Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mithilfe eines Gedankenexperiments kritisch mit der Frage nach nicht-freiwilliger Sterbehilfe auseinander und verorten sich selbst begründet innerhalb dieser medizinethischen Debatte.
Inhaltsverzeichnis
1 Kompetenzen und Lernziele
1.1 Kompetenzschwerpunkte der Reihe
1.2 Lernziele
1.2.1 Übergeordnetes Lernziel
1.2.2 Feinlernziele
2 Unterrichtsvoraussetzungen
2.1 Allgemeine Unterrichtsvoraussetzungen
2.2 Tabellarische Übersicht über die Unterrichtsreihe
3 Didaktische Hinweise
4 Methodische Hinweise
5 Stundenverlauf
6 Antizipierter Whiteboardanschrieb
6.1 (aT1) Argumentationsskizzen
7 Literatur
8 Anhang und Materialien
8.1 Zum Einstieg
8.2 Zur Erarbeitungsphase
8.4 Zur Vertiefungsphase
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Unterrichtsstunde zielt darauf ab, dass Schülerinnen und Schüler sich kritisch mit der medizinethischen Problematik der nicht-freiwilligen Euthanasie bei schwerstbehinderten Neugeborenen auseinandersetzen, die utilitaristische Position Peter Singers analysieren und eine eigenständige, begründete moralische Haltung zu dieser Thematik entwickeln.
- Grundlagen der Sterbehilfe und nicht-freiwilliger Euthanasie
- Utilitaristische Ethik am Beispiel von Peter Singer
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Speziesismus und Personenbegriff
- Methoden des kooperativen Lernens zur Textanalyse und Argumentation
- Reflexion über ethische Grenzwerte und Dammbruchargumente
Auszug aus dem Buch
(M3) Peter Singer: Es gibt kein absolutes Recht auf Leben
Die biologischen Fakten, an die unsere Spezies gebunden ist, haben keine moralische Bedeutung. Dem Leben eines Wesens bloß deshalb den Vorzug zu geben, weil das Lebewesen unserer Spezies angehört, würde uns in eine unangenehme Position bringen. Sie gleicht jener der Rassisten, die denen den Vorzug geben, die zu ihrer Rasse gehören.
Was unterscheidet also den Menschen – nicht nur rein biologisch – von allen anderen Lebewesen und macht sein Leben schützenswerter als das der Tiere? Eine mögliche Antwort ist diese: Es ist die Bewusstheit seiner selbst und die Bewusstheit seiner Zukunft, die sich erst nach der Geburt entwickeln. Entscheidend für das Recht auf Leben ist, so meine ich, diese Entwicklung des Selbst-Bewusstseins.
Erst dann würde ich den Menschen als Person anerkennen. Diese Grenze zwischen Lebewesen und einer Person ist nicht präziser, aber sie ist ethisch bedeutsamer als alle anderen Grenzziehungen. Denn nur eine Person mit Selbst-Bewusstsein, die weiß, was es bedeutet, wenn ihr Leben beendet wird, kann sich auch wünschen weiterzuleben. Das kann ein Lebewesen ohne Selbst-Bewusstsein nicht. […]
Die Unrechtmäßigkeit einer Handlung ist an dem Ausmaß zu messen, in dem die Handlung die Verwirklichung bestimmter Präferenzen verhindert. Weil eben diese Wesen keine in die Zukunft gerichteten Präferenzen haben, handeln wir keiner ihrer Präferenzen zuwider, wenn wir ihnen ein rasches und schmerzfreies Lebensende bereiten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Kompetenzen und Lernziele: Definition der fachlichen Anforderungen sowie der übergeordneten und spezifischen Lernziele für die Unterrichtsreihe und die konkrete Stunde.
2 Unterrichtsvoraussetzungen: Analyse der Lerngruppe hinsichtlich ihres Leistungsstandes, ihrer Diskussionsfreude und ihres Umgangs mit philosophischen Texten.
3 Didaktische Hinweise: Einordnung der bioethischen Fragestellung in den Kontext aktueller gesellschaftlicher Debatten und curriculare Vorgaben für die gymnasiale Oberstufe.
4 Methodische Hinweise: Erläuterung des gewählten Unterrichtsaufbaus inklusive Gedankenexperimenten und kooperativen Lernformen zur Aktivierung der Lernenden.
5 Stundenverlauf: Detaillierte tabellarische Darstellung der zeitlichen Planung, Phasen, Methoden und eingesetzten Medien.
6 Antizipierter Whiteboardanschrieb: Skizze der zentralen Argumentationsstruktur von Peter Singers Position zur besseren Nachvollziehbarkeit für die Schüler.
7 Literatur: Verzeichnis der verwendeten Quellen und fachdidaktischen Sekundärliteratur.
8 Anhang und Materialien: Sammlung der Arbeitsmaterialien, Einstiegsimpulse und Sachtexte für die Schüler.
Schlüsselwörter
Sterbehilfe, Euthanasie, Bioethik, Peter Singer, Utilitarismus, Personenbegriff, Speziesismus, nicht-freiwillige Euthanasie, Ethikunterricht, Dammbruchargument, moralische Urteilsfähigkeit, Präferenzen, Lebensrecht, Menschenwürde, Kooperatives Lernen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Unterrichtseinheit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die ethische Problematik der Sterbehilfe, mit einem spezifischen Fokus auf der Frage der nicht-freiwilligen Euthanasie bei schwerstbehinderten Neugeborenen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Reihe?
Die Reihe umfasst Themen wie medizinischen Fortschritt, Todessehnsucht, den hippokratischen Eid, die gesetzliche Lage der Sterbehilfe, Patientenverfügungen und die Abgrenzung zur Palliativmedizin.
Was ist das primäre Ziel der Stunde?
Die Lernenden sollen sich kritisch mit der kontroversen Position von Peter Singer auseinandersetzen und durch den Prozess des kooperativen Lernens zu einem eigenständigen, begründeten Urteil gelangen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es kommt ein analytisch-dialektischer Zugang zum Einsatz, der durch ein Gedankenexperiment eingeleitet und durch kooperative Textarbeit vertieft wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse von Peter Singers utilitaristischer Position, die kritische Diskussion der Lebensunwert-Problematik sowie die methodische Einbettung in den Schulalltag.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Utilitarismus, Personenstatus, Speziesismus, Selbst-Bewusstsein und ethische Urteilsbildung.
Warum wird gerade Peter Singers Position für den Unterricht gewählt?
Singer vertritt eine weltbekannte und zugleich hoch kontroverse Position, die sich ideal eignet, um Schüler zu einer reflektierten Auseinandersetzung mit moralischen Extrempositionen herauszufordern.
Welche Rolle spielen die Dammbruchargumente im Unterricht?
Sie dienen als fakultatives Element, um die ethischen Gefahren einer Relativierung des Lebensrechts, etwa unter Bezugnahme auf historische Kontexte wie den Nationalsozialismus, kritisch zu hinterfragen.
- Arbeit zitieren
- Lena Groß (Autor:in), 2018, Nicht-freiwillige Sterbehilfe. Dürfen schwerstbehinderte Neugeborene getötet werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464540