Das Indefinido im Spanischunterricht

Ein komplexes und schwieriges Thema für die Schülerinnen und Schüler?


Hausarbeit, 2018
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Schwierigkeiten des Pretérito Indefinido im Fremdsprachenunterricht

3. Methoden zur Vereinfachung des Lehrens des Pretérito Indefinido
3.1 Die deduktive Methode
3.2 Die induktive Methode

4. Fazit

5. Anhang

Bibliographie

1. Einleitung

Seit mehr als dreißig Jahren besteht die Möglichkeit in den Gymnasien Nordrhein-Westfalens Spanisch als neueinsetzende Fremdsprache zu lernen. In der Regel wird das Erlernen des Spanischen in die 10. Klasse datiert, allerdings sind auch Schulen vorhanden, die den Fremdsprachenerwerb jener Sprache bereits früher, nämlich in Klasse 8, anbieten.

Bei der Aneignung der spanischen Sprachkenntnisse wurde mit der Zeit deutlich, dass für einige Schülerinnen und Schüler bereits ein dritte Fremdsprache einsetzt, da sie zuvor Französisch-, Latein- oder Griechischunterricht erhielten, sowie am allgemeinen Englischunterricht partizipierten.1

Von manche Schülerinnen und Schülern wird der Grammatikunterricht negativ konnotiert, da sie ihn als langweilig, monoton und ohne jeglichen Sinngehalt ansehen. Ihnen werden die verschiedensten Tempusformen meist auf eine Art und Weise gelehrt, die die Schülerinnen und Schüler nicht nachvollziehen können und somit auch nicht im weiteren Verlauf ihrer Lernzeit der spanischen Sprache anwenden können. Aufgrund dessen schlussfolgern die SuS, dass der Grammatikunterricht zum einen schlechte Noten, bzw. Leistungsversagen verursacht, da „unzuverlässige Vermittlungsmethoden“2 seitens der Lehrkraft zum Tragen kommen. Darüber hinaus stellt mancher Teil der Grammatik für die Schülerinnen und Schüler eine riesige Herausforderung dar, da jener kaum, bzw. gar kein Verständnis in ihnen hervorruft.3 Hier ist besonders das Vergangenheitstempus Pretérito Indefinido zu nennen, welches oftmals Schwierigkeiten beim Erlernen des Spanischen mit sich bringt.

Im weiteren Verlauf der vorliegenden Arbeit soll daher zunächst geschildert werden, warum es überhaupt zu den Komplikationen beim Erwerb des Indefinido kommt. Dafür wird zum einen die deutsche Grammatik hinzugezogen, die als Hilfe diente, um zu verbildlichen, dass die deutsche und spanische Grammatik in der Gegenüberstellung einige Kontroversen aufweisen.

Des Weiteren soll behandelt werden, wie man das Indefinido den deutschen Muttersprachlern näher bringen kann, ohne, dass Komplikationen und Unverständnis bewirkt werden. An dieser Stelle sind die deduktive und induktive Methode zu nennen, welche dazu beitragen können, dass das Lehren einer scheinbar komplexen und nicht in der Muttersprache existierenden Tempusform keine Probleme hervorhebt. Dies hätte zu Folge, dass die Schülerinnen und Schülern wieder mit mehr Elan und Motivation am spanischen Grammatikunterricht teilnehmen, ohne sie zur Langeweile oder zu schlechten Noten zu leiten.

2. Schwierigkeiten des Pretérito Indefinido im Fremdsprachenunterricht

Das Pretérito Indefinido stellt eines der größten Schwierigkeiten für die Schülerinnen und Schüler im Spanischunterricht dar, die jene Sprache als neueinsetzende Fremdsprache erlernen. Dabei ist dieses Tempus gerade eines der wichtigsten Bereiche der spanischen Grammatik. Das Indefinido wird als Vergangenheitstempus benannt, da es eine Handlung ausdrückt, die sich in der Vergangenheit ereignete.

Diese Handlung hat keine Wirkung auf die Gegenwart, sodass hiermit festgehalten werden kann, dass der Zeitraum ebenfalls abgeschlossen ist. Als Signalwörter für die Anwendung des Indefinido dienen ayer, el año pasado, la semana pasada, hace muchos años usw.4 Darüber hinaus wird das Indefinido genutzt, um eine Handlungskette in der Vergangenheit wiederzugeben. Ferner kann das Indefinido genutzt werden, um weitere Aspekte in der Vergangenheit auszudrücken, die allerdings in den Gymnasien noch nicht thematisiert werden und auch für den weiteren Verlauf dieser Arbeit keine Relevanz darstellen.

In Abbildung 1 im Anhang wurde zur Verbildlichung und zum besseren Verständnis der spanischen Konjugation eine Tabelle hinzugefügt, in der die Verben hablar (sprechen), comer (essen) und vivir (leben) eingetragen sind. Bei näherer Betrachtung der Tabelle wird auffällig, dass die Verben mit den Endungen - er und

- ir gleich aufgebaut sind, da sie alle im Indefinido je nach Person und abhängig von Singular und Plural die Endungen - í, - iste, - ió, - imos, -isteis, -ieron angehängt bekommen. Bei den Verben, die auf - ar enden, sind hingegen zwar nicht groß veränderte Endungen zu erkennen, dennoch enden sie im Indefinido auf - é, - aste,

- ó, - amos, - asteis, - aron.5

In dieser kleinen Veränderung sehen die Schülerinnen und Schüler die erste Schwierigkeit des Indefinido. Sie können nicht nachvollziehen, warum Verben auf

- ar eine andere Endung aufweisen, als die auf - er oder - ir. Zudem ist es für einige komplizierter sich die gar winzige „Ausnahme“ zu merken. Möglicherweise kann es bei Anwendungsaufgaben im Spanischunterricht zu Verwirrung bei den SuS kommen, indem sie die Endungen vertauschen, sodass die dritte Person Singular von hablar nicht mehr auf - ó, sondern auch - ió endet. Es würde demnach die neue konstruierte Form ‚hablió’ auftreten. Des Weiteren kann das Indefinido die Schülerinnen und Schüler verwirren, wenn man an die Konjugationen der Verben im Presente denkt. Dort haben die Kinder nämlich gelernt, dass das Verb hablar und wie folgt konjugiert wird: hablo, hablas, habla, hablamos, habláis, hablan. Hierzulande wird ersichtlich, dass die erste und dritte Person Singular auf - o und - a enden. Im Indefinido begegnen sie SuS nun der Problematik, dass die Endung - o nicht mehr die erste Person Singular ausdrückt, sondern die dritte Person. Ebenfalls müssen sie in Gedanken behalten, dass auf jene Endung ein Akzent gesetzt werden muss, damit für die Zuhörer oder Leser deutlich wird, dass der Sprecher sich auf die Vergangenheit bezieht und nicht auf das Presente.

Wenn die Schülerinnen und Schüler zuvor das Pretérito Perfecto erlernten, denken sie, dass die Konjugation der Verben im Indefinido viel schwieriger aussieht, als diejenige des Perfecto. 6 Aufgrunddessen scheuen die Kinder die Anwendung des Indefinido und ziehen die Anwendung des Pretérito Perfecto vor, um Fehler zu vermeiden. Dennoch muss ihnen im Verlauf der Unterrichtsreihe zu den Vergangenheitstempora verdeutlich werden, dass die Verwendung eines Perfecto im Zusammenhang mit einer abgeschlossenen Handlung und einem zugleich abgeschlossenen Zeitraums nicht korrekt ist. Der gegenüberliegende Sprecher, eventuell spanischer Muttersprachler, wird entweder darauf schließen, dass die erzählte Handlung Einfluss auf die Gegenwart hat oder, dass der Zeitraum, in dem sich das Geschehen ereignete, noch nicht abgeschlossen ist.

Ein weiterer Faktor, der zum Chaos beim Erlernen des Indefinido beiträgt, ist die Tatsache, dass jene Tempusform über eine Menge von unregelmäßigen Verben verfügt. Der Lernende muss viele Regeln bei der Konjugation berücksichtigen, die vom Stamm eines Verbes abhängen. Beispiele zur Visualisierung stellen die Verben leer (lesen) und creer (glauben, denken) dar. Diese weisen am Ende ihres Stammes einen Vokal auf: cre- und le-. Dies bedeutet für die Flexion der Verben, dass die dritte Person sowohl im Singular als auch im Plural ihre Endung ändern, nämlich zu leyó, leyeron und creyó, creyeron.7

Aufgrund der spanischen Rechtschreibung finden sich des Weiteren Ausnahmen bei Verben, deren Stamm auf g, c, o oder z enden. Dies ist bei den ausgewählten Verben llegar (ankommen) und empezar (anfangen, beginnen) gegeben. Daher kann es in der ersten Person Singular nicht llegé oder empezé heißen, sondern llegué und empecé. Auch die Aussprache des Verbes würde sich grundsätzlich bei ersterer Version (llegé, empezé) ändern.

Außerdem liegen Ausnahmen aus morphologischen Gründen bei manchen Verben vor. Bei ihrer Flexion wird in der dritten Person Singular und Plural ein Vokalwechsel deutlich wie beispielsweise bei vestir (anziehen, kleiden). Somit heißt es im Indefinido nicht ‚vestió’, sondern v i stió. Es findet hierzulande der Vokalwechsel von e zu i statt. Ebenfalls im Plural findet sich diese Gegebenheit wieder wie bei v i stieron ersichtlich ist.8

Die Schülerinnen und Schüler werden allerdings nicht nur auf unregelmäßige Verben treffen, die lediglich Kleinigkeiten in ihrer Schreibweise beinhalten, sondern auch auf die sogenannten „starken unregelmäßigen Verben“. Hier sind besonders estar, decir und tener hervorzuheben. Diese weisen keine Änderung in den jeweiligen Endungen des Indefinido auf, sondern hauptsächlich in ihrem Stamm. Im Anhang ist dieses Phänomen visualisiert worden mithilfe der Abbildung 2. Legt man ein Augenmerk auf das Verb decir, sieht man, dass dieses im Indefinido kein c, sondern ein j in seinem Stamm enthält. Des Weiteren ist dennoch eine kleine Abänderung bei der dritten Person Plural zu erkennen, da anstatt - ieron, nur die Endung - eron an den Stamm hinzugefügt wurde.9

Aufgrund dieser vielen morphologischen und orthographischen Abänderungen werden die Schülerinnen und Schüler beim Erlernen der spanischen Sprache durchaus Schwierigkeiten mit dem Indefinido haben.

Schließlich müssen die Kinder sich noch mit Verben auseinandersetzen, deren Stamm sich komplett ändert. Dies tritt bei der Konjugation von ser und ir auf, da diese wie folgt im Indefinido flexiert werden: fui, fuiste, fue, fuimos, fuisteis, fueron. Aber auch ver, dar und oir zeigen in ihrer Flexion absolut unregelmäßige Veränderungen.10

Dies den Schülerinnen und Schülern zu lehren, ist besonders damit verbunden, dass sie sich die Formen genauestens anschauen, gar die Formen auswendig lernen. Anhand einer größeren Menge von Anwendungsaufgaben können diese gefestigt werden, sodass die erlernten Formen nicht in Vergessenheit der Schülerinnen und Schüler geraten.

Im weiteren Verlauf des Spanischunterrichts an den Gymnasien werden die Schülerinnen und Schüler auf andere Vergangenheitstempora wie dem Pretérito Perfecto, Pretérito Imperfecto und Pretérito Pluscuamperfecto treffen. Nach längerer Behandlung jener Tempora sieht es der Lehrplan für den Spanischunterricht vor, die erlernten Zeiten gegenüberzustellen. Dies erfolgt meistens anhand von Lückentexten, in die die SuS das passende Vergangenheitstempus einsetzen müssen. Hierbei ist vorauszusetzen, dass die zuständige Lehrperson den Lernenden gelehrt hat, wann man beispielsweise das Indefinido benutzt. Daraufhin müssten die Schülerinnen und Schüler bestenfalls antworten können mit der Theorie, dass das Indefinido benutzt wird, um abgeschlossene Handlungen in Verbindung mit einem abgeschlossenen Zeitraum auszudrücken. Manchmal können Signalwörter den SuS dabei helfen das passende Tempus einzusetzen, jedoch sind diese nicht immer in einem Satz gegeben. Somit wird den Kindern das Einsetzen erheblich erschwert. Wenn sie keine Kenntnisse über die genaue Verwendung der Vergangenheitszeiten haben, wird die Bearbeitung des Lückentextes zur Unmöglichkeit.

Die Unterscheidung zwischen den Vergangenheitstempora Pretérito Indefinido, Pretérito Perfecto, sowie Pretérito Imperfecto daher eine eminent wichtige Rolle im spanischen Tempus, weil die spanischen Tempusformen vier verschiedene Funktionen innehalten. Darunter fallen die Begriffe Zeit, Modalität, Aspekt und Stadium. Erstere sollen nicht näher erläutert werden, da sie für das Erlernen des indefinido keine Komplexität für den Lernenden darstellen. Gerade aber in Bezug auf den „Aspekt“ fällt es deutschen Muttersprachlern schwer, eine Differenzierung der oben genannten Zeiten vorzunehmen. Dies liegt vor allem daran, dass es in der deutschen Sprache nicht die Trennung von Zuständen und Vorgängen gibt. Im Spanischen gibt es für die Separierung aspektdifferenzierte Verben, die im Deutschen nicht gegeben sind. Somit steht der deutschsprachige Spanischlernende vor der Entscheidung, ob im vorliegenden Lückentext ein Zustand oder Vorgang ausgedrückt werden möchte.

Auch das „Stadium“ ist in manchen Situationen nur schwer für die Schülerinnen und Schüler im Spanischunterricht zu erkennen. Mit dem Stadium drückt ein Verb aus, ob das Gemeinte zu einem bestimmten Zeitraum abgeschlossen oder noch anhaltend ist. Somit hätte es eine Wirkung auf die betrachtete Situation. Manchmal wird im Kontext eines gelesenen Textes nicht eindeutig klar, ob die Handlung immer noch läuft oder, ob sie tatsächlich ein Ende fand.11

Aufgrund der zahlreichen Schwierigkeiten die das Indefinido mit sich bringt, sollen Unterrichtsmethoden dabei verhelfen, eine solch komplexe Vergangenheitsform den Schülerinnen und Schülern besser zu lehren und für ein weitaus breiteres Verständnis zu sorgen. Diese sollen im Folgenden erläutert und auf die Unterrichtsreihe über das Indefinido übertragen werden.

[...]


1 Vgl. Doris Lessig, Neue Wege im Spanischunterricht, S. 239.

2 Sandra Ilg, Grammatik im Spanischunterricht, S. 3.

3 Vgl. Doris Lessig, Neue Wege im Spanischunterricht, S. 239.

4 Vgl. Synne Aenes Fossgard, La didáctica de los contenidos gramaticales en el aula de lengua extranjera, S. 11.

5 Vgl. Ebd., S. 11 f.

6 Vgl. Synne Aenes Fossgard, La didáctica de los contenidos gramaticales en el aula de lengua extranjera, S. 12.

7 Vgl. Synne Aenes Fossgard, La didáctica de los contenidos gramaticales en el aula de lengua extranjera, S. 12.

8 Vgl. Ebd., S. 12.

9 Vgl. Ebd., S. 13.

10 Vgl. Synne Aenes Fossgard, La didáctica de los contenidos gramaticales en el aula de lengua extranjera, S. 14.

11 Vgl. Diana Knechtel, Didaktisch-methodischer Umgang mit grammatikalischen Schwierigkeiten im Spanischunterricht, S. 29 ff.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das Indefinido im Spanischunterricht
Untertitel
Ein komplexes und schwieriges Thema für die Schülerinnen und Schüler?
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
15
Katalognummer
V464994
ISBN (eBook)
9783668917897
ISBN (Buch)
9783668917903
Sprache
Deutsch
Schlagworte
indefinido, spanischunterricht, thema, schülerinnen, schüler
Arbeit zitieren
Ilka Schillings (Autor), 2018, Das Indefinido im Spanischunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464994

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