dass die Befriedigung aller drei psychologischen Grundbedürfnisse zu einer verbesserten Selbstmotivation und Geisteszustand führt, während eine Vereitelung zu einer verminderten Selbstmotivation und Unwohlsein führt (Ryan & Deci 2000a, S. 68). Jedoch ist zu beachten, dass auch alle drei psychologischen Grundbedürfnisse befriedigt werden müssen und nicht nur eines oder zwei (Deci & Ryan 2000, S. 229). Ein weiterer wichtiger Aspekt der SDT ist die Unterscheidung von mehreren Motivationsarten, welche wiederum verschiedenartige Auswirkungen auf z. B. das Lernen, Leistung, persönliche Erfahrung und Wohlbefinden haben (Ryan & Deci 2000a, S. 69). Hierbei handelt es sich um intrinsische und extrinsische Motivationen, die in den folgenden zwei Kapiteln eingehender betrachtet werden.

2.1.1 Intrinsische Motivation und die Cognitive Evaluation Theorie

Menschen sind von Geburt an und von Natur aus aktiv, wissbegierig, neugierig und interessiert (Deci & Ryan 2000, S. 233; Ryan & Deci 2000b, S. 56). Diese natürliche Motivation ist ein wesentliches Element in der kognitiven, sozialen und physischen Entwicklung, da nur durch die Handlung der angeborenen Interessen das Wissen und die Fähigkeiten wachsen können (Ryan & Deci 2000b, S. 56). Darauf aufbauend lässt sich intrinsische Motivation ableiten. Intrinsische Motivation wird von Deci & Ryan definiert als: „doing an activity for its own sake, that is, for its inherent interest and the spontaneous affects and cognitions that accompany it“ (Deci & Ryan 1985, S. 66). Intrinsisch motivierte Personen agieren aus reiner Freude und Neugierde, anstatt aus äußeren Ansporn, Belohnungen oder Druck (Ryan & Deci 2000b, S. 56). Des Weiteren sind intrinsische Verhaltensweisen mit Herausforderungen und dem Drang, Neues kennenzulernen, verknüpft (Ryan & Deci 2000a, S. 70).

Die Theorie, die sich mit der intrinsischen Motivation befasst, ist die bereits erwähnte Cognitive Evaluation Theorie (kurz CET). Diese Theorie ist eine Mikrotheorie der Selbstbestimmungstheorie und beschreibt die Auswirkungen von Einflüssen, die das Motivationsverhalten und relevante Motivationsprozesse einleiten und regulieren (Deci & Ryan 1985, S. 62). Anders ausgedrückt beschäftigt sich die CET mit den Sozialund Umweltfaktoren, welche die intrinsische Motivation fördern oder untergraben (Ryan &Deci 2000a, S. 70). Dies bedeutet, dass Menschen in ihrer intrinsischen Motivation durch bestimmte Faktoren oder Bedingungen verstärkt oder vermindert werden (Ryan & Deci 2000b, S. 58). Dies gilt vor allem, wenn die Faktoren oder Bedingungen auf die zu Beginn beschriebenen psychologischen Grundbedürfnisse einwirken. Im Folgenden sollen ein paar Beispiele für die Förderung und Untergrabung intrinsischer Motivation betrachtet werden. Deci & Ryan (1985, S. 58) untersuchten die Beziehung zwischen intrinsischer Motivation und dem psychologischen Grundbedürfnis Kompetenz. Sie stellten die Hypothese auf, dass je kompetenter eine Person in ihrer Aktivität ist, desto höher sei die intrinsische Motivation dieser Person. Eine Bedingung dafür lautet jedoch, dass die Aktivität auch herausfordernd, aber auch nicht zu herausfordernd sein sollte (Deci & Ryan 1985, S. 58). Daraufhin untersuchten sie einige Studien hinsichtlich ihrer Vereinbarkeit mit ihrer Theorie. Sie fanden heraus, dass vor allem positives Feedback in Bezug auf die Leistung der Person die intrinsische Motivation steigern ließ (Deci & Ryan 1985, S. 59). Im Gegensatz dazu soll negatives Feedback die intrinsische Motivation insofern untergraben, wenn das Feedback Inkompetenz andeutet (Deci & Ryan 2000, S. 235; Deci & Ryan 1985, S. 61). Jedoch ist hier zu beachten, dass das Gefühl von Kompetenz die intrinsische Motivation nur dann fördert, wenn eine Spur von Autonomie die Motivation begleitet (Ryan & Deci 2000a, S. 70). Deci & Ryan (1985) ließen bezüglich der Beziehung zwischen intrinsische Motivation und Kompetenz Folgendes verlauten:

„External events will affect a person’s intrinsic motivation for an optimally challenging activity to the extent that they influence the person’s perceived competence, within the context of some selfdetermination. Events that promote greater perceived competence will enhance intrinsic motivation, whereas those that diminish perceived competence will decrease intrinsic motivation.” (S. 63)

In einer von Vallerand & Reid (1984, S. 98) durchgeführten Studie wurde der Zusammenhang zwischen positivem Feedback und intrinsischer Motivation bestätigt. Standage & Ryan (2012, S. 264) gingen da noch etwas weiter und gaben sogar praktische Ratschläge an Trainer, sie sollen positives und sinnvolles Feedback geben, damit die wahrgenommene Kompetenz des Sportlers gestärkt würde.

Neben Kompetenz spielt, wie soeben erwähnt, auch Autonomie versus Kontrolle eine sehr wichtige Rolle bei der Förderung und Minderung intrinsischer Motivation. Dabei stellen Deci & Ryan (1985, S. 43) eine sehr interessante Frage. Wenn eine Person an einer intrinsisch motivierte Aktivität beteiligt ist und die Person beginnt, Belohnungen für diese Aktivität von außerhalb zu erhalten, was passiert wohl mit der intrinsischen Motivation für diese Tätigkeit (Deci & Ryan 1985, S. 43)? Diese Frage wurde wiederum mit der Erforschung vorhandener Studien beantwortet, die Deci & Ryan untersuchten. Sie kamen zu dem Entschluss, dass die intrinsische Motivation für eine bestimmte Aktivität durch das Geben einer Belohnungen (z. B. Geld) abnimmt (Deci & Ryan 1985, S. 48). Dies kann man dadurch erklären, dass sich die Person durch den äußeren Anreiz kontrolliert fühlt und an Selbstbestimmtheit verliert, wodurch die intrinsische Motivation schrumpft (Deci & Ryan 2000, S. 234). Aufgrund dessen würde die Person die Tätigkeit in Zukunft nur noch für die Belohnung anstatt aus freien Interesse oder Neugierde durchführen. Neben Belohnungen gibt es noch weitere Reize, die die intrinsische Motivation sinken lässt. Dazu gehören u. a. Vermeidung von Strafe, Essen oder Preise, aber auch nicht materielle Sachen wie Überwachung, Fristen und Wettbewerbe (Deci & Ryan 1985, S. 50-56) oder auferlegte Ziele (Ryan & Deci 2000a, S. 70). Eine Studie von Monacis, Estrada, Sinatra, Tanucci & DePalo (2013, S. 461-467) fand u. a. heraus, dass Wettbewerbe bzw. Wettbewerbsfähigkeit einen negativen Einfluss auf die selbstbestimmte also intrinsische Motivation haben (Monacis et al 2013, S. 466). Demgegenüber sollen eigene Entscheidungen, Bestätigungen und Möglichkeiten zur Selbstbestimmung sowie positive Reaktionen die intrinsische Motivation fördern (Deci & Ryan 1985, S. 85; Ryan & Deci 2000a, S. 70). Eine Studie belegte dies und stellte eine positive Beziehung zwischen der Befriedigung des Bedürfnisses Autonomie und der intrinsischen Motivation, Sport zu treiben, her (Wilson, Rodgers, Blanchard & Gessell 2003, S. 2388). Eine weitere Studie fand sogar heraus, dass eine sportliche Betätigung längerfristig ausgeführt wird, wenn die Motivation autonom bzw. selbstbestimmt ist (Teixeira, Carraca, Markland, Silva & Ryan 2012, S. 26).

Schließlich soll noch die Beziehung zwischen intrinsischer Motivation und soziale Eingebundenheit beschrieben werden. Nach Angabe von Ryan & Deci (2000a, S. 71) gedeiht die intrinsische Motivation, wenn sich die Person in ihrem Verhalten frei, geborgen und sicher fühlt. Beispielsweise untersuchten Ryan & Grolnick (1986, S. 557) die Beziehung intrinsischer Motivation von Schulkindern und der autonomen versus kontrollierenden Art des Lehrers. Es stellte sich heraus, dass die Schüler eine geringere intrinsische Motivation besaßen, wenn der Lehrer als kalt und kontrollierend angesehen wurde (Ryan & Grolnick 1986, S. 557; Ryan & Deci 2000a, S. 71). Nichtsdestotrotz stellen Deci & Ryan klar, dass es auch Situationen gibt, in welchen soziale Eingebundenheit eine weniger wichtige Rolle spielt als Autonomie und Kompetenz (Deci & Ryan 2000, S. 235).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Befriedigung der psychologischen Grundbedürfnisse Autonomie, Kompetenz und soziale Eingebundenheit zu einer Verstärkung bzw. Erhöhung der intrinsischen Motivation sowie zu einer längerfristigen Ausdauer der Tätigkeit führt und die Vereitelung dieser Bedürfnisse zu einer Minderung bzw. Untergrabung beiträgt.

2.1.2 Extrinsische Motivation und die Organismic Integration Theorie

Neben intrinsischer gibt es auch nicht-intrinsische Motivationen, die als extrinsische Motivationen bezeichnet werden. Anders als intrinsische Motivationen, die aus purem Interesse und Neugierde entstehen (Deci & Ryan 2000, S. 233), werden extrinsische Motivationen von außen gesteuert. Daher wird extrinsische Motivation definiert als „performance of an activity in order to attain some separable outcome“ (Ryan & Deci 2000a, S. 71). Die Gründe für das Verhalten aus extrinsischer Motivation liegen also nicht im Interesse der Aktivität, sondern im äußeren Anreiz, die man für die Tätigkeit bekommt (Deci & Ryan 1985, S. 35). Dabei kann es sein, dass sich die Person durch den äußeren Anreiz kontrolliert und unter Druck gesetzt fühlt (Deci & Ryan 1985, S. 67). Wenn also eine Person bestimmte Verhaltensweisen einer anderen Person versucht zu beeinflussen, dann kann die Motivation der zweiten Person von Amotivation über passive Einhaltung bis hin zu aktivem persönlichen Engagement reichen (Ryan & Deci 2000a, S. 71). Diese verschiedenen Arten von Motivation unterscheiden sich im Grad ihrer Autonomie als auch im Grad ihrer Internalisierung und Integration (Deci & Ryan 2000, S. 235; Ryan & Deci 2000a, S. 71). Vereinfacht gesagt bedeutet dies, dass es innerhalb der extrinsischen Motivation wiederum Kategorien gibt, die von sehr kontrollierbar bis nahezu selbstbestimmt bzw. intrinsisch reichen. Internalisierung wird in der SDT als ein Prozess beschrieben, durch welchen eine Person eine Einstellung, einen Glauben oder eine Verhaltensweise annimmt und diese dann Schritt für Schritt zu einen persönlichen Wert oder Ziel umgewandelt (Deci & Ryan 1985, S. 130). Sollte dieser Wert oder diese Verhaltensweise noch zusätzlich in das Selbst integriert und als ihr Eigen ansehen werden, so spricht man von Integration (Ryan & Deci 2000a, S. 71; Deci & Ryan 2000, S. 236). Dieser Internalisierungsund Integrationsprozess wird in der Organismic Integration Theorie (kurz OIT) konzeptualisiert und gehört genau wie die CET zu einer Mikrotheorie der SDT (Deci & Ryan 1985, S. 133). Die OIT beschäftigt sich mit und beschreibt die verschiedenen Arten von extrinsischer Motivation (Ryan & Deci 2000b, S. 61). In Abbildung 3 sieht man das Kontinuum, auf denen die verschiedenen Motivationsarten liegen (Ryan & Deci 2000a, S. 72). Die Form, bei der man absolut keine Motivation empfindet, nennt sich Amotivation (Wininger 2007, S. 472). Des Weiteren wird Amotivation beschrieben als „state of lacking the intention to act“ (Ryan & Deci 2000a, S. 72), also als einen Zustand der fehlenden Handlungsabsicht. Diese Art befindet sich ganz links auf dem Kontinuum. Rechts der Amotivation befinden sich die unterschiedlichen Regulationen der extrinsischer Motivation, die im Folgenden genauer beschrieben werden. Ganz rechts auf dem Kontinuum liegt die bereits bekannte intrinsische Motivation.

Die externe Regulation ist die eigentliche Grundform extrinsischer Motivation (Deci & Ryan 1985, S. 134). Bei dieser Art der Motivation wird das Verhalten von Personen von äußeren Einflüssen kontrolliert. Personen, die extern reguliert sind, verhalten sich daher so, dass sie entweder eine Belohnung bekommen oder eine Bestrafung vermeiden (Deci & Ryan 2000, S. 236). Ein Beispiel hierfür wäre ein Sportler, der Sport nur treibt, um einer Bestrafung zu entgehen. Externe Regulation ist diejenige Form von extrinsischer Motivation, die am stärksten mit einer Kontrolle und am wenigsten mit Selbstbestimmung verbunden ist (Ryan & Deci 2000a, S. 72). Die nächste Stufe auf dem Kontinuum nennt sich introjizierte Regulation. Genau wie die externe Regulation ist die introjizierte Regulation so gut wie gar nicht selbstbestimmt und wird von Anreizen kontrolliert. Der Unterschied zur ersten Form liegt darin, dass die Anreize nicht mehr von außen, z. B. einer anderen Person kommen, sondern von der Person selbst (Deci & Ryan 1985, S. 136). Introjizierte Regulation wird als „taking in a regulation but not fully accepting it as one’s own“ bezeichnet (Ryan & Deci 2000a, S. 72). Sind Personen introjiziert reguliert, dann üben sie Tätigkeiten nur aus, um Schuld oder Angst zu vermeiden, oder, um Stolz auf sich zu sein (Ryan & Deci 2000b, S. 62). Der Beispielsportler würde bei introjizierter Regulation nur aufgrund der Vermeidung von Schuldgefühlen trainieren. Die dritte Art extrinsischer Motivation liegt rechts daneben und nennt sich identifizierte Regulation. Identifikation ist in diesem Sinne ein Prozess, in welchen Personen den Wert eines Verhaltens erkennen und akzeptieren (Deci & Ryan 2000, S. 236). Das Verhalten oder das Ziel wird internalisiert und für persönlich wichtig angesehen (Ryan & Deci 2000a, S. 72). Der Sportler aus dem Beispiel trainiert nun, weil er weiß, dass er dadurch seine Gesundheit verbessert. Durch die Internalisierung ist das Verhalten bei dieser Form der Regulation viel selbstbestimmter bzw. autonomer. Dadurch werden Aktivitäten oder Verhalten viel länger beibehalten und mit viel mehr Engagement ausgeführt (Deci & Ryan 2000, S. 236). Die autonomste bzw. selbstbestimmteste Form extrinsischer Motivation ist die integrierte Regulation (Ryan & Deci 2000a, S. 72-73). Integration ist das gänzliche Aufnehmen von identifizierten Verhalten in das Selbst, was bedeutet, dass das Verhalten bewertet und in Einigkeit mit seinen anderen Werten gebracht wurde (Ryan & Deci 2000b, S. 62). Der Sportler treibt nun Sport, da es für ihn ein wichtiger Wert ist, gesund zu sein. Diese Form der extrinsischen Motivation kommt der intrinsischen Motivation sehr nahe. Jedoch muss man eine klare Linie zwischen den beiden Motivationen ziehen. Abbildung 3 zeigt dies visuell. Auch wenn die integrierte Regulation autonom und selbstbestimmt ist, so wird die Tätigkeit nicht wie bei der intrinsischen Motivation aus reinem Interesse oder Freude ausgeübt, sondern, um ein trennbares Ergebnis, z. B. Gesundheit, zu erlangen (Ryan & Deci 2000a, S. 73). Des Weiteren ist zu beachten, dass der Prozess der Internalisierung zwar wichtig für die Entwicklung ist, jedoch das Kontinuum der extrinsischen Motivation keine Entwicklung durchläuft, d. h., dass man nicht erst eine Regulation abschließen muss, um zur nächsten Regulation zu gelangen (Ryan & Deci 2000b, S. 62).

Abbildung 3: Kontinuum der Selbstbestimmungstheorie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Ryan & Deci 2000a, S. 72

Schließlich stellt sich die Frage, welche Bedingungen Internalisierung und Integration nähren bzw. hemmen (Ryan & Deci 2000a, S. 73). Laut Deci & Ryan (2000, S. 238) sind für die Internalisierung von Werten und Verhaltensweisen die psychologischen Grundbedürfnisse Kompetenz und soziale Eingebundenheit von entscheidender Bedeutung. Damit jedoch ein Verhalten in das Selbst integriert wird, ist das Bedürfnis Autonomie unabdingbar (Deci & Ryan 2000, S. 238).

2.2 Entwicklung und Vorstellung der Hypothesen

Die Befunde der soeben beschriebenen Selbstbestimmungstheorie wurden in zahlreichen empirischen Studien belegt. Diese Studien beschäftigten sich, wie diese Arbeit, u. a. mit Sportmotivationen, körperlicher Tätigkeit oder Sporterziehung. Einige dieser Studien sollen im Folgenden etwas genauer betrachtet werden. Daraufhin werden die Hypothesen der vorliegenden Arbeit vorgestellt.

Eine wissenschaftliche Arbeit, die sich mit den Unterschieden in der Sportmotivation zwischen Alter, Geschlecht und Rasse beschäftige, ist die Studie von Egli, Bland, Melton und Czech (2011, S. 399-406). Um dieser Frage nachzugehen, wurden in den Jahren 2005-2006 insgesamt 2199 weibliche und männliche Studenten zu ihrer Motivation, Sport zu treiben, befragt. Dazu wurde der Exercise Motivation Inventory-2-Fragebogen (kurz EMI-2) benutzt. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass männliche Studenten eher intrinsisch motiviert waren, Sport zu treiben. Dies bedeutet, dass sie eher aus Gründen von Stärke, Gesundheit und Freude trainierten. Im Gegensatz dazu wurde festgestellt, dass das Training bei weiblichen Studenten hauptsächlich auf die extrinsische Motivation zurückzuführen ist. Dabei spielten v. a. Gewichtsverlust und das Aussehen eine große Rolle. Die einzigen beiden Motive, in denen sich Männer und Frauen glichen, waren Stressbewältigung sowie Revitalisierung (Egli et al. 2011, S. 402). In einem anderen Artikel von Wilson, Rodgers, Fraser & Murray (2004, S. 81-91) wurden ebenfalls Studenten (n=276), basierend auf den Prämissen der Selbstbestimmungstheorie, zu ihrer physischen Aktivität sowie zu ihrer Sportmotivation befragt. Hierzu wurde der Behavioral Regulation in Exercise Questionnaire-2 (kurz BREQ-2) benutzt. Es wurde festgestellt, dass v. a. Frauen von der introjizierten Regulation getrieben wurden zu trainieren, was oft dazu führt, dass das Training wahrscheinlich nur auf kurze Zeit ausgeübt wird (Wilson et al. 2004, S. 88). Eine kürzlich durchgeführte Studie aus dem Jahr 2015 erforschte ebenfalls die Geschlechterunterschiede zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation bei der Ausübung von Sport (Lauderdale, Yli-Piipari, Irwin & Layne 2015, S. 153-172). 96 männliche und weibliche Studenten wurden einerseits anhand des BREQ-2 zu ihrer Motivation, sich sportlich zu betätigen, befragt, und andererseits gebeten anzugeben, wie oft sie Sport trieben. Die Resultate zeigen, dass, wie bereits belegt, Männer ein deutlich höheres Niveau an intrinsischer Motivation besitzen im Vergleich zu Frauen. Der Artikel zeigt, dass die männlichen Studenten aus Freude und aufgrund der Vorteile am Sport trainieren (Lauderdale et al. 2015, S. 164). Des Weiteren untersuchte eine Studie von Kilpatrick, Hebert & Bartholomew (2005, S. 87-94) die Motivationsunterschiede zwischen den Geschlechtern bei der Sportbetätigung und beim Training. Die Strichprobe umfasste 233 Studenten im Alter von 18 bis 47 Jahren. Für die Umfrage wurde der EMI-2 benutzt. Bei dieser Forschung stellte sich heraus, dass Frauen eher aus Gründen von Gewichtsverlust, was einen äußeren Einfluss darstellt, also eine extrinsische Motivation ist, Sport trieben. Männer hingegen trainierten aus Gründen von Stärke, Wettbewerb und Ausdauer, also aus intrinsischer Motivation (Kilpatrick et al. 2005, S. 93).

Zu einem ganz anderen Ergebnis kamen allerdings Guérin, Bales, Sweet & Fortier (2012, S. 291300). In ihrer Metaanalyse untersuchten sie die Motivationsunterschiede zwischen Männer und Frauen auf Basis der Selbstbestimmungstheorie. Es wurde nur Literatur herangezogen, bei denen der BREQ oder die überarbeitete Version BREQ-2 genutzt wurde. Aus 27 untersuchten Studien schlussfolgerten sie, dass es zwischen Männer und Frauen keine erheblichen Unterschiede in der Motivation gibt (Guérin et al. 2012, S. 296). Wiederum andere Daten lieferte die Studie von Josefsson, Lindwall und Ivarsson (2015, S. 1-11). In dieser Untersuchung wurden 1091 aktive Mitglieder eines Online-Fitnessprogramms in Schweden mit dem BREQ-2 zu ihrer Motivation befragt, Sport zu treiben (Josefsson et al. 2015, S. 3). Es stellte sich heraus, dass Frauen aus autonomer bzw. selbstbestimmter Motivation trainierten, während Männer eher aufgrund kontrollierter Motivation Sport trieben. Bei den Frauen sei v. a. die identifizierte Regulation für die sportliche Betätigung ausschlaggebend gewesen (Josefsson et al. 2015, S. 8).

Die zuvor genannten Studien zeigen, dass es zur geschlechtertypischen Sportmotivation von Männer und Frauen keinen eindeutigen Konsens gibt. Obwohl einige Studien herausfanden, dass Frauen eher aufgrund extrinsischer Motivation Sport treiben (Egli et al. 2011, S. 402; Wilson et al. 2004, S. 88; Lauderdale et al. 2015, S. 164), kamen andere Studien zu anderen Ergebnissen (Guérin et al. 2012, S. 296; Josefsson et al. 2015, S. 3).

Basierend auf der vorangegangenen Literatur und den Prämissen der Selbstbestimmungstheorie soll die erste Hypothese dieser Arbeit wie folgt lauten:

H1: Männer sind eher intrinsisch motiviert, während Frauen eher extrinsisch motiviert sind.

In einer von Maltby & Day (2001, S. 651-660) durchgeführten Studie, wurde die Beziehung zwischen den Motiven, Sport zu treiben und Wohlbefinden untersucht. Hierbei wurden Studenten in zwei Gruppen unterteilt: eine Gruppe, die weniger als sechs Monate trainierte, und eine andere Gruppe, die bereits mehr als sechs Monate Sport trieb (Maltby & Day 2001, S. 651). Zudem wurden die Auswirkungen intrinsischer und extrinsischer Motivation auf das psychologische Wohlergehen im Zusammenhang mit der Dauer des Trainings erforscht. Das Ergebnis zeigt, dass die Studenten der ersten Gruppe, also die weniger als sechs Monate Trainierenden, eine eher extrinsische Motivation aufwiesen, im Gegensatz zur zweiten Gruppe. Diese war mehr aus intrinsischen Gründen, wie z. B. Freude oder Stressbewältigung, motiviert (Maltby & Day 2001, S. 654-655). Eine andere Studie, die den Zusammenhang zwischen den Motivationen für die Betätigung im Sport und der körperlichen Aktivität untersuchte, kam zu einem ähnlichen Ergebnis (Litt, Iannotti & Wang 2011, S. 220-226). Hierfür wurden 9011 Erwachsene anhand einer Umfrage der Weltgesundheitsorganisation (kurz WHO) befragt. Litt et al. kamen zu dem Ergebnis, dass ein höheres Niveau an extrinsischer Motivation zu einer verringerten sportlichen Betätigung führte. Hingegen stellte sich heraus, dass ein höheres Level an körperlicher Tätigkeit durch intrinsische Motivation erzeugt wurde (Litt et al. 2011, S. 224). Vansteenkiste, Simons, Soenens & Lens (2004, S. 232249) stellten in ihrer Studie die Hypothese auf, dass zukünftige intrinsisch gesetzte Ziele ein höheres Engagement in der Sportbetätigung prognostizieren und somit auch eine bessere Leistung erzielt werden kann (Vansteenkiste et al. 2004, S. 235). Die Forscher konnten ihre Hypothese bestätigten und kamen zu dem Urteil, dass gesetzte Ziele, die intrinsischer Art sind, zu einer langfristigen Beteiligung am Sport verhelfen. Im Gegensatz dazu hätten extrinsisch gesetzte Ziele eine negative Auswirkung auf die Leistung und Betätigung am Sport (Vansteenkiste et al. 2004, S. 241242). In einer Studie aus dem Jahr 2013 wurde der Zusammenhang zwischen Sportmotivation, den Regulationen der Selbstbestimmungstheorie und körperliche Fitness von Studenten erforscht (Sibley, Hancock & Bergmann 2013, S. 322-339). Dafür befragte man 194 Studenten, die einen Fitnesskurs besuchten, anhand des BREQ-2 (Sibley et al. 2013, S. 326). Ähnlich wie die vorangegangenen Forschungen zeigt das Ergebnis, dass Studenten, die eher intrinsische Motivation aufweisen, ein größeres Niveau an körperlicher Fitness haben (Sibley et al. 2013, S. 332). Daraus schlossen Sibley et al., dass die Studenten, die aus Gründen von extrinsischen Motiven Sport treiben, ein geringeres Niveau an körperlicher Fitness haben (Sibley et al. 2013, S. 334). Des Weiteren untersuchten die Forscher Wilson, Rodgers, Blanchard und Gessell (2003, S. 2373-2392) die Beziehung zwischen den psychologischen Bedürfnissen Autonomie, Kompetenz und soziale Eingebundenheit, selbstbestimmte Motivation, Trainingsverhalten sowie körperliche Fitness und ermittelten die Veränderung der genannten Konstrukte im Laufe eines 12-wöchigen Trainingsprogramms (Wilson et al. 2003, S. 2373). Anders als die Studien zuvor kamen Wilson et al. zu dem Ergebnis, dass v. a. die identifizierte Regulation, eine selbstbestimmtere Form der extrinsischen Motivation, dazu beiträgt, häufiger Sport zu treiben. Sie gaben zudem an, dass intrinsische Motivation die positiven motivierenden Auswirkungen untermauert (Wilson et al. 2003, S. 2388-2389). Zu einem anderen Ergebnis gelangte jedoch eine groß angelegte Metaanalyse von Teixeira, Carraça, Marklans, Silva & Ryan (2012, S. 1-30), in welcher 66 Studien aus den Jahren 1960 bis 2011 überprüft wurden (Teixeira et al. 2012, S. 4). Bei ihrer Analyse stellten die Forscher fest, dass nicht nur intrinsische Motivation, sondern auch die identifizierte Regulation der extrinsischen Motivation, zu einer besseren und längerfristigen Sportbeteiligung beträgt (Teixeira et al. 2012, S. 23).

Einige der genannte Studien zeigen eine positive Beziehung zwischen intrinsischer Motivation und einem höheren Niveau an physischer Aktivität auf (Maltby & Day 2001, S. 654-655; Litt et al. 2011, S. 224; Vansteenkiste et al. 2004, S. 241-242; Sibley et al. 2013, S. 332-334). Andererseits gibt es Studien, die das Gegenteil oder andere Zusammenhänge nahelegen (Wilson et al. 2003, S. 23882389; Teixeira et al. 2012, S. 23). Diese Unstimmigkeiten rechtfertigen die weitere Forschung auf diesem Gebiet.

Die zweite Hypothese dieser Arbeit lautet daher wie folgt:

H2: Freizeitsportler, die öfter Sport treiben bzw. trainieren, sind eher intrinsisch motiviert im Vergleich zu Freizeitsportlern, die weniger Sport treiben bzw. trainieren.

[...]


1 CrossFit® ist ebenfalls ein hochintensives Trainingsprogramm, wobei der Fokus hauptsächlich auf Kraft, Gymnastik und Laufen liegt (CrossFit 2017).

Ende der Leseprobe aus 64 Seiten

Details

Titel
Die Nutzung von Fitness-Apps und Gruppenfitness. Welche Motivationsunterschiede gibt es?
Hochschule
Internationale Fachhochschule Bad Honnef - Bonn
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
64
Katalognummer
V464202
ISBN (eBook)
9783668929012
ISBN (Buch)
9783668929029
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fitness, Motivation, Motivationsunterschiede, Fitness-App, Gruppenfitness, Motivationspsychologie
Arbeit zitieren
Anna-Dorothea Hild (Autor), 2017, Die Nutzung von Fitness-Apps und Gruppenfitness. Welche Motivationsunterschiede gibt es?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464202

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