Zacharias Werner: Der vierundzwanzigste Februar - Betrachtung unter dem Aspekt des Schicksalsdramas


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das romantische Schicksalsdrama

3. Entstehung und Rezeption des „24. Februars“ von Zacharias Werner

4. Handlung und Struktur der Schicksalstragödie

5. Motiv des Fluches

6. Symbolik
6.1 Das fatale Datum
6.2 Das fatale Requisit

7. Analytische Form des Schicksalsdramas

8. Schlussbemerkung

9. Bibliographie

1. Einleitung

Diese Arbeit befasst sich mit der Theorie des romantischen Schicksalsdramas. Sie gibt einen Überblick über die ideologische Einordnung des Begriffs Schicksal, beschreibt die Entstehungsgeschichte des Werkes „Der 24. Februar“ von Zacharias Werner und versucht an diesem Drama die Merkmale eines Schicksalsdramas heraus zu stellen. Hierbei spielen Motive und Symbole eine Rolle. Das Kapitel über die analytische Form des Schicksalsdramas befasst sich mit der Form der Wirkung und versucht sich an einer Kausalkette zur Erklärung des Schicksals im Drama. In der Schlussbemerkung soll herausgestellt werden, ob das Schicksalsdrama „Der 24. Februar“ gattungsspezifische Merkmale aufweist.

2. Das romantische Schicksalsdrama

Der Terminus der Schicksalstragödie fasst im weitesten Sinne alle dramatischen Werke in sich, in denen aus der Schicksalsgebundenheit der Person die Tragik erwächst. Im engeren literarischen Sinne versteht man unter dem Ausdruck Schicksalstragödie die Erzeugnisse einer kleineren Gruppe von Dramatikern, die die deutsche Bühne mit ihren Dramen für kurze Zeit fast völlig eroberten. Die Hauptvertreter dieser Gattung sind Zacharias Werner, der erste eigentliche Vertreter des Schicksalsdramas, Adolph Müllner, Franz Grillparzer und Ernst von Houwald.

Gattungstheoretisch ist die Tragödie nach Friedrich Schlegel (1797) nur im klassischen Athen möglich gewesen. Was später in den tragischen Formen der Dichtung geschaffen wurde, entstammt völlig anderen Traditionen und beruht auf ganz anderen Konflikten, die nichts mehr mit der klassischen Idee der Tragödie zu tun haben. Schlegel vermied den Begriff der Schicksalstragödie in diesem Zusammenhang und ersetzte ihn durch „romantisches Trauerspiel“, denn für ihn schloss sich die Tragödie der Moderne nicht an die klassische Tragödie nach Aristoteles an.[1]

Rudolph Werner beschreibt den Begriff Schicksal als nicht feststehend. Er ist abhängig vom Glauben an die Verantwortlichkeit des Einzelnen das Schicksal. So kann die Determinante der „Macht“ von außen, aber auch von innen auf den einzelnen einwirken.

Neben der heidnischen Tragödie der Antike kann also das christliche Schicksalsdrama, in dem wie bei Caldéron die Kräfte von außen einwirken, auch das moderne Drama des Blutes, in dem eine vererbte Anlage unabänderlich den Untergang des Menschen herbeiführt, existieren.2

Entstanden ist die Idee des romantischen Schicksalsdramas durch den ungeheuren Umschwung aller Verhältnisse durch die Französische Revolution, und das, was darauf folgte hat das Unmögliche möglich gemacht. Eine Art Glaube an Fatalismus, an Vorherbestimmung, welcher ja auch Napoleon beseelte, verbreitete sich in Leben und Dichtung.

Ein wichtiger Satz, den Minor hierzu ausspricht ist, „dass der Fatalismus, als Aberglaube aus den unteren Schichten stammend, in den neunziger Jahren Mode geworden sei, und dass nicht auf der antiken Schicksalsidee, sondern auf diesem Volksaberglauben die unabhängigen voneinander entstehenden Schicksalsdramen sich gründen.“3

Herbert Kraft schreibt hierzu, dass eine Identifikation realer sozialer Bedingungen mit fiktiven magischen Ursachen stattfindet. Indem die fiktiven Personen im Drama unschuldig schuldig werden, wenn sie jenseits des beschriebenen Geschichtsprozesses ihren pseudo-notwendigen Weg gehen, unterliegen sie einem metaphysischen Schicksal. Dieses Schicksal bekommt in seiner Korrelation zum realen Schicksal der Zuschauer seine ideologische Funktion. Der Zuschauer als Mensch in der Gesellschaft erlebt im Spiel die Mystifikation der genannten Verhältnisse. Der dargestellte Fatalismus im Rahmen der Familie wird zu Negation der notwendigen Bewusstwerdung über die Gesellschaft, deren Teil die wirkliche Familie ist, wird so zur Verteidigung von Herrschaft, die einen großen Teil ihrer Macht aus derselben Quelle, dem Fatalismus, schöpft.

Im allgemeinen Sprachgebrauch, wie auch dem der Romantik, gibt es zweierlei Bedeutungen für das Schicksal. Man kann es entweder als die Summe dessen, was im Menschenleben dem Verstand unerklärlich bleibt oder als eine Macht, die wir, um das Unerklärliche zu erklären für jene Summe verantwortlich machen, sehen.

Die eigentliche Ursache des Glaubens an die Schicksalsgebundenheit liegt in der Unterwerfung des romantischen Menschen unter eine höhere Macht. Dies ist in erster Linie der Einfluss der politischen und sozialen Welt, in die die Romantiker hineingeboren wurden. Eine der Ursachen des immer stärker werdenden Abhängigkeitsgefühls sind, wie oben bereits erwähnt, die napoleonischen Kriege. Hier wurden Ruhe und Sicherheit, die dem Bürger als dauerhaft erschien, durchbrochen und brachten die ungeahnte Erfahrung mit sich, dass die politischen Mächte absolut eigenständig verfahren kann, ohne sich um das Wohl Einzelner zu kümmern.

Ohne eigenes Verschulden wurden die Menschen zu Spielbällen der Macht, verloren ihr Eigentum und wurden in die Flucht getrieben. Was bleibt, ist das Gefühl von Abhängigkeit von äußeren Mächten, von einem Schicksal![2]

In erster Linie findet man aber das Schicksal als literarisches Motiv und wichtiges Strukturmittel auf, und auf einer höheren Ebene ist es poetische Sinngebung, es ist aber kaum ein vom Dichter erfahrenes Weltgesetz.

Auch bei Zacharias Werners „24. Februar“ kann ein Bruch zwischen Erlebnis und Dichtung gefunden werden, wenn auch bei ihm eine Bindung zwischen dem Datum und seinem Leben besteht. Der 24. Februar ist für ihn ein echtes Schicksalsdatum, da an diesem Tag seine Mutter verstarb und ihn die Nachricht des Todes seines Freundes Minoch ereilte.[3]

Die Entstehungsgeschichte des Werkes zeigt uns allerdings, dass auch hier das Schicksal nur ein Strukturfaktor und eine literarische Vorlage gewesen sind.

3. Entstehung und Rezeption des „24. Februars“ von Zacharias Werner

Gerard Kozielek beschreibt Zacharias Werner zu seinen Lebzeiten als einen der berühmtesten deutschen Dichter der Romantik. Er rivalisierte auf der Bühne mit Schiller.

„Der „24. Februar“ ist das Drama, welches den stärksten Widerhall gefunden hat, welches am meisten nachgeahmt und am eifrigsten diskutiert wurde“[4], stellt Kozielek in seinem Werk „Darstellung und Deutung“ dar. Kraft fügt an, dass der „24. Februar“ das romantische Schicksalsdrama in seiner Gattung begründet hat, indem es die Nachahmung veranlasste. Es ist Abbild der Gesellschaft geworden, die sich selbst nicht versteht, und Vorbild einer dichterischen Gattung, die die Selbstbestimmung der Menschen zusammenschrumpfen ließ.[5]

Goethe regte Werner zu dem vorliegenden einaktigen Drama an, welches Werner binnen zehn Tagen vollendete. Auf Goethes Einfluss ist es zurückzuführen, dass Werner seinen mystischen Anschauungen entsagte und mit der Absicht, ein ganz aufführbares und unmystisches Trauerspiel zu machen, den „24. Februar“ schrieb.[6]

Zacharias Werner spiegelt in seiner Wahl des Titels zu seinem Drama sehr deutlich die allgemeine Orientierungslosigkeit der Schicksalsdramatiker seiner Zeit wider. Werner übertrug den Mangel an Verständnis der eigenen Situation in das Stück, welches er nach seinem „Schicksalstag“ benannte. Herbert Kraft stellt dies folgendermaßen dar: „Wie er selber die Fremdbestimmung als planvolles Verhängnis erfahren hatte, so stellt er es in seinem Drama dar...“[7]

Woher Werner die stoffliche Anregung zum „24. Februar“ nahm ist nicht eindeutig geklärt. Kraft beschreibt aus einem Entstehungsbericht, dass Werner an einer Lesung in Goethes Haus teilgenommen habe, in der eine schauerliche Kriminalgeschichte, die mit einem besonders merkwürdigen Zusammentreffen der Jahrestage verbunden war, vorgelesen wurde.[8] Diese Geschichte empfahl Goethe nun Werner als einen geeigneten Stoff zu einem kleinen einaktigen Trauerspiel. Nach kurzer Zeit brachte Werner Goethe die Ausarbeitung des vorgeschlagenen Stoffes als „24. Februar“. Goethe gefiel das Stück, dessen Bearbeitung er selbst in Auftrag gegeben hatte weniger, doch konnte er die zugesagte Aufführung nicht zurücknehmen. So kam diese düstere Dichtung auf die weimarische Hofbühne. Ungeahnter Erfolg des Stückes folgte und Goethe war der Meinung, dass dies das beste Stück wäre, welches Werner je gemacht hätte bzw. noch machen würde.

[...]


[1] Vgl. Behler, Ernst: Die Bedeutung Calderóns für den Begriff des Schicksals und der Tragödie in der deutschen Romantik. S. 19

2 Vgl. Werner, Rudolf: Die Schicksalstragödie und das Theater der Romantik. Einleitung

3 Minor, Jakob: Zur Geschichte der deutschen Schicksalstragödie und zu Grillparzers „Ahnfrau“. S. 20

[2] Vgl. Werner, Rudolf: Die Schicksalstragödie und das Theater der Romantik. S. 4

[3] Vgl. Kraft, Herbert: Das Schicksalsdrama. Interpretation und Kritik einer literarischen Reihe.

S. 54

[4] Kozielek, Gerard: Darstellung und Deutung. S. 252

[5] Vgl. Kraft, Herbert: Das Schicksalsdrama. S. 63

[6] Vgl. Kozielek, Gerard: Friedrich Ludwig Zacharias Werner. Sein Weg zur Romantik. S. 146

[7] Kraft, Herbert. Das Schicksalsdrama. Interpretation und Kritik einer literarischen Reihe. S. 54

[8] Vgl. Ebd. S. 55

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Details

Titel
Zacharias Werner: Der vierundzwanzigste Februar - Betrachtung unter dem Aspekt des Schicksalsdramas
Hochschule
Universität zu Köln
Veranstaltung
Dramen des 19. Jahrhunderts
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V46541
ISBN (eBook)
9783638437127
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zacharias, Werner, Februar, Betrachtung, Aspekt, Schicksalsdramas, Dramen, Jahrhunderts
Arbeit zitieren
Ina Rosenau (Autor), 2005, Zacharias Werner: Der vierundzwanzigste Februar - Betrachtung unter dem Aspekt des Schicksalsdramas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46541

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