Die vorliegende Arbeit untersucht unter Einbezug evolutionspsychologischer Erklärungsansätze gemäß der ‚parental investment’ Theorie und der ‚good genes’ Theorie, ob die weibliche Fertilität als auch der Beziehungsstatus im Sinne von evolvierten sexuellen Strategien einen systematischen Einfluss auf die Selbstwahrnehmung und das Verhalten von Frauen ausüben. Um diese möglichen Veränderungen in Kognition und Verhalten zu untersuchen, wurde eine Studie an 40 Frauen durchgeführt, die keine hormonellen Kontrazeptiva einnahmen und täglich über die Länge ihres Menstruationszyklus einen Fragebogen ausfüllten, der die zu untersuchenden Merkmale beinhaltete. Diese longitudinale Vorgehensweise ermöglichte den kontrollierten Vergleich von hoch fertiler und niedrig fertiler Phase und deren Einfluss auf die weibliche Wahrnehmung der eigenen Attraktivität sowie auf das Schmink- Kleidungsverhalten der Frauen. Aus explorativer Sicht wurde zusätzlich die weibliche Unternehmungslust bzw. die tatsächlichen Unternehmungen der Frauen in Abhängigkeit ihrer Konzeptionswahrscheinlichkeit und ihres Beziehungsstatus untersucht.
Die Ergebnisse der vorliegenden Längsschnittstudie belegen hypothesenkonform den systematischen Einfluss des Fertilitätsstatus als auch des Beziehungsstatus auf die weibliche Selbstwahrnehmung der eigenen Attraktivität. Zudem kann ein signifikanter Einfluss des Ovulationszyklus auf das weibliche Schmink- und Kleidungsverhalten von Frauen nachgewiesen werden. Eine Interaktion von Konzeptionswahrscheinlichkeit und Beziehungsstatus wird nur in Bezug auf die Verwendung von Kosmetika zum Schminken der Augen und einen ‚sexy’ Kleidungsstil tendenziell signifikant. Jedoch deuten die Mittelwerte darauf hin, dass mittels einer größeren Stichprobe eine durchgängige Signifikanz der Interaktion von Fertilitäts- und Beziehungsstatus erreicht werden könnte. Obgleich die Hypothesen bezüglich der systematischen Einfluss des Fertilitätsstatus auf die weibliche Unternehmungslust und das Unternehmungsverhalten von Frauen nicht aufrechterhalten werden konnten, stützen die Befunde unter Einbezug des Beziehungsstatus den systematischen Einfluss der weiblichen Fertilität auf die Unternehmungslust von Frauen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 EVOLUTIONSPSYCHOLOGISCHE GRUNDLAGEN
2.1 DIE EVOLUTIONSTHEORIE VON CHARLES DARWIN
2.2 SEXUELLE SELEKTION
2.3 GRUNDANNAHMEN DER EVOLUTIONSPSYCHOLOGIE
2.4 EVOLUTIONSPSYCHOLOGISCHE SEXUALSTRATEGIEN DES MENSCHEN
2.4.1 DAS KONZEPT DES PARENTALEN INVESTMENTS
2.5 PARTNERWAHLPRÄFERENZEN
2.5.1 PARTNERWERT UND PARTNERPRÄFERENZEN VON FRAUEN
2.5.2 PHYSISCHE ATTRAKTIVITÄT ALS PARTNERKRITERIUM
2.6 WEIBLICHE SEXUELLE STRATEGIEN DER PARTNERWAHL UND DES INTRASEXUELLEN WETTBEWERBES
2.6.1 GRÜNDE FÜR DIE WAHL EINES KURZZEITPARTNERS SEITENS DER FRAU
2.7 DIE VERSTECKTE OVULATION
2.8 DER EINFLUSS DES FERTILITÄTSSTATUS AUF WEIBLICHE SEXUALSTRATEGIEN
3 GEGENWÄRTIGER FORSCHUNGSSTAND
4 HYPOTHESENABLEITUNG
4.1 ABLEITUNG DER ZENTRALEN HYPOTHESEN
4.1.1 SYSTEMATISCHE UNTERSCHIEDE IN DER WEIBLICHEN SELBSTWAHRNEHMUNG IN ABHÄNGIGKEIT DES FERTILITÄTSSTATUS
4.1.2 SYSTEMATISCHE UNTERSCHIEDE DES WEIBLICHEN VERHALTEN IN ABHÄNGIGKEIT DES OVULATIONSZYKLUS
4.2 EXPLORATIVE FRAGESTELLUNG
4.3 NEBENFRAGESTELLUNG: DER BEZIEHUNGSSTATUS ALS SYSTEMATISCHE EINFLUSSGRÖßE AUF WEIBLICHE SEXUELLE STRATEGIEN
4.4 ZUSAMMENFASSUNG DER HYPOTHESENABLEITUNG
4.5 HYPOTHESEN
5 EMPIRISCHE VORGEHENSWEISE
5.1 DURCHFÜHRUNG DER DATENERHEBUNG
5.2 MESSINSTRUMENTE
5.3 OPERATIONALISIERUNG DER UNABHÄNGIGEN VARIABLEN
5.4 OPERATIONALISIERUNG DER ABHÄNGIGEN VARIABLEN
5.4.1 INDEXKONSTRUKTION
6 ERGEBNISTEIL
6.1 DARSTELLUNG DES STATISTISCHEN ANALYSEVERFAHREN
6.2 BESCHREIBUNG DER STICHPROBE
6.3 ERGEBNISDARSTELLUNG
6.3.1 SYSTEMATISCHER VERÄNDERUNGEN DER ‚SELBSTWAHRGENOMMENEN ATTRAKTIVITÄT’ VON FRAUEN IN ABHÄNGIGKEIT IHRES FERTILITÄTS- UND BEZIEHUNGSSTATUS
6.3.2 DER EINFLUSS DES WEIBLICHEN OVULATIONSZYKLUS AUF DIE VERWENDUNG VON KOSMETIKA
6.3.3 SYSTEMATISCHE VERÄNDERUNGEN DES SELBSTBEURTEILTEN KLEIDUNGSSTILS VON FRAUEN IN ABHÄNGIGKEIT IHRES FERTILITÄTS- UND BEZIEHUNGSSTATUS
6.3.4 DER EINFLUSS DER WEIBLICHEN ZYKLUSPHASE UND DES BEZIEHUNGSSTATUS AUF DIE UNTERNEHMUNGSLUST BZW. TATSÄCHLICHEN UNTERNEHMUNGEN VON FRAUEN
7 ZUSAMMENFASSENDE INTERPRETATION UND DISKUSSION DER ERGEBNISSE
8 AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob und wie der weibliche Fertilitätsstatus sowie der Beziehungsstatus die Selbstwahrnehmung und das Verhalten von Frauen im Sinne evolvierter sexueller Strategien beeinflussen. Die zentrale Forschungsfrage ist, ob Frauen während ihrer hoch fertilen Phase adaptive Verhaltensweisen zeigen, die dazu dienen, ihre reproduktiven Chancen zu optimieren und den Erfolg bei der Partnerwahl zu steigern.
- Evolutionspsychologische Grundlagen der Partnerwahl und sexuellen Selektion.
- Die Rolle des "Parental Investment" und der "Good Genes" Theorie für weibliche Sexualstrategien.
- Einfluss des Menstruationszyklus auf Selbstwahrnehmung, Kleidungsstil und Kosmetikverwendung.
- Untersuchung von Unterschieden zwischen Single-Frauen und Frauen in festen Partnerschaften.
Auszug aus dem Buch
2.4.1 DAS KONZEPT DES PARENTALEN INVESTMENTS
Nach Ansicht der Evolutionspsychologie scheint ein Grund für die Entwicklung von geschlechterdifferenzierten Partnerwahlstrategien in der ungleichen Investition von Mann und Frau in die Reproduktion (elterliches Investment) zu liegen (Trivers, 1972). Die Zeit, Ressourcen und Energie die zur Produktion und Aufzucht der Nachkommen nötig sind, variieren zwischen den Geschlechtern. Vor dem Hintergrund, dass sich beim Mann die minimale Investition in die Reproduktion auf den Aufwand der Auswahl der passenden Partnerin und den Vollzug des Geschlechtaktes beschränkt, kann er sich bei der Partnerwahl vordergründig auf die Merkmale der Frau konzentrieren, die als Fitnessindikatoren dienen, um somit unbewusst dem primären Ziel aller Lebewesen nachzukommen, die eigenen Gene erfolgreich zu verbreiten. Da der Mann in der Regel bis ins hohe Alter zeugungsfähig ist, wäre es auf den ersten Blick für ihn die beste Reproduktionsstrategie, während seiner Lebensspanne so viele Partnerinnen wie möglich zu befruchten ohne dabei eine langfristige Bindung einzugehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Partnerwahlstrategien aus evolutionspsychologischer Sicht und Darstellung der Forschungsrelevanz.
2 EVOLUTIONSPSYCHOLOGISCHE GRUNDLAGEN: Erläuterung der theoretischen Basis, insbesondere der Selektionstheorie und der Rolle des parental investment.
3 GEGENWÄRTIGER FORSCHUNGSSTAND: Zusammenfassung aktueller empirischer Studien zu zyklusabhängigen Verhaltens- und Kognitionsänderungen bei Frauen.
4 HYPOTHESENABLEITUNG: Systematische Ableitung der zentralen Hypothesen und Darstellung des Forschungsmodells.
5 EMPIRISCHE VORGEHENSWEISE: Beschreibung des Studiendesigns, der Stichprobe und der verwendeten Messinstrumente zur Datenerhebung.
6 ERGEBNISTEIL: Präsentation und statistische Auswertung der Studienergebnisse in Bezug auf die aufgestellten Hypothesen.
7 ZUSAMMENFASSENDE INTERPRETATION UND DISKUSSION DER ERGEBNISSE: Zusammenfassende Einordnung der Resultate in den evolutionspsychologischen Kontext und Diskussion der Limitationen.
8 AUSBLICK: Vorschläge für zukünftige Forschungsschwerpunkte und Zusammenfassung der wissenschaftlichen Bedeutung.
Schlüsselwörter
Evolutionspsychologie, Partnerwahl, Ovulationszyklus, Fertilität, Parental Investment, Sexuelle Selektion, Selbstwahrnehmung, Kleidung, Kosmetik, Reproduktion, Strategien, Fitness, Beziehungsstatus, intrasexueller Wettbewerb, Good Genes.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie biologische Prozesse des weiblichen Menstruationszyklus das Verhalten und die Selbstwahrnehmung von Frauen im Kontext der Partnerwahl beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Im Zentrum stehen evolutionspsychologische Ansätze, die sexuelle Strategien, Partnerpräferenzen und den Wettbewerb um Partner unter Berücksichtigung von Fertilität und Beziehungsstatus beleuchten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, ob Frauen während ihrer fruchtbaren Tage unbewusst Verhaltensweisen (wie Kleidungswahl oder Kosmetiknutzung) anpassen, um ihre Fitness oder ihre Attraktivität als Partnerin zu signalisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für diese Untersuchung verwendet?
Es wurde eine longitudinale Längsschnittstudie mit 40 Probandinnen durchgeführt, die über den Verlauf ihres Zyklus tägliche Fragebögen zur Selbsteinschätzung und zum Verhalten ausfüllten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretischen Grundlagen der Evolutionspsychologie, den aktuellen Forschungsstand, die Ableitung der Hypothesen sowie die detaillierte empirische Auswertung der erhobenen Daten mittels Varianzanalysen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Evolutionspsychologie, Fertilitätsstatus, reproduktiver Erfolg, partnerwahlrelevante Signale und sexuelle Strategien beschreiben.
Was ist das Ergebnis bezüglich der Kleidungswahl?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Frauen in der hoch fertilen Phase bevorzugt figurbetonte und "sexy" Kleidung tragen, was als adaptive Strategie im Wettbewerb gedeutet werden kann.
Wie unterscheidet sich die Situation von Singles im Vergleich zu Frauen mit festem Partner?
Die Studie zeigt, dass Frauen in festen Partnerschaften bei der fruchtbarkeitsabhängigen Anpassung ihres Verhaltens stärker ausgeprägte Muster zeigen als Single-Frauen, was die Bedeutung gesicherter Ressourcen (Investment) unterstreicht.
- Citar trabajo
- Melanie Denk (Autor), 2004, Versteckte Signale der Ovulation - Verhalten und Selbstwahrnehmung in Abhängigkeit vom Menstruationszyklus, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46566