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Was versteht Jean-Jacques Rousseau unter dem Begriff des Staatsbürgers?

Title: Was versteht Jean-Jacques Rousseau unter dem Begriff des Staatsbürgers?

Essay , 2012 , 10 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Vita Zeyliger-Cherednychenko (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Jean-Jacques Rousseau. Der Universalgelehrte war zwar kein Demokrat, allerdings lässt sich aus seinen politischen Schriften viel Wissen schöpfen, das helfen kann, mit den akuten Problemen der Gegenwart umzugehen und dieses vielleicht auch im Sinne der Demokratie einzusetzen. Die Arbeit verfolgt das Anliegen, die Frage nach dem rousseauschen Konzept des Staatsbürgers mit Hilfe seines 'contrat social' zu beantworten. Was genau versteht Jean-Jacques Rousseau unter dem Staatsbürger und welche gesellschaftliche Rolle ist diesem zugeschrieben? Interessant hierbei ist sicherlich auch der Blick auf das heutige demokratische Bild des Staatsbürger, das sich von dem Rousseaus bedeutend unterscheidet.

Im Laufe der Zeit ist die Gesellschaft zweifellos Veränderungen unterworfen. So ändern sich auch die Vorstellung des Staatsbürgers und die Anforderungen, die an ihn gestellt werden. In modernen Demokratien gibt es viele, die sich mit der Problematik demokratischer Aushöhlung beschäftigen. Die entstandene entleerte Form wird oft als 'Demokratie ohne Demokraten' bezeichnet. Dem Verhalten der Bürger wird dabei eine entscheidende Rolle zugeschrieben. Es wird sehr oft behauptet, dass gerade das mangelhafte Interesse der Staatsbürger an öffentlichen Angelegenheiten sowie die geringe politische Partizipation daran schuld seien, dass eine Minderheit regiert und die Mehrheit sich dem fügt.

Schon der griechische Staatsmann Perikles schrieb, dass die Verfassung Demokratie heißt, weil der Staat nicht auf wenige Bürger, sondern auf die Mehrheit ausgerichtet ist. Wie soll dann diese Mehrheit der Staatsbürger ihre Herrschaft ausüben? Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: direkte, durch Versammlungen und Abstimmungen oder indirekt durch die Bestellung von Vertretern. In jedem Fall wird vorausgesetzt, dass sich das Volk an den staatlichen Angelegenheiten aktiv beteiligt. Der Verdacht, dass die prekäre Lage der modernen Demokratie auf das politische Verhalten der Staatsbürger zurückzuführen ist, erhöht heute das Interesse an den Konzepten von klassischen Denkern der politischen Theorie über die Rolle des Bürgers in der Gesellschaft, seinen Rechten und Pflichten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil

2.1. Gemeinwille und Einzelwille

2.2. Staatsbürger und Privatbürger

2.3. Privatinteressen

2.4. Gesetzgebung

2.5. „Reife des Volkes“

III. Schlusswort

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept des Staatsbürgers bei Jean-Jacques Rousseau, insbesondere im Hinblick auf sein Werk 'contrat social', um die Abgrenzung zwischen öffentlichem Engagement und privatem Interesse zu beleuchten.

  • Analyse des rousseauschen Gemeinwillens (volonté générale)
  • Differenzierung zwischen Staatsbürger und Privatbürger
  • Die Rolle von Privatinteressen im politischen Gemeinwesen
  • Die Funktion des Gesetzgebers für das Staatsbürgertum
  • Die Bedeutung der sogenannten „Reife des Volkes“

Auszug aus dem Buch

2.5. „Reife des Volkes“

Aber ist der Gesetzgeber alleine mächtig genug, um jedes Gesellschaftsmitglied zum Staatsbürger zu formen? Um jedem Bürger seine Verpflichtungen bewusst zu machen und ihn in Dienst des Gemeinwillens zu bringen? Natürlich nicht. Der Gesetzgeber wird bei seiner Aufgabe hilflos, wenn das Volk, dem er gute Gesetze bestimmt, nicht fähig ist, sie zu tragen (vgl. Rousseau, S. 47).

Daraus folgt, dass die Gesellschaft der Gesetzgebung gewachsen sein muss. Der Mensch muss bereit sein, die eigene Veränderung in Richtung des Staatsbürgers zu überstehen und aufzunehmen. Mit rousseauschen Worten soll das Volk „reif“ sein. Er behauptete, dass es „für Menschen wie für Nationen eine Zeit der Reife gibt, die man abwarten muss, bevor man sie Gesetzen unterwerfen kann. Aber die Reife eines Volkes ist nicht immer leicht zu erkennen, und wenn man zu früh kommt, ist das Werk fehlgeschlagen“ (Rousseau, S. 49).

Was versteht Jean-Jacques Rousseau unter der Reife des Volkes? Er meint die Sitten. Sie sind Fluch und Segen zugleich. Gerade die Sitten machen das aus, was man als Volksidentität bezeichnet, ihre Eigenart und Besonderheit. Sind diese erst einmal eingeführt, können sie unabänderlich sein: „Wenn die Sitten erst einmal eingeführt sind und die Vorurteile eingewurzelt, ist es ein gefährliches und vergebliches Bemühen, sie abändern zu wollen“ (Rousseau, S. 48).

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Problematik der demokratischen Aushöhlung und führt in die Fragestellung ein, wie Jean-Jacques Rousseaus Denken als theoretisches Fundament zum Verständnis der Bürgerrolle dienen kann.

II. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert zentral die Begriffe des Gemein- und Einzelwillens, die Abgrenzung von Staatsbürger und Privatbürger sowie die notwendigen Bedingungen wie Gesetzgebung und die „Reife des Volkes“ für eine funktionierende politische Gemeinschaft.

III. Schlusswort: Das Schlusswort führt die Argumentation zusammen und definiert den rousseauschen Staatsbürger als ein vernünftiges Wesen, das seine egoistischen Interessen zugunsten des Gemeinwohls zu abstrahieren vermag.

Schlüsselwörter

Jean-Jacques Rousseau, Staatsbürger, Gemeinwille, Einzelwille, Gesellschaftsvertrag, Privatinteressen, Gemeinwohl, Gesetzgebung, Reife des Volkes, Politische Theorie, Demokratie, Partizipation, Sitten, Volksidentität, Sittlichkeit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Staatsbürger-Ideal bei Jean-Jacques Rousseau und analysiert, welche moralischen und gesellschaftlichen Anforderungen er an den Bürger stellt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zu den Kernbereichen gehören das Spannungsverhältnis zwischen Gemein- und Einzelwillen, die Unterscheidung zwischen dem öffentlichen und privaten Menschen sowie die Rolle von Gesetzen.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?

Die Arbeit will aufdecken, was Rousseau unter einem Staatsbürger versteht und wie sich dieses Konzept grundlegend vom modernen, oft an individuellen Interessen orientierten Bild des Bürgers abhebt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Analyse, die primär auf der Auslegung der politischen Schriften von Jean-Jacques Rousseau, insbesondere dem 'contrat social', basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil erörtert die Konzepte des Gemeinwillens, die notwendige Erziehung zum Bürger, die Funktion von Privatinteressen und die Rolle des Gesetzgebers bei der Formung eines reifen Volkes.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Besonders prägend sind die Begriffe Gemeinwille, Staatsbürger, Gemeinwohl, Gesetzgebung und Reife des Volkes.

Warum spielt das Konzept der „Reife des Volkes“ bei Rousseau eine so kritische Rolle?

Rousseau argumentiert, dass Gesetze nur dann erfolgreich sind, wenn das Volk in seiner sittlichen Entwicklung bereits reif genug ist, diese anzunehmen, wobei er hier auch das Beispiel Russlands heranzieht.

Wie unterscheidet sich der rousseausche Staatsbürger vom Privatbürger?

Während der Staatsbürger sein Handeln am Gemeinwohl ausrichtet und auf eine „innere Stimme“ der Pflicht hört, lässt sich der Privatbürger vornehmlich von egoistischen Sonderinteressen leiten.

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Details

Title
Was versteht Jean-Jacques Rousseau unter dem Begriff des Staatsbürgers?
College
Dresden Technical University
Grade
1,3
Author
Vita Zeyliger-Cherednychenko (Author)
Publication Year
2012
Pages
10
Catalog Number
V464385
ISBN (eBook)
9783668919402
ISBN (Book)
9783668919419
Language
German
Tags
jean-jacques rousseau begriff staatsbürgers
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Vita Zeyliger-Cherednychenko (Author), 2012, Was versteht Jean-Jacques Rousseau unter dem Begriff des Staatsbürgers?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464385
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