Konstruktion und Beeinflussung von Sicherheitswahrnehmung im europäischen Raum

Mediale Berichterstattung und Nutzungsverhalten


Forschungsarbeit, 2016

37 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsübersicht

1. Einleitende Vorstellung des Erkenntnisinteresses

2. Theoretischer Rahmen

3. Begründete Fallauswahl

4. Analyse zu Mediennutzung und Sicherheitswahrnehmung

5. Resümee

Literaturverzeichnis

Anhang Tabellen - und Abbildungen

1. Einleitende Vorstellung des

„ Was wir ü ber die Gesellschaft, ja ü ber die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir von den Medien “ 1

Inwiefern dieses Zitat für alle Individuen zutreffend sein könnte bleibt unbeantwortet, jedoch ist belegbar, dass sich das Nutzerverhalten von Medien wandelt. Zum einen verstärkt sich die Internetpenetrationsrate, es ist von Digital Natives und Digital Immigrants die Rede und auch die Nutzung von Smartphones, die in einigen Kulturen die Gesamteinwohnerzahl zu übertreffen scheinen, hat sich rasant entwickelt. Medien alleine können keinen Alltag strukturieren, sehr wohl aber die Menschen die sie nutzen. Sie binden diese aktiv in ihren Alltag ein, fühlen sich mittlerweile darauf angewiesen allerorts zugriff auf Informationen haben zu können.2

Massenmedien im Allgemeinen sollen gerade in Demokratien Informationen vermitteln, Interessen artikulieren und ebenso Diskurse, z.B. über politisch relevante Themen, in der Öffentlichkeit anregen.

Teilweise werden gesundheitliche Phänomene mit der Mediennutzung verknüpft. So soll Stress auch durch das eigene Medien Nutzungsverhalten oder die konsumierten Themen entstehen. Diese Art der Kommunikationsforschung, geht es um die Beeinflussung von Stimmungen und Gefühlen durch Informationen und Gesellschaft, ist ein recht junges, interdisziplinäres Forschungsfeld.3

Die vorliegenden Analyse hat zum Ziel, den Konsum von Medien zu dem Sicherheitsgefühl von Individuen in Beziehung zu setzen.

Hiebei wird das individuelle Sicherheitsgefühl in physische und ökonomische Sicherheit differenziert. Die kollektive Sicherheitswahrnehmung in der Bevölkerung bedingt sich aus beidem. Genauso wie sich die ökonomische Sicherheit je nach Entwicklung in Bevölkerung und äußeren Einflüssen kontinuierlich ändert, wandelt sich das subjektive Sicherheitsgefühl, unabhängig ob es der Realität entspricht oder nicht.4

Fühlt man Unsicherheit heißt dass nicht zwingend, dass eine reale Bedrohung gegeben ist, genauso ist es möglich, dass nur das Individuum eine Bedrohung wahrnimmt. Eine Person alleine kann ein Bedrohungspotential sehr selten komplett erfassen, wie sicher sich eine Gesellschaft fühlt ist ein noch vielschichtigerer Prozess.5 Sehr bekannt ist ein Hörspiel von Orson Welles, welches im amerikanischen Radio 1938 gespielt wurde und einen Großteil der Rezipienten verunsicherte,6 ein weites prägnantes Beispiel wäre eine Fernseh-Ausstrahlung in Georgien 2010:

„ Da w ä hrend der drei ß ig Minuten dauernden Sendung nicht mehr darauf hingewiesen wurde, dass es sich um eine Fiktion handelte, hielten viele f ü r Wahrheit, was ihnen der von der georgischen Regierung kontrollierte Sender zeigte: [ … ]Russlands Pr ä sident Medwedjew habe befohlen, die Gefahr, die vom georgischen Pr ä sidenten Saakaschwili ausgehe, zu neutralisieren. Russische Panzertruppen bewegten sich von S ü dossetien und Armenien aus auf Tiflis zu. Georgien werde von den Russen bombardiert, die Einwohner von Gori, Tiflis und anderen St ä dten ergriffen die Flucht.[ … ]W ä hrend der Sendung brach in Georgien das Mobilfunknetz zusammen, es kam zu Hamsterk ä ufen, Zuschauer erlitten Herzinfarkte. “ 7

Kollektive Wissensressourcen oder Erfahrungen wie z.B. traumatische Erlebnisse tragen seit dem bestehen von Zivilisation maßgeblich zur Bereitstellung von Sicher- oder Unsicherheitsgefühle bei.8

Zielsetzung dieser Ausarbeitung ist zu erarbeiten, inwiefern Medien zum gesellschaftliche Sicherheitsbewusstsein beitragen. Fokussiert wird dazu, im Rahmen einer komparativistischen Analyse, das mediale Konsumverhalten in der europäischen Union.

Einleitend sollte nun die Thematik, der im weiteren Verlauf erfolgenden Studie charakterisiert worden sein. Diese fußt auf einer kommunikationstheoretischen Definition der Medienfunktionen und wird unter Berücksichtigung von sozioökönomischen Faktoren mit subjektiven und objektiven Sicherheitswahrnehmung auf Korrelation untersucht.

Folgend wird der Methodische Rahmen und das verwendete Sicherheitsverständnis genauer definiert und die Fallauswahl begründet angeführt. Dem schließt sich im Hauptteil die eigentliche Analyse an. So werden die zugrundeliegenden Erhebungen vorgestellt. Um zu erfassen, inwieweit eine Dependenz von Medienrezeption und Sicherheitswahrnehmung besteht, wird eine auf Aggregat Daten basierende Analyse durchgeführt und unter weiteren soziokulturellen Faktoren ausgewertet.

Abschließend wird resümiert festgestellt, ob der angestrebte Schutz zu personenbezogenen Daten der EU die pluralistischen Interessen der tangierten Branchen und Individuen ausbalanciert. Abschließend wird resümierend festgestellt, ob ein Zusammenhang von Medienrezeption und gesellschaftlicher Sicherheitswahrnehmung im europäischen Ländervergleich erkenntlich ist.

2. Theoretischer Rahmen

Im Folgenden soll das zugrundeliegende theoretische Modell definiert werden. Es handelt sich um eine komparative Analyse, demnach dem „systematischer Vergleich von Fällen einer Grundgesamt- heit zwecks Entwicklung und Überprüfung von Hypothesen über Sachverhalte, Vorgänge oder Wechselbeziehungen zweier oder mehrerer Variablen“.9 So sollen als Zielsetzung Aussagen über generelle Entwicklungen und Gesetzmäßigkeiten herausgearbeitet werden. Daher werden Aggregatdaten, also „numerische Abbildungen von gesellschaftlichen Prozessen“10 in ihrer Abhängigkeit von unterschiedlichen Variablen untersucht. Diese Aggregatdaten beziehen sich auf die kollektive Ebene der Gesellschaft. In diesem Zusammenhang untersucht die Analyse die Wirkungsweise von Massenmedien und Gesellschaft, im Hinblick auf das Sicherheitsempfinden eben jener.11

Der statistischen Analyse liegt die Konkordanzmethode zu Grunde: Gemeinsamkeiten und spezifische Faktoren sollen beim Vergleich verschiedener Fälle erschlossen werden.12 Die abhängige Variable variiert in sehr ähnlichen Kontexten, wobei die Ursache für die Differenz bei den vermuteten unabhängigen Variablen gesucht werden. Verhalten sich zwei Variablen gleichförmig, bei wechselnden externen Umständen, ist annehmbar, dass sie kausal verknüpft sind. Allerdings ist es möglich, dass eine weitere unbekannte Variable diese Verknüpfung mit bedingt, welche nicht berücksichtigt wurde. Im Gegensatz zur Differenzmethode wird die unabhängige Variable nicht als ursächlich für die abhängige Variable verstanden, es soll eine Abhängigkeit geprüft werden, eine deterministische Bedingung13 wird aufgrund der multikausalen Entstehung von Sicherheit14 jedoch von vornherein ausgeschlossen.

Bei variablenorientierten Forschungsweisen können Defizite in der Abbildung von differenzierten Einzelfälle auftreten, da eine große Anzahl an Daten in Kategorien zusammengefasst werden, die so für einen Vergleich zugänglich aufbereitet werden. Da innerhalb der vorliegenden Analyse makrosoziale Zusammenhänge fokussiert werden, müssen die Daten repräsentativ für gesamtgesellschaftliche Phänomene verwendet werden. Einzelfälle können nicht kleinschrittig subsumieren werden, da ansonsten der Gesamtzusammenhang nicht genrealisierbar wäre. Auch kann diese Analyse nicht von Makroprozessen auf die Individualebene schließen, dass hätte ____ zur Folge, beispielsweise auf Grundlage der unterschiedlichen Entstehung von Sicherheitswahrnehmung auf die in späterem Verlauf differenziert thematisiert wird. Eine konträre Argumentation wäre, dass statistische Methoden Ergebnisse in ihrer Gesamtheit repräsentativer abbilden. Das benannte Defizit wäre somit ins gegenteilige umkehrt, da sich diese Empirie gerade durch die Zusammenfassung der Kategorien leichter vergleichen ließe.15

Die Variablen müssen präzise erfasst werden, um so eindeutige Abhängigkeiten ermessen und valide Ergebnisse resümieren zu können. Um Selction Bias, zufällige Verknüpfung und Scheinkorrelationen zu verhindern, müssen die Grundgesamteit der Fälle transparent und die Analyse Charakteristika nach schlüssigen Kriterien ausgewählt werden. Ebenso müssen diese gleichförmig Anwendung finden. Des Weiteren muss ein großes Maß an Verknüpfung der unabhängigen Variablen vermieden werden. Hier spricht man auch von Multikollinearität. Diese wirkt sich auf die Beziehung zur abhängigen Variablen verzerrend aus. In der Sozialwissenschaft ist liegt meist ein multikausaler Gesamtzusammenhang vor, daher kann diese Problematik in der Realität nie ganz ausgeschlossen werden. Es können aber immer auch Interakionsvariablen eingesetzt werden, um mögliche Verknüpfungen zu überprüfen, die erst durch das gemeinsame Vorhandensein beider Variablen ausgelöst werden.16

Im Folgenden soll das Sicherheitsverständnis, welches dieser Analyse zu Grunde liegt definiert werden. Sicherheit an sich ist sowohl ein individuelles als auch ein kollektives Grundbedürfnis. Es wird unter zum einen sozial konstruiert und entwickelt, zum anderen aber durch ebendiese Gesellschaft umgesetzt und erlebt. Sicherheit bedeutet die Abwesenheit von jeglichen Risiken, sodass physische und psychische Unversehrtheit in einer Überlebens ermöglichenden Umwelt garantiert sind. Dieses Bedürfnis wird als Fundamentales für Moderne Gesellschaften, vor allem in Zeiten, wo sich sowohl Soziale als auch Politische Gesetzmäßigkeiten scheinbar rasant entwickeln und Entwicklungen von beispielsweise vernetzten Märkten über Landesgrenzen hinaus Einfluss üben, verstanden. Fokussiert man die geschichtliche Entwicklung dieses grundlegenden Sicherheitsbedürfnisses, wird allerdings deutlich, dass es nicht nur mit gesellschaftlichen Entwicklung transformiert, vielmehr ist annehmbar dass ein fundamentales Bedürfnis nach psychischer und physischer Sicherheit, welches das eigene Überleben garantiert, jedem Individuum als Grundlage seines Existenzwillens gegeben ist.

Differenzieren lässt sich das individuelle Sicherheitsbedürnis in physische und ökonomische Sicherheit. Physische Sicherheit bezieht sich auf die Abwesenheit von jeglichen Bedrohungen. Ökonomische Sicherheit garantiert die existentielle Grundlage, so ist die Versorgung aller Grundbedürfnissen und eine geschützte Wohnumgebung gemeint. Es wird daher auch als Voraussetzung für eine sichere Zukunft des Individuums verstanden. Diese Sicherheitsbedürfnisse wandelt sich ebenso konstant, wie das subjektive Gefühl von Sicher oder Unsicherheit.

„ Dabei kann zwischen verschiedenen Bezugspunkten unterschieden werden, wie z.B. der Wahrnehmung der pers ö nlichen (individuellen) Sicherheit, der gesellschaftlichen (kollektiven) Sicherheit oder der Sicherheit des Nahraums (z.B. der Wohnumgebung, des Stadtteils oder der Nachbarschaft). “ 17

Beides ist von den gegebenen und erlebten Umstände, Einstellungen und Lebensweise abhängig, gleich ob es der wahren Bedrohungs- bzw Sicherheitslage entspricht, oder nur als gegeben wahrgenommen wird. Dieses Gefühl wird von Einzelpersonen, aber auch der gesamten Bevölkerung erlebt und gelebt. Sicherheit ist also demnach ein soziales Konstrukt.

Wird Unsicherheit oder Bedrohung gefühlt, beutetet dies nicht gleichsam, dass ein Risiko existiert, es ist ebenso möglich, dass nur eine Einzelperson, oder Personengruppe Gefahr wahrnimmt. Hier stellt sich die Frage nach Verlässlichkeit der Wahrnehmung, Einzelpersonen bzw Gruppen ist es generell nicht möglich die Sicherheitslage einzuschätzen, oder ein Bedrohungspotential zu überschauen.18 So liegen hier Diskrepanzen vor, Sicher- bzw Unsicherheit einzuschätzen. Zum einen werden diese nur partiell durch eigenes Handeln erzeugt, sicherlich ist in einigen Hinsichten wie dem ökonomischen Sicherheitsaspekt eine individuelle Absicherung möglich, doch nur bis zu einem Gewissen Grad. In der Systemik einer Gesellschaft ist auch jeder Einzelne von Sicherheitsrisiken die zum Beispiel durch kritische Infrastrukturen, dem Herrschaftssystem oder Wetterphänomenen ausgehen betroffen und kann sich diesen niemals vollständigen Entziehen. Prinzipiell sobald beispielsweise Verhalten oder Konsum über den eigene Verantwortungsrahmen hinausgehen, lässt sich vom Individuum nicht mehr mit Sicherheit bestimmen, wie risikobehaftet dieses ist, da es einflussnehmende Prozesse geben könnte, die ein Individuum so nicht antizipieren kann. Hier muss man jedoch unterschieden zwischen der Sicherheit und dem Risiko an sich, und dem Gefühl von ebendiesem. Durch kollektive Wissensressourcen wird ebenjenes erzeugt. Das Bedürfnis von Sicherheit kann eine gemeinschaftliche Fiktion sein, da es von der Verlässlichkeit der Wahrnehmung abhängt und ebenso multidimensional erzeugt wird. Nach dem Stressmodell von Richard S. Lazarus entstehen Gefühle von Unsicherheit nicht in erste Linie durch die Problematik oder den Reiz, sonder durch die Interpretation der Individuums:19

„ Damit Unsicherheitsempfinden und Furcht entstehen k ö nnen, muss in einem ersten Schritt eine Situation oder ein ä u ß erer Reiz als Risiko oder Gefahr wahrgenommen werden. Das setzt voraus, dass die entsprechende Situation in diesem ersten Interpretationsschritt weder als positiv noch als irrelevant eingestuft wird. Mit der Einordnung der Situation als gef ä hrlich oder risikobehaftet m ü ssen in einem zweiten Bewertungsschritt ernsthafte, negative Folgen antizipiert werden. Je ernsthafter die erwarteten Konsequenzen eines negativen Ereignisses, desto st ä rker k ö nnen sich auch Unsicherheitsgef ü hle und Furcht entwickeln, und zwar unabh ä ngig von der Wahrscheinlichkeit des Auftretens des Ereignisses. Im Anschluss daran folgt schlie ß lich der dritte und letzte Bewertungsschritt, in dem die verf ü gbaren Bew ä ltigungsstrategien und Ressourcen (Coping) ermessen werden. Wird ein Mangel an effektiven Schutzma ß nahmen und damit eine Art Kontrollverlust ü ber die Situation bzw. ü ber das Ereignis wahrgenommen, kann ein besonders hohes Ma ß an Unsicherheitsempfinden und Furcht entstehen. “ 20

Generell lässt sich feststellen, dass soziale Transformationsprozesse Ängste schüren. Wie diese Ängste diskursiv geformt werden, wie z.B. über ebendiese Prozesse berichtet wird scheint nach der Theorie des Agendasetting und Framing oder auch der Theorie konfliktsensitiver Berichterstattung von Medien mit gesteuert werden zu können.

Massenmedien sollen speziell in Demokratien, die mediale Unabhängigkeit nicht einschränken, Informationen vermitteln, Interessenartikulierten und ebenso Diskurse über politisch relevante Themen in der Öffentlichkeit anregen. Neben der Informationsfunktion wirken sich mediale Inhalte verstärkend auf gesellschaftliche Wertkonstruktionen und Rollenmuster aus. In diesem Zusammenhang wird von einer sozialen Funktionsweise gesprochen. Nach der Medienwirkungs- forschung des Framing können mediale Inhalte zur Veränderungen von Bewertungsmustern und Verstärkung von Deutungszusammenhängen beitragen. Auch der Aspekt des Agendasetting als Thematisierungs- und Strukturierungsfunktion von Berichterstattung und die Prägung von Konfliktdarstellungen durch konfliktsensitive Berichterstattung sind Medien immanent. Der Analyse liegt die Hypothese zugrunde, dass Medien im Rahmen ihrer Präsentationsweise und durch selektive Themenauswahl Meinungsbildend berichten und so auch die subjektive Sicherheitsempfindung mit konstruieren.21

Dem Gegenüber steht die Reinforcement Theorie, nach der Massenmedien geringe Effekte auf die Meinungsbildung haben. Nach diesen Aspekt wählt die Zuhörerschaft z.B. nach persönlicher Neigung oder um sich in einer Meinung zu bestärken aus.22

3. Begründete Fallauswahl

Die Zielsetzung der Analyse soll es sein, den Konsum von Medien zu dem Sicherheitsgefühl von Individuen in Beziehung zu setzen. Somit wird als abhängige Variable die Sicherheits- bzw. Unsicherheitswahrnehmung in der Bevölkerung verstanden. Ursächlich für diese Unsicherheit soll die unabhängig Variable, die den Medienkonsum abbildet, auch verstärkende Einflussnahme untersucht werden. Zunächst soll die Fallauswahl dargestellt und begründet werden. Da die Analyse sich auf einem vergleichbaren Sicherheitsempfinden konstruiert, kann sie nur innerhalb eines ähnlichen Kulturraumes vorgenommen werden. Auch dürfen mediale Rechte nicht unterschiedlich segmentiert sein, in einem autokratischen Regierungssystem wird z.B. tendenziell nicht nur auf die mediale Berichterstattung, sondern auch auf die Verfügbarkeit des Konsumangebotes restriktiv eingewirkt. Um hier eine Homogenität nach dem Most Similar System Design zu gewährleisten wird die europäische Union ausgewählt, in einem weiteren Analysenschritt auf Grundlage von Datenbereitstellung und unter Berücksichtigung der Medienkulturen nach Hallini und Mancini23 wird die eingehende Fallzahl erneut auf sieben Länder reduziert. Im Rahmen dieser small n Fallzahl erfolgt ein synchroner Vergleich. Wie bereits herausgearbeitet konstruiert sich Sicherheitswahrnehmung aufgrund von multikausalen Faktoren, um hier eine Vergleichbarkeit zu ermöglichen, sollen unterschiedliche temporäre Einflussfaktoren, ebenso wie Heterogenität in dem Gesellschaftssystem minimiert werden. Wird nun ein Land über einen längeren Zeitraum untersucht, besteht die Möglichkeit, dass weltgeschichtliche Ereignisse auf den Untersuchungszusammenhang einwirken, die bei den übrigen Länder noch nicht gegeben war. Auch wird aus diesen Grund der Untersuchungszeitraumes von 2003-2008 gewählt. Langfristige Entwicklungstendenzen die gegenwärtig zu Diversität und Multipluralität der Weltordnung und zu einer ideologische und soziale Fragmentierung führen, sind in diesem Zeitraum noch gering.24 Auch wirkt sich die durch Spekulation im unregulierten Schattenbanken- sektoren25 entstandene amerikanischen Subprimeblase über den global vernetzen Interkontinental- handel26 zunehmend auf die Realwirtschaft in den vorliegenden Ländern aus27 und löst die europäische Finanzmarktkrise28 aus. Allerdings trifft dieses Phänomen die europäische Gesellschaft in gleicher Form, der Analysenzeitraum endet bevor es zu differenten Entwicklungen durch nationale Deregulierung, Finanzinnovationen und Informationsdefiziten kam.29

Schwierig ist die Gestaltung der externen Validität die ein wichtiges Auswahlkriterium der Grundgesamtheit darstellen kann. Von einer Übertragung des Ergebnisses und generalisierten Theorieerarbeitung wird abgeraten. Hier soll auf die einleitend darstellte Einflussnahme von historischen Erfahrungen wie in Georgien verwiesen werden. Diese prägen kollektiven Wahrnehmung entscheidend, und so müsste um eine abschließende Theorie zu erarbeiten eben jene multikausalen Hintergründe verarbeitet werden, was diese Analyse auf Grund des beschränkten Umfanges nicht leisten kann.

Die Forschungsfälle werden in der Mediennutzung in verschiednen Typologien aufgegliedert. Hier durch sollen die empirischen Phänomene geordnet betrachtet werden können, die Komplexität soll reduziert werden, ohne dass dieses mit Informationsverlust einhergeht. So wird das Konsumverhalten von Radio, Internet, Printmedien und Fernsehen unterteilt erhoben. Auch wird die Wahrnehmung von Sicherheit wird kategorial aufgefächert, das generelle Sicherheitsgefühl in der jeweiligen Bevölkerung fließt ebenso in die komparative Studie ein, wie die Angst vor Kriminalität.

4. Analyse zu Mediennutzung und Sicherheitswahrnehmung

Vorbereitend für die Fallanalyse wurden die Aggregatdaten der Mediennutzung zu einem Datensatz zusammengetragen.30 Hierbei handelt es sich um eine Erhebungen des Eurobarometer im Jahr 2004. Im Zeitraum von Oktober bis November wurden hierzu TNS Opinion & Social von der Europäischen Kommission beauftragt, eine repräsentative im Rahmen der standardisieren Eurobarometer durchzuführen. Persönlich befragt wurden europäische Staatsbürger, in Abhängigkeit von der Gesamtbevölkerungsanzahl und zufällig ausgewählt ab fünfzehn Jahren.31 Die Daten werden ungewichtet und für die einzelnen Länder getrennt angegeben. Die sich ergebenden Stichproben finden sich als Tabelle im Anhang.32

Folgend wurden die repräsentativen Daten auf Validität und Reliabilität geprüft. Zum Einen muss erfüllt sein, dass ausreichend Medien konsumiert werden. Liegt die Anzahl der Nichtnutzer seh hoch ist davon auszugehen, dass Medien generell kein Faktor sein können, um gesellschaftliche Sicherheitswahrnehmungen zu beeinflussen, weil nur einige Individuen diese nutzen. Da in den vorliegenden Eurobarometern die Mediennutzung speziell mit dem Zweck der Information zur europäischen Union erhoben wird, muss hier eine Verfälschung der Gesamtmediennutzung, die dieser Analyse zugrundeliegen soll, ausgeschlossen werden. Jeweils in früheren und später erfolgten Erhebungen sind gesamte Nutzungsverhalten veröffentlicht worden.33

Generell lässt sich durch Vergleich die Fehlerquote ablesen, es fallen zum einen Nichtnutzer und zum Anderen nicht konforme Mediennutzung auf. Letzteres meint all jene Probanden die zwar Mediennutzen, aber sich nicht über die europäische Union informieren. Sie sind in den zugrundeliegenden Umfragewerten der Europol-Erhebung von 2004 dementsprechend nicht berücksichtigt. Anhand der folgenden Verteilung in der Tabelle ist ablesbar, wie sehr diese Nutzergruppe ins Gewicht fallen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Quelle: Eurobarometer 56.3 N = 16038 (gepoolte Stichprobe)

So dürfen diese beiden Fehlerquellen nicht unberücksichtigt gelassen werden, sie werden aber relativiert, indem der Anteil der europaweiten Nichtnutzer je nach Land sehr unterschiedlich 34 gestalten. Hinzu kommt, dass die Mediennutzung tendenziell stark zu genommen hat, unabhängig, welche Zielsetzung sie verfolgt.35 Daher bleibt die Relevanz der Quantität erhalten, denn nur wenn diese ausreichend groß ist, lohnt es sich, überhaupt nach Medieneffekten auf Wissen und integrationsrelevante Einstellungen zu suchen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Quelle: European Commission 2005/ eigene Darstellung

Auffällig ist, dass das Radio sehr selten benannt wurde, so ist annehmbar, dass es weniger der Information, als der Rekreation dient und daher hier weniger ins Gewicht fällt. Ebenso wie die Belletristik, beziehungsweise im Rahme der Europol-Umfrage die Leseform von Zeitschriften nur nach der EU-bezogenen Anwendung dargestellt wird. In allen europäischen Ländern ist das Fernsehen das meist genutzte Medium.

Bezogen auf den Nutzungsvergleich in Tabelle A.3 wird deutlich, dass trotz der einschränkenden Fragestellung der Europol Umfragen das Nutzungsmuster erkennbar bleibt.

[...]


1 Luhmann 1996: 10f.

2 vgl. Fischer 2007: 5f.; vgl. Schoch 2012:15f. ; vgl. Klein/ Nitsch 2003: 35f.; vgl. Siegert 2002: S. 137ff.

3 vgl. Melischek/ Seethaler/ Wilke 2008: 4ff.; vgl. Krasmann/ Kreissl 2014: 10ff.

4 vgl. Lange/ Wendekamm/ Endreß 2014: 6ff.; vgl. Frevel 2016:4ff.; vgl. Floeting 2015: 1f.; vgl. Dinges 2000: 14ff.

5 vgl. Endreß 2012: 1ff.; vgl. Collins 2010: 10ff.; vgl. Daase 2011: 8ff.

6 vgl. Schwartz, 2015: 12ff.

7 Ludwig 2010

8 vgl. Krasmann/ Kreissl 2014: 16f.; vgl. Lange/ Wendekamm/ Endreß 2014: 8ff.; vgl. Frevel 2016: 2f.

9 Schmidt 2004: 744-745

10 vgl. Lauth/ Pickel/ Pickel 2014: 60ff.; vgl. Lauth/ Pickel/ Pickel 2015: 66ff.; vgl. Mill 1885: 86ff.; vgl. Newton/ Van Seth 2010: 56ff.

11 vgl. Lauth/ Pickel/ Pickel 2014: 62ff.; vgl. Lauth/ Pickel/ Pickel 2015: 66ff.

12 vgl. Scharkow 2006: 10ff.; vgl. Jahn 2011: 2ff.

13 Eine Grösse A kann dann von einer Grösse B ursächlich abhängig sein, wenn unter Bedingungen, die sich nur durch das Auftreten oder Nichtauftreten von B unterscheiden, entsprechend auch A auftritt oder nicht auftritt.

14 vgl. Lange/ Wendekamm/ Endreß 2014: 8ff.; vgl. Frevel 2016:4ff.; vgl. Floeting 2015: 1f.; vgl. Dinges 2000: 16ff.

15 vgl. Lauth/ Pickel/ Pickel 2014: 60ff.; vgl. Lauth/ Pickel/ Pickel 2015: 66ff.; vgl. Newton/ Van Seth 2010: 56ff.

16 vgl. Lauth/ Pickel/ Pickel 2014: 22ff.; vgl. Lauth/ Pickel/ Pickel 2015: 50ff.

17 Max-Planck-Institut für Strafrecht 2014: 11.

18 vgl. Lange/ Wendekamm/ Endreß 2014: 21ff.; vgl. Frevel 2016: 16ff.; vgl. Floeting 2015: 34f.; vgl. Dinges 2000: 24ff.; vgl. Endreß 2012: 38ff.

19 vgl. Lazarus 1991: 10ff.; vgl. Lazarus 1999, 60f.

20 Max-Planck-Institut für Strafrecht 2014: 12.

21 vgl. Collins, Alan 2010: 12ff.; vgl. Melischek/ Seethaler/ Wilke 2008: 34ff.

22 vgl. ebenda

23 Hallin / Mancini 2004: 10ff.; 43ff.

24 vgl. Debiel / Rinck 2015: 6ff.

25 vgl. Glebe 2008: 141; vgl. Gramlich 2004; vgl. Jarvis 2012; vgl. Illing 2011: 42; 73: vgl. Stratenschulte 2012; vgl. Lewis 2011

26 vgl. Vornholz 2015

27 vgl. Glebe 2008: 131f.; vgl. Lewis 2011; vgl. FCIC 2011

28 vgl. Glebe 2008: 112ff.

29 vgl. Gjerstad/Smith 2014: 1ff.; vgl. FCIC 2011; vgl. Tichy 2011: 70f; 68f.

30 vgl. Tabelle A.1 Quelle EU bezogener Mediennutzung

31 Für weitere Einzelheiten zur Erhebung: vgl. Eurobarometer 2005:163f. 32

32 vgl. Tabelle A.2 Stichprobenumfang des Eurobarometers

33 vgl. European Commission 2005- 2013, Eurobarometer Nr. 62- 80

34 vgl. Tabelle A.1 Quelle EU bezogener Mediennutzung

35 vgl. Tabelle A.3 Europäische Mediennutzung; vgl. European Commission 2005- 2013, Eurobarometer Nr. 62- 80

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Konstruktion und Beeinflussung von Sicherheitswahrnehmung im europäischen Raum
Untertitel
Mediale Berichterstattung und Nutzungsverhalten
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Gesellschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Vergleichende Medienforschung
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
37
Katalognummer
V465918
ISBN (eBook)
9783668942554
ISBN (Buch)
9783668942561
Sprache
Deutsch
Schlagworte
konstruktion, beeinflussung, sicherheitswahrnehmung, raum, mediale, berichterstattung, nutzungsverhalten
Arbeit zitieren
Ines Prause (Autor), 2016, Konstruktion und Beeinflussung von Sicherheitswahrnehmung im europäischen Raum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/465918

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