In der Schweiz können Menschen Schutz finden, die durch Krieg, Verfolgung oder aus anderen Gründen aus ihrem Heimatland fliehen müssen.
Ein grosser Teil der Geflüchteten besteht aus Kindern und Jugendlichen. So hat das Staatssekretariat für Migration SEM bekannt gegeben, dass zum Beispiel in den Monaten Oktober bis Dezember 2015 ein Drittel aller in die Schweiz geflüchteten Menschen unter 18 Jahre alt war. Diese müssen in der Schweiz beschult werden. Die Integration von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund stellt Schulen vor bestimmte Herausforderungen. Besonders die Arbeit mit Flüchtlingskindern erfordert Sensibilität und Kenntnisse bei den Lehrpersonen sowie die Bereitstellung von Ressourcen. Die schweizerischen Schulen können auf einige Erfahrung mit der Arbeit mit zugewanderten Kindern zurückblicken und haben Kompetenzen entwickelt, wie sie mit der Vielfalt umgehen können, die sich in den Klassen. Auch in Bezug auf Flüchtlingskinder sind sie bereit, ihnen «die bestmögliche Unterstützung und Förderung zu geben» (profilQ 2016, S. 1). Die kantonalen Schulbehörden unterstützen die Lehrkräfte.
Doch wie stellt sich die Lage aus Sicht der Lehrpersonen und pädagogisch Tätigen dar? Bisher liegen kaum Forschungsergebnisse darüber vor, wie sich die Förderung von Flüchtlingskindern für Pädagoginnen und Pädagogen tatsächlich im Schulalltag gestaltet. Die Perspektive der Lehr- und Pädagogikkräfte wird in dieser Arbeit daher im Mittelpunkt stehen. Im Rahmen einer qualitativen Untersuchung und anhand von ExpertInneninterviews sollen Erkenntnisse darüber gewonnen werden, welche Erfahrungen mit der Förderung von Flüchtlingskindern im Unterricht gemacht werden. Diese Arbeit befasst sich mit der Frage, wie aus Sicht der Professionellen in der Schule die Resilienz von Flüchtlingskindern gestärkt werden kann. Forschungsinteresse und Ziel der Arbeit sind, aus den Beobachtungen Hinweise für die pädagogische Praxis in der Primarschule zu gewinnen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theorieteil I – Bedeutung und Entwicklung von Resilienz
2.1 Kindliche Entwicklung, Vulnerabilität und Coping
2.2 Resilienz
2.3 Traumatisierte Flüchtlingskinder
3 Theorieteil II – Flüchtlingskinder in der Schweiz
3.1 Asylverfahren: Zahlen und Unterbringung
3.2 Schulsituation
4 Theorieteil III – Resilienzförderung durch Lehrpersonen
4.1 Beziehungsarbeit
4.2 Massnahmen und Förderprogramme in Schulen
4.3 Didaktische Möglichkeiten
4.4 Traumapädagogik im Rahmen von Schule
4.5 Gewaltprävention, Klassendynamik & Beziehungen
5 Empirie I – Die qualitative Untersuchung
5.1 Beschreibung und Begründung der Methode
5.2 Durchführung der Interviews
5.2.1 Interview 1: Regelklassenlehrerin
5.2.2 Interview 2: Traumapädagogin und Heil- & Sonderpädagoge
5.2.3 Interview 3: Primarlehrerin, Berufsanfängerin
6 Empirie II – Ergebnisse
6.1 Darstellung und Kategorienbildung
6.2 Interpretation und Diskussion
6.2.1 Sicht auf die Fachkräfte
6.2.2 Fachliche Themen
6.2.3 Rahmenbedingungen
6.2.4 Zusammenführung: Befragung & derzeitige Massnahmen
6.3 Grenzen und offene Fragen
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Lehrpersonen im schulischen Alltag zur Stärkung der Resilienz bei Flüchtlingskindern beitragen können. Ziel ist es, basierend auf einer qualitativen Analyse und Experteninterviews, pädagogische Ansätze und praktische Handlungsempfehlungen für die Primarschule zu identifizieren.
- Resilienz- und Coping-Konzepte bei Kindern
- Herausforderungen für Flüchtlingskinder im Schweizer Schulsystem
- Traumapädagogische Ansätze und Präventionsmassnahmen im Unterricht
- Qualitative Untersuchung der Sichtweisen von Lehr- und Fachpersonen
- Optimierungsmöglichkeiten für schulische Integrationsprozesse
Auszug aus dem Buch
4.3. DIDAKTISCHE MÖGLICHKEITEN
Resilienz und Lernen stehen in einem engen Zusammenhang. Lernen bedeutet, gelegentlich schwierige Aufgaben zu lösen (vgl. Greef 2008, S. 9). Wer resilient ist, traut sich zu, mit Schwierigkeiten umgehen und schafft es dann auch. Die Entwicklung von Resilienz sollte daher nach Wustmann zu einem «integralen Bestandteil von Bildungs- und Erziehungsprozessen gemacht werden» (Wustmann 2009, S. 10, Hervorhebung im Original).
Eine Textform, die im Unterricht behandelt werden und zur Stärkung von Resilienz beitragen kann, sind Märchen oder märchenähnliche Geschichten. Sie sind Resilienz fördernd, weil in ihnen meistens das Lösen eines Problems im Zentrum steht. Die Hauptfiguren lösen diese Probleme oft aus eigener Kraft. Vorher allerdings gibt es Rückschläge, von denen sich die handelnden Figuren nicht beirren lassen. Wenn sich die Kinder mit den Heldinnen und Helden identifizieren, kann in ihnen das Vertrauen wachsen, dass auch sie ihre Probleme lösen werden (vgl. Fthenakis et al. 2007, S. 174).
Des Weiteren sind Unterrichtseinheiten zu Themen wie «Leben» oder «Biografie» geeignet, die Etappen des bisherigen Lebens zu bearbeiten und Blicke in die Zukunft zu werfen (vgl. Greef 2008, S. 25). Bei Flüchtlingskindern ist hier wieder besondere Sensibilität geboten, damit nicht etwa traumatisierende Erlebnisse wieder in Erinnerung gerufen werden, die dann im Rahmen der Schulstunden nicht aufgefangen werden können. Das Gleiche gilt für Inhalte, in denen es um Flucht geht. Dennoch kann es hilfreich sein, mit fiktiven Erzählungen von Kindern in entfernten Ländern zu arbeiten, die Krieg und Flucht erlebt haben (vgl. Greef 2008, S. 29). Darin können sich geflüchtete Kinder selbst wiedererkennen und ihre Mitschülerinnen und -schüler können etwas über diese Erfahrungen lernen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Stellt die Relevanz der Flüchtlingsthematik in der Schweiz dar und formuliert die Forschungsfrage zur Resilienzstärkung im Schulalltag.
2 Theorieteil I – Bedeutung und Entwicklung von Resilienz: Erläutert entwicklungspsychologische Grundlagen, Vulnerabilität, Coping-Strategien sowie die spezifische Situation traumatisierter Flüchtlingskinder.
3 Theorieteil II – Flüchtlingskinder in der Schweiz: Behandelt die Asylpraxis, Unterbringungsbedingungen und die aktuelle Situation dieser Kinder im schweizerischen Bildungssystem.
4 Theorieteil III – Resilienzförderung durch Lehrpersonen: Diskutiert praktische Ansätze wie Beziehungsarbeit, didaktische Methoden und traumapädagogische Aspekte zur Förderung der Widerstandskraft.
5 Empirie I – Die qualitative Untersuchung: Beschreibt das methodische Vorgehen und die Durchführung der Experteninterviews mit Lehr- und Fachpersonen.
6 Empirie II – Ergebnisse: Wertet die Interviews aus, kategorisiert die Erkenntnisse und diskutiert diese im Kontext der theoretischen Grundlagen.
7 Fazit: Fasst die Ergebnisse zusammen und hebt die Bedeutung von stabilen Beziehungen und strukturellen Verbesserungen für die Resilienzförderung hervor.
Schlüsselwörter
Resilienz, Flüchtlingskinder, Primarschule, Trauma, Coping, Pädagogik, Integration, Asyl, Lehrpersonen, Beziehungsarbeit, Unterricht, Traumapädagogik, Schulalltag, Förderung, qualitative Forschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Fragestellung, wie Lehrpersonen in der Schweizer Primarschule Flüchtlingskinder gezielt in ihrer Resilienz stärken können, um ihnen eine gesunde Entwicklung trotz belastender Erfahrungen zu ermöglichen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit verknüpft psychologische Resilienzkonzepte mit der pädagogischen Praxis. Zentrale Themen sind dabei die psychische Widerstandsfähigkeit, die Integration von traumatisierten Kindern in Schulklassen sowie die Gestaltung von Unterstützungsangeboten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, aus den Erfahrungen von Lehrpersonen und pädagogischen Fachkräften Erkenntnisse darüber zu gewinnen, welche Fördermöglichkeiten in der Schule existieren und wie die Resilienz von Flüchtlingskindern professionell unterstützt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin wählt einen qualitativen Forschungsansatz. Es wurden offene ExpertInneninterviews mit drei verschiedenen Fachpersonen (Regelklassenlehrperson, Traumapädagogin, Sonderpädagogik-Fachkraft) geführt und inhaltlich ausgewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen umfassenden theoretischen Rahmen zu Resilienz und Schulsituationen in der Schweiz sowie einen empirischen Teil, der die Ergebnisse aus den geführten Interviews detailliert darstellt und diskutiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Resilienz, Trauma, Coping-Strategien, Beziehungsarbeit, didaktische Methoden im interkulturellen Kontext sowie die Rolle des Lehrpersonals als stabile Bezugsperson.
Welche Rolle spielt die Familie des Kindes für die befragten Experten?
Die Experten betonen, dass das Kind stark in das Familiensystem eingebunden ist. Eine Stärkung des Kindes gelingt oft nur dann, wenn auch die Eltern entlastet werden oder bei Traumatisierung professionelle Betreuung ausserhalb der Familie gefunden wird.
Warum wird die Sprachentwicklung als kritische Hürde angesehen?
Die Befragten identifizieren mangelnde Sprachkenntnisse als das zentrale Hindernis für die soziale Integration. Ohne eine gemeinsame Sprache können Kinder kaum soziale Beziehungen aufbauen oder den Anforderungen des Unterrichts folgen, was den Start massiv erschwert.
- Quote paper
- Dilara Sayan (Author), 2016, Resilienz von Flüchtlingskindern stärken. Ansätze für die pädagogische Praxis in der Grundschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/465475