Die Rolle Adolf Eichmanns bei der Wannseekonferenz


Studienarbeit, 2019
12 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Adolf Eichmanns Werdegang
2.1 Anfänge in der SS und SD
2.2 Der Auswanderungsexperte

3 Die Wannseekonferenz
3.1 Planung
3.2 Teilnehmer
3.3 Inhalt
3.4 Eichmanns Rolle

4 Fazit

5 Didaktische Überlegungen

6 Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung

‚Adolf Eichmann‘1 und ‚Wannseekonferenz‘ – zwei Namen, die mit dem Nationalsozialismus unwiderruflich verknüpft sind. Als Leiter des Juden-Referats des Reichssicherheitshauptamtes war Eichmann maßgeblich für die Deportationen der Juden in die zahlreichen Konzentrations- und Vernichtungslager verantwortlich. Die Wannsee-Konferenz gilt als das Treffen, auf dem die endgültige Vernichtung des europäischen Judentums geplant wurde. Das Hauptthema dieser Sitzung wurde als ‚Endlösung der Judenfrage‘ bezeichnet.

Der Geschichtsunterricht in der Schule verknüpft selten bis nie Eichmann und die Wannsee-Konferenz miteinander. Mit dieser Verknüpfung beschäftigt sich die vorliegende Arbeit Hierfür wird zunächst Eichmanns Leben betrachtet, wobei der Fokus vor allem auf seinem Werdegang und den damit verbundenen Aufgaben im NS-Regime liegt. Diese Betrachtung erfolgt jedoch nur bis zum Beginn der Wannseekonferenz und nicht darüber hinaus, da diese für ein Verständnis seiner Rolle nicht zwingend notwendig sind. Zudem ist es notwendig einen Blick auf die Planung, Teilnehmer und den Inhalt der Wannseekonferenz zur werfen. Nur wenn man diese betrachtet ist es, Reichmanns besondere Rolle in dieser Angelegenheit zu verstehen.

2 Adolf Eichmanns Werdegang

1908 in Solingen geboren, führte Eichmann bis zu seinem Eintritt in die österreichische und deutsche NSDAP 1932 ein unstetes Leben. Er beendete weder seine Schule noch gelang es ihm einen Ausbildungsberuf zu erlernen.2

2.1 Anfänge in der SS und SD

Eichmanns erste Station auf seinem beruflichen Werdegang war Passau. Dort absolvierte er eine mehrwöchige militärische Ausbildung. Anschließend war er dafür zuständig, aus Österreich geflüchtete SS- und SA-Männer zu finden und in Aufnahmelager zu bringen. Zudem unterstützte er den Schmuggel von Aktivisten und Propagandamaterial nach Österreich. Es folgte eine Versetzung nach Dachau, wo er eine weitere militärische Ausbildung durchlief. Zu diesem Zeitpunkt vervollständigte sich seine Indoktrination betreffend des nationalsozialistischen Gedankenguts. 1934 bewarb er sich für eine Stelle beim SD, als er hörte, dass dort mehrere Stellen frei seien. Ab Oktober 1934 war er schließlich für den SD tätig und sein Weg zum Judenexperten begann.3 Nach Abschluss einer weiteren militärischen Ausbildung und einem kurzen Aufenthalt in der Abteilung für Freimaurer, wechselte 1935 in das neu eingerichtete Judenreferat II/112 des SD. Durch seinen früheren Vorgesetzten war Eichmann bereits mit dem Glauben an eine jüdische Verschwörung gegen das Christentum und den Rest der Welt in Berührung gekommen. Sein bereits vorhandener Antisemitismus wurde hierdurch weiter vertieft und verstärkt.4

Der Chef des Judenreferats, Mildenberg, vertrat die Ansicht, dass sich das ‚Judenproblem‘ nur durch eine gezielte Abwanderung der Juden lösen lassen könne. Bei dieser Abwanderungsidee stützte er sich auf Idee des Zionismus, wonach den Juden ein selbstständiger Staat in Palästina zusteht. Aus diesem Grund erhielt Eichmann die Aufgabe sich zum Zionismus zu informieren. Die Recherche umfasste die Lektüre verschiedener Werke darunter auch Theodor Herzls Der Judenstaat von 1898 und Die zionistische Bewegung von Adolf Böhm aus dem Jahr 1921 und die Auseinandersetzung mit dem Jiddischem, von dem er sich Basiskenntnisse im Selbststudium beibrachte. Eichmann genoss bei seinen Vorgesetzten ein gutes Ansehen, sodass diese ihm immer wieder gute Beurteilung ausstellten und ihn für Beförderungen vorschlugen. So auch 1937, als Eichmann, dank seines Expertenranges, zum Hauptscharführer ernannt wurde.5 Bei der Besetzung neuer Abteilungsleiter wurde er allerdings mehrmals übergangen.6 Eichmann und seine Kollegen aus dem Judenreferat besaßen keine Vollzugsmacht, jedoch wurde ihre beobachtende und protokollierende Position zunehmend durch die Tatsache gestärkt, dass sie die Gestapo über ihre Beobachtungen informierten und so einen gewissen Einfluss hatten.7 1937 bezeichnete Eichmann auf einer Tagung mit dem Namen ‚Das Weltjudentum: politische Aktivität und Auswirkung seiner Tätigkeit auf die in Deutschland ansässigen Juden‘ die assimilierten Juden als größte Feinde der NSDAP, da sie eine Integration anstreben würden. Dies stimmte jedoch nicht mit den Ansichten der Partei überein, die die Juden nicht als vollwertige Bürger akzeptierten.8 1938 folgte die Beförderung zum Untersturmführer.

2.2 Der Auswanderungsexperte

1938 wurde Eichmann, kurz nach der Eingliederung Österreichs, nach Wien zur Sonderheit der Berliner Abteilung II/112 versetzt. Vorerst galt es die Juden lediglich zu beobachten, doch das Hauptziel war die Entfernung aller Juden aus Österreich.9 Wenig später erhielt er die Aufgabe die Zentralstelle für jüdische Auswanderung zu leiten. Hierfür entwickelte er ein Modell, welches als ‚Wiener Modell‘ bekannt ist. Juden hatten, bevor ihnen die Ausreise genehmigt wurde, viele Behördengänge zu erledigen. Dies zog sich bisher in die Länge, da viele Genehmigungspapiere zeitbefristet waren und viele Beamte die Juden absichtlich lange warten ließen. Eichmanns Vision war es, diesen Auswanderungsprozess wie auf einem Fließband ablaufen zu lassen. Aus diesem Grund sollten sich alle notwendigen Behörden in einem Gebäude befinden und die Anträge sollten in Gegenwart der Antragsteller sofort bearbeitet werden. Da die Juden für ihre Auswanderung und alle entstehenden Kosten aus eigener Kraft zu zahlen hatten, bewirkte Eichmann, dass eingefrorene Gelder und Besitztümer freigemacht wurden. Somit sollten die reichen Juden die armen Juden unterstützen. Dieses Wiener Modell erwies sich als äußerst effektiv und erfolgreich.10 Nach ihrem Vorbild errichtete Eichmann weitere Zentralstellen in Berlin und in Prag.11

Mit Kriegsausbruch wurde der Polizeiapparat zum Reichssicherheitshauptamt umstrukturiert. Eichmann war hier in Amt IV-B 4 tätig. Dieses Amt beschäftigte sich generell mit den Feinden des Reiches, diese Abteilung war für Sekten zuständig. Eichmanns Zuständigkeitsbereich waren wie bereits zuvor die Juden.12 Da die Möglichkeiten der Vertreibung durch Kriegsausbruch und daraus resultierenden geschlossenen Grenzen deutlich minimiert wurden, setzte Eichmann verstärkt auf illegale Auswanderungswege. Dabei behilflich waren ihm auch zionistische Untergrundbewegungen.13 Nichtsdestotrotz verschlossenen sich auch diese Wege zunehmend. Eichmann entwickelte den Nisko-Plan, wonach tausende Juden ins Generalgouvernement umgesiedelt werden sollten. Doch der Generalgouverneur durchkreuzte diese Pläne. Auch Eichmanns Plan über vier Millionen Juden in der britischen Kolonie Madagaskar anzusiedeln, konnte aus Kriegsgründen nicht in Realität umgesetzt werden. Dennoch hatte Eichmann nicht wenig zu tun. Er leitete weiterhin die Zentralstellen in Wien, Berlin und Prag und organisierte zudem durch die Deportation tausender Juden dringend benötigten Raum für deutsche Reichsbürger.14

Zwischen 1937 und 1941, also innerhalb von vier Jahren, wurde Eichmann schließlich vier Mal befördert. Die Beförderung zum Obersturmbahnführer erfolgte im Oktober 1941, nur wenige Monate vor der Wannseekonferenz.15

3 Die Wannseekonferenz

Die Wannseekonferenz gilt als das Treffen, auf dem die ‚Endlösung der Judenfrage‘ beschlossen und geplant wurde. Dies entspricht nicht der Wahrheit, denn die systematische Vernichtung der Juden hatte schon vor Januar 1942, also dem Datum dieses speziellen Treffens, begonnen. Im Herbst 1941 wurden mobile Gaswagen für erste Vergasungen getestet und auch in Ausschwitz starteten erste Mordversuche mit Zyklon B. Insgesamt 900.000 Juden fanden aufgrund von Massakern, Deportationen, Exekutionen und Vergasungen den Tod.16 Diese Fakten und Zahlen zeigen ganz deutlich, dass die ‚Endlösung‘ vor der Sitzung beschlossene Sache war. Sie sollte der Ausarbeitung eines durchführbaren und effektiven Planes und der Koordination aller beteiligten Resorts dienen.17 Zu diesem Zeitpunkt hatte es Eichmann nicht einfach, da nunmehr bereits jede Institution damit beschäftigt war, die Endlösung der Juden voranzutreiben. Als Juden- und Auswanderungsexperte schien er nicht mehr viel Wichtigkeit zu besitzen. Nichtsdestotrotz spielte Eichmann vor, während und nach dieser Sitzung eine bedeutende Rolle.

3.1 Planung

Um ein Unternehmen solchen Ausmaßes ordentlich koordinieren zu können, benötigte es einer Zusammenarbeit verschiedener Stellen der NS-Apparatur. Aus diesem Grund beauftragte Reichsmarschall Göring am 31. Juli 1942 Reinhard Heydrich mit dem Auftrag, alle notwenigen Instanzen zusammenzuführen, um eine gemeinsame Lösung zu finden. Ziel war es diese Lösung möglichst günstig und effektiv zu konzipieren, da Erschießungen schlichtweg zu teuer, zu langwierig und für die Ausführer emotional zu anstrengend seien.18 Der Angriff der Japaner auf Pearl Harbour, die Kriegserklärung Hitlers an die USA und die sich verschlechternde Lage an der Ostfront waren der Grund dafür, die Sitzung zu verschieben. Der neue Termin wurde auf den 20. Januar 1942 gesetzt. Somit fand die Konferenz etwa eineinhalb Monate später als ursprünglich angedacht war statt.19 Verantwortlich für die Planung und Durchführung der Konferenz war das Reichssicherheitshauptamt, im speziellen Reinhard Heydrich. Ihren Namen erhielt sie erst in der Nachkriegszeit, zum Zeitpunkt ihres Stattfindens handelte es sich um eine übliche Staatssekretärkonferenz.20

3.2 Teilnehmer

Fünfzehn Männer waren zur Konferenz geladen worden. Sie lassen sich in zwei Gruppen unterteilen: 1. Vertreter aus verschiedenen Ministerien und Behörden, die sich mit jüdischen Angelegenheiten befassten und 2. Vertreter aus Partei- und SS-Dienststellen.21 Der ersten Gruppe und gleichzeitig größeren gehörten beispielsweise Vertreter des Reichsministeriums des Innern, Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete, des Reichsjustizministeriums, des Auswärtigen Amtes und der Reichskanzlei an. Hier findet man Namen wie Unterstaatssekretär Luther, Gauleiter Dr. Meyer oder Reichsamtsleiter Dr. Leibbrandt. Zur zweiten Gruppen gehörten Vertreter der Reichskanzlei, des Rasse- und Siedlungshauptamtes und des Reichssicherheitshauptamtes an. Hier wird unter anderem auch Eichmann gelistet.22 Die Teilnehmer hatten alle gemeinsam, dass sie mindestens der 3. Führungsebene angehörten. Vom Reichsverkehrsministerium und der Reichsbahn waren keine Vertreter geladen worden, was vermutlich an der Tatsache lag, dass die Kooperation mit ihnen bereits reibungslos funktionierte. Dasselbe galt für die Wehrmacht.23

3.3 Inhalt

Thema der Konferenz war, wie man dem Protokoll entnehmen kann, „die Parallelisierung der Linienführung“24. Die Konferenz begann mit einem Vortrag Heydrichs zum „bisher geführten Kampf gegen diesen Gegner“25. Wie dem Besprechungsprotokoll zu entnehmen ist, beschäftigte man sich nicht nur damit, wie die Endlösung möglichst schnell und günstig von statten gehen sollte. Nach der Vorstellung der bereits getroffenen Maßnahmen und einem Überblick über alle europäischen Juden, etwa elf Millionen, wandte man sich der Art der ‚Endlösung‘ zu.

[...]


1 Nationalsozialistische Begriffe werden, um Distanz und Ablehnung zu signalisieren, mit einfachen Anführungszeichen gekennzeichnet. Dies geschieht um eine Unterscheidung zu wörtlichen Zitaten zu schaffen, die in doppelten Anführungszeichen stehen.

2 Vgl. Kempner 1961, S. 25

3 Vgl. ebd., S. 25f

4 Vgl. Cesarani., S. 63f.

5 Vgl. Kempner 1961, 27

6 Vgl. Cesarani 2002, S. 70f.

7 Vgl. ebd., S. S. 79ff

8 Vgl. ebd., S. 84f.

9 Vgl. Arendt 2011, S. 119

10 Vgl. Cesarani 2002, S. 97f.

11 Vgl. ebd., 106f

12 Vgl. Arendt 2011, S. 151

13 Vgl. Cesarani 2002, S. 107ff.

14 Vgl. ebd., S. 125

15 Vgl. Arendt 2011, S. 145

16 Vgl. Mommsen 2014, S. 187

17 Vgl. Benz 2018, S. 7

18 Vgl. ebd., S. 12

19 Vgl. Rosemann 2002, S. 87f.

20 Vgl. Mommsen 2014, S. 187

21 Vgl. Rosemann 2002, S. 84

22 Vgl. Gedenkstätte Haus der Wannseekonferenz, S. 1f.

23 Vgl. Benz 2016, S. 8

24 Ebd., S. 12

25 Gedenkstätte Haus der Wannseekonferenz, S. 3

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Rolle Adolf Eichmanns bei der Wannseekonferenz
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
12
Katalognummer
V464804
ISBN (eBook)
9783668914414
ISBN (Buch)
9783668914421
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rolle, adolf, eichmanns, wannseekonferenz
Arbeit zitieren
Olga Wolf (Autor), 2019, Die Rolle Adolf Eichmanns bei der Wannseekonferenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464804

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