Die vorliegende Forschungsarbeit widmet sich den Zukunftsvorstellungen von heranwachsenden Jugendlichen in stationären Wohngruppen. Dabei wird eine theoretische Auseinandersetzung mit der Entwicklung in der Jugend, sowie mit den pädagogischen Herausforderungen und Aufgaben angestrebt. Ziel dieser Arbeit ist es herauszufinden, wie die Zukunftsvorstellungen der heranwachsenden Jugendlichen aussehen und ob diese in den Kontext der Entwicklungsaufgaben und der Entwicklungspsychologie einzuordnen sind und ob diese sich von den Zukunftswünschen heranwachsender Jugendlicher, die nicht in einer Fremdunterbringung leben, unterscheiden.
Im ersten Kapitel setzt sich die Autorin mit den Entwicklungsaufgaben, der Entwicklungspsychologie und den Entwicklungsproblemen auseinander. Das zweite Kapitel umfasst die Beschreibung der Rahmenbedingungen in stationären Wohngruppen und der Rechtsgrundlagen. Außerdem strebt die Autorin eine Auseinandersetzung mit der Gestaltung eines Hilfeplanes an sowie den Methoden, die das Personal in stationären Wohngruppen anwendet. Im dritten Kapitel stellt die Autorin ihr Forschungsdesign vor, indem sie auf die Grundgesamtheit, die gewählte Stichprobe und die Probanden eingeht und diese ausführlich beschreibt. Im Weiteren wird auf die Untersuchungsplanung, die Methodik der Datenerhebung und die Auswertungsmethodik eingegangen. Am Ende der Forschungsarbeit werden die Ergebnisse dargestellt und interpretiert.
Heutzutage haben Jugendliche in Deutschland viele Freiräume, wie die Wahl ihres Freundeskreises, ihres Freizeitverhaltens, bei der Selbstentfaltung oder auch bei den Bildungs- und Ausbildungswegen. Gleichzeitig müssen sie sich auf den Weg in die Adoleszenz auch Herausforderungen stellen, wie beispielsweise der Identitätsbildung. Da sich sowohl ihr Körper als auch die gesellschaftlichen Anforderungen ändern, kann dies zu Konflikten mit den Eltern oder Schule führen. Einige Jugendliche leiden besonders unter diesem Entwicklungsdruck und unter der sozialen und psychischen Überlastung. Noch schwieriger wird die Situation, wenn die heranwachsenden Jugendlichen keine konstanten Bezugspersonen und ein instabiles soziales Umfeld haben. Die Zukunftsvorstellungen von Kindern und Jugendlichen zu kennen, ist sowohl für den Bereich der Jugendforschung als auch für Personen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, ein wichtiger Aspekt und wird deswegen schon seit vielen Jahren in einschlägigen großen soziologischen Jugendstudien erfasst.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Entwicklung im Jugendalter
2.1 Entwicklung und Entwicklungspsychologie im Jugendalter
2.2 Entwicklungsaufgaben von Jugendlichen
2.3 Entwicklungsprobleme
3 Rahmbedingungen in der stationären Jugendhilfe
3.1 Rahmbedingungen und Entwicklung stationärer Wohngruppen
3.2 Rechtsgrundlagen und Hilfeplan
3.3 Personal und Methoden
4 Forschungsdesign
4.1 Grundgesamtheit, Stichprobe, Probanden
4.2 Methodik der Datenerhebung
4.3 Untersuchungsplanung und Auswertungsmethodik
5 Darstellung und Interpretation der Befunde
5.1 Die Ergebnisse und Interpretation der Interviews
5.2 Prüfung der Gütekriterien und Forschungskritik
5.3 Offene Forschungsfragen und Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Forschungsarbeit zielt darauf ab, die Zukunftsvorstellungen von heranwachsenden Jugendlichen in stationären Wohngruppen zu explorieren und diese in den Kontext aktueller entwicklungspsychologischer Anforderungen und Entwicklungsaufgaben einzuordnen. Dabei wird insbesondere untersucht, ob sich die Zukunftswünsche dieser spezifischen Zielgruppe von Jugendlichen unterscheiden, die außerhalb einer Fremdunterbringung aufwachsen.
- Entwicklungspsychologische Grundlagen und Herausforderungen im Jugendalter
- Rahmenbedingungen und pädagogische Methoden in der stationären Jugendhilfe
- Empirische Untersuchung mittels leitfadengestützter Interviews
- Analyse von Zukunftsvorstellungen bezüglich Familie, Beruf und Wohnsituation
- Vergleich der Ergebnisse mit der Shell-Jugendstudie zur Identifikation von Unterschieden in der Zukunftsgestaltung
Auszug aus dem Buch
2.1 Entwicklung und Entwicklungspsychologie im Jugendalter
Innerhalb der akademischen Psychologie des Menschen stellt die Entwicklungspsychologie ein empirisches Teilgebiet dar, dass früher stark von der Säuglings- und Kleinkindforschung beeinflusst wurde, heute aber immer mehr den Blick auf den gesamten Lebenszyklus des Menschen richtet. Die Hauptelemente der Entwicklungspsychologie sind die Beschreibung und Erklärung sowie die Vorhersage und Beeinflussung menschlichen Erlebens und Verhaltens unter dem Aspekt der Veränderung über die gesamte Lebensspanne. Unter dem Begriff „Entwicklung“ wird im Allgemeinen ein Prozess der Entstehung bzw. der Veränderung verstanden. In der Psychologie der Entwicklung gibt es drei Prinzipien:
das Prinzip des Wachstums,
das Prinzip der Reifung,
das Prinzip des Lernens (vgl. Web 1).
Das Prinzip des Wachstums beinhaltet die Veränderung der Körperstruktur (Form, Größe etc.). Das Prinzip der Reifung bezieht sich auf die Entwicklung von Reflexen und Instinkten oder anderen Verhaltensweisen. Das Prinzip des Lernens umfasst das Gebiet des traditionellen Konditionierens, der Extinktion, den Bereich des schulischen Lernens und anderer von außen einwirkenden Einflüssen. Die Entwicklungspsychologie versucht zu klären, warum es zu Veränderungen in der Entwicklung kommt, wie Stabilitäten entwickelt werden und warum es diesbezüglich inter- und intraindividuelle Unterschiede gibt. Interne Bedingungen, die in der Natur des Menschen oder in seinen individuellen Anlagen liegen, spielen eine Rolle, ebenso wie externe, die durch die physisch, soziale oder sozial gestaltete Umwelt wirken. Interne und externe Bedingungen können additiv wirken oder interagieren (vgl. Web1).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz der Jugendphase ein, definiert den Altersbereich der Zielgruppe und stellt die Forschungsfrage sowie die Hypothesen der Arbeit vor.
2 Entwicklung im Jugendalter: Dieses Kapitel behandelt die theoretischen Grundlagen der Entwicklungspsychologie, zentrale Entwicklungsaufgaben und auftretende Entwicklungsprobleme im Adoleszenzalter.
3 Rahmbedingungen in der stationären Jugendhilfe: Hier werden die gesetzlichen Grundlagen (SGB VIII), das Hilfeplanverfahren sowie die pädagogischen Strukturen und Methoden in stationären Wohngruppen erläutert.
4 Forschungsdesign: Das Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen, die Grundgesamtheit, die Probanden sowie die Planung und Durchführung der qualitativen Experteninterviews.
5 Darstellung und Interpretation der Befunde: Dieses Kapitel präsentiert die Ergebnisse der Interviews, setzt sie in Bezug zu den Hypothesen, vergleicht sie mit externen Studien und reflektiert die Forschungskritik sowie das Fazit.
Schlüsselwörter
Entwicklungspsychologie, Jugendalter, stationäre Jugendhilfe, Wohngruppen, Zukunftsvorstellungen, Entwicklungsaufgaben, Hilfeplanung, SGB VIII, qualitative Inhaltsanalyse, Heimerziehung, Identitätsbildung, Adoleszenz, Sozialpädagogik, Fremdunterbringung, empirische Forschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die persönlichen Zukunftsvorstellungen von heranwachsenden Jugendlichen, die in stationären Wohngruppen der Jugendhilfe leben.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen die Entwicklungspsychologie des Jugendalters, die strukturellen und rechtlichen Rahmenbedingungen der stationären Jugendhilfe sowie die empirische Erhebung von Zukunftsperspektiven dieser Jugendlichen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, herauszufinden, wie sich die Lebensvorstellungen dieser spezifischen Zielgruppe gestalten und ob diese im Einklang mit allgemeinen entwicklungspsychologischen Aufgaben stehen oder sich von Jugendlichen in familiären Umfeldern unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Datenerhebung verwendet?
Die Forscherin nutzt die qualitative Sozialforschung, konkret werden voll standardisierte, leitfadengestützte Interviews mit den Jugendlichen geführt und nach der Methode von Mayring ausgewertet.
Was wird im theoretischen Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich den theoretischen Konzepten der Adoleszenz, den normativen und non-normativen Entwicklungsaufgaben sowie den spezifischen Anforderungen an Fachkräfte in Krisensituationen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Zu den prägenden Begriffen zählen Entwicklungsaufgaben, Heimerziehung, stationäre Wohngruppe, Adoleszenz und Zukunftsgestaltung.
Wie gehen die Jugendlichen in der Wohngruppe mit ihrer Situation um?
Die Studie zeigt, dass die Jugendlichen trotz ihrer negativen Vorerfahrungen und der schwierigen Trennung von der Herkunftsfamilie überraschend positiv in die Zukunft blicken und konkrete Ziele formulieren.
Welches zentrale Ergebnis liefert der Vergleich mit der Shell-Jugendstudie?
Der Vergleich zeigt, dass sich die Zukunfts- und Familienwünsche der befragten Heim-Jugendlichen sehr stark mit denen der Jugendlichen aus der Shell-Studie ähneln, wodurch die Hypothese negativerer Zukunftsvorstellungen bei Heim-Jugendlichen falsifiziert wurde.
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- Anonym (Author), 2018, Heranwachsende Jugendliche in stationären Wohngruppen und ihre Zukunftsvorstellungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464558