Diese Arbeit zielt darauf ab herauszufinden, inwiefern der Irak im Zeitraum der Anwesenheit der amerikanischen Truppen (2003-2011) in einen Krieg geraten ist, der sich als „neuer Krieg“ nach Herfried Münkler einordnen lässt.
Während meiner Recherche wurde deutlich, dass sowohl das Konzept der neuen Kriege, als auch der Irakkrieg als solcher schon eingehend untersucht worden sind. Der Fokus ist meist auf Völkerrechtsverletzungen der Invasion im Irak oder auf die mediale Darstellung des Krieges gelegt. Die Verbindung zwischen dem Irakkrieg und dem Konzept der neuen Kriege stellt allerdings eine Lücke in der Forschung dar. Genau an dem Punkt soll diese Hausarbeit ansetzen.
Dazu wird zuerst die Entwicklung hin zu den alten Kriegen, also den klassischen zwischenstaatlichen Kriegen des 20. Jahrhunderts dargestellt, um dann zu verdeutlichen, welche Änderungen zu einem Wandel des Kriegsbilds geführt haben. Anhand der Theorie der neuen Kriege von Herfried Münkler wird im Anschluss ermittelt, welche grundlegenden Charakteristika heutzutage vorhanden sind. Diese Charakteristika der Entstaatlichung, der Asymmetrisierung und der Autonomisierung werden auf den Irakkrieg seit dem Frieden vom 1. Mai 2003 angewendet und gezeigt, inwiefern er sich als neuer Krieg einordnen lässt. Nicht thematisiert werden hier jegliche Gründe, die zum Eingreifen der USA geführt haben. Auch die Debatte, ob die neuen Kriege wirklich ein neues Phänomen darstellen oder nur eine Rückkehr zu Formen von vor dem Dreißigjährigen Krieg sind, wird nicht behandelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hintergrund: Die alten Kriege
3. Forschungsstand
4. Theoretischer Rahmen: Die neuen Kriege
4.1 Die Entstaatlichung des Gewaltmonopols
4.2 Die zunehmende Asymmetrisierung von Konflikten
4.3 Die Autonomisierung der Gewaltformen
5. Methodisches Vorgehen
6. Chronologie des Irakkriegs und Ausblick auf die amerikanische Besatzungspolitik
7. Der Irakkrieg als Typus der neuen Kriege nach Herfried Münkler
7.1 Die Auflösung des irakischen Sicherheitsapparates
7.2 Vervielfachung der Akteure im Konflikt
7.3 Die Strategie des Terrors
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit der Irakkrieg im Zeitraum von 2003 bis 2011 als ein „neuer Krieg“ im Sinne der Theorie von Herfried Münkler klassifiziert werden kann, und analysiert hierbei die Auswirkungen der amerikanischen Besatzungspolitik auf das Sicherheitsgefüge.
- Analyse der Transformation klassischer Staatenkriege hin zu „neuen Kriegen“.
- Anwendung der Kategorien Entstaatlichung, Asymmetrisierung und Autonomisierung auf den Irak.
- Untersuchung der Folgen der Auflösung des irakischen Sicherheitsapparates.
- Evaluierung der Rolle neuer Akteure und veränderter Gewaltformen im Konfliktverlauf.
Auszug aus dem Buch
4.1 Die Entstaatlichung des Gewaltmonopols
Die Entstaatlichung steht im deutlichen Kontrast zu klassischen Kriegen da sich das Monopol der kriegerischen Gewalt auflöst und mit der Privatisierung von Gewaltmitteln einher geht. So verdrängen oder treten an die Stelle des Staates Akteure wie regionale Warlords, paramilitärische Verbindungen, wirtschaftlich organisierte Firmen für private Sicherheit oder Terroristen. Sie werden zu den vordergründigen Trägern eines Konflikts und führen diesen vornehmlich zur Sicherung von kommerziellen oder ideologischen Eigeninteressen, nicht aber aus Gründen der Staatsräson. Ursache für die Entstaatlichung sei unter anderem die einfache Beschaffungsmöglichkeit moderner Waffen. Dies sei in der Vergangenheit staatlichen Akteuren vorbehalten gewesen und untermauerte das Machtmonopol dieser. In den neuen Kriegen aber würde eine Ökonomie der Gewalt entstehen, da das Machtmonopol des Staates gebrochen wird und auch nichtstaatliche Akteure die Möglichkeit zur Beschaffung von Waffen hätten.
Zusätzlich gebe es mit perspektivlosen, sozial ausgegrenzten Jugendlichen ein kostengünstiges Reservoir an schnell verfügbaren und risiko-affinen Kämpfern. Des Weiteren hat ein stetiger Fluss an Finanzierungsmöglichkeiten in Form von humanitärer Hilfe oder Bodenschätzen zur Folge, dass sich diese Art von Konflikten meist über Jahre oder Jahrzehnte erstrecken und künstlich am Leben gehalten werden, um von diesen Kriegsökonomien zu profitieren. Schließlich ergebe sich aus dem Andauern in fragilen Staaten der Vorteil, dass sich in Gebieten ohne stabile staatliche Ordnung, international vernetzte und organisierte Kriminalität wesentlich einfacher durchführen lässt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Problematik des Irakkriegs nach 2003 und stellt die Forschungsfrage, inwieweit dieser als „neuer Krieg“ nach Münkler einzuordnen ist.
2. Hintergrund: Die alten Kriege: Dieses Kapitel definiert den klassischen Kriegsbegriff und die historische Verbindung zwischen Staat, Souveränität und Gewaltmonopol.
3. Forschungsstand: Hier werden zentrale theoretische Konzepte zu neuen Kriegen, unter anderem von Mary Kaldor und Martin Van Creveld, gegenübergestellt.
4. Theoretischer Rahmen: Die neuen Kriege: Es werden die drei Säulen der Münkler-Theorie – Entstaatlichung, Asymmetrisierung und Autonomisierung – ausführlich hergeleitet.
5. Methodisches Vorgehen: Das Kapitel erläutert die Anwendung der theoretischen Kriterien auf den Irakkrieg im Zeitraum der Besatzung (2003-2011).
6. Chronologie des Irakkriegs und Ausblick auf die amerikanische Besatzungspolitik: Eine Darstellung der Invasionsphase und der unmittelbaren Folgen der frühen Besatzungspolitik für die Stabilität des Iraks.
7. Der Irakkrieg als Typus der neuen Kriege nach Herfried Münkler: Das Hauptkapitel wendet die drei Kriterien auf den Irak an, wobei insbesondere die Auflösung des Sicherheitsapparates und die neue Rollenverteilung der Akteure analysiert werden.
8. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass der Irakkrieg wesentliche Merkmale neuer Kriege aufweist und die Destabilisierung durch die Besatzungspolitik einen zentralen Wendepunkt darstellte.
Schlüsselwörter
Irakkrieg, Neue Kriege, Herfried Münkler, Entstaatlichung, Asymmetrisierung, Autonomisierung, Gewaltmonopol, Besatzungspolitik, Sicherheit, Terrorismus, Militär, Paramilitärs, Bürgerkrieg, Staatszerfall, Konfliktforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Charakterisierung des Irakkriegs nach 2003 unter Anwendung der Theorie der „neuen Kriege“ von Herfried Münkler.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Themenfelder umfassen die Transformation von Kriegsbildern, die Rolle von staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren sowie die Auswirkungen staatlicher Instabilität auf die Kriegsführung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu ermitteln, inwiefern die Anwesenheit der US-Truppen im Irak (2003-2011) den Übergang von einem klassischen Staatenkrieg zu einem „neuen Krieg“ begünstigt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoriegeleitete Analyse angewandt, bei der die drei zentralen Kriterien der Theorie der neuen Kriege – Entstaatlichung, Asymmetrisierung und Autonomisierung – als analytisches Raster auf den Irakkrieg angewendet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der neuen Kriege sowie eine detaillierte Untersuchung der spezifischen Situation im Irak, insbesondere der Auflösung des Sicherheitsapparates und der Zunahme terroristischer Strategien.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe „neue Kriege“, „Machtvakuum“, „Entstaatlichung“ und „Asymmetrisierung“ charakterisiert.
Warum war die Auflösung des irakischen Sicherheitsapparates so entscheidend für den Konfliktverlauf?
Die Auflösung schuf ein Machtvakuum, entzog Hunderttausenden die Lebensgrundlage und führte zur Entstehung zahlreicher paramilitärischer Gruppen sowie zur Verschärfung interkonfessioneller Konflikte.
Wie bewertet die Autorin den Versuch, eine Demokratie im Irak zu installieren?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass der Demokratisierungsversuch zwar theoretisch intendiert war, in der politischen und sozialen Praxis des Iraks jedoch gescheitert ist.
- Citar trabajo
- Judith Kiene (Autor), 2019, Der Irakkrieg nach 2003 im Kontext des Typus "Neue Kriege" nach Herfried Münkler, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/465684