Die Frage, die ich im Rahmen meiner Bachelorarbeit beantworten möchte, ist, welche Faktoren aus Sicht der männlichen Kinder und Jugendlichen mit türkischer Abstammung dazu führen, dass so wenige von ihnen am Angebot der Handballvereine partizipieren, obwohl das Interesse dieser Gruppe für ein Engagement in Sportvereinen nachweislich groß ist, und welche Beitrittsgründe es demgegenüber für diese Gruppe gibt.
Aufbauend auf den Forschungsergebnissen von Kleindienst-Cachay et al. versuche ich herauszufinden, welche Gründe für Jungen der zuvor genannten Gruppe ausschlaggebend für die Beteiligung beziehungsweiseNichtbeteiligung an einem Handballverein sind. Hierfür wurden Interviews entwickelt, die auf den Theorien der zuvor genannten Autoren basieren. Entsprechend handelt es sich hier in erster Linie um eine empirische Arbeit.
Es wird untersucht, inwiefern soziale und kulturelle Faktoren, Rassismus, organisatorische Rahmenbedingungen sowie verschiedene Rekrutierungsversuche aus der Sicht der Befragten eine Rolle für die Exklusion beziehungsweise Inklusion dieser Gruppe spielen können. Darüber hinaus soll herausgefunden werden, inwiefern sich türkischstämmige Jungen selbst aus den Handballvereinen exkludieren und in welcher Form sich diese Selbstexklusionsmechanismen äußern können.
Auf der anderen Seite werden durch das Interview mögliche Formen der Fremdexklusion untersucht, die den Eintritt türkischstämmiger Jungen in den Handballverein erschweren oder verhindern. Um herauszufinden, welche Möglichkeiten es für türkischstämmige Jungen gibt, mit dem Handball in Kontakt zu treten, wird neben den zuvor herausgestellten Faktoren untersucht, welche Berührungspunkte es zwischen dieser Gruppe und dem Handball gibt. Dies soll über die Auswertung der Ergebnisse der Befragungen herausgefunden werden.
Anschließend werden die aus dem Datenmaterial gewonnenen und den Kategorien zugewiesenen Antworten der Probanden gegenübergestellt bzw. miteinander verglichen. Um zu bestimmen, was türkischstämmige Jungen aus den Handballvereinen exkludiert und welche Faktoren sich positiv auf den Eintritt in den Handballverein auswirken, liegt der Schwerpunkt bei der Gegenüberstellung der Ergebnisse auf den zuvor herausgestellten Faktoren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Zur Situation in Deutschland
2.1 Menschen mit Migrationshintergrund im Sportverein
2.2 Türkischstämmige Jungen im Sportverein
3 Beschreibung des Phänomens
4 Ebenen-Theorie: Exklusion im Sport
4.1 Fremdexklusion
4.2 Selbstexklusion
5 Forschungsmethode: Vorbereitung der empirischen Studie
5.1 Wahl der Forschungsmethode
5.2 Auswahl der Probanden
5.3 Beschreibung des Vorgehens
5.4 Auswertung der Ergebnisse
6 Darstellung und Interpretation der Ergebnisse
6.1 Berührungspunkte mit dem Handball(verein)
6.2 Kulturelle Faktoren
6.3 Soziale Faktoren
6.4 Rassismus
7 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Gründe für die geringe Partizipation türkischstämmiger Jungen an deutschen Handballvereinen. Ziel ist es, Barrieren sowie mögliche Förderfaktoren für einen Einstieg zu identifizieren, um Vereinen Wege aufzuzeigen, wie sie diese Zielgruppe besser für den Handballsport gewinnen können.
- Analyse von Inklusions- und Exklusionsmustern im organisierten Sport.
- Untersuchung der Rolle von kulturellen und sozialen Faktoren bei der Sportvereinswahl.
- Erforschung des Einflusses familiärer Einstellungen und traditioneller Werte.
- Herausarbeitung der Bedeutung von Schul- und Freundeskontakten für den Vereinseinstieg.
- Identifikation von Strategien zum Abbau von Barrieren gegenüber Sportlern mit Migrationshintergrund.
Auszug aus dem Buch
4 Ebenen-Theorie: Exklusion im Sport
Um den Begriff der Exklusion zu erklären, bedarf es der Erläuterung des Gegenbegriffs der Inklusion. In beiden Fällen setzt man sich mit der „Differenz sozialer Gruppen auseinander“ (ebd., S.68). Dementsprechend werden bestimmte kollektive Merkmale einer Gruppe definiert, die sich von denen der zweiten Gruppe unterscheiden. In dieser Bachelorarbeit wird unterschieden zwischen den Merkmalen türkischstämmiger Jungen und denen der im Handballverein aktiven Jungen ohne Migrationshintergrund. Dementsprechend soll untersucht werden, inwiefern diese unterschiedlichen Merkmale zu einer Exklusion aus den Handballvereinen führen können bzw. wie die Gruppe türkischstämmiger Jungen, trotz unterschiedlicher Merkmale zu der Gruppe der im Handballverein aktiven Menschen, am Angebot der Handballvereine partizipieren kann.
Inklusion bzw. Exklusion lässt sich mit der „Teilhabe bzw. Nichtteilhabe von Personen an spezifischen Kommunikationszusammenhängen beschreiben“ (ebd.). Soziale Differenz ist demnach abhängig von einem Persönlichkeitsmerkmal und einem bestimmten Kommunikationszusammenhang, der variabel an die jeweilige Situation anzupassen ist. In Bezug auf die Fragestellung bedeutet dies, dass das Persönlichkeitsmerkmal „türkischstämmiger Junge“ und diverse Kommunikationszusammenhänge in einem Handballverein zusammengefasst die soziale Differenz beim Zugang in den Handballverein darstellen können. Kommunikationszusammenhänge können sich in verschiedenen Formen äußern. Das soziale Milieu kann sich dabei beispielsweise als Kommunikationszusammenhang erweisen, der eine soziale Differenz zwischen den Mitgliedern eines Handballvereins und der Gruppe türkischstämmiger Jungs darstellt und folglich für die Exklusion dieser Gruppe aus den Handballvereinen verantwortlich sein kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Unterrepräsentation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Handballvereinen und stellt die Forschungsfrage zur Identifikation von Barrieren und Einstiegsmöglichkeiten für türkischstämmige Jungen.
2 Zur Situation in Deutschland: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Partizipation von Menschen mit Migrationshintergrund in Sportvereinen und fokussiert dabei spezifisch auf die Situation türkischstämmiger Jungen.
3 Beschreibung des Phänomens: Hier wird die mangelnde Partizipation im Handball analysiert und auf die starke Konkurrenz durch den Fußball sowie auf sozio-kulturelle Aspekte verwiesen.
4 Ebenen-Theorie: Exklusion im Sport: Es wird die Theorie der Exklusion und Inklusion erläutert, wobei zwischen Fremd- und Selbstexklusion als Mechanismen unterschieden wird.
5 Forschungsmethode: Vorbereitung der empirischen Studie: Dieses Kapitel begründet die Wahl des Experteninterviews und die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring als methodischen Ansatz.
6 Darstellung und Interpretation der Ergebnisse: Die gewonnenen Daten werden ausgewertet, wobei insbesondere Berührungspunkte, kulturelle und soziale Faktoren sowie das Thema Rassismus im Handball diskutiert werden.
7 Fazit und Ausblick: Abschließend werden die zentralen Ergebnisse zusammengefasst und Handlungsmöglichkeiten für Vereine aufgezeigt, um die Inklusion zu verbessern.
Schlüsselwörter
Handball, türkischstämmige Jungen, Migrationshintergrund, Sportverein, Inklusion, Exklusion, Fremdexklusion, Selbstexklusion, qualitative Forschung, Experteninterview, soziale Faktoren, kulturelle Faktoren, Integration, Barrieren, Partizipation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, warum türkischstämmige Jungen seltener in Handballvereinen aktiv sind als in anderen Sportarten wie etwa dem Fußball, und welche Faktoren diesen Umstand beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Themenfelder umfassen die sozio-kulturelle Integration in den Vereinssport, die Auswirkungen von Barrieren durch Fremd- und Selbstexklusion sowie die Bedeutung von familiärem und schulischem Umfeld.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Gründe für die Nichtteilnahme zu verstehen und Strategien aufzuzeigen, wie Handballvereine als „soziale Orte“ Barrieren abbauen und türkischstämmige Jungen besser integrieren können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der auf Experteninterviews und der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Exklusionsmechanismen und verbindet diese mit den empirisch erhobenen Erfahrungen von Probanden zu Themen wie Schichtzugehörigkeit, kulturellen Traditionen und Rassismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wesentliche Begriffe sind Partizipation, Inklusion, Exklusion, Migration, soziale Milieus und Sportvereinsentwicklung.
Welche Rolle spielt das Elternhaus beim Vereinseintritt?
Das Elternhaus ist ein entscheidender Faktor: Traditionelle Werte und die Sorge um den Verlust der eigenen kulturellen Identität können den Eintritt hemmen, während tolerante Eltern den Einstieg fördern.
Warum ist laut der Arbeit der Kontakt zur Schule so wichtig?
Die Schule dient als primärer Berührungspunkt, da hier durch Sportunterricht oder Arbeitsgemeinschaften erste positive Kontakte zum Handball entstehen, die oft den Anstoß für eine Vereinsmitgliedschaft geben.
Inwiefern beeinflusst das soziale Milieu die Entscheidung für den Handball?
Da viele Handballer aus anderen sozialen Schichten stammen als ein Großteil der türkischstämmigen Jugendlichen, erschweren diese milieubedingten Unterschiede die Kontaktaufnahme und das Schließen von Freundschaften.
- Citation du texte
- Marc Dyck (Auteur), 2018, Deutsche Sportart Handball. Barrieren und Möglichkeiten für den Einstieg türkischstämmiger Jungen in den Handballverein, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/465769