Diagnose und Lernberatung zum individuellen religiösen Lernen


Forschungsarbeit, 2016
23 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Teil 1: Projektdarstellung

1 Herleitung und Modellierung des Diagnoseauftrags
1.1 Semantische Analyse
1.2 Fachliche Analyse
1.3 Psychologische Analyse

2 Darlegung der Sachlogik

3 Diagnoseinstrument

4 Diagnostische Items

5 Datenerhebung

6 Rekonstruktion des Ergebnisses

7 Bestimmung des Förderziels und Lernimpuls

Teil 2: Projektreflexion

8 Reflexion

9 Literatur- und Quellenverzeichnis

Anhang

Teil 1: Projektdarstellung

1 Herleitung und Modellierung des Diagnoseauftrags

Die Herleitung und die Modellierung des Diagnoseauftrags erfolgt durch die semantische, fachliche und psychologische Analyse.

1.1 Semantische Analyse

Nach den curricularen Vorgaben der Sekundarstufe II sollen die Schülerinnen und Schüler (SuS) eine Methodenkompetenz entwickeln, zu der unter anderem gehört, dass sie Texte unter Berücksichtigung ausgewählter Schritte der historisch-kritischen Methode analysieren können1. Das Studium der Katholischen Theologie auf Lehramt für Berufskollegs an der Technischen Universität Dortmund setzt im Rahmen der fachwissenschaftlichen Kompetenz konkret voraus, dass die Studierenden eine exegetisch-historische Kompetenz entwickeln2. Es geht dabei um eine „vertiefte Kenntnis der biblischen Literatur und ausgewählter Traditionen des christlichen Glaubens mit Hilfe eines methodisch geübten und hermeneutisch reflektierten Zugangs.“3 In diesem Zusammenhang wurde folgendes Learning-Outcome (LO)/AK formuliert: „Die SuS können identifizieren, ob es sich bei biblischen Texten um eine Wundererzählung handelt.“

In diesem LO ist ein Verb der äußeren Sichtbarkeit („identifizieren“) vorhanden, wodurch sichergestellt wird, dass die Leistung des Probanden hinsichtlich des LO’s überprüfbar ist. Mit Blick auf die Vollständigkeit der Handlung sind folgende Prüfschritte zu nennen: Die SuS arbeiten mit biblischen Texten, sie wenden Untersuchungskriterien an und sie kommen zu einem Ergebnis. Um das genannte LO zu konkretisieren, werden dessen Leerstellen gefüllt: die biblischen Texte werden durch die Bibelstelle Mk 4,35-41 bestimmt. Somit lautet das vorläufige LO: „Die SuS können identifizieren, ob Mk 4,35-41 eine Wundererzählung ist.“

1.2 Fachliche Analyse

Der Verhaltensaspekt des LO’s ist das Identifizieren, der Inhaltsaspekt – das Objekt – ist die Wundererzählung. Das Instrument oder auch das theoretische Konstrukt bildet das Motivarsenal einer Wundererzählung nach Gerd Theißen.

Darüber hinaus ergibt sich ein Dreischritt durch die „was-womit-wozu-Struktur“. Dabei bildet das „Was“ das Identifizieren, das „Womit“ das Motivarsenal einer Wundererzählung nach Gerd Theißen und das „Wozu“ das in diesem Fall später zu erreichende Lernziel, nämlich Wundererzählungen als eigene Gattung in der Bibel abzugrenzen. Somit lautet das konkrete LO: „Die SuS können anhand des Motivarsenals einer Wundererzählung nach Gerd Theißen (womit) identifizieren (was), ob Mk 4,35-41 eine Wundererzählung ist, um diese als eigene Gattung in der Bibel abzugrenzen (wozu).“

Die Operationsbeschreibung lautet folglich:

Die SuS erreichen das konkrete LO, indem sie

1. Mk 4,35-41 und die Merkmale des Motivarsenals einer Wundererzählung Theißens kennen (lernen),
2. die Strukturen verinnerlichen und Zusammenhänge erkennen und
3. die Merkmale Theißens auf die Bibelstelle anwenden,
4. um Mk 4,35-41 als Wundererzählung zu identifizieren.

1.3 Psychologische Analyse

Die Operationsbeschreibung verdeutlicht, dass das Wozu des LO’s („um diese als eigene Gattungen in der Bibel abzugrenzen“) nicht zu dessen inneren Kern gehört, sondern als ein späteres Lernziel gilt. Da es also darum geht, eine biblische Textstelle anhand eines Schemas als Wundergeschichte zu identifizieren, liegt das LO auf der Taxonomiestufe „Anwenden“. Durch die Tätigkeit des Anwendens des Motivarsenals werden die Taxonomiestufen „Kennen“ und „Verstehen“ überschritten. Auf der Taxonomiestufe „Analyse“ befindet sich das LO nicht, da es sich nicht um die Entstehung neuer Sinnzusammenhänge, zum Beispiel um eine Interpretation, handelt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2 Darlegung der Sachlogik

Bei dem LO „Die SuS können anhand des Motivarsenals einer Wundererzählung nach Gerd Theißen identifizieren, ob Mk 4,35-41 eine Wundererzählung ist, um diese als eigene Gattungen in der Bibel abzugrenzen.“, handelt es sich um eine entscheidbare Frage. Aus diesem Grund ist eine elementare Struktur notwendig, welche die für die Bibelstelle Mk 4,35-41 relevanten Elemente benennt.

Elementare Struktur:4

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3 Diagnoseinstrument

Um die Leistung des Probanden im Rahmen des LO’s zu diagnostizieren, wird auf die Lernprozessdiagnostik zurückgegriffen. Innerhalb dieser wird sich damit befasst, wie die Leistung zustande kommt – wie eine Aufgabe bearbeitet wird. Dazu wird im Folgenden eine Bearbeitungsstruktur entwickelt, welche einen Normweg (dicke Linien) der Aufgabenbearbeitung sowie Abweichungen (dünne Linien) darstellt. Durch die Abweichungen, welche Alternativen des Leistungsvermögens des Probanden neben dem Normweg darstellen, sollen Fehlerquellen und mögliche Förderansätze für den Probanden bestimmt werden.

Die Anordnung der Verbindungen zwischen Bibelversen und Motiven soll darstellen, dass die Möglichkeit besteht, dass die Motive nicht der Reihe nach zugeordnet werden und der Proband somit nicht direkt vom Normweg abweicht, wenn er die Motive in beliebiger Reihenfolge zuordnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4 Diagnostische Items

Die Aufgabenstellung im Rahmen des vorliegenden Diagnoseprojektes lautet in Hinblick auf das LO: „Lies dir die vorliegende Bibelstelle Mk 4,35-41 durch, bis dir der Inhalt verständlich ist. Schaue dir dann das Motivarsenal einer Wundererzählung nach Gerd Theißen an und überprüfe in diesem Zusammenhang, ob und inwieweit sich die Merkmale Theißens auf die Bibelstelle anwenden lassen und ob es sich dementsprechend um eine Wundererzählung handelt. Mache dir dabei notwendige Markierungen und Notizen auf den Arbeitsblättern.“ Für die Durchführung der Aufgabenstellung liegen sowohl die entsprechende Bibelstelle als auch das Motivarsenal einer Wundererzählung nach Theißen in gedruckter Form vor (siehe Anhang). Die Bibelstelle ist dabei bereits gegliedert und bietet ausreichend Platz für Markierungen, Notizen und die Zuordnung der Motive. Ein zweites Exemplar der Bibelstelle wird für die Aufgabenbearbeitung bereitgestellt. Eine Zeitbegrenzung gibt es nicht.

Bei dem Probanden, dem dieser Diagnoseauftrag vorgelegt wird, handelt es sich um einen 17-jährigen Schüler (Moritz), welcher zurzeit die zwölfte Klasse der gymnasialen Oberstufe am XY in XY besucht. Seit Beginn seiner schulischen Laufbahn nimmt er am katholischen Religionsunterricht teil, innerhalb dessen in der gymnasialen Oberstufe Wundererzählungen bereits in einem Umfang von ungefähr zwei Schulstunden thematisiert wurden. Es wurde zunächst ein Text ausgehändigt, in dem es um die Merkmale von Wundererzählungen und um Jesus als Wundertäter ging. Anschließend wurde ein Arbeitsblatt bearbeitet, welches sowohl die Wundererzählung Mk 7,31-37 mit entsprechenden Erläuterungen sowie eine Übertragung dieser Perikope auf ein Modell, welches die Merkmale „Erzählung“, „Exposition/Spannung“, „Zentrum/Lösung“ und „Schluss/Beglaubigung“ untersucht, nach Josef Epping darstellte. Aufgabe war es, dieses Modell auf die Wundererzählung 10,46-52 zu Übertragen. Darüber hinaus wurde ein Text gelesen, in welchem es um die historisch-kritische Sicht der Wunderüberlieferung ging. Notiert wurden zudem die Arten von Wundern.

Nach Schaper gelten drei Gütekriterien, die Objektivität, die Reliabilität sowie die Validität, als Qualitätsansprüche einer Kompetenzmessung. Objektivität bezeichnet die Unabhängigkeit des Testergebnisses von äußeren Einflüssen oder Messfehlern durch den Testleiter. Die Objektivität gliedert sich in die Bereiche der Durchführung, der Ausführung und der Interpretation. Die Reliabilität hingegen bezeichnet das Ausmaß, in dem der Test messfehlerfrei misst, also die Messgenauigkeit. Um die Messgenauigkeit eines Tests heraus zu finden, gibt es verschiedene Methoden – darunter z.B. die Retest-Reliabilität. Bei der Validität geht es darum, ob der Test das Merkmal misst, welches gemessen werden soll. Auch diese gliedert sich in verschiedene Formen, nämlich in die Inhaltsvalidität und die Kriteriumsvalidität, welche für Kompetenzmessungen insbesondere von Bedeutung sind, sowie in die Konstruktvalidität.5 Im Reflexionsteil am Ende des Berichts wird überprüft, ob das Item in Zusammenhang mit der Durchführung der Kompetenzmessung den drei Hauptgütekriterien gerecht wird.

5 Datenerhebung

Nachdem sich Moritz die vorliegende Aufgabe durchgelesen hat erklärte ich ihm, wann es sich bei biblischen Texten bezüglich des Motivarsenals nach Theißen um eine Wundererzählung handelt – nämlich wenn mindestens je ein einleitendes, ein expositionelles, ein zentrales und ein finales Motiv im Text vorhanden sind. Ich wies ihn darauf hin, dass diese durchaus in Wundererzählungen, wenn auch nur in wenigen, in der Reihenfolge vertauscht sind. Darauf, dass es sich bei Mk 4,35-41 um eine Wundererzählung handelt und die Motive in der gängigen Reihenfolge vorkommen, wurden keine Hinweise oder Hilfestellungen gegeben. Dennoch fügte ich hinzu, dass er bei Problemen Fragen stellen kann.

Zunächst hatte Moritz keine Fragen und begann, die vorliegende Perikope zu lesen. Im Anschluss daran schaute er sich das Motivarsenal einer Wundererzählung nach Theißen an und stelle die Frage, wozu die Begrifflichkeiten ohne Nummerierung gehören (siehe Motivarsenal im Anhang; z.B. gehören die Punkte 13, 14 und 15 zu dem Oberbegriff „Zurückweichen“). Diese Frage beantwortete ich ihm. Daraufhin begann er zügig mit der Zuordnung. Den Ablauf der Aufgabenstellung hat er somit eingehalten. Während des Arbeitens fragte Moritz nach der Bedeutung der Begrifflichkeiten „Admiration“, „Akklamation“, „pneumatisch“ und „Konstatierung“. Diese erklärte ich ihm kurz. Nach der anfänglichen Erklärung arbeitete er 20 Minuten an der gestellten Aufgabe.

[...]


1 Vgl. http://www.schulentwicklung.nrw.de/lehrplaene/upload/klp_SII/kr/KLP_GOSt_Religionslehre_ ka. pdf (S.20) (Stand: 27.09.2015)

2 Vgl. http://www.fk14.tu-dortmund.de/cms/de/Studium/SIS/Katholische_Theologie/Aktueller_Studie ngang_ab_WS_2011_12/Bachelor/Lehramt_Gymnasium_Gesamtschule_Berufskolleg/FSB_kath_Religionslehre_BK_BA.pdf (Stand: 27.09.2015)

3 Ebd.

4 Diese elementare Struktur wurde eigenständig, im Rahmen einer Studienleistung, mit Hilfe des Motivarsenals einer Wundererzählung nach Gerd Theißen entwickelt und durch die Lehrperson gutgeheißen.

5 Vgl. Schaper, Nicolas: Ansätze zur Kompetenzmodellierung und -messung im Rahmen einer kompetenzorientierten Hochschuldidaktik. In: Bruckmann, Florian / Reis, Oliver / Scheidler, Monika (Hg.): Kompetenzorientierte Lehre in der Theologie. Konkretion – Reflexion – Perspektiven, 2011, S. 57 f.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Diagnose und Lernberatung zum individuellen religiösen Lernen
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
23
Katalognummer
V464991
ISBN (eBook)
9783668937802
Sprache
Deutsch
Schlagworte
diagnose, lernberatung, lernen
Arbeit zitieren
Sandra Knierbein (Autor), 2016, Diagnose und Lernberatung zum individuellen religiösen Lernen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464991

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