Gewalt der Grenze. Ethnologische Perspektiven zur Gewalt gegen Migranten an der Grenze zwischen den USA und Mexiko


Bachelorarbeit, 2018
51 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

EINLEITUNG

1. THEORETISCHER RAHMEN
1.1. Ethnologische Theorien zur Gewalt
1.2. Ethnologie der Grenze

2. DIE AMERIKANISCH-MEXIKANISCHE GRENZE
2.1. Historisch-strukturelle Entwicklung beider Staaten
2.2. Technologien der Grenze

3 . GRENZGEWALT GEGEN MIGRANTEN
3.1. Ökonomisch bedingte Gewalt
3.2. Politische bedingte Gewalt
3.2.1. Sicherheitspolitik
3.2.2. Transmigration in Mexiko
3.2.3 . Prevention Through Deterrence
a. Invisible places
b. Hybrid collectif
c. Necroviolence und Necropolitics
3.3. Rassismus und Xenophobie

ZUSAMMENFASSUNG

LITERATURVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten1

EINLEITUNG

“I am going to build a great border wall to stop illegal immigration, to stop the gangs and the violence and to stop the drugs from pouring into our communities!” – Donald J. Trump (2016)

La linea, die amerikanisch-mexikanische Grenze, kontrastiert mit beeindruckender Anschaulichkeit multilaterale Gegensätze in Kategorien wie Macht, Wirtschaft und Lebensbedingungen.

Dabei ist die Grenze nicht erst seit dem Wahlkampf und Amtsantritt des derzeitigen US-Präsidenten Donald Trump eines der wichtigsten politischen Themen der USA und seines Nachbarlandes Mexiko. Die US-Regierung versucht seit geraumer Zeit erfolglos, der illegalen Einwanderung von mexikanischen und zentralamerikanischen Migranten, unter Einsatz verschiedenster politischer Strategien, einen Riegel vorzuschieben. Die phasenweise Öffnung und Schließung des Grenzgebietes ist unterdessen ein historisch wiederkehrendes politisches und gesellschaftliches Thema. US-Präsident Donald J. Trump verspricht, wie schon andere Präsidenten vor ihm, mit dem Bau einer Mauer Gewalt, Drogenschmuggel und illegale Immigration zu beenden. Tatsächlich ist jedoch bereits etwa ein Drittel der Grenze mit Mauern und Zäunen bestückt, wobei sich der effektive Nutzen dieser Mauern als fragwürdig herausgestellt hat. Die sich ausdehnende physische und virtuelle Sicherung und Militarisierung der Grenze konnte keine längerfristigen Erfolge hervorbringen, da, wie so oft, nur die Symptome bekämpft wurden, anstatt an der Ursache illegaler Immigration in die USA zu arbeiten. Infolge des zunehmenden Ausbaus der Grenze steigt auch die Gewalt an der Grenze und im Grenzgebiet an, wobei sich die entstandenen Gewaltphänomene vorrangig gegen mexikanische und zentralamerikanische Migranten auf dem Weg in die USA richten. Mit jenen Gewaltphänomenen und deren mögliche Ursachen beschäftigt sich diese Arbeit. Die von mir verwendete Literatur setzt sich vorrangig aus ethnologischen Texten, Büchern und Sammelwerken zusammen. Obwohl meine Recherche ein breites Spektrum an ethnologischen Autoren abgedeckt hat, wurde der Kurs meiner Arbeit maßgeblich durch Jason De Leóns‘ Buch „The Land of Open Graves“ (2015) beeinflusst. Weitere erwähnenswerte Autoren sind Elwert (2002), Smith & Kuper (2013), Scheper-Hughes & Bourgois (2004), Schlee (2002), Maguire (2012) und Henderson (2011).

Um die Bedeutungen und Wechselwirkungen von Gewalt gegen Migranten zu konstatieren werde ich zuerst einen theoretischen Rahmen zu den Themen Gewalt und Grenze in der Ethnologie skizzieren. Zentrale Themen im ersten Kapitel sind die unterschiedlichen Formen von Gewaltausübung, ihre Einbettung in die Gesellschaft und die Motivation für individuelles und kollektives gewalttätiges Handeln. Hinsichtlich der Grenzthematik gehe ich ähnlich vor, indem ich die Merkmale von Grenzen untersuche und dies in Verbindung mit gesellschaftlichen und ethnischen Parametern und Dynamiken setze.

Darauf aufbauend, befasse ich mich im zweiten Kapitel kurz mit den strukturellen Unterschieden beider Länder. Insbesondere die Historie sowie die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen stehen dabei im Zentrum meiner Analyse. Ziel dieses Kapitels ist es den vorangegangenen theoretischen Rahmen substanziell zu ergänzen, um abschließend die Gewaltphänomene gegen Migranten, unter Einbezug der besonderen Rolle der Grenze, durch eine Synthese aus Theorie und Fakten möglichst präzise darzustellen.

1 . THEORETISCHER RAHMEN

1.1. Ethnologische Theorien zur Gewalt

Obwohl sich bereits zahlreiche Autoren aus diversen wissenschaftlichen Disziplinen mit dem Thema Gewalt auseinandergesetzt haben, konnte bis zum heutigen Tag keine eindeutige und allumfassende Definition des Begriffs formuliert werden. Eine Begriffsbestimmung von Gewalt ist stets abhängig vom gesellschaftlichen und historischen Kontext, wodurch sich eine Bandbreite von Begriffsbestimmungen und Merkmalen ergibt. Die folgenden, vorwiegend ethnologischen Perspektiven zu Gewalt, haben daher nicht das Ziel einer möglichst universalen Definition, sondern sollen als Fundament für die Analyse diverser Gewaltphänomene an der amerikanisch- mexikanischen Grenze dienen.

In der Ethnologie beschreibt der enge Gewaltbegriff (nach Riches 1986) Gewalt als zielgerichtete und ungewünschte körperliche Schädigung anderer, wobei besonders die Zielgerichtetheit eines Gewaltaktes von Bedeutung ist. Neben direkter physischer Gewalt existieren zudem indirekte strukturelle und kulturelle Gewaltphänomene. Jene verschiedenen Formen von Gewalt werde ich im Folgenden genauer definieren und den engen Gewaltbegriff um diverse ethnologische Perspektiven erweitern.

Ich beginne mit einem der bekanntesten ethnologischen Modelle zum Thema Gewalt, David Riches’ ‚Dreieck der Gewalt‘ , in welchem er besonderen Bezug auf die Unterschiede in den Sichtweisen von Täter, Opfer und Zeugen nimmt. Riches verweist auf die Subjektivität von Gewalt als Kategorie des Handelns, da jede der beteiligten Parteien eine unterschiedliche Sichtweise auf einen Gewaltakt vertritt. Demnach kann der Täter einen gewaltvollen Akt als legitim und gerechtfertigt betrachten, während das Opfer den selben Akt wahrscheinlich als ungerechtfertigt und illegitim beurteilen wird. Eine besondere Rolle kommt der Kategorie der Zeugen zu. Im Gegensatz zu den entgegengesetzten Sichtweisen von Opfer und Täter, besitzen Zeugen eine Vielzahl diverser Sichtweisen, in Abhängig von ihrer Beziehung zu Täter und Opfer sowie ihren sozialen und moralischen Standards und ihren persönlichen Interessen (Riches 1986: 8). Jener Legitimitätsaspekt von Gewalt wurde darauf von weiteren Ethnologen aufgegriffen und wird im Laufe dieser Arbeit weiterhin von zentraler Bedeutung sein.

Riches vertieft außerdem sein auf individuelles Handeln fokussiertes Modell, indem er kollektive Handlungen mit einbezieht. Täter, Opfer und Zeugen können also nicht nur einzelne Akteure, sondern Gruppen von Menschen sein. Zudem besteht die Möglichkeit der Transformation von Zeugen zu Tätern, Opfern oder beidem (Riches 1986: 11). Diese Erweiterung der Betrachtungsweise soll zeigen, dass eine gegebene Konfiguration von Tätern, Opfern und Zeugen somit nur ein Moment in einem größeren Prozess ist. Schließlich ist nicht immer klar wer Täter und wer Opfer ist. Wechselseitige Gewalt ist dabei die Basis für Ordnung (order) und Unordnung (disorder) und wirkt sowohl zerstörend als auch kreierend. Ihr Ausdruck umfasst gleichzeitig emotionale Aspekte und Aspekte praktischer Intention. Jedoch stellt Riches den praktischen Nutzen eines Gewaltaktes, in Bezug auf zugrundeliegende Intentionen für die Ausführung einer Handlung, über emotionale Aspekte. Er verstärkt diese Behauptung sogar weiter mit der Annahme, dass ohne instrumentellen Zweck kein Gewaltakt vollzogen werden würde (ebd.: 26).

Riches Definition ist somit eine pragmatische und situative Sichtweise in Bezug auf individuelle und kollektive Akte direkter, sichtbarer Gewalt, wobei die Legitimität von Gewalt im Zentrum seiner Analyse steht.

Die Ethnologen Pamela J. Stewart und Andrew J. Strathern nehmen in ihrer Ethnografie zur Gewaltthematik Bezug auf Riches und sein Dreieck der Gewalt, wobei sie Riches’ Gewaltbegriff als eine „Form rationalen Handelns im Hinblick auf ein Ziel, im Gegensatz zu einem emotionalen, irrationalen Impuls beziehungsweise zu genetisch bedingten Tendenzen hin zu Gewalt“ beschreiben (Stewart & Strathern 2002: 6).

Nach Stewarts und Stratherns Auffassung lokalisiert Gewalt viel mehr die Unterschiede in der Wahrnehmung von angemessenen und sachgerechten Verhalten in verschiedenen Konfliktsituationen. Aufgrund der unterschiedlichen Wahrnehmung von Gewalt stellen die Autoren, wie auch Riches vor ihnen, die Frage nach der Legitimität von Gewalt, da ein Gewaltakt immer mehrdeutig ist. Ob beispielsweise der Einsatz von Kraft oder Macht als Gewalt betrachtet werden kann oder nicht, hängt ebenfalls von den Reaktionen der beteiligten Akteure ab. Diese Reaktionen können wiederum Folge ethnischer und kultureller Prädispositionen sein. Die Frage nach der Legitimation von Gewalt steht also in engem Zusammenhang mit dem Problem der Evaluation, als auch mit dem Problem der Definition. Hierbei merken die Autoren an, dass die Evaluation über die Definition entscheidet (ebd.: 156).

Inwiefern Gesellschaften oder Staaten Gewalt als legitim oder illegitim betrachten, wird unter anderem in den Kontrollmaßnahmen und der Expression von ‚positiven‘ Gewaltakten deutlich (ebd.: 3). Jene ‚positiven‘ Gewaltakte, denen auch Migranten zum Opfer fallen. Stewart und Strathern unterscheiden hier zwischen funktionalen und symbolischen Motivationen für Gewalt. In Anlehnung an Riches Gewaltbegriff bezeichnen sie Gewalt als funktional, weil sie in Verbindung mit Recht und Ordnung verstanden wird, wobei Gewalt sowohl zersetzend, als auch kreierend wirken kann. Somit werden Gewalt und Ordnung bei Stewart und Strathern als subjektive Konzepte verstanden. Aufgrund ihres zersetzenden Charakters unterliegt Gewalt Kontroll- und Zwangsmaßnahmen (Stewart & Strathern 2002: 5).

Indessen erklärt symbolische Gewalt subjektive Erfahrungen und kulturelle Bedeutungen von Gewaltakten, die den Einsatz von Gewalt antreiben oder fördern. „Voraussetzungen, Entstehungsbedingungen und Erhalt von Gewalt ist daher variabel je nach persönlichen Positionen in der Gesellschaft und der persönlichen Wahrnehmung“ (ebd.: 7). Im Zusammenhang damit kommen Stewart und Strathern fernerhin zu dem Schluss, dass Gewalt sowohl innerhalb einzelner Milieus als auch kulturübergreifend zwischen Gesellschaften und Staaten vorkommt (ebd.: 3f). Gewalt tritt somit auch auf nationaler und globaler Ebene auf, was unter anderem durch strukturelle Gewaltphänomene, wie staatlicher Migrationspolitik, deutlich wird.

Um die globalen Dynamiken von Gewalt sichtbar zu machen, ist die Analyse struktureller Gewaltphänomene also unverzichtbar. In der Ethnologie wird Johan Galtung meist als theoretischer Urheber der Strukturellen Gewalt bezeichnet. Galtung benennt strukturelle Ungleichheiten, besonders in der Verteilung von Macht, als Grundlage für strukturelle Gewalt, wodurch sich das Konzept hervorragend für die Analyse von Gewalt gegen Migranten eignet.

„Structural violence shows as unequal power and consequently as unequal life chances“ (Galtung 1969: 171). In diesem Sinne wird Gewalt immer dann sichtbar, wenn beispielsweise Menschen verhungern obwohl dies objektiv vermeidbar ist oder die Lebenserwartung wohlhabenderer Länder oder Bevölkerungsschichten doppelt so hoch ist wie die ärmerer Länder oder Bevölkerungsgruppen. Sofern also die Entscheidungsmacht über die Vergabe von Ressourcen wie Einkommen, Bildung oder medizinische Versorgung ungleich verteilt ist, entsteht strukturelle Gewalt, die in direkten Gewaltphänomenen sichtbar wird (ebd.: 171f).

Der Ethnologe Paul Farmer beschäftigte sich ebenfalls intensiv mit der Thematik der Strukturellen Gewalt. In seiner Arbeit aus dem Jahr 2004 schreibt er über die drastische Verbreitung von Krankheiten wie AIDS und Tuberkulose in Haiti als Resultat struktureller Gewalt. Sein Verständnis von struktureller Gewalt erklärt er mithilfe von Bourdieu’s habitus – Konzept:

„Bourdieu used the term “habitus” as a “structured and structuring” principle. Structural violence is structured and stricturing. It constricts the agency of its victims. It tightens a physical noose around their necks, and this garroting determines the way in which resources — food, medicine, even affection — are allocated and experienced. Socialization for scarcity is informed by a complex web of events and processes stretching far back in time and across continents (Farmer 2004: 315).

Auch hier wird Gewalt in einen globalen und historischen Kontext gerückt, wenn Farmer von den wirtschaftlichen Ungleichheiten und Missständen innerhalb Haitis spricht. Dabei verweist er auf den im Neoliberalismus vorherrschenden, wettbewerbsgesteuerten Markt, welcher in seinen Augen massiv zum globalen und lokalen Mächteungleichgewicht beiträgt. Neoliberalismus als Ideologie ist nach Farmer nicht an der Verbesserung sozialer und ökonomischer Ungleichheiten interessiert, stattdessen stellt sie eine weitere Möglichkeit dar Druck auf wirtschaftlichen schwächere Nationen auszuüben (Farmer 2004: 313). Wie schon bei Galtung ist der Hauptgrund für strukturelle Gewalt das durch den Neoliberalismus geförderte, historisch gewachsene soziale, politische und wirtschaftliche Ungleichgewicht. Die nicht direkt sichtbaren Auswirkungen struktureller Gewalt sind unter Anderem Rassismus, Sexismus und extreme Armut angesichts des ungerecht verteilten Wohlhabens.

Zusammengefasst tritt Strukturelle Gewalt in Abwesenheit eines Akteurs auf kollektiver Ebene auf. Sie wirkt in einem Umfeld, in dem zugrundeliegende politische, ökonomische und soziale Strukturen die Handlungsfähigkeit von Individuen einschränken und das Risiko für „tragische Schicksale“, wie Krankheiten oder politische bedingte Gewalt, für jene benachteiligten Menschen erhöht. Die betroffenen Individuen gehören dabei in der Regel den ärmeren Bevölkerungsschichten an (Farmer 2005: 41).

Galtung verwendet darüber hinaus den Begriff der Kulturellen Gewalt für seine Analyse. Sie setzt sich zusammen aus den maßgeblichen Grundhaltungen und Ansichten gegenüber Gewalt, welche uns seit unserer Kindheit beigebracht wurden, und uns noch heute im Alltag umgeben. Kulturelle Gewalt entscheidet außerdem darüber, welche Formen struktureller und direkter Gewalt in einer Gesellschaft legitimiert und somit akzeptiert sind. Sowohl strukturelle als auch kulturelle Gewalt sind, im Unterschied zu direkter Gewalt, in der Regel nicht direkt sichtbar (Galtung 1990: 291f). Um die Wechselwirkungen zwischen den genannten Formen von Gewalt zu verdeutlichen entwarf auch Galtung ein Gewaltdreieck, bestehend aus struktureller, kultureller und personaler Gewalt. Personale Gewalt setzt sich dabei aus physischer und psychischer Gewalt2 zusammen. Zusammenhängend betrachtet sind strukturelle und kulturelle Gewalt die Ursache für personale Gewalt, wobei aber auch umgekehrt strukturelle und kulturelle Gewalt durch personale Gewalt verstärkt werden können (ebd.: 291). Die direkten Gewaltphänomene gegen Migranten an der amerikanisch-mexikanisch Grenze sind demnach sowohl eine Folge als auch ein Antrieb struktureller und kultureller Gewalt auf nationaler und globaler Ebene.

Um den kulturellen Gewaltbegriff etwas genauer zu beleuchten und die damit verbundenen Motive für Gewalt gegen Migranten an der mexikanisch-amerikanischen Grenze weiter zu diversifizieren, lohnt es sich, die Beziehung zwischen Gewalt und Ethnizität darzustellen.

Hierfür gehe ich zuerst auf Georg Elwert ein, der gemeinhin behauptet, dass Gewalt eine in soziale Strukturen eingebaute, kollektive und individuelle Handlungsoption ist und daher immer als Teil einer gesellschaftlichen Gewaltordnung existiert. Dabei merkt auch Elwert an, dass Gewalt sowohl als legitim als auch illegitim verortet werden kann (Elwert 2002: 333).

Durch seine Kohäsions-Theorie erweitert er nunmehr den Gewaltbegriff um ethnisch zentrierte Bedingungen für kollektive Gewalt. Hierbei entsteht und besteht Gewalt durch die Abgrenzung eines Kollektivs mit positiver Wertezuschreibung gegenüber ‚Andersartigen’, was innerhalb und zwischen allen Typen von Gesellschaften vorkommen kann. Voraussetzung für diese organisierte Form der Gewalt ist eine Grenzziehung zwischen Ethnien, Staaten oder Kulturgemeinschaften beispielsweise zwischen mexikanischen Migranten und US-Bürgern. Wenn also Gewalt innerhalb von Gruppen klassifizierend in Bezug auf Gruppenzugehörigkeiten der Mitglieder wirken kann, stärkt jeder Konflikt auch die Kohäsion von Gruppen. Damit einher geht zudem die Neuschöpfung oder Wiederbelebung von Normen. Ein gewaltsamer Konflikt ist im Sinne der Kohäsions-Theorie also auch immer gesellschaftsformend und festigend (ebd.: 334). Auch wenn menschliche Gesellschaften stets sowohl homogen als auch heterogen sind, tendieren die Mitglieder in ihrer Selbstdarstellung dennoch eher zum Homogenisieren. Sofern dabei Gewalt den Interessen der Gesellschaft dient, kann diese auch gegen als fremd bezeichnete Personen oder Gruppen eingesetzt werden. Folglich kann Gewalt auch Fremdheit erzeugen. Vor diesem Hintergrund kann Fremdheit zum mobilisierenden Argument für Kollektivangriffe werden (ebd.: 334f).

Eine weitere geeignete Theorie für die Analyse von Gewalt gegen Migranten an der amerikanisch- mexikanischen Grenze findet sich in Elwerts These der gewalterzeugenden Heterogenität. Sie beleuchtet den Umgang von Gesellschaften und ihren Kontaktinstitutionen mit fremden Individuen, anderen Gesellschaften und neuen Ideen. Gewalt ist demnach „eine in soziale Strukturen eingebaute Handlungsoption. Zu jeder Gesellschaft gehört eine Gewaltordnung, in welcher Gewalt erwartbare - legitime und illegitime - Orte hat“ (ebd.: 362). Ordnung und Sanktionen dienen der Abwehr potentiell schädlichen Verhaltens von Individuen oder Gruppen, weil ihr Verhalten fremden Regeln folgt. Elwerts Blick richtet sich daher auf die gewaltkontrollierenden und gewaltperpetuierenden Institutionen eines Staates. Gewalt ist in jene Institutionen durch Normen, Sanktionen, Kontrollmaßnahmen und Zielvorgaben eingebettet. Aus diesem Grund kann es zu einem steigenden Gewaltpegel kommen, wenn die Einbettung an Stringenz verliert. Daraus schließt Elwert außerdem, dass Gewalt zunehmen wird, wenn Institutionen versagen oder wenn die Anforderungen an Institutionen steigen, ohne dass diese sich ändern (ebd.: 363). Anhand amerikanischer Institutionen wie der Grenzpolizei wird diese These im Verlauf dieser Arbeit noch deutlich.

Da die These der gewalterzeugenden Heterogenität zwar den Umgang von Gesellschaften mit verschiedenartigen Einflüssen von außen beleuchtet, aber nicht gesellschaftsinterne Gewaltphänomene in Verbindung mit ethnischen Identitäten bringt, gehe ich nun auf das von Leo Kuper und Michael G. Smith entwickelte Konzept der Pluralen Gesellschaften ein. Smith und Kuper unterstellen hierbei pluralen Gesellschaften3 ein immanentes Konfliktpotential auf lokaler und nationaler Ebene, das sich im ethnischen Wettbewerb um ökonomische, politische und soziale Ressourcen äußert (Smith & Kuper 2013: 311). Dabei konkurrieren ethnisch identifizierbare Akteure innerhalb eines Staates um genannte Ressourcen. Smith und Kupers Konzept nimmt speziellen Bezug auf koloniale und postkoloniale Gesellschaften, wie beispielsweise die USA und Mexiko. Ihr Konzept kann jedoch in meinen Augen auch staatenübergreifend auf Migranten aus Mexiko und Zentralamerika bezogen werden, die versuchen an den Ressourcen in den USA teilzuhaben. Dabei gilt: „Je stärker eine Konzentration gesamtgesellschaftlich bedeutender Ressourcen bei einer bestimmten ethnischen Gruppe gegeben ist oder von anderen ethnischen Gruppen so perzipiert wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem gewaltsam ausgetragenen Wettbewerb um diese Ressourcen kommen kann“ (ebd.: 311). In Anlehnung an Galtungs und Farmers Gewaltkonzepte erwähnen auch Kuper und Smith strukturelle Ungleichgewichte zwischen Zentrum und Peripherie als mögliche Ursachen für direkte und indirekte Gewaltphänomene. Eine weitestgehend einseitige Akkumulation von ökonomischen, militärischen, politischen und technologischen Ressourcen im Zentrum führt dazu, dass der Austausch zwischen Zentrum und Peripherie von Ungleichheit geprägt ist. Daher ist es möglich, dass die Bevölkerung der peripheren Gebiete versucht, die strukturellen Defizite gewaltsam auszugleichen. Umgekehrt vermag aber auch das Zentrum gezielt Konflikte in der Peripherie zu fördern, um die eigenen Ressourcen zu schützen. Dies geschieht durch die materielle Unterstützung bestimmter Gruppen oder Ethnien, oder die Instrumentalisierung ethnischer Identitäten. Somit kann etwa der Waffentransfer aus dem Zentrum zur Verschärfung und Langlebigkeit gewaltsam ausgeprägter Konflikte in der Peripherie beitragen, zu beobachten am Drogenkrieg in Mexiko oder den aktuellen Kriegen und Konflikten im Nahen und Mittleren Osten (ebd.: 313). Jener Faktor der Ethnizität, als Selbst- oder Fremdzuschreibung zu Identitätsgruppen, ist immer in Verbindung mit anderen Interessen zu sehen, wobei der funktionale Aspekt von E thnizität Gefahr auf Missbrauch und Überbewertung ethnischer Identitäten birgt. „Mit den in diesem Ethnizitätsprozess

entstehenden Eigen- und Fremdbildern sind Stereotypisierungen verbunden, die häufig die eigene Gruppe in ihren Fähigkeiten und in ihrem Status überhöhen. Die Folge davon kann eine subjektiv empfundene oder objektiv nachvollziehbare Abwertung, Verunglimpfung oder Erniedrigung der Nachbargruppen sein, die sich im Extremfall zu einem gegenseitigen Feindbild verdichtet“ (Smith & Kuper 2013: 312).

Smith & Kupers Konzept der Pluralen Gesellschaften verdeutlicht, wie Gewalt gesellschaftsintern und gesellschaftsübergreifend genutzt wird, um diverse Ressourcen zu gewinnen und zu schützen. Damit ist Gewalt dichotom hinsichtlich ihrer Entstehung und ihres funktionalen Charakters.

An dieser Stelle knüpft die 2004 erschienene Monografie von Nancy Scheper-Hughes und Philippe Bourgois an, wenn die Autoren behaupten: „Violence is a slippery concept – nonlinear, productive, destructive, and reproductive. […] Violence gives birth to itself” (Scheper-Hughes & Bourgois 2004: 1). Daher stellt sich im Kontext der Reproduktion von Gewalt die Frage, ob staatliche Gewalt als Instrument zur Bekämpfung illegaler Migration legitim bzw. langfristig nutzbringend ist.

Im Hinblick auf die Legitimität von Gewaltakten bemerken die Autoren, dass Gewalt durch eine Dichotomie zwischen legitimen und illegitimen sowie zulässigen und unzulässigen Handlungen gebildet wird (ebd.: 2). Anders gesagt entscheidet die individuelle und kollektive Bewertung über die Legitimität einer Handlung, wenn beispielsweise staatliche Gewalt gegen Demonstranten als ‚legitim’ gegenüber der als ‚rechtswidrig’ verurteilten Gewalt eines Mobs von Demonstranten unterschieden wird. Letztendlich steht die individuelle und kollektive Bewertung von Gewalt in Abhängigkeit zu den eigenen sozialen, politischen und ökonomischen Positionen in der Weltordnung. Gewalt ist genauso Teil der menschlichen Natur, wie die Ablehnung gewalttätigen Handelns (ebd.: 2).

Hinsichtlich der Abgrenzung von Gewalt sind die Autoren der Meinung, dass Gewalt alle Formen von Kontrollprozessen, die grundlegende Freiheitsrechte und das individuelle oder kollektive Überleben bedrohen, einschließt (ebd.: 22). Scheper-Hughes’ und Bourgois’ direkter Gewaltbegriff umfasst daher nicht nur den Einsatz von Kraft, durch Angriffe oder das Zufügen von Schmerzen, sondern ebenfalls Angriffe auf die Persönlichkeit, Würde oder das Selbstwertgefühl des Opfers. Jene sozialen und kulturellen Dimensionen geben Gewalt ihre Macht und Bedeutung (ebd.: 1).

In ihrem Buch ziehen die Autoren Parallelen zwischen Gewalt zu Kriegszeiten und Friedenszeiten, wobei staatliche Gewalt auch in Friedenszeiten als Grundlage für innerstaatlichen Frieden und Stabilität genutzt werden kann. Solche ‚stabilisierenden‘ Gewaltphänomene richten sich oftmals gegen Minoritäten und können die Form von strukturellen „Würgegriffen“ annehmen, ähnlich der von Farmer (2004: 315) beschriebenen „Schlinge“. Verbrechen zu Friedenszeiten können verarmte Gemeinden in den Wüsten der Südstaaten, die zunehmende Entwicklung der USA zu einem industriellen Gefängniskomplex, oder massenhaft angelegte Razzien gegen illegale Migranten sein. Dabei haben Regierungen ein großes Interesse daran, die entstehende Gewalt weitestgehend vor der Bevölkerung geheim zu halten (Scheper-Hughes & Bourgois 2004: 20).

Da die sozialen und kulturellen Dimensionen von Gewalt schwer sichtbar und leicht in das alltägliche Leben implementierbar sind, eignen sie sich für die Mobilisation und Legitimation von staatlicher Gewalt zu Friedenzeiten, um innerstaatlichen Frieden und Stabilität aufrechtzuerhalten. Dabei können beispielsweise die politische, mediale und öffentliche Verbreitung von negativ behafteten Stereotypen gegenüber ethnischen Minoritäten zu einem politischen und öffentlichen Diskurs auf der Basis von Angst beitragen (ebd.: 20). Als Folge entwickelt sich ein Gewaltkontinuum (violence continuum), welches durch sozialen Ausschluss, Entmenschlichung, Depersonalisation und Vergegenständlichung der ethnischen Minoritäten gekennzeichnet ist und gewalttätiges Verhalten gegen ‚Andere’ normalisiert (ebd.: 21). Gewalt wird daher unter anderem durch Rassismus und Xenophobie in allen Bereichen des sozialen Lebens verankert. Indessen zeichnen sich Warnsignale für einen sozialen Konsens gegenüber der Abwertung bestimmter Formen menschlichen Lebens und Lebensformen ab (ebd.: 22). Jene Signale reichen von der Verweigerung sozialer Unterstützung und Fürsorge, über die Gefährdung sogenannter „Sozialparasiten“, bis zur Militarisierung und Versicherheitlichung4 des alltäglichen Lebens und der Grenze (ebd.: 22). Die dadurch entstehenden „small wars and invisible genocides“, als Akte symbolischer Gewalt 5 , sind kaum sichtbar, weil sie nahezu alle Aspekte unseres täglichen Lebens durchdringen und daher oftmals als selbstverständlich und harmlos gelten. Dennoch stellen sie eine Vorstufe zu Massengewalt und Genozid dar (ebd.: 21).

In ihren Darlegungen über Gewalt zu Kriegs- und Friedenszeiten weisen Scheper-Hughes und Bourgois auf die besondere Funktion des politischen, medialen und öffentlichen Diskurses für die Legitimation von Gewalt hin. Dies wird besonders eklatant, wenn man Michel Foucaults Diskurs- Theorie mit heranzieht. Der Poststrukturalist Foucault befasste sich intensiv mit der gesellschaftlichen und politischen Bedeutung des Diskurses, wobei er ihn als spezifische Konstellation von Wissen bezeichnete, das sich auf wissenschaftliche, literarische und alltägliche Äußerungen als auch auf nichtsprachliche Aspekte bezieht. Durch den Diskurs wird es möglich,

„Institutionen, ökonomische und gesellschaftliche Prozesse, Verhaltensformen, Normsysteme, Techniken, Klassifikationstypen und Charakterisierungsweisen“ miteinander in Beziehung zu setzen. Foucault sieht den Diskurs daher als eine Art Bindeglied zwischen Regierung, Sicherheitsdispositiven 6, Wissen, Bevölkerung und Technologien des Selbst 7 (Lemke 1997: 68). Daher liegt es im Interesse jedes Individuums und jeder Gruppe, die in einem Staat Macht ausüben möchten, den Diskurs zu beherrschen. Die aktuelle globale Debatte über „fake news“ ist dafür ein ideales Beispiel.

Macht und Gewalt stehen bei Foucault in direktem Zusammenhang, wobei Macht Gewalt instrumentalisiert, und Gewalt somit in erster Linie funktional ist. Auf die Frage, von wem die Macht in einer Gesellschaft ausgeht, antwortet Foucault: „Weder die regierende Kaste, noch die Gruppen, die die Staatsapparate kontrollieren, noch diejenigen, die die wichtigsten ökonomischen Entscheidungen treffen, haben das gesamte Macht- und damit Funktionsnetz einer Gesellschaft in der Hand. Die Rationalität der Macht ist die Rationalität von Taktiken, [...] die sich miteinander verketten, einander gegenseitig hervorrufen und ausbreiten, anderswo ihre Stütze und Bedingung finden und schließlich zu Gesamtdispositiven finden“ (Foucault 1983: 116). Folglich wirkt Macht nicht nur als Instrument der Unterdrückung, sondern auch auf die Herrschenden selbst. Foucault veranschaulicht damit, dass die Verteilung von Macht in modernen Gesellschaften sowohl horizontal als auch vertikal verläuft, was außerdem bedeutet, dass die Verantwortung für direkte und indirekte Gewaltakte durch den Staat und seine Vertreter sowohl bei politischen Vertretern als auch bei der Gesamtheit der Bevölkerung selbst liegt (ebd.: 116f).

Dabei leugnet Foucault keineswegs Disziplin und Souveränität als Bestandteile von Macht, sondern stellt die unterschiedlichen Technologien der Macht, damit sind Recht, Disziplin und Sicherheitstechniken gemeint, in den Mittelpunkt seiner Machtanalyse. Sie stellen den funktionalen Aspekt von Macht und damit auch von Gewalt dar. Diese neue Form von Macht, als Fortführung der Disziplinar-Macht, bezeichnet Foucault als Biomacht. Die aus ihr hervorgehende Biopolitik versucht die gesellschaftlichen, demographischen Parameter, wie Gesundheit, Hygiene, Geburtenraten oder Lebenserwartung so zu steuern, dass der größtmögliche Teil der Bevölkerung auf oder entlang einer gedachten Normalkurve liegt. Die gesellschaftliche Norm ist deshalb abgeleitet von der ‚Normale’. Jene ‚Normale’ ist der Konsens dessen, was in einer Gesellschaft allgemein als ‚normal’ betrachtet wird, begünstigt durch die Regierung und diverse Machtverhältnisse (Lemke 2012: 21).

Mit der Genese von Biomacht und Biopolitik, in engem Zusammenhang mit dem modernen Liberalismus, wird das Leben ein biologischer Faktor und fordert politische und ökonomische Lösungen. Innerhalb der Biopolitik ist nicht das Subjekt, sondern die Gesamtbevölkerung das Ziel gouvernementalen8 Handelns. Dabei kann die ökonomisch und politisch ausgerichtete Biopolitik auch Gewalt gegen Individuen und Gruppen fördern, solange es im Interesse der Gesamtbevölkerung geschieht (ebd.: 22). Dies kann dazu führen, dass diejenigen die den Diskurs einer Gesellschaft maßgeblich bestimmen, mit der Verbreitung negativ behafteter Stereotypen ethnische Gruppen, gezielt oder ungewollt, als ‚Andere’ klassifizieren und dadurch direkte Gewalt gegen Minoritäten normalisieren bzw. legitimieren.

1.2. Ethnologie der Grenze

Die als am häufigsten übertreten geltende amerikanisch-mexikanische Grenze bezeugt in ihrer strukturellen Komplexität die multilateralen Dimensionen des Verständnisses von Grenzen. Die Ethnologie betrachtet Grenzen vor allem als geopolitische Trennlinien, identitätsstiftende kulturelle Grenzen und soziale Grenzen, die über Ein- und Ausschluss von Individuen und Gruppen entscheiden. Die territorialen, politischen, kulturellen und sozialen Dimensionen von Grenzen greifen dabei stets in einander, anstatt sich gegenseitig auszuschließen. In ihrem Zusammenspiel können sie jedoch auch zur Entstehung von Gewalt beitragen. Um dies zu beweisen werde ich im Folgenden relevante ethnologische Theorien zur Grenzthematik skizzieren, beginnend mit politischen Grenzen.

In der politisch orientierten Grenzethnologie ist das Zusammenspiel von Staatsgrenzen und der Konstruktion sozialer, symbolischer Grenzen von zentralem Interesse. Einige Autoren messen dem Staat als Machtinstanz in diesem Prozess eine signifikante Bedeutung bei. Daher spielt die Kontrolle von Grenzen durch den Staat und seiner Institutionen eine zentrale Rolle für die Auseinandersetzung mit politischen Grenzen. Josiah Heyman und Hilary Cunningham rufen in diesem Zusammenhang dazu auf, dass sich der ethnologische Blick auf die Praktiken der ‚Abgrenzung‘ (enclosure) und ‚Mobilität’ (mobility) richten sollte. „Enclosure and mobility offer valuable tools for exploring the interplay of power, resources, and ideology in the contemporary world, especially (but not uniquely) at state borders. Enclosure, for example, draws attention to the ways that conceptualized sets of people, commodities, and information are attached to, bounded by, or able to span politically constructed territories” (Heyman & Cunningham 2004: 293). Somit bezieht sich ‚Abgrenzung’ auf Prozesse, die die Bewegung von Gütern, Menschen und Informationen limitieren und unterbinden, währenddessen sich ‚Mobilität’ mit Prozessen beschäftigt, die Bewegungen anregen oder ermöglichen. Durch diese beiden kontrastierenden funktionalen Eigenschaften zeigen Heyman und Cunningham, dass Grenzübertritte in einem Kontext von ungleichen politischen und ökonomischen Machtverhältnissen strukturiert sind. In Bezug auf Farmer und Galtung wird dadurch abermals deutlich, wie strukturelle Ungleichheiten die Migration auf globaler Ebene beeinflussen .

[...]


1 Bildquelle: https://www.tagesschau.de/multimediaJbilder/mexiko-usa-grenze-107_v-videowebl.jpg

2 Psychische Gewalt beschreibt alle Formen der emotionalen Schädigung und Verletzung einer Person, beispielsweise durch direkte psychisch-verbale Drohungen, Beleidigungen oder einschüchterndes und kontrollierendes Verhalten. (Quelle: https://www.frauen-gegen-gewalt.de/was-ist-psychische-gewalt.html)

3 P l uralismus ist in der Politikwissenschaft ein empirischer Begriff, der die Vielfalt der gesellschaftlichen Kräfte beschreibt, die in der politischen Gemeinschaft eine Rolle spielen. Dass die Macht nicht zentral zusammengefasst, sondern auf verschiedene, voneinander relativ unabhängige Gruppen der Gesellschaft verteilt ist, steht im Gegensatz zu einer Herrschaft oder Hegemonie einer jeweils bestimmten sozialen Klasse oder Elite. (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Pluralismus_(Politik))

4 Bei der Versicherheitlichung wird etwas Wertgeschätztes als existentiell und akut bedroht wahrgenommen. Deshalb werden außergewöhnliche (politische) Maßnahmen gefordert oder implementiert. (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Versicherheitlichung)

5 Die symbolische Gewalt ist ein vom französischen Soziologen Pierre Bourdieu entwickelter Begriff und bedeutet verkannte und damit gesellschaftlich anerkannte Gewalt, mit Hilfe derer die herrschende Sicht der sozialen Welt legitimiert wird. (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Symbolische_Gewalt)

6 Als Dispositiv begreift man in der Soziologie im Anschluss an Michel Foucault eine Gesamtheit bestimmter begrifflich fassbarer Vorentscheidungen, innerhalb derer sich die Diskurse und die sozialen Interaktionen entfalten können, die in sprachpragmatisch relevanten Aspekten der Erfassung, Beschreibung und Gestaltung der Lebenswelt einer Gesellschaft Ausdruck finden. (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Dispositiv)

7 „Darunter sind gewusste und gewollte Praktiken zu verstehen, mit denen die Menschen nicht nur die Regeln ihres Verhaltens festlegen, sondern sich selber zu transformieren, sich in ihrem besonderen Sein zu modifizieren und aus ihrem Leben ein Werk zu machen suchen, das gewisse ästhetische Werte trägt und gewissen Stilkriterien entspricht.“ (Foucault 1993: 18)

8 Mit dem Begriff der Gouvernementalität hat Michel Foucault sich um eine historische und systematische Theorie des Regierens bemüht, die den Zusammenhang zwischen den Herrschaftstechniken des Regierens („gouverner“) und der Denkweise und den Praktiken des „Sich-selbst-Regierens“ der Subjekte („mentalité“) erfasst und analysiert. (Quelle: https://www.uni-muenster.de/IfPol/GraSP/forschung/gouvernementalitaet.html)

Ende der Leseprobe aus 51 Seiten

Details

Titel
Gewalt der Grenze. Ethnologische Perspektiven zur Gewalt gegen Migranten an der Grenze zwischen den USA und Mexiko
Hochschule
Universität Leipzig  (Ethnologisches Institut)
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
51
Katalognummer
V465877
ISBN (eBook)
9783668939813
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gewalt, grenze, ethnologische, perspektiven, migranten, mexiko
Arbeit zitieren
Ludwig Bode (Autor), 2018, Gewalt der Grenze. Ethnologische Perspektiven zur Gewalt gegen Migranten an der Grenze zwischen den USA und Mexiko, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/465877

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