Transferpreise gibt es nicht erst seit der Einführung der GAufzV in der Bundesrepublik Deutschland zum 27. Oktober 2003. Aber die steuerrechtliche Brisanz ist zu diesem Termin auf Grund einer Anpassung des § 90 AO noch einmal deutlich verschärft worden. So ist es seit dem 1.1.2004 in Deutschland notwendig, den Steuerbehörden bei Bedarf eine vollständige schlüssige Dokumentation aller konzernweit gebildeten Transferpreise zu überlassen. Bei Nichterfüllung tritt ab sofort eine Beweislastumkehr in Kraft, die es den Unternehmen gebietet, eine Erfüllung der transferpreisrelevanten Gesetzgebung ihrerseits zu beweisen. Gerade, aber nicht nur alleine, auf Grund solcher Dokumentationsvorschriften, die in immer mehr Ländern die Bildung von Transferpreisen reglementieren, stellt sich heutzutage die Frage nach den Zielen, die Transferpreise im Unternehmen erfüllen sollen und überhaupt erfüllen können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Ziel der Arbeit
1.3. Vorgehensweise
2. Transferpreise
2.1. Definition Transferpreis / Verrechnungspreis
2.2. Historische Entwicklung von Transferpreisen
2.3. (Steuerlich relevante) Berechnung von Transferpreisen
2.3.1. Grundsätzliche Berechnungsarten von Transferpreisen
2.3.2. Grundsatz des Fremdvergleichs
2.3.3. Preisvergleichsmethode [CUPM]
2.3.4. Wiederverkaufspreismethode [RPM]
2.3.5. Kostenaufschlagsmethode [CPLM]
2.3.6. Profitsplit-Methode [PSM]
2.3.7. Nettomargenmethode [TNMM]
3. Funktionen von Transferpreisen
3.1. Stakeholder von Transferpreisen
3.2. Unternehmensinterne Funktionen
3.2.1. Koordinations- und Lenkungsfunktion
3.2.2. Interne Erfolgsermittlung
3.2.3. Anreizgestaltung
3.3. Unternehmensexterne Funktionen
3.3.1. Externe Erfolgsermittlung
3.3.2. Besteuerung
3.3.3. Preisrechtfertigung und sonstige Funktionen
4. Ausgewählte Ziele von Transferpreisen
4.1. Zielableitung aus den Unternehmenszielen
4.2. Erfolgsermittlung und Anreizgestaltung als Transferpreisziel
4.3. Steuerung und Anreizgestaltung als Transferpreisziel
4.4. Steuer- und Zolloptimierung als Transferpreisziel
5. Zielkonflikte zwischen den ausgewählten Transferpreiszielen
5.1. Zielkonflikt zwischen Steuerung und Erfolgsermittlung
5.2. Zielkonflikt zwischen Steuerung und Steueroptimierung
5.3. Zielkonflikt zwischen Steuercompliance und anderen Zielen
5.4. Resultierende Probleme des Ein-Kreis-Transferpreis-Systems
5.5. Lösungsansatz Zwei-/ Mehr-Kreis-System
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die vielfältigen Funktionen und Ziele von Transferpreisen innerhalb multinationaler Unternehmen und untersucht insbesondere die auftretenden Zielkonflikte zwischen interner Unternehmenssteuerung und externer Steueroptimierung.
- Grundlagen und historische Entwicklung der Transferpreise
- Steuerrechtlich relevante Berechnungsmethoden nach OECD-Richtlinien
- Differenzierung zwischen unternehmensinternen und -externen Funktionen
- Analyse von Zielkonflikten in Ein-Kreis-Transferpreis-Systemen
- Evaluierung von Lösungsansätzen durch Zwei- oder Mehr-Kreis-Systeme
Auszug aus dem Buch
5.2. Zielkonflikt zwischen Steuerung und Steueroptimierung
Der wohl augenscheinlichste Zielkonflikt im Umfeld der Transferpreise ist der zwischen einer gezielten Unternehmenssteuerung auf der einen und einer konzernweiten Steueroptimierung auf der anderen Seite. Als Beispiel stelle man sich ein lieferndes Konzernunternehmen in einem Land mit einem Erfolgssteuersatz von 40% und ein empfangendes Konzernunternehmen in einem Land mit einem Erfolgssteuersatz von 10% vor. Liegt der Zielschwerpunkt nun auf der konzernweiten Steueroptimierung, wird der Konzern versuchen, jegliche Gewinne mit einem möglichst niedrigen Transferpreis bei dem empfangenden Unternehmen anfallen zu lassen.
Im Rahmen des Transferpreisziels Unternehmenssteuerung wird der Konzern hingegen versuchen, mit dem Transferpreissystem für die jeweiligen Konzernunternehmen einen Anreiz zu schaffen, sinnvoll und zielbezogen zu wirtschaften. So ist der Gewinn, der im liefernden Unternehmen verbleibt, ein Anreiz diese Produkte oder Leistungen überhaupt herzustellen. Je größer der Gewinn, desto größer ist der Anreiz des Managements, dieses Produkt im Vergleich zu anderen zu produzieren. Fällt der Transferpreis dagegen unter die zur Herstellung notwendigen Grenzkosten, macht es aus Sicht des liefernden Unternehmens keinen Sinn mehr, diese Leistung zu stellen. Um also dem liefernden Unternehmen einen Anreiz zur Produktion zu geben, muss das Konzernmanagement aus Unternehmenssteuerungssicht den Transferpreis so stellen, dass ein Gewinn im liefernden Unternehmen verbleibt und damit das Steueroptimierungsziel nicht mehr erfüllt ist. Die Transferpreisziele Unternehmenssteuerung und Steueroptimierung sind also nicht kongruent, sondern schließen sich, wie im Beispiel gezeigt, in den meisten Fällen gegenseitig aus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die zunehmende steuerrechtliche Bedeutung von Transferpreisen und stellt die zentrale Problemstellung hinsichtlich der Vereinbarkeit multipler Ziele dar.
2. Transferpreise: Das Kapitel definiert den Begriff des Transferpreises, erläutert dessen historische Entwicklung und stellt die international anerkannten, steuerlich relevanten Berechnungsmethoden vor.
3. Funktionen von Transferpreisen: Hier werden die verschiedenen internen und externen Stakeholder sowie die daraus resultierenden Funktionen, wie Koordinationsleistung und Besteuerung, detailliert dargelegt.
4. Ausgewählte Ziele von Transferpreisen: Dieses Kapitel widmet sich der Ableitung spezifischer Transferpreisziele aus übergeordneten Unternehmenszielen, insbesondere im Hinblick auf Anreizgestaltung und Steuerung.
5. Zielkonflikte zwischen den ausgewählten Transferpreiszielen: Der Kernbereich der Arbeit analysiert die Unvereinbarkeit unterschiedlicher Transferpreisziele und diskutiert Vor- und Nachteile von Ein-Kreis- gegenüber Zwei-/Mehr-Kreis-Systemen.
6. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Problematik der Zielkonflikte zusammen und betont die Notwendigkeit einer strukturierten, unternehmensspezifischen Herangehensweise bei der Festlegung von Transferpreissystemen.
Schlüsselwörter
Transferpreise, Verrechnungspreise, Unternehmenssteuerung, Steueroptimierung, Steuercompliance, Fremdvergleichsgrundsatz, OECD, Zielkonflikt, Erfolgsermittlung, Anreizgestaltung, Mehr-Kreis-System, Konzerncontrolling, Gewinnverschiebung, Doppelbesteuerung, Preisvergleichsmethode.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit im Kern?
Die Arbeit behandelt die komplexe Problematik der Transferpreisbildung in Konzernen, die sowohl steuerrechtlichen Anforderungen als auch internen Steuerungszielen gerecht werden muss.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Themengebieten zählen die Definition und Berechnung von Transferpreisen, deren strategische Steuerungsfunktion sowie die daraus resultierenden Zielkonflikte bei der konzernweiten Anwendung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, aufzuzeigen, dass ein einzelner Transferpreis kaum alle internen und externen Anforderungen gleichzeitig erfüllen kann, und die damit verbundenen strategischen Zielkonflikte transparent zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Fachwerke und aktueller Beiträge zu Controlling- und Steuerungsaspekten von Transferpreisen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Berechnungsmethoden, die Analyse der verschiedenen Stakeholder-Funktionen und die explizite Untersuchung der Zielkonflikte bei der Systemwahl.
Welche Schlagworte charakterisieren das Dokument?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Fremdvergleichsgrundsatz, Steueroptimierung, Unternehmenssteuerung und das Spannungsfeld zwischen ökonomischer Effizienz und regulatorischer Compliance.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen verschiedenen Transferpreissystemen?
Es wird zwischen dem Ein-Kreis-System, das versucht alle Ziele mit einem Preis zu erreichen, und dem Zwei-/Mehr-Kreis-System unterschieden, welches für unterschiedliche Ziele auch unterschiedliche Preise festlegt.
Welchen Lösungsansatz schlägt der Autor für die Zielkonflikte vor?
Als Zwischenlösung wird das modifizierte Ein-Kreis-System vorgeschlagen, bei dem bestimmte Ziele (wie die Mitarbeiterincentivierung) außerhalb der direkten Transferpreisgestaltung gelöst werden.
Wie bewertet der Autor die Zukunft der Transferpreisthematik?
Aufgrund fortschreitender Globalisierung wird eine weitere Zunahme der Bedeutung von Transferpreisen erwartet, wobei zunehmende Harmonisierung des Rechts gleichzeitig neue Chancen für einheitliche Systeme bietet.
- Quote paper
- Matthias Arnold (Author), 2005, Transferpreise im Spannungsfeld zwischen Steuerung und Besteuerung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46570