Interkulturelle Vielfalt im Sportunterricht. Das Integrationspotenzial von Sport


Hausarbeit, 2018
12 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition von Migration und Migrationshintergrund

3. Bildungsunterschiede von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund

4. Humankapitalistische Einordnung von Menschen mit Migrationshintergrund

5. Integrationspotenzial des Schulsports

6. Integrationsleistung und Sport

7. Fazit

1. Einleitung

In dem Seminar „Interkulturelle Vielfalt im Sport(-unterricht)“ beschäftigten wir uns unter anderem mit dem Integrationspotenzial, den Integrationsmöglichkeiten und der Integrationsrealität in Deutschland und betrachteten vor allem die aktuelle Realität kritisch. Die Heterogenität der deutschen Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren stark verändert (Budde, 2018, S.2f.). Vor allem durch eine gesteigerte Ein- und Auswanderung, bei der diverse Gründe zusammen eine bedeutende Rolle spielen. Dazu zählen ökonomische, politische und gesellschaftliche Probleme und Chancen, aber auch die allgemeine Globalisierung ist ein wichtiger Faktor für Migration. Die Diversität von Sprachen und Kulturen stelllt dabei sowohl die Einwanderer, als auch die bestehende Gesellschaft vor großen Herausforderungen und ist sehr schnell zu einem der wichtigsten politischen Themen in Deutschland geworden. Dies führt dazu, dass Migration und Integration bedeutende Faktoren für die Sozial- und Gesellschaftsstruktur geworden sind (Heckmann, 2016, S.17).

Seit den größtenteils negativ ausfallenden PISA-Studien in den 2000ern hat sich das Schulsystem in Deutschland stark entwickelt. Vorangegangen war das schlechte Abschneiden von Migranten, welches die Chancengleichheit der Bildungsinstitutionen infrage stellte. Erst seitdem standen Integrationskonzepte im Mittelpunkt und gesellschaftliche Systeme und Institutionen versuchten sich anzupassen. In vielen dieser Konzepte spielt Sport eine große Rolle. Dem Sport werden vielseitige Möglichkeiten und viel Potenzial zugedacht. Immer mehr soll der „Integrationsmotor“ Sport Probleme mit Diversität und Migration lösen. Durch Integrationsprojekte aus verschiedenen Sportverbänden, wurde auch der Schulsport Teil unterschiedlichster Konzepte. Betrachtet man diese Situation nun kritisch scheint Sport nicht nur die Hauptverantwortung für erfolgreiche Integration insgesamt zu tragen, sondern steht oberflächlich betrachtet fast alternativlos da und wirkt nicht selten wie die einzige Antwort auf die Frage nach einer funktionierenden und möglichst schnellen Integration.

Die vorliegende Arbeit soll die aktuelle Situation des Zusammenhangs zwischen Sport und Integration betrachten und reflektieren. Hierfür muss der Begriff der Migration genauer definiert werden. Dazu sollen theoretische Ansätze wie der humankapitalistische Ansatz von Bourdieu angewendet werden, um mögliche gesellschaftliche Benachteiligungen aufzuzeigen, die der erfolgreichen Integration gegenüberstehen.

Um über die Sinnhaftigkeit des Sports als Integrationsmöglichkeit zu urteilen, wird das integrative Potenzial untersucht. Damit differenzierte und realitätsnahe Ergebnisse entstehen wird die reale Integrationsleistung des Sports überprüft und bewertet.

Die Ergebnisse werden im abschließenden Fazit zusammengeführt und verglichen um im besten Fall abschätzen zu können, ob es realitätsnahe Alternativen zum Sport gibt.

2. Definition von Migration und Migrationshintergrund

Der Begriff Migration kommt aus dem Lateinischen migratio, welches man mit Wanderung oder Auswanderung übersetzen kann (Meinhardt, 2005, S. 25). Eine weit gefasste Definition beschreibt Migration als Wechsel des Lebensmittelpunktes über internationale Grenzen (Meinhardt, 2005, S.25). Ab wann man genau als Migrant gilt, ist in vielen Ländern sehr unterschiedlich, sodass es keine allgemein gültige Definition von Migration gibt. Ebenso differenziert sind die Bestimmungen, ab wann man kein Migrationshintergrund mehr besitzt.

In dieser Arbeit sollen Migranten und Migration, wenn nicht anders determiniert, etwas enger definiert werden, um spezifischere Probleme und Lösungsansätze aufzuzeigen. Ausgenommen ist die Binnenmigration, sowie die Migration von deutschsprachigen Personen.

Immer wieder ist von Bildungsbenachteiligung von Schülerinnen und Schüler im Schulwesen die Rede. Nachfolgend sollen konkrete Gründe für diesen Misserfolg gefunden und in Zusammenhang mit den Integrationsmaßnahmen betrachtet werden.

3. Bildungsunterschiede von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund

Alle relevanten Studien (OECD und Pisa) zeigen, dass es große Leistungsunterschiede bei Schülerinnen und Schüler ohne und mit Migrationshintergrund gibt. Dafür lassen sich nicht ausschließlich vorherige Bildungsbenachteiligung oder Sprachprobleme verantwortlich machen. Im Gegenteil viele Bildungsforscher sprechen von einer Bildungsdiskriminierung (Göbel & Buchwald, 2017, S. 151). Deutlich wird dies auch, da die Unterschiede in anderen Ländern deutlich geringer ausfallen, trotz derselben Hindernisse. Problematisch ist dies, da jeder Mensch das gleiche Recht auf Bildung und Teilhabe hat, wovon man demnach weit entfernt zu sein scheint und weil Deutschland seit langer Zeit ein Einwanderungsland ist und dementsprechend auch große Verantwortung trägt.

Die Abhängigkeit zwischen sozialer Herkunft und Erfolg in der Schule und im Beruf ist in Deutschland immer noch extrem groß (Göbel & Buchwald, 2017, S. 157). Obwohl dies seit den ersten PISA-Studien bekannt ist, zeigen die Ergebnisse noch klare Kompetenznachteile aufseiten der Menschen mit Migrationshintergrund. Immerhin wird der Einfluss laut aktuellen OECD- Studien (2018) geringer, fällt aber immer noch bedeutend höher aus, als in vielen anderen europäischen Ländern und kann demnach nicht als großer Erfolg, sondern eher als Schritt in die richtige Richtung betrachtet werden. Zumal diese Studie vor allem die Kinder von Migranten untersucht hat.

Die PISA-Studie von 2015 bezeugt das schlechte Abschneiden im Vergleich mit dem OECD-Durchschnitt. Um mögliche Ursachen für die genannten Unterschiede festzumachen, möchte ich den humankapitaltheoretischen Ansatz nach Bourdieu (1982) nutzen. Dazu gehören die individuellen Ressourcen der Schülerinnen und Schüler, die mit ihrem Bildungserfolg abgeglichen werden. Mit diesem Vergleich möchte ich untersuchen, inwieweit das deutsche Bildungssystem für die Unterschiede mitverantwortlich ist, oder ob diese Differenzen andere Ursachen haben könnten.

4. Humankapitalistische Einordnung von Menschen mit Migrationshintergrund

Im Folgendem soll der Einfluss des individuellen Kapitals von Menschen, am Beispiel von Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, auf ihre jeweilige Leistung und ihre Kompetenzen im Bildungsbereich thematisiert werden. Dies betrifft vorrangig die familiären, kulturellen und weitere ökonomische Merkmale (Göbel & Buchwald, 2017, S. 151)1. Konkret bedeutet dies, dass Menschen mit Migrationshintergrund oftmals weniger Bildungsressourcen zur Verfügung stehen, wodurch auch der individuelle Bildungsweg beeinflusst wird. Führt man diese Argumentationskette weiter, werden die ungleichen Bildungschancen noch deutlicher (Göbel & Buchwald, 2017, S. 168f.). Berufs- und Bildungsabschlüsse, sowie vergleichbare Qualifikationen werden oftmals im Aufnahmeland hinfällig oder verlieren an Bedeutung und Aussagekraft. Dazu kommen Sprachkenntnisse, die nicht genutzt werden können, da sie nicht gebraucht werden. Im Gegenteil es entstehen Sprachbarrieren, die erst überwunden werden müssen. Allgemeine Differenzen im Bildungs- und Berufssystem führt dazu, dass Eltern ihre Kinder kaum unterstützen können, da ihnen strukturelles Wissen fehlt.

Doch auch ökonomische und soziale Faktoren führen zu Integrationsnachteilen bei Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund. Die sozioökonomischen Voraussetzungen ist in Familien mit Migrationshintergrund oftmals ungünstig, was auch auf die Leistungen in der Schule wirkt (Göbel & Buchwald, 2017, S. 169f.). Immerhin scheint dieser Zusammenhang langsam an Bedeutung zu verlieren, wie OECD-Studien belegen. Nicht selten fehlen auch soziale Beziehungen, die für bildungsrelevantes soziales Kapital sorgen könnte. Häufig bilden sich Beziehung innerhalb einer ethnischen Gruppe und deutlich seltener zwischen mehreren unterschiedlichen Kulturen (Göbel & Buchwald, 2017, S. 144f.). Zusammenfassend kann man einige Bildungsdifferenzen anhand des individuellen Kapitals festmachen, jedoch wird auch deutlich, wie das Bildungssystem als Ursache für große Unterschiede in den Mittelpunkt rückt.

Konkrete Beispiele hierfür wären, dass trotz guter Noten von schlechteren Leistungen aufgrund von fehlenden Sprachkenntnissen und fehlender familiärer Unterstützung ausgegangen wird (Göbel & Buchwald, 2017, S. 262). Zudem fehlten für Gymnasien oft unterstützende Angebote, beispielsweise für den Spracherwerb, wodurch viele Schülerinnen und Schüler stark eingeschränkt wurden. Dadurch wurde ihnen quasi der Weg zur Hauptschule vorgelebt und das Selektionsverfahren des deutschen Schulsystems zum Nachteil.

Der humankapitalistische Ansatz macht die Bildungsdifferenzen am individuellen Kapital fest, an dem man definitiv einige Bildungsbenachteiligungen erklären kann. Jedoch wird dort auch immer wieder deutlich, dass auch das deutsche Schulsystem teilweise nicht nur keinen Beitrag leistet, dies effektiv zu ändern, sondern häufig sogar für eine Vergrößerung der Unterschiede gesorgt hat.

[...]


1 Angeführt werden hier Göbel & Buchwald, welche sich auf die Theorie von Bourdieu beziehen

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Interkulturelle Vielfalt im Sportunterricht. Das Integrationspotenzial von Sport
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
12
Katalognummer
V464746
ISBN (eBook)
9783668953017
ISBN (Buch)
9783668953024
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Integration Hausarbeit, Sport, Migration, Schule, Schulunterricht
Arbeit zitieren
Jona Wilke (Autor), 2018, Interkulturelle Vielfalt im Sportunterricht. Das Integrationspotenzial von Sport, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464746

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