Rehabilitation bei Skoliose und den damit verbundenen chronischen Rückenschmerzen


Hausarbeit, 2019
26 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einführung in das Thema
2.1 Rehabilitation
2.2 Chronischer Rückenschmerz
2.2.1 Auswirkungen von chronischen Rückenschmerzen
2.2.2 Behandlung bei chronischen Rückenschmerzen

3. Skoliose
3.1 Formen der Skoliose
3.2 Behandlungsmöglichkeiten
3.2.1 Konservative Therapie der Skoliose
3.2.2 Operation bei Skoliose
3.2.3 Rehabilitation bei Skoliose

3. Wirksamkeit und Nutzen der Rehabilitation bei Skoliose

4. Fazit

5. Literatur

1. Einleitung

Chronische Rückenschmerzen sind ein Thema, das heutzutage immer mehr in den Vordergrund rückt. Immer mehr Menschen arbeiten täglich mehrere Stunden am Schreibtisch, verbringen ihren Alltag im Sitzen oder erledigen kurze Wege mit dem Auto. Trotz das man merkt das zur Zeit gerade bei jungen Erwachsenen sich zunehmend ein achtsameres Gesundheitsbewusstsein entwickelt, hin zu gesunder Ernährung und viel Bewegung im Alltag, steigt dennoch die Produktion von und das Interesse an Technik die uns den Alltag „erleichtert“. Ein Beispiel: Ende 2014 wurde von einer sehr bekannten Versandfirma das Produkt Alexa herausgebracht – Sie ermöglicht den Menschen nicht nur einen einfacheren Zugang zu Google Ergebnissen, Nachrichtenmeldungen und Musik per Sprachsteuerung, sondern vor allem ermöglicht sie dass wir nicht mehr von dem Sofa aufstehen müssen um Beispielsweise Musik anzumachen oder das Licht ein und auszuschalten. Ob uns und unserem Körper solche Geräte guttun, ist fraglich. Das viele Sitzen, der Handykonsum, Online-Shopping und viele weitere Gegebenheiten, unter denen meine Generation aufwächst, verstärken immer mehr eine schlechte und ungesunde Haltung und somit entstehen immer mehr Rückenschmerzen auch unter jüngeren „Patienten“1. Zusätzlich dazu bestehen natürlich viele weitere Ursachen für chronische Rückenschmerzen, wie zum Beispiel Skoliose. Diese wohl eher weniger bekannte Erkrankung, ihre Formen, Symptome sowie Behandlungsmöglichkeiten sollen in dieser Hausarbeit erläutert werden. Besonderes Augenmerk wird auf der Rehabilitation der Skoliose und der Behandlung des Hauptsymptoms -den chronischen Rückenschmerzen- liegen, da die Skoliose von den meisten Ärzten als nicht heilbar bezeichnet wird. Gerade in dem Bereich Rehabilitationspsychologie halte ich die rehabilitative Betreuung sowohl auf seelischer als auch körperlicher Ebene von Patienten mit chronischen Rückenschmerzen für sehr wichtig.

2. Einführung in das Thema

2.1 Rehabilitation

Das Ziel der Rehabilitation ist es, Menschen in die Lage zu versetzen, trotz Beeinträchtigungen durch chronische Erkrankungen und ihren Folgen, die Aufgaben im Beruf und in der Schule, sowie die Rollen in Familie und Gesellschaft weiterhin erfüllen zu können. In Deutschland existiert ein breites Spektrum von Rehabilitationsleistungen. Die zu unterscheidenden Formen sind: Medizinische Rehabilitation, berufliche Rehabilitation (Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben) und soziale Rehabilitation (Leistungen zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft). Die medizinische Rehabilitation ergänzt die Krankenbehandlung und erfolgt in ambulanten oder stationären Einrichtungen. Dort arbeitet ein Reha-Team, bestehend u. a. aus Ärzten, Psychologen, Physio-, Ergo- und Sporttherapeuten, Sozialarbeitern, Diätberatern. Zur medizinischen Rehabilitation gehören zum Bsp. Physiotherapie, Patientenschulung, psychosoziale oder krankheitsbezogene Gruppenarbeit, Ergotherapie, psychologische und psychotherapeutische Interventionen, physikalische Therapie (z. B. Wechselbäder) und Ernährungsberatung (Buschmann-Steinhage und Widera, 2016). Vor allem bei Krankheitsbildern wie Skoliose sollten therapeutische Maßnahmen möglichst früh eingesetzt werden. Durch ein frühzeitiges Einsetzen rehabilitativer Therapiemaßnahmen ist eine nachhaltige Wirksamkeit zu erwarten, so dass Kindern und Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen ein ununterbrochener Besuch von Kindergarten und Schule und darüber hinaus eine ungestörte Teilhabe am späteren beruflichen Leben ermöglicht werden kann (Widera, 2011).

2.2 Chronischer Rückenschmerz

In der Literatur lassen sich verschiedene Definitionen zur Abgrenzung von akuten und chronischen Schmerzen finden. Gängig ist die Klassifikation, dass man bei einer Schmerzdauer von über drei Monaten, welche sich nicht durch kausale Therapien behandeln lassen, von chronischen Schmerzen spricht (Reisch, 2009). Nach Dannenmaier (2018) werden Rückenschmerzen mit einer Dauer von sechs bis zwölf Wochen als subakut und Rückenschmerzen, die mehr als zwölf Wochen andauern, als chronisch bezeichnet. Laut Kröner-Herwig wird ausschließlich „eine biopsychosoziale Betrachtung der Multidimensionalität dieser Störung in ihrem Erscheinungsbild und der Vielzahl der sie beeinflussenden Faktoren gerecht (…). Dies bedeutet gleichzeitig, dass die Behandlung prinzipiell als multidisziplinäre Aufgabe mit der Zielsetzung der Verbesserung von körperlichen Funktionen und Strukturen, der Stärkung der Handlungsmöglichkeiten und Förderung der sozialen Partizipation des Patienten gesehen werden muss.“ Der chronische Rückenschmerz ist, mit elf Prozent der Bevölkerung, die häufigste Schmerzbeschwerde im Erwachsenenalter (Kröner-Herwig, 2016). Ursachen für chronische Rückenschmerzen können zum Beispiel psychische Krankheiten, Arthrose, Skoliose, Rheuma, ein Bandscheibenvorfall, ein schiefes Becken oder länger andauernder Bewegungsmangel sowie Fehlhaltungen sein. Die Ursachen werden in allen verwendeten Büchern und Texten als multifaktoriell und schwer benennbar beschrieben. Die Lebenszeitprävalenz für Rückenschmerz liegt in Deutschland zwischen 74 und 85%. Bei 24 bis 30% der Betroffenen chronfizieren die Rückenschmerzen. Die Mehrzahl der Rückenschmerzpatienten (80-90 %) leidet an nichtspezifischen Rückenschmerzen. Die Prävalenz ist sowohl bei Frauen (rund 66 %) als auch bei einem geringeren sozioökonomischen Status höher als bei Männern bzw. bei Menschen mit hohem sozioökonomischem Status (Dannenmaier, 2018). Der Abbildung 1 ist zu entnehmen das der Anteil der von Rückenschmerzen betroffenen, in der deutschen Bevölkerung, im Vergleich von 2003 zu 2009 angestiegen ist. Insgesamt ist zu erkennen das in jeder Altersgruppe (18 – 70+) mindestens 10 Prozent der Bevölkerung an Rückenschmerzen leiden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 (RKI, 2012)

Des Weiteren ist der Gesundheitsberichterstattung des RKI zu entnehmen, dass laut der Umfrage von 2003 rund drei Prozent der Bevölkerung eine akutstationäre Behandlung innerhalb der letzten 12 Monate, aufgrund von Rückenschmerzen, in Anspruch genommen haben und mindestens 5 % gaben an, einmal (oder häufiger) in ihrem Leben an einer Rehabilitationsmaßnahme wegen Rückenschmerzen teilgenommen zu haben (Abbildung 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 (RKI, 2012)

Bei Personen mit Rückenschmerzen in den vorangegangenen 12 Monaten lagen die Anteile bei 40 % für Arztbesuche, 5 % für Krankenhausaufenthalte und 8 % für eine Rehabilitation. Da die Häufigkeit von Rehabilitationsleistungen vergleichsweise gering ausfällt, bezieht sich das RKI an dieser Stelle zusätzlich auf die Daten einer unveröffentlichten Studie, bei welcher die Rückenschmerzen in verschiedene Schweregrade differenziert wurden. Hier berichteten rund zwei Drittel, von schwer betroffenen Versicherten einer Gesetzlichen Rentenversicherung, von einer früheren stationären Rehabilitation wegen ihres Rückenleidens.

In Deutschland wurden im Jahr 2010 mehr als 579.000 Fälle mit Krankheiten der Wirbelsäule und des Rückens, darunter auch Skoliose, stationär behandelt. Im Bereich der stationären medizinischen Rehabilitation wurden für die Gruppe der Rückenleiden (ICD-10-GM: M40 – M54) 179.259 stationäre und sonstige Leistungen registriert. Speziell auf Skoliose bezogen waren es rund 5300 stationäre Behandlungsfälle und darunter ca. 50 % Operationen (RKI, 2012).

2.2.1 Auswirkungen von chronischen Rückenschmerzen

Zu den Folgen von chronischen Rückenschmerzen zählt neben einer eingeschränkten subjektiven Gesundheit und einer dauerhaften seelischen und physischen Belastung, auch eine verminderte Leistungsfähigkeit in Beruf und Freizeit. Dadurch kommt es vermehrt zu Arbeitsausfällen und einer damit verbunden geringeren Arbeitsproduktivität. In der Rangliste der zehn Erkrankungen mit den längsten Arbeitsunfähigkeitszeiten liegen die Rückenschmerzen im Jahr 2010 auf dem ersten Rang (RKI, 2012).

Neben der Belastung der Betroffenen sind Rückenschmerzen allerdings auch eine relevante Belastung für die Gesellschaft. Die Krankheitskosten für Rückenschmerzen in Deutschland befinden sich jährlich im Milliardenbereich.

Die direkten Kosten umfassen die Kosten der Arzneimittel, sowie der ambulanten und stationären Behandlung von Patienten mit chronischen Rückenschmerzen. Die Ausgaben für stationäre Leistungen bei der Behandlung von Rückenerkrankungen betrugen zum Bsp. 1999 bereits 2,5 Milliarden DM. Im Zusammenhang mit Dorsopathien2 wurden im Jahr 1999 rund 107.390 Männer und 83.000 Frauen einer stationären Rehabilitation unterzogen; bei rund 13.000 Frauen und 18.000 Männern wurden Anschlussheilbehandlungen durchgeführt (RKI, 2002). Im Jahr 2008 beliefen sich die Krankheitskosten für Rückenleiden (ICD-10-GM: M45 – M54) auf ca., 9 Milliarden Euro (RKI, 2012).

2.2.2 Behandlung bei chronischen Rückenschmerzen

In der aktualisierten Version der nationalen Leitlinie zur Behandlung von Rückenschmerzen werden Bewegungstherapie, Entspannungsverfahren, Verhaltenstherapie und Edukation empfohlen. Eine Verordnung von Rehabilitationssport und Funktionstraining sollte geprüft werden. Bei chronischen Rückenschmerzen empfehlen die Experten ein multimodales Assessment durchzuführen. Dies kann auf verschiedene Weisen (z.B. Austausch mit Fachärzten) erfolgen. Im Bereich des chronischen Rückenschmerzes wird in der Regel EMG-Biofeedback zur Reduzierung der Muskelspannung bzw. des Erwerbs von Kontrolle über diese Funktion trainiert (Birgit Kröner-Herwig, 2016).

Falls intensive, evidenzbasierte Therapieverfahren keine ausreichende Wirkung zeigten, sollte eine multimodale Therapie in Erwägung gezogen werden. Dies kann eine multimodale Schmerztherapie im kurativen Versorgungsbereich oder eine multimodale Behandlung in der rehabilitativen Versorgung sein (Dannenmaier, 2018). Die multimodale Therapie im rehabilitativen Versorgungsbereich richtet sich zum Teil an erkrankte Berufstätige mit dem Ziel der Wiederherstellung und Aufrechterhaltung der Erwerbsfähigkeit, sowie an chronisch kranke Patienten ohne Erwerbsbezug mit dem Ziel der Erhaltung der Selbstversorgungsfähigkeit, Teilhabe und Vorbeugung von Pflege-bedürftigkeit.

Die Voraussetzungen für die Indikation rehabilitativer Behandlung sind:

- Rehabilitationsfähigkeit und Motivation muss gegeben sein;
- erkrankungsbedingte Beeinträchtigung der Aktivität und Teilhabe;
- erhebliche Gefährdung der Erwerbsfähigkeit;
- bereits eingetretene Minderung der Erwerbsfähigkeit;
- drohende Pflegebedürftigkeit;
- behandlungsbedürftige Krankheitsfolgen und drohende oder eingetretene erkrankungsbedingte Behinderung.

Die Dauer einer rehabilitativen Maßnahme liegt im Durchschnitt bei drei Wochen mit der Möglichkeit der Verlängerung (AWMF, 2018). In einigen Arbeiten wird von einer Fehl-, Über- und Unterversorgung bei Rückenschmerzen berichtet. In Bezug auf die chronischen Rückenschmerzen kommt es zum Teil zu einer Unterversorgung der Patienten mit medizinischer und beruflicher Rehabilitation (Dannenmaier , 2018).

In ihrer Arbeit über funktionsorientierte Rehabilitation bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen beschreibt Reisch den positiven Effekt von funktionsorientierter Rehabilitation bei Rückenschmerzen auf Grundlage von drei verschiedenen Studien. Die funktionsorientierte Rehabilitation reduziert die Anzahl der Krankheitstage und führt zu einer Erhöhung des Arbeitspensums. Im Vergleich von funktionsorientierter Reha und konventioneller schmerzzentrierter Therapie, sowie aktiver Physiotherapie gelangen Patienten schneller zurück an den Arbeitsplatz. Somit ist es sehr wichtig, mit den Patienten möglichst alltagsnah zu trainieren und ihnen dadurch den Wiedereinstieg in den Beruf zu erleichtern (Reisch, 2009).

3. Skoliose

Bei Skoliosen und auch bei Kyphosen handelt es sich um Fehlstellungen der Wirbelsäule (Deformitäten), die in der Regel mit Rückenschmerzen einhergehen. Bei den meisten Kyphosen ist nur eine Ebene von der Deformität betroffen, während bei den meisten Skoliosen eine dreidimensionale strukturelle Wirbelsäulendeformität, von meist verschiedenen Abschnitten, vorliegt (Correll, 2018). Durch das Fehlwachstum der anatomischen Strukturen, nimmt die Fehlstellung der Wirbelsäule bis zum Wachstumsabschluss zu und ist gegebenenfalls auch darüber hinaus progredient (Tingart, 2015). Bei der Skoliose ist die Wirbelsäule nicht nur zur Seite geneigt, sondern weist auch eine Rotation der Wirbelkörper bei gleichzeitiger axialer Verdrehung des Schultergürtels zum Becken hin auf, die trotz aller heutigen zur Verfügung stehenden Therapiemaßnahmen nicht mehr vollständig aufgerichtet werden kann. Hat die Entwicklung der Wirbelsäulenkrümmung erst einmal angefangen, geht diese unbehandelt immer weiter. Gerade im Erwachsenenalter kommen viele Nebenwirkungen, wie Einschränkungen im Alltag durch die Schmerzen und Schwierigkeiten beim Atmen, hinzu. Dann ist eine ursächliche Therapie kaum mehr möglich (DSN, 2014). Skoliosen und Kyphosen können zahlreiche unterschiedliche Ursachen haben. Die Ätiologie ist bis heute unbekannt. Eine multifaktorielle Ursache wird angenommen (Correll, 2018). Es wird vermutet, dass hormonelle, nervliche oder muskuläre Störungen die Auslöser sein können. Auch eine erbliche Veranlagung wird in der Literatur diskutiert. Meist bildet sich die Skoliose in Zeiträumen von starkem Wachstum. Je früher also eine Skoliose erkannt wird, desto aussichtsreicher ist die Behandlung. Was sich im Erwachsenenalter als bleibendes und komplexes Problem darstellt, lässt sich bei Heranwachsenden noch vielfach korrigieren. Zudem ist der Krankheitsverlauf umso leichter, je später die Skoliose beginnt. (DSN, 2014). Skoliosen gehören zu den häufigsten Deformitäten der Wirbelsäule. Die Angaben zur Häufigkeit der Skoliose schwanken sehr stark und liegen zwischen einem und mehr als 13 Prozent. Mädchen sind dabei deutlich häufiger betroffen als Jungen. Laut dem deutschen Skoliose Netzwerk leiden etwa 3-5 % der Bevölkerung an Skoliose, vom geringsten bis zum schwesten Grad (DSN, 2014). Laut dem Text von Tingart et al. beträgt die Prävalenz der Skoliose im Wachstumsalter weltweit ca. 2–3 %. Der überwiegende Anteil davon tritt in der Adoleszenz auf (Tingart 2015). Repräsentative Studien zur Verbreitung chronischer Erkrankungen in Deutschland im Kindes- und Jugendalter wurden erstmals im Rahmen eines bundesweiten Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS) von 2003 bis 2006 bei über 17 000 Kindern im Alter von 0–17 Jahren durchgeführt. Fast 23% der untersuchten Kinder hatten eine allergisch bedingte Erkrankung. Die Wirbelsäulenverkrümmung (Skoliose) wird mit einer Gesamthäufigkeit von 5% angegeben (Widera 2011).

3.1 Formen der Skoliose

Jede Art der Skoliose hat ihre Eigenart und unterscheidet sich zum Teil erheblich in Bezug auf Symptomatik, Verlauf, Prognose, Diagnostik und Behandlung. Die Einteilung in verschiedene Typen kann wie folgt aussehen:

Idiopathische Skoliose: Hier ist die Ursache nicht abschließend geklärt. Genetische Faktoren spielen eine Rolle, vor allem Mädchen und Frauen sind betroffen. Die Patienten mit idiopathischer Skoliose sind meist, mit Ausnahme der Skoliose, gesund. In etwa neun von zehn Fällen handelt es sich um eine sogenannte idiopathische Skoliose im Kindes- und Jugendalter. Diese entsteht vor allem dann, wenn die Wirbelsäule stark wächst (Schulte, 2019). Im Säuglings- und Kleinkindalter findet man die idiopathische selten. Allerdings besteht bei Schulkindern bis zum 16. Lebensjahr bereits eine Prävalenz von 1–2 % (Willner, 1982). Bei Erwachsenen jenseits des 25. Lebensjahres steigt die Prävalenz auf über 8 % und beträgt bis zu 68 % bei 60- bis 90-Jährigen (Carter, 1987; Schwab, 2005). Die Idiopathische Skoliose lässt sich anhand des Alters der Betroffenen unterscheiden. Hier findet man in der Literatur die Einteilung in die infantile Skoliose (0–2 Jahre) 0,5%, die juvenile Skoliose (3–10 Jahre) 10,5% und die Adoleszentenskoliose (oberhalb des 10. Lebensjahres) 89% (Multerer & Döderlein, 2009). Ab dem 18. Lebensjahr spricht man auch von der adulten Skoliose. Bei der infantilen Skoliose sind Jungen 2- bis 3-mal häufiger betroffen. Hierbei lässt sich eine Spontanheilung relativ oft feststellen. Dennoch ist es besonders wichtig, die seltenen Formen mit Progredienz-Neigung frühzeitig festzustellen. Die juvenile idiopathische Skoliose betrifft in den jüngeren Gruppen Jungen und Mädchen gleichmäßig, ab 7 Jahren überwiegen aber die Mädchen. Spontane Remissionen kommen hier nur bei den geringeren Krümmungsgraden (bis etwa 25°) vor (Multerer & Döderlein, 2009). Je früher die Skoliose auftritt, desto schlechter ist die Prognose. Neben der thorakalen Lokalisation (Brustraum) kommen auch lumbale und S-förmige Krümmungen bei dieser Form der Skoliose vor (Matussek, 2016). Die Adoleszentenskoliose betrifft etwa 1% aller Jugendlichen. Hier sind überwiegend die Mädchen betroffen v. a. bei den stärkeren Skoliosegraden (Multerer & Döderlein, 2009).

Neuromuskuläre Skoliose: Als Grunderkrankung liegt eine häufig den gesamten Körper betreffende Muskel- und/oder Gehirn-/Rückenmark-/Nervenerkrankung vor, die dazu führt, dass das Zusammenspiel von Muskeln, Nervensystem und Skelettsystem nicht normal funktioniert und ein Fehlwachstum der Wirbelsäule erfolgt (Schulte, 2019).

Degenerative Skoliose: Diese Form entsteht meist erst im späten Erwachsenenalter durch asymmetrisch verlaufende Verschleißerscheinungen der Wirbelsäule. Dies führt dazu, dass es zu Verkippungen zwischen benachbarten Wirbeln kommt, die dann zur Skoliose führen (Schulte, 2019).

Congenitale Skoliose: Bei dieser Form der Skoliose liegen von Geburt an Fehlbildungen der Wirbelsäule vor, zum Beispiel asymmetrisch angelegte Wirbel oder zusätzliche Wirbel (Schulte, 2019).

[...]


1 In der gesamten Hausarbeit wird zur Erleichterung des Lesefluss die korrekte Genderform weggelassen, mit Patienten sind selbstverständlich auch Patientinnen gemeint.

2 „Dorsopathie – eine allgemeine Bezeichnung für Probleme mit dem Rücken. Es handelt sich um die Erkrankungen wie Skoliose, vergrößerte Kyphose oder Lordose sind (…). Sie werden von Schmerzen und schlechter Beweglichkeit begleitet.“ Quelle: http://de.symptomed.com/krankheiten/dorsopathie

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Rehabilitation bei Skoliose und den damit verbundenen chronischen Rückenschmerzen
Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Stendal
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
26
Katalognummer
V465430
ISBN (eBook)
9783668937116
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesundheit, Rehabiliation, Skoliose, Rückenschmerzen Psychologie Soziale Grundlagen
Arbeit zitieren
Lara Ehrlichmann (Autor), 2019, Rehabilitation bei Skoliose und den damit verbundenen chronischen Rückenschmerzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/465430

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