Wie gestaltet sich der Übergang von Kindheit zu Jugend?

Theoretische Überlegungen


Ausarbeitung, 2018
9 Seiten, Note: 1,5
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Jugend
2.1 Begriffsklärung
2.2 Entstehung der Jugendphase

3 Wie gestaltet sich der Übergang von Kindheit zu Jugend?
3.1 Identität
3.2 Die Entwicklung des Körpers
3.3 Sozialisationskontexte
3.3.1 Familie
3.3.2 Freundschaften

4. Fazit

Literaturverzeichnis.

1. Einleitung

Das Phänomen Jugend in seiner Begrifflichkeit ist ein vergleichsweise junges Konstrukt verschiedener Fachwissenschaften, aber auch im Sprachgebrauch allgemein und rekurriert je nach Fachbereich auf einen unterschiedlichen Inhalt. Was Jugend daher ist und wie sie sich äußert, lässt sich so einfach nicht sagen. Aus biologischer Sicht ist die Jugend ein anthropologisch ubiquitärer Prozess – ein Begriff, dem seine Bedeutung nicht erst historisch-kulturell geschaffen werden musste, sondern der eine Disposition menschlicher Entwicklung vergegenwärtigt. Trotz dieser Feststellung entbehrt der Begriff nicht auch einer geschichtlichen und kulturellen Prägung, die diese Entwicklungsphase in ihrer Wirkung im Laufe der Zeit immer wieder anders beschreibt. Diese Vielschichtigkeit, die den Begriff phänomenologisch stetig in der Schwebe hält, macht es schwierig, ihn ein für alle Mal zu kategorisieren. Was macht die Jugend also aus? Wie zeigt sie sich in der Praxis?

Um solche Fragen beantworten zu können, muss zuerst einmal geklärt werden, von welchem Altersbereich man spricht, wenn es um die Phase der Jugend geht. Sodann kann eine Population definiert werden, aus der sich eine Stichprobe generieren ließe. Jedoch kann, je nach dem aus welchem Fachbereich wir eine Definition an den Begriff der Jugend anlegen, eine andere Alterspanne veranschlagt werden. Dadurch dass die jeweiligen Wissenschaften die Jugendphase an differierenden Merkmalen festmachen, können diese bis zum Ende des 20. Lebensjahres beobachtbar bleiben und damit die Altersspanne expandieren. Es gilt also je nach Begriffsdefinition ein anderes Zeitfenster für die Phase der Jugend. Ziel dieser Arbeit ist es einen theoretischen Überblick über das Phänomen Jugend zu geben mit dem Fokus auf der Analyse des Übergangs vom Kindesalter ins Jugendalter.

2. Jugend

Jugend stellt den grundlegenden Begriff dieser Arbeit dar. Da dem Begriff hinsichtlich der unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen verschiedene Bedeutungen zukommen, soll in diesem Kapitel zunächst der Versuch unternommen werden, die verschiedenen Betrachtungsweisen von Jugend voneinander abzugrenzen, sowie deren Gemeinsamkeiten in den Blick zu nehmen. Des Weiteren wird mit Jugend eine Lebensphase bezeichnet. Wie diese Phase entstehen konnte, soll ebenfalls Gegenstand dieses Kapitels sein.

2.1 Begriffsklärung

Genauer betrachtet, lässt sich für den Begriff Jugend keine eindeutige Definition finden. Vielmehr scheint es, als gebe es je nach wissenschaftlicher Betrachtungsweise unterschiedliche Auffassungen, wann von Jugend die Rede ist. Ecarius u.a. beispielsweise bezeichnen Jugend aus biologischer Sicht als die Phase ab der Pubertät bis zum Verebben des zweiten Gestaltwandels, welcher die körperlichen Proportionsveränderungen und ein Schub des Längenwachstums bezeichnet (vgl. Ecarius u.a. 2011, S. 13f). Mit der Pubertät tritt an dieser Stelle ein weiterer wichtiger Begriff im Zusammenhang mit Jugend auf. Grob und Jaschinski zufolge ist unter der Pubertät sowohl bei Mädchen als auch bei Jungen der Eintritt der Geschlechtsreife zu verstehen (vgl. Grob, Jaschinsky 2003, S. 17). Diese ist demnach bei Mädchen durch die erste Menstruation (Menarche) und bei Jungen durch den ersten Samenerguss (Pollution) bestimmt (ebd.). Daneben wird aus psychologischer Perspektive „die emotionale und kognitive Entwicklungsdynamik, die mit der Pubertät in Gang kommt“ (Ecarius u.a. 2011, S. 14) unter den Begriff der Jugend gefasst. Gemäß Fend tritt in der Psychologie in diesem Zusammenhang häufig der Begriff Adoleszenz auf, der nichts anderes als die psychosozialen Veränderungen mit Beginn der Pubertät meint (vgl. Fend 2005, S. 22f). Die Soziologie hingegen betrachte die Jugend als Lebensphase mit den entsprechenden gesellschaftlichen Auswirkungen auf eben diese Phase (vgl. Ecarius u.a. 2011, S. 14).

Genauso wie dem Begriff Jugend innerhalb der unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen verschiedene Bedeutungen zukommen, lässt sich auch die Altersspanne, die die Jugendphase umfasst, nicht eindeutig festlegen. So gesehen, gelten Personen im rechtswissenschaftlichen Bereich als Jugendliche, „die das 14. Lebensjahr vollendet haben, jedoch noch keine 18 Jahre alt sind“ (Ecarius u.a. 2011, S.13). Des Weiteren zeigen Grob und Jaschinski die folgende zeitliche Unterteilung des Jugendalters auf: Dabei wird als frühe Adoleszenz das Alter von 10 bis 14 Jahren angesehen, die mittlere Phase umgreift das 15. bis 18. Lebensjahr, die Spätadoleszenz die Jahre 19 bis 21 (vgl. Grob, Jaschinski 2003, S. 19).

Daraus lässt sich schlussfolgern, dass sich auch hier je nach Kontext verschiedene Altersgruppen unter den Begriff der Jugend fassen lassen. Des Weiteren ist davon auszugehen, dass sich biologisch betrachtet, jeder Körper individuell entwickelt und damit auch der Eintritt der Pubertät nicht auf ein bestimmtes Lebensalter festzulegen ist, welches für alle Menschen gelten kann.

Ob man Jugend nun aus Sicht der Biologie, der Soziologie oder der Psychologie betrachtet ­– allen gemeinsam ist letztendlich, dass sie in der Jugend den „Lebensabschnitt zwischen dem Ende der Kindheit und dem Beginn des Erwachsenenstatuts“ (Grob, Jaschinski 2003, S. 12) sehen. In Erik Eriksons Entwicklungsstufenmodell, in dem es jeweils darum geht, bestimmte Entwicklungsaufgaben bzw. –krisen zu bewältigen, wird dieser zentrale Aspekt noch einmal augenscheinlich. In Phase 5 seines Stufenmodells (mit Namen Identität versus Rollenkonfusion) ist der zentrale Konflikt, den die Pubertät auszeichnet, eben genau jene Zerrissenheit zwischen Kindheit und Erwachsenenalter; die Zeit der Jugend wird damit für ihn zu einer Suche nach Identität, die die Kindidentität im Übergang zu den mannigfaltigen Möglichkeiten des Erwachsenalters hinter sich lässt und im günstigsten Fall zu Gunsten einer der vielen Identitätsperspektiven eintauscht (vgl. Siegler, DeLoache, Eisenberg 2011, S. 343).

Dass eine solche Lebensphase jedoch überhaupt entstehen konnte, die als Jugend bezeichnet wird, unterlag der vergangenen gesellschaftlichen Entwicklungen. Diese Entstehung ist Gegenstand des nachfolgenden Kapitels.

2.2 Entstehung der Jugendphase

Aus heutiger Sicht wird mit Jugend nicht nur eine Übergangsphase zwischen Kindheit und Erwachsenenalter verstanden, sondern auch eine eigenständige Phase im menschlichen Lebenslauf.

Hurrelmann und Quenzel zeigen auf, dass es die Jugend im Sinne der biologischen und psychologischen Entwicklung schon immer gegeben hat; anfänglich wurden diese Ausprägungen aber gesellschaftlich nicht als Lebensphase definiert (vgl. Hurrelmann, Quenzel 2016, S. 19). So gab es in der vorindustriellen Gesellschaft noch keine Phase, die als Jugend bezeichnet wurde. Während dieser Zeit wurden Kinder als kleine Erwachsene angesehen, so Hurrelmann (ebd.). Dies zeigte sich u.a. darin, dass innerhalb der überwiegend landwirtschaftlich geprägten Familien, Kinder und Erwachsene den gleichen Tätigkeiten nachgingen, so Hurrelmann und Quenzel weiter (ebd.). Daraus lässt sich schließen, dass es in der vorindustriellen Gesellschaft noch keine klar definierte Abgrenzung der Kindheit und des Erwachsenenalters gab, geschweige denn der Jugend. Erst mit der aufkommenden Industrialisierung, um 1850, entwickelten sich u.a. durch den außerfamiliären Arbeitsbereich, die Handlungsbereiche von Kindern und Erwachsenen immer weiter auseinander, so Hurrelmann und Quenzel (ebd., S. 20). Damit war „[d]er erste Schritt zur Abgrenzung einer gesonderten Lebenssphäre für Kinder und Jugendliche […] vollzogen“ (ebd.). Hurrelmann und Quenzel zufolge hat sich in Deutschland Jugend als Lebensphase dann im Laufe des 20. Jahrhundert zunehmend herausgebildet (ebd., S. 16f). Auch der Begriff Jugend bzw. ‚Jugendlicher‘ entwickelte sich zu dieser Zeit zu einem Begriff, der Ferchhoff zufolge, zunehmend wertfrei gebraucht wurde (vgl. Ferchhoff 2011, S. 33). Zuvor war der Begriff stark negativ konnotiert gewesen, denn der Begriff ‚Jugendlicher‘ hatte seinen Ursprung in den Gefängnissen und Rettungshäusern und bezeichnete damals junge Erwachsene, die als „verwahrloste, kriminelle, verbrecherische, gottlose und […] als lebenskorrektionsbedürftige Personen“ (ebd.) galten.

Um 1900 bestand der typische Lebenslauf noch aus der Phase der Kindheit, gefolgt von dem Erwachsenenalter. Innerhalb von Gesellschaften mit einem hohen Bildungsniveau entstand jedoch zu dieser Zeit „ein neues soziales und pädagogisches Verständnis von Kind und Jugend“ (Hurrelmann, Quenzel 2016, S. 20):

Kinder galten jetzt nicht mehr als kleine Erwachsene, sondern als Menschen, die sich in einer eigenständigen Entwicklungsphase befinden, die besondere pädagogische und psychologische Verhaltensansprüche stellt. (ebd.)

Daraufhin folgte Mitte 1900 eine gesamtgesellschaftliche Umstrukturierung der Lebensphasen. Die neue Struktur des Lebenslaufs beinhaltet eine Ausdifferenzierung der Phase Jugend, sowie der Phase des Seniorenalters. Da diese beiden Phasen bis dahin nur im bürgerlichen Teil der Gesellschaft anerkannt waren und sich somit neu in den breiten Bevölkerungsschichten etablierten, werden sie laut Hurrelmann zu diesem Zeitpunkt als historisch neue Lebensphasen bezeichnet (ebd.). Als ein ausschlaggebender Grund für diese Entwicklung nennt Hurrelmann die zunehmende Komplexität der beruflichen Anforderungen (ebd.). Dies forderte eine längere und umfangreichere Ausbildung, was dazu führte, dass der Schulbesuch für alle jungen Gesellschaftsmitglieder eingeführt wurde. Junge Menschen verbringen ab diesem Zeitpunkt eine gewisse Zeit ihres Lebens in Bildungssystemen, was zur endgültigen Etablierung der Lebensphase Jugend führte. Betrachtet man die Entwicklung der Lebensphasen bis ins Jahr 2000, „hat sich das Jugendalter auf Kosten des Kindesalter, vor allem aber des Erwachsenenalters, weiter ausgedehnt“ (ebd.).

Die Entfaltung der Lebensphase Jugend hat unterschiedliche Gründe. Zu den politischen und ökonomischen Faktoren, die zu einer Ausdehnung der Jugendphase führen, zählen Hurrelmann und Quenzel die steigenden beruflichen Anforderungen, was zu einer Ausdehnung des Bildungssystems führte und somit zu einer verlängerten Jugendphase (ebd., S. 21). Des Weiteren wirken soziale und kulturelle Faktoren auf die Ausdehnung der Jugendphase ein. Beispielsweise gilt für das Jugendalter, „dass junge Frauen und Männer keine volle gesellschaftliche Verantwortung übernehmen müssen, weil sie sich noch in Bildung und Ausbildung befinden, zugleich aber in vielen gesellschaftlichen Bereichen vollwertig partizipieren können. Das gilt ganz besonders für den Konsumwarenmarkt, den Freizeit- und Mediensektor und die privaten sozialen Beziehungen“ (ebd., S.22). Außerdem sind die Jugendlichen meist noch nicht Erwerbstätig und sind somit „von der Produktion und der wirtschaftlichen Reproduktion der Gesellschaft abgekoppelt“ (ebd., S. 23).

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Wie gestaltet sich der Übergang von Kindheit zu Jugend?
Untertitel
Theoretische Überlegungen
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Note
1,5
Jahr
2018
Seiten
9
Katalognummer
V465673
ISBN (eBook)
9783668940017
ISBN (Buch)
9783668940024
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kinder, Entwicklungspsychologie, Jugend, Jugendphase, Kindheit, Jugendalter, Jugendliche, Übergangsphase, Entwicklung, Erwachsen werden
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Wie gestaltet sich der Übergang von Kindheit zu Jugend?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/465673

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