Kooperatives Lernen und pädagogische Diagnostik. Konzepte für differenzierenden Unterricht


Hausarbeit, 2019
8 Seiten, Note: 1,00

Leseprobe

Inhalt

1. Kooperatives Lernen
1.1 Beschreibung des Konzepts
1.2 Vorteile für das Lernen
1.3 Vorteile für die soziale Entwicklung

2. Pädagogische Diagnostik
2.1 Funktionen und Ziele pädagogischer Diagnostik
2.2. Methode 1: Lernprodukte
2.3. Methode 2: Lerntagebücher

3 Literaturverzeichnis

1. Kooperatives Lernen

In einer Zeit, in der für reinen Frontalunterricht in den Klassenzimmern kein Platz mehr vorgesehen ist, ist es notwendig, alternative Konzepte des Unterrichts auf ihre Eignung für den Schulalltag zu analysieren. Das Kooperative Lernen verspricht effizientere Lernergebnisse, eine Verbesserung der Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit sowie eine geförderte Entwicklung der sozialen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler.

1.1 Beschreibung des Konzepts

Beim Kooperativen Lernen steht grundsätzlich eine Grundstruktur im Vordergrund, die auf folgenden drei Schritten beruht: Denken – Austauschen – Vorstellen (es ist jedoch auch die englische Form „Think – Pair – Share“ im deutschsprachigen Raum bekannt). Diese Struktur zieht sich durch alle Methoden und Unterrichtsschritte, die beim Kooperativem Lernen durchgeführt werden können, werden jedoch durch bewusste Vor- und Nacharbeit in anderen Unterrichtsformen ergänzt. Vor Beginn der Kooperativen Lernsequenz muss zuerst das Vorwissen aktiviert und Transparenz geschaffen werden, wobei auch Instrumente der pädagogischen Diagnostik Platz finden. Außerdem erfolgt die Mitteilung des konkreten Arbeitsauftrages ebenfalls im Plenum, um in der Gesamtklasse Klarheit über die Anforderungen zu schaffen. Erst nach diesen Vorbereitungen startet die Klasse mit der Think-Pair-Share-Methode. Es ist außerdem ideal, wenn die Kinder in Vierergruppen an einem Tisch sitzen und jeweils zwei Kinder einen unterschiedlichen Text oder eine unterschiedliche Aufgabe bearbeiten – es gibt also zwei Kinder der Gruppe A und zwei Kinder der Gruppe B an einem Vierertisch. Die folgenden Ausführungen beschreiben die drei Schritte des Kooperativen Lernkonzepts genauer (Brüning & Saum, 2007).

1. Schritt: Denken

- Der jeweilige Text oder Auftrag wird in Einzelarbeit bearbeitet. Dabei ist hohe Aufmerksamkeit gefordert, da jede Schülerin und jeder Schüler für diesen Text als Experte gilt.

2. Schritt: Austauschen

- Zuerst tauschen sich die beiden Kinder, die denselben Text in der Vierergruppe bearbeitet haben, über den Inhalt und etwaige Fragen aus. Gerade bei komplizierten Sachverhalten kann diese Phase sehr wichtig sein, um Unklarheiten zu beseitigen.
- Die zweite Austauschphase erfordert das Zusammenspiel einer Schülerin oder eines Schülers mit dem Text A und einer oder eines mit dem Text B. In diesem Schritt erklärt jedes Kind dem jeweils anderen den eigenen Text, sodass letztendlich beide Kinder sowohl über Text A als auch Text B Bescheid weiß.

3. Schritt: Teilen in der Klasse

- Als Kontrolle werden nun jeweils zwei Kinder ausgewählt, die berichten, was ihnen in der zweiten Austauschphase über den Text berichtet wurde, den sie nicht selbst bearbeitet haben. Wenn zwischen den beiden Versionen Differenzen entstehen oder noch Unklarheiten herrschen, werden die Kinder zurück in die Paarkonstellation geschickt, um diese Probleme zu beheben.

Wenn die Vorstellung im Klassenplenum erfolgreich verlaufen ist, folgt eine Zusammenfassung durch die Lehrperson, sodass eine Sicherung des Unterrichtertrages stattfindet. Die gelernten Inhalte werden anschließend in einer Übungsphase problemorientiert angewendet und reflektiert, was ebenfalls in kooperativen Verfahren stattfindet. Zuletzt steht eine Lernerfolgskontrolle ab, die zur Evaluation notwendig ist (Brüning & Saum, 2007).

Das Think-Pair-Share kann sehr vielfältig im Unterricht eingesetzt werden und eignet sich sowohl als Einstieg als auch als Wiederholung. Das Lernobjekt kann entweder ein Text, eine Arbeitsaufgabe oder auch ein Brainstorming (Mind-Map) sein, über das sich im Anschluss ausgetauscht wird. Auch die Zeitdauer des Think-Pair-Shares ist flexibel, sodass sich der Dreischritt über wenige Minuten genauso erstrecken kann wie in projektform über mehrere Unterrichtseinheiten (Bundeszentrale für politische Bildung, 2012).

Zwar ist das Kooperative Lernen ein Verfahren, das nicht sehr fehleranfällig ist, jedoch können einige Schwierigkeiten in der Praxis auftreten. Einerseits wird angeführt, dass die Materialien der Lehrwerke in der Schule oft nicht so aufbereitet, dass die Kinder damit selbstständig lernen können, sodass die Lehrkraft dazu angehalten ist, besser geeignete Materialien zur Verfügung zu stellen (Rolffs, 2015).

Auf der Seite der Lernenden müssen die heterogenen Kompetenzen beachtet werden. Da arbeitsteilige Methoden sehr hohe Kompetenzen verlangt, um sinnvoll absolviert zu werden, Die wichtigsten Kompetenzen sind das sinnerfassende Lesen und anschließende Erklären aber auch das Zuhören und Notieren von Informationen. Aus der Menge an erhaltenen Informationen müssen die Kinder zuletzt eigene Aussagen kreieren und diese sinnvoll weitergeben (Rolffs, 2015). Auch an ausreichend gutes sprachliches Niveau ist Voraussetzung für ein gelungenes Think-Pair-Share.

1.2 Vorteile für das Lernen

Ein Kooperatives Lernverfahren wie Think-Pair-Share wird häufig mit Gruppenarbeiten im herkömmlichen Sinn verwechselt, wobei es zwar Ähnlichkeiten aufweist, jedoch einige negative Aspekte der Gruppenarbeiten ausspart, die zum Beispiel Trittbrettfahrer umfassen. Beim Kooperativen Lernen wird die Eigenverantwortlichkeit jeder einzelnen Schülerin und jedes einzelnen Schülers gefordert. Bei empirischen Befragungen gaben diese an, dass sie sich beim Kooperativen Lernen sehr sicher fühlen, was als sehr positiver Effekt einzuschätzen ist, da Unsicherheit und Angst häufig eine Blockade für das Lernen darstellen. Diese Sicherheit wird als Effekt der Einzelarbeitsphase angesehen, in der die Kinder in einem geschützten Rahmen ausreichend Zeit erhalten, über ihre Antwort nachzudenken. Außerdem können sie sich in der zweiten Phase noch gründlich mit einem Partner austauschen, bevor sie vor der Klasse etwas erklären müssen. Durch die gehobene Sicherheit ist eine höhere Frequenz an Unterrichtsbeiträgen zu erwarten, die zu qualitativ hochwertigerem Unterricht führt (Brüning & Saum, 2007).

Empirische Nachweise belegen, dass sich die kognitiven Leistungen der Schülerinnen und Schüler durch das Kooperative Lernen verbessert, sodass Kooperatives Lernen als besser geeignetes Verfahren als andere angesehen werden kann (Brüning & Saum, 2007).

1.3 Vorteile für die soziale Entwicklung

Die gesteigerte Selbstverantwortlichkeit sowie die damit verbundene erfahrene Selbstwirksamkeit führen langläufig zu einem gesteigerten Selbstbewusstsein und kann somit besonders schüchternen Kindern oder denen, die von schulischen und privaten Misserfolgen geprägt sind, zu Gute kommen. Die Schulung der kommunikativen und kooperativen Fähigkeiten ist eine Notwendigkeit, die für Erfolg im späteren Berufsleben notwendig ist, wo sehr viele Arbeiten im Team erledigt werden müssen. Dabei wird Konkurrenzdenken eher in den Hintergrund gestellt, sodass sinnstiftender Teamgeist überwiegt, was den Kindern die Botschaft vermittelt, ein wichtiger Teil einer Gruppe zu sein, die gemeinsam vieles erreicht (Brüning & Saum, 2007).

Der strukturierte Unterrichtsablauf mit dem Dreischritt-Kern führt außerdem dazu, dass der Unterricht ohne grobe ineffiziente Zeitverluste auskommt. Außerdem werden Unterrichtsstörungen vermieden, da die Mitarbeit jeder und jedes Einzelnen gefragt ist. Durch die Kooperationsphasen können die Schülerinne und Schüler außerdem ihren Drang nach Austausch und Kommunikation in sinnvoller Weise ausleben, sodass kaum weitere Schülergespräche auffallen (Brüning & Saum, 2007).

2. Pädagogische Diagnostik

Um Konzepte wie das kooperative Lernen oder auch ähnliche Methoden, die einen differenzierten Unterricht ermöglichen, anzuwenden, müssen zuerst Instrumente der pädagogischen Diagnostik verwendet werden. Diese verhelfen der Lehrperson dabei, einen Überblick über den Vorwissensstand der Klasse zu erhalten und ihren Unterricht an der geeigneten Stelle anknüpfen zu lassen und auf Differenzen von Beginn an eingehen zu können.

Die vorliegenden Ausarbeitungen beschreiben nach einer allgemeinen Einführung zwei Methoden der pädagogischen Diagnostik auf praxisnaher Ebene.

2.1 Funktionen und Ziele pädagogischer Diagnostik

Die Funktionen der pädagogischen Diagnostik lassen sich in zwei große Spaten unterteilen: die gesellschaftliche Funktion sowie die pädagogische Funktion.

- Die gesellschaftliche Funktion beschreibt die Optimierung der Beurteilung sowie der Vergabe von Qualifikationen. Das bedeutet, dass die pädagogische Diagnostik es der Lehrperson ermöglicht, nach Beendigung des Lernprozesses eine objektive und präzise Bewertung der Lernergebnisse des Lernenden abzugeben. In der Literatur wird diese Form der Diagnostik auch als Selektionsdiagnostik oder Zuweisungsdiagnostik betitelt (SQA; Bildungsministerium für Bildung und Frauen, 2015).
- Die pädagogische Funktion der pädagogischen Diagnostik hat das Ziel, den Lernprozess auf Seiten des Lernenden zu unterstützen, weswegen sie in der Fachliteratur auch als Lernprozess- oder Förderdiagnostik bezeichnet wird. Entgegen der gesellschaftlichen Funktion, die am Ende des Lernprozesses Einsatz findet, wird diese Diagnostik schon während des Lernens eingesetzt. Das Ziel der pädagogischen Diagnostik ist dabei, den Lernenden zu verdeutlichen, wo individuelle Stärken, Schwächen und Potentiale liegen. Da mit dieser Methode die Ressourcen, die Lernfortschritte und die Lernpotentiale analysiert werden, können nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern auch überfachliche Schlüsselkompetenzen im Fokus stehen. Die Diagnostik führt in diesem Sinne dazu, dass die globale Lern- und Methodenkompetenz sowie die Sozial- und Selbstkompetenz gefördert werden. Die pädagogische Diagnostik in ihrer pädagogischen Funktion beruht auf einer Kombination aus Selbsteinschätzung der Lernenden, Fremdeinschätzung der Lernpartnerinnen und Lernpartner, Beobachtungen von Eltern sowie den diagnostischen Analysen der Lehrkräfte (SQA; Bildungsministerium für Bildung und Frauen, 2015).

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Details

Titel
Kooperatives Lernen und pädagogische Diagnostik. Konzepte für differenzierenden Unterricht
Hochschule
Universität Salzburg
Note
1,00
Autor
Jahr
2019
Seiten
8
Katalognummer
V465944
ISBN (eBook)
9783668925236
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pädagogik, Didaktik, Unterricht, Individualisierung, Differenzierung, Kooperatives Lernen, Pädagogische Diagnostik, Lerntagebuch, Think Pair Share, Lehrer, Schule, Lernprodukte
Arbeit zitieren
Laura Gomboc (Autor), 2019, Kooperatives Lernen und pädagogische Diagnostik. Konzepte für differenzierenden Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/465944

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