Englische Varietäten in Film und Fernsehen und ihre Synchronisation


Seminararbeit, 2009
13 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Problematik der Synchronisation

2. Varietäten in Film und Fernsehen
2.1. Charakterisierung durch bestimmte Varietäten
2.2. Varietäten als besonderes Stilmittel

3. Schwierigkeiten bei der Synchronisation
3.1. Verlust der Authentizität
3.2. Verlust von gewollten sprachlichen Effekten

4. Die Lösung ist so nah

5. Bibliographie

1. DIE PROBLEMATIK DER SYNCHRONISATION

Eines der berühmtesten Zitate von Humphrey Bogart aus dem Film Casablanca ist: „Schau mir in die Augen, Kleines“. Jedoch hat dieser beliebte Ausdruck mit dem englischen Original „Here’s lookin‘ at you, kid“ kaum mehr etwas gemein. Jener Unterschied geht auf die Problematik der Übersetzung vom Englischen ins Deutsche zurück. Aber nicht nur die, manchmal sehr freie, Übersetzung des Textes durch das Synchronisationsteam verursacht solche Spannungen. Auch das Benutzen verschiedener Akzente und Dialekte der englischen Sprache führt zu Problemen bei der Synchronisierung. Gerade heutzutage kommen solche Differenzen aber erst ans Licht, da man nun die technischen Möglichkeiten hat, sich sowohl die Originalversion als auch die synchronisierte Version anzuschauen.

Synchronisationen kamen vermehrt nach dem Ende des 2. Weltkriegs zum Einsatz. Damals reichten die Englischkenntnisse der deutschen Bevölkerung kaum aus, um die Klassiker der amerikanischen und britischen Filmindustrie zu verstehen. Bei der Synchronisation wurde aber nicht nur übersetzt, sondern auch zensiert. „Das geschah allerdings weniger auf politische Anordnung hin, als auf Wunsch von Medienkonzernen wie Warner Brothers, die möglichst niemanden vor den Kopf stoßen und so möglichst viel Profit erwirtschaften wollten“ (Mühlbauer, Peter. 16. Juli 2009 „Zensynchronisation“. <http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30731/1.html> (13. August 2009).). Dabei wurde die Handlung der Filme teilweise so sehr verfälscht, dass sie für das deutsche Publikum unverständlich wurden. So wurden teilweise aus Nazis Kleinkriminelle etc. Hier fällt wieder Casablanca auf, dessen erste Synchronisation erheblich gekürzt wurde und erst mit einem zweiten Versuch zu einem Klassiker in Deutschland wurde. (Geschichte der Synchronisation vgl. Mühlbauer 2009)

Zu Beginn dieser Arbeit gehe ich auf die Nutzung von verschieden Varietäten des Englischen im Film ein. Hierbei nenne ich im Besonderen die Rolle, die bestimmte Varietäten bei der Charakterisierung von Personen spielen und die Nutzung für andere Effekte. Danach beschreibe ich die Schwierigkeiten die sich bei der Synchronisierung von englischsprachigen Filmen stellen. Hier gehe ich jeweils näher auf den Verlust der Authentizität und der gewollten sprachlichen Wirksamkeiten ein. Zum Ende schneide ich in einem Schlusswort an, wie man die Unklarheit bei der Synchronisation von Varietäten vermeiden könnte.

2. VARIETÄTEN ALS STILMITTEL

2.1. CHARAKTERISIERUNG DURCH BESTIMMTE VARIETÄTEN

Durch einen Akzent, bzw. eine Varietät, lässt sich eine Person regional, ethisch und sozial einordnen. Verschiedene Varietäten werden oft verschiedenen bestimmten Bevölkerungsgruppen zugeordnet. Da man diesen Gruppen gegenüber teilweise voreingenommen ist, hat man auch deren Sprechweise gegenüber unterschiedliche Vorurteile. So verbindet man mit dem Südstaatenakzent und dessen southern drawl Gastfreundlichkeit, Großzügigkeit und Liebenswürdigkeit, aber auch Intoleranz, konservatives Verhalten und auf Grund der langsameren Sprechweise eine gewisse Einfältigkeit. Diese Kombination von Eigenschaften wird sehr gut von Allies Vater in Wie ein einziger Tag (OT: The Notebook) dargestellt. Er ist einer der wenigen Charaktere im Film, der mit einem eindeutig erkennbaren Südstaatenakzent spricht. So ist er zwar sehr tolerant gegenüber Allies Beziehung zu Noah (Szene 7, 00:36:41), dennoch konservativ was seine soziale Stellung angeht (Szene 5, 00:24:49).

Auch das britische Englisch bzw. die Received Pronounciation wird von den Filmemachern meist nicht ohne Grund eingesetzt. Im Gegensatz zum amerikanischen Englisch wirkt das britische Englisch auf Amerikaner oftmals als eine gebildetere Sprache, da es wesentlich genauer ausgesprochen wird. Das kann dazu führen, dass von der Filmindustrie der evil genius mit einem britischen Englisch belegt wird (vgl. Anon. 15. Januar 2003 „Why Villains in Movies Have English Accents“. <http://www.bbc.co.uk/dna/h2g2/A891155> (9. August 2009).). Insbesondere wird in der frühen Star Wars Trilogie (Episode 4-6) deutlich, dass der britische Akzent ein Anzeichen für das Böse ist (vgl. Anon. „Why Villains in Movies Have English Accents“). Einzige Ausnahme ist hier der Mentor Obi-wan Kenobi (vgl. Anon. „Why Villains in Movies Have English Accents“). Dies ist ein anderes Charakterbild, das durch einen britischen Akzent dargestellt werden kann: die Rolle des Lehrers und Mentors der Hauptperson (vgl. Anon. “Why Villains in Movies Have English Accents”).

Ebenso werden Varietäten aber auch verwendet um Charaktere einer bestimmten Region zuzuordnen. Allerdings kann hierbei auch der Fehler gemacht werden, einer Person in einem Film oder einer Serie einen komplett falschen Akzent sprechen zu lassen. So soll die Figur der Marissa Cooper, gespielt von Mischa Barton in der Serie O.C., California, ihr ganzes Leben lang in Newport Beach, Kalifornien, gelebt haben. Mischa Barton dagegen wurde in London geboren und zog im Alter von fünf Jahren mit ihrer irischen Mutter und ihrem englischen Vater nach New York City (vgl. Anon. „Biography“. <http://www.mischa-b.com/?page_id=27> (13. August 2009).). Zwar ist ihr Dialekt weder eindeutig Britisch, bzw. in ihrem Fall Cockney (als Londonerin), noch eindeutig Northern American (als New Yorkerin), jedoch ist er auch nicht eindeutig General American (als Kalifornierin). Mischa Barton hat also keines Falls den Dialekt, den man von einer 16-jährigen Kalifornierin erwarten würde. Dies zeigt sich besonders in Szenen, in denen sie mit einem oder allen der vier Hauptcharaktere agiert, wie zum Beispiel in der achten Folge der dritten Staffel (00:39:40). Besonders interessant für Marissas Akzent ist auch die 24. Folge der gleichen Staffel (00:21:35), in der sie einen britischen Dialekt, der eigentlich Mischa Bartons Ursprungsakzent entspricht, imitiert, um einen anderen Jungen hereinzulegen.

2.2. VARIETÄTEN ALS BESONDERES STILMITTEL

Oftmals wird einem Charakter auch ein Nicht-Standard Englisch gegeben, um bestimmte Effekte zu erzielen. So wird oft ein Tourist mit einem bestimmten Dialekt eingesetzt, um eine komische Situation zu erzeugen. Durch das Unvermögen des Reisenden eine bestimmte Sprache zu sprechen, kommt es oft zu Missverständnissen. Auch ein Sprecher eines Pidgin oder einer Kreolsprache kann diesen Effekt erzeugen, da diese Sprachen oftmals auch als „Babysprachen“ bezeichnet werden, weil sie der Sprechweise von Kleinkindern sehr ähnlich sind.

Auch werden Varietäten, bzw. in diesem Fall Akzente, im Englischen, sogenannte interference, benutzt, um einer Aussprache eine gewisse Konnotation zu geben. So erscheint ein deutscher oder auch russischer Akzent (oder ein Akzent einer ähnlich härter gesprochenen Sprache) auch im Englischen wesentlich härter und wird so oft für Befehle benutzt. Gerade Autoritätspersonen haben meist einen solchen Akzent. Diese Konnotation ist besonders historisch bestimmt, was dazu führt, dass der deutsche Akzent besonders bei Filmen über den 2. Weltkrieg und der russische Akzent bei Filmen über den Kalten Krieg eingesetzt werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Englische Varietäten in Film und Fernsehen und ihre Synchronisation
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Neuphilologisches Institut)
Veranstaltung
Varietäten des Englischen
Note
2
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V464233
ISBN (eBook)
9783668930797
ISBN (Buch)
9783668930803
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Proseminar Englisch Sprachwissenschaft Sprawi Synchronisation Lehramt
Arbeit zitieren
Jasmin Arnold (Autor), 2009, Englische Varietäten in Film und Fernsehen und ihre Synchronisation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464233

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