Im September 2017 zog mit der "Alternative für Deutschland" (AfD) zum ersten Mal seit der Gründung der Bundesrepublik eine neue Partei in den Bundestag ein. Mit der AfD hat es erstmals in Deutschland eine rechtspopulistische Partei geschafft, sich im Zentrum der politischen Landschaft zu etablieren. Vor dem Hintergrund der öffentlichen Debatte um die Verantwortung der öffentlich-rechtlichen Medien für den Wahlerfolg der AfD, beschäftigt sich die vorliegende Masterarbeit mit der Darstellung der Partei und dem Umgang mit ihr in politischen Talkshows der ARD. Ziel der Arbeit ist es zu prüfen, ob der AfD dabei mehr Aufmerksamkeit zukam als den etablierten Parteien.
Der erste Teil dieser Arbeit gibt einen Überblick über die Aufgaben der öffentlich-rechtlichen Medien und darüber, was die Aufmerksamkeit der Medien erregt. Des Weiteren werden das Phänomen des (Rechts-)Populismus, das Genre der Talkshow und der Forschungsstand zu RechtspopulistInnen in Talkshows aufgearbeitet.
Der zweite Teil besteht aus einer quantitativen Medieninhaltsanalyse, die sich mit der Frage beschäftigt, wie viel Aufmerksamkeit die AfD in den Polit-Talkshows der ARD im Vergleich zu anderen Parteien tatsächlich erhielt. Ergänzend erfolgt im dritten Teil eine qualitative Fernsehanalyse, die einen genauen Blick auf den Umgang mit Vertretern der AfD in politischen Talkshows der ARD wirft. Abschließend werden die Ergebnisse dahingehend bewertet, ob die ARD sich zu Recht dem Vorwurf gefallen lassen muss, die AfD "groß gemacht" zu haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorie
2.1 Die Massenmedien in demokratischen Gesellschaften
2.1.1 Der Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
2.1.2 Medienaufmerksamkeit
2.1.3 Medialisierung der Politik
2.2 Populismus
2.2.1 Rechtspopulismus
2.2.2 Rechtspopulismus in den Massenmedien
2.3 Die Talkshow in Deutschland
2.3.1 Polit-Talkshows
2.3.2 RechtspopulistInnen in politischen Talkshows
3. Untersuchung - Teil A
3.1 Methode
3.1.1 Forschungsfrage und Hypothesen
3.1.2 Forschungsmethode: Quantitative Medieninhaltsanalyse
3.1.3 Operationalisierung
3.2 Analyse
3.2.1 Datenerhebung und Datengrundlage
3.2.2 Pretest und Reliabilitätstest
3.2.3 Ergebnisse
3.2.4 Schlussfolgerungen
3.2.5 Reflexion
4. Untersuchung – Teil B
4.1 Methode
4.1.1 Forschungsfrage
4.1.2 Forschungsmethode: Fernsehanalyse
4.2 Analyse
4.2.1 Beschreibung des Materials
4.2.2 Analyse und Interpretation
4.2.3 Evaluation
4.2.4 Reflexion
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die mediale Darstellung und den Umgang mit der Partei "Alternative für Deutschland" (AfD) in politischen Talkshows der ARD im Vorfeld der Bundestagswahl 2017, um zu prüfen, ob die öffentlich-rechtlichen Medien der Partei durch eine überproportionale Berichterstattung zu ihrem Wahlerfolg verholfen haben.
- Rolle der öffentlich-rechtlichen Medien in der Demokratie
- Mechanismen der Medienaufmerksamkeit und des Populismus
- Quantitative Analyse der Präsenz von AfD-Gästen und Themen
- Qualitative Fallanalyse der Inszenierung von Alice Weidel
- Reflexion journalistischer Standards im Umgang mit Rechtspopulismus
Auszug aus dem Buch
Die Massenmedien in demokratischen Gesellschaften
In demokratischen Gesellschaften erfüllen die Massenmedien grundsätzlich drei politische Funktionen für die Erhaltung und Weiterentwicklung der jeweiligen Gesellschaft: die Informationsfunktion, die Artikulationsfunktion und die Kritik- und Kontrollfunktion. Übergeordnet über diese Funktionen ist die Funktion der Thematisierung. Diese besagt, dass es grundsätzlich die Massenmedien sind, die Themen sowohl generieren als auch für die Rezipierenden bereitstellen. Dies geschieht durch „die Reduktion der (politischen) `Realität´“ (Tenscher, 1998, S. 23). Im Folgenden werden die drei politischen Kernfunktionen genauer beleuchtet.
Informationsfunktion
Die Vermittlung von Information an die RezipientInnen stellt die „ursprünglichste Funktion der Massenmedien“ (Wildenmann/Kaltefleiter, 1965, S. 15; zit. nach Delhaes, 2002, S. 52) dar. Es sind die Medien, die dem Einzelnen in einer Gesellschaft Informationen über die eigenen Erfahrungen hinaus vermitteln. Daraus lässt sich schließen, dass die Massenmedien maßgeblich an der Konstruktion eines Weltbildes der RezipientInnen beteiligt sind. Auf Grund dieser Verantwortung muss die Informationsvermittlung bestimmte Anforderungen erfüllen. Die Massenmedien sollen die BürgerInnen dazu befähigen, sich über das Weltgeschehen zu informieren und dabei die Geschehnisse in größere politische, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Kontexte einzuordnen. Dabei haben sie die Informationen vollständig, sachlich und verständlich weiterzugeben (vgl. Schmidt, 2007, S. 5).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die öffentliche Debatte über die Mitverantwortung der öffentlich-rechtlichen Medien am Wahlerfolg der AfD und leitet zur Forschungsfrage über, ob die ARD der Partei im Wahlkampf zu viel Aufmerksamkeit geschenkt hat.
2. Theorie: Dieser Abschnitt erarbeitet die theoretischen Grundlagen zu den Funktionen der Massenmedien, zum Phänomen des Populismus, zur Medialisierung der Politik sowie zum Genre der Talkshow und dem bisherigen Forschungsstand zum Umgang mit RechtspopulistInnen.
3. Untersuchung - Teil A: Dieser Teil präsentiert die quantitative Medieninhaltsanalyse, in der die Aufmerksamkeit für die AfD im Vergleich zu anderen Parteien anhand von Redeanteilen, Erwähnungen und behandelten Themen untersucht wird.
4. Untersuchung – Teil B: Der zweite Teil der Analyse widmet sich mittels einer qualitativen Fernsehanalyse der spezifischen medialen Inszenierung der AfD-Politikerin Alice Weidel in einer Ausgabe der Sendung hart aber fair.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet den Umgang der ARD mit der AfD unter Berücksichtigung des Programmauftrags und der Medienlogik, wobei die Gefahr der ungewollten Stärkung populistischer Akteure betont wird.
Schlüsselwörter
ARD, AfD, Bundestagswahl 2017, Polit-Talkshows, Medienaufmerksamkeit, Populismus, Rechtspopulismus, Medienlogik, Nachrichtenwerttheorie, Medialisierung, Agenda-Setting, Inhaltsanalyse, Fernsehanalyse, Alice Weidel, Frank Plasberg
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit?
Die Arbeit analysiert die Rolle und Darstellung der AfD in den politischen Talkshows der ARD während des Bundestagswahlkampfes 2017.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit verbindet medienwissenschaftliche Theorien über Populismus, Medienlogik und Talkshow-Formate mit einer empirischen Inhaltsanalyse und einer qualitativen Fernsehanalyse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu prüfen, ob die ARD der AfD im Wahlkampf 2017 unverhältnismäßig viel Aufmerksamkeit gewidmet und damit deren Wahlerfolg möglicherweise begünstigt hat.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin kombiniert zwei Methoden: eine quantitative Medieninhaltsanalyse zur Messung von Aufmerksamkeit (Redezeit, Themenpräsenz) und eine qualitative, hermeneutische Fernsehanalyse zur Untersuchung der Inszenierung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine quantitative Auswertung der Sendeinhalte im September 2017 und eine detaillierte Fallanalyse der Inszenierung von Alice Weidel in der Talkshow hart aber fair.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Medialisierung, Rechtspopulismus, Medienaufmerksamkeit, Talkshow-Inszenierung, Agenda-Setting und politische Kommunikation.
Welches zentrale Ergebnis liefert die Inhaltsanalyse?
Überraschenderweise erhielt die AfD als Partei und deren Gäste nicht mehr Aufmerksamkeit als andere Parteien, jedoch dominierte das AfD-Kernthema "Flüchtlinge/Zuwanderung" die Sendeinhalte deutlich.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Moderators?
Die Autorin kritisiert, dass der Moderator Frank Plasberg durch einen konfrontativen Stil und emotionale Debatten der AfD-Politikerin unfreiwillig die Bühne für eine erfolgreiche Opferinszenierung bot.
- Quote paper
- Lisa Blohm (Author), 2018, Die ARD als Wahlkampfhelferin der AfD? Die Rolle von Polit-Talkshows im Bundestagswahlkampf 2017, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464956