Die Kapelle des Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikums Bergmannsheil in Bochum war das Ziel einer kleinen Feldforschung im Dezember 2015. Ihre architektonischen und gestalterischen Besonderheiten verweisen auf einen starken regionalen und kulturellen Bezug zum Ruhrgebiet und seiner Bergbautradition. Da es insgesamt sehr wenig Literatur zu Krankenhauskapellen oder vergleichbaren Einrichtungen gibt, habe ich mich zu einer eigenen Analyse des Bauwerks entschlossen. Dabei hat sich die Fragestellung einer Analyse der dort wahrnehmbaren Diskurse ergeben. Diese werde ich nach einer Beschreibung der vorgefundenen wichtigen räumlich-kontextuellen, baulichen und gestalterischen Elemente im Einzelnen besprechen.
Krankenhauskapellen als sakrale Bauelemente im öffentlich-säkularen Raum sind heutzutage allgegenwärtig. Der Bedarf nach Räumen, in denen man sich aus dem Klinikalltag zurückziehen kann um innezuhalten, ist ungebrochen. Seit einigen Jahren finden vermehrt Bestrebungen statt, religionsneutrale und gemischtreligiöse Räumlichkeiten einzurichten, um dem gewachsenen multikulturellen Bedarf gerecht zu werden. Christliche Krankenhauskapellen sind jedoch bereits seit langem ein fester Bestandteil der baulichen Gesamtkonzeption, auch wenn sie in bekenntnisgebundenen Krankenhäusern häufiger vorkommen als in Krankenhäusern nicht-konfessioneller Träger.
Die Kapelle Bergmannsheil ist ein sakrales Bauwerk der modernen Architektur der 1980er Jahre, welche ein hervorragendes Beispiel für innerräumliche Diskurse bietet. An diesem Beispiel möchte ich neben den baulichen Elementen ebenfalls die Diskursebenen des Profanen im Gegensatz zum Sakralen, der verschiedenen Elemente der christlichen Ökumene und von Krankheit und Genesung besprechen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Theorieansatz und Mittel
1.2. Anstaltsseelsorge und Krankenhausseelsorge
2. Räumliches Umfeld und Kontext
2.1. Außengelände und Umfeld
2.2. Bauproblematik
2.3. St. Barbara
2.4. Gemeindeeinbettung
3. Innenraum
3.1. Architektonische Einordnung
3.2. Grundriss / Räumlichkeit
3.3. Wand- und Deckengestaltung
3.4. Bodengestaltung
3.5. Fenstergestaltung
3.6. Liturgische Hauptelemente
4. Diskursebenen
4.1. Sakral und profan
4.2. Ost- und Westkirche und die Ökumene
4.3. Krankheit und Heilung
5. Fazit
5.1. Innerräumliche Diskurse
5.2. Krankenhauskapelle in der Literatur
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand einer Feldforschung die innerräumlichen Diskurse in der Krankenhauskapelle des Bergmannsheils in Bochum. Ziel ist es, das Zusammenwirken von baulichen Elementen, sakraler Gestaltung und der soziokulturellen Identität der Patienten im Kontext von Krankheit, Genesung und Ökumene zu analysieren.
- Architektonische Analyse der Raumgestaltung und Materialwahl
- Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Sakralität und Profanität
- Analyse der christlich-ökumenischen Repräsentation im Raum
- Integration der Themen Krankheit und Heilung in die symbolische Gestaltung
- Identitätsstiftender Bezug zum Ruhrgebiet und der Bergbautradition
Auszug aus dem Buch
4.1. Sakral und profan
Die offensichtlichste Kontrastwirkung innerhalb der Kapelle ist die des sakral genutzten Raums und der profanen Gestaltungselemente. Diese drückt sich nicht nur durch die gezielte Nutzung profaner, moderner Baumaterialien wie Beton, Kalksandstein, Schiefer und Industriestahl aus, sondern auch durch subtilere Gestaltungselemente wie die Dominanz elektrischer Beleuchtung, sondern auch durch den gezielten Bezug zur Bergbaukultur, der in dieser Kapelle präsenter ist als üblich.
Bei einigen wesentlichen liturgischen Elementen wurde gezielt auf traditionelle Materialien wie Bronze und Marmor zurückgegriffen. Diese sehen wir vor allem an liturgisch bedeutenden Platzierungen wie dem Altarbereich und dem Tabernakel. Hinter dem Altar befindet sich ein massiver bronzener Kerzenhalter, welcher trotz allem die geradlinigen Formen der anderen Gestaltungselemente aufgreift. Holz wurde eher spärlich verwendet. Es gibt eine an der Westnische angebrachte handgeschnitzte Christusfigur und ein Wandkreuz mit Corpus Christi, ansonsten fehlt Holz in der Gestaltung völlig. Einzig das Kirchengestühl ist aus Holz; jedoch wurde dieses explizit sehr modern und funktional gehalten und weicht auch in einigen Punkten vom Bild älterer Kirchen ab.
Die Nutzung profaner Elemente in der Gestaltung des Kirchenraumes und der Glasmalerei ist ein Thema, das seit dem Entstehen der Nutzung moderner Baustoffe thematisiert wird. So sprechen Gegner der Nutzung von Beton als Baustoff für sakrale Gebäude diesem Material seine Würde und Tauglichkeit für die Sakralarchitektur ab. Industrielle Fertigungsprozesse des Baustoffs werden dabei als Argumentation genauso angeführt wie seine eigentliche Zuordnung in den Bereich der Profanbauten. Befürworter des Betons hingegen stellen heraus, dass sie dieses Material als besonders flexibel zur Gestaltung betrachten, aber auch in seiner Schlichtheit als besonders ehrlich und wahrheitsgetreu.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Forschungsfeld der Krankenhauskapellen und Darlegung der methodischen Vorgehensweise bei der Untersuchung der Kapelle Bergmannsheil.
2. Räumliches Umfeld und Kontext: Beschreibung der historischen und baulichen Einbettung der Kapelle in das Klinikgelände unter Berücksichtigung des regionalen Bezugs.
3. Innenraum: Detaillierte Analyse der baulichen Elemente, vom Grundriss über die Wand- und Fenstergestaltung bis hin zum Mobiliar.
4. Diskursebenen: Untersuchung der verschiedenen Bedeutungsebenen, insbesondere des Kontrasts zwischen Sakralem und Profanem, ökumenischer Aspekte sowie der Symbolik von Krankheit und Heilung.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Gestaltungskonzeption, die den Anforderungen der Patienten durch eine stimmige Verbindung von Identität, Religiosität und Barrierefreiheit gerecht wird.
Schlüsselwörter
Krankenhauskapelle, Bergmannsheil, Sakralarchitektur, Profanität, Ökumene, Bergbautradition, Innerräumliche Diskurse, Krankheit und Heilung, Kirchenbau, Moderne, Materialität, Symbolik, Identität, Feldforschung, Religionswissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Krankenhauskapelle Bergmannsheil in Bochum als einen Ort, an dem architektonische Gestaltung und religiöse Diskurse aufeinandertreffen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von sakralem und profanem Raum, die Darstellung christlicher Ökumene sowie die Integration von Krankheitsthemen in die Gestaltung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie bauliche Elemente und künstlerische Gestaltung dazu beitragen, den Patienten Identität zu vermitteln und einen angemessenen Raum für die Ausübung von Religiosität in einem klinischen Umfeld zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin führte eine Feldforschung vor Ort durch, nutzte Vermessungstechniken und dokumentierte die Kapelle fotographisch, um eine eigene Analyse des Bauwerks zu erstellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Beschreibung des baulichen Kontexts, die detaillierte Untersuchung der Innenausstattung sowie die Analyse der Diskursebenen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Krankenhauskapelle, Bergbautradition, sakrale Architektur und den Diskurs zwischen Sakralität und Profanität definieren.
Welche Rolle spielt die Bergbautradition in der Kapelle?
Sie dient als identitätsstiftendes Element für Patienten aus dem Ruhrgebiet, was sich beispielsweise in der Gestaltung der Fenster und der Barbara-Statue widerspiegelt.
Wie wird das Thema Krankheit in der Kapelle dargestellt?
Durch subtile Dekorationselemente wie eine speziell gestaltete "Invalidenkrippe" oder die Positionierung von Heiligenfiguren, die sich an der Haltung von Patienten in Wartebereichen orientiert.
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- Simone Lohmeier (Author), 2016, Die Krankenhauskapelle Bergmannsheil. Analyse der innerräumlichen Diskurse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464272