Die nachfolgende Arbeit beschäftigt sich besonders mit folgender Frage: "Wie kann inmitten von bereits bestehendem Leid und Ungerechtigkeit von Gott gesprochen werden?"
Antwort auf diese Frage gibt die Befreiungstheologie. Die Befreiungstheologie ist ohne Zweifel christlichen Ursprungs und wurde im Christentum bereits breit und vielseitig rezipiert. In der Ausarbeitung wird untersucht, inwiefern die islamische Befreiungstheologie als ein Pendant zur christlichen Theologie der Befreiung gilt.
Dabei werden die Konzeptionen des christlichen Befreiungstheologen Gustavo Gutiérrez, sowie die des muslimischen Befreiungstheologen Farid Esack miteinander in Verbindung gebracht. Beide Theologen sind beispielhaft für ihre jeweiligen Religionen und haben die befreiungstheologischen Überlegungen grundliegend geprägt. Die Ausarbeitung folgt der Methode der komparativen Theologie, welche zu Beginn dargelegt wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Komparative Theologie
3. Befreiungstheologie im Christentum nach Gustavo Gutiérrez
4. Eine islamische Theologie der Befreiung nach Farid Esack
5. Auf dem Weg zu einer gemeinsamen Theologie der Befreiung?
6. Fazit
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial für eine interreligiöse Verständigung zwischen Christentum und Islam im Kontext der Befreiungstheologie. Ziel ist es, anhand der Konzepte von Gustavo Gutiérrez und Farid Esack zu analysieren, ob trotz unterschiedlicher theologischer Begründungszusammenhänge eine gemeinsame Praxis der Befreiung und Gerechtigkeit möglich ist.
- Methodische Anwendung der komparativen Theologie
- Analyse der christlichen Befreiungstheologie nach Gustavo Gutiérrez
- Untersuchung der islamischen Befreiungstheologie nach Farid Esack
- Vergleich von Gemeinsamkeiten und Unterschieden beider Ansätze
- Diskussion über das Potenzial einer gemeinsamen Befreiungspraxis
Auszug aus dem Buch
4. Eine islamische Theologie der Befreiung nach Farid Esack
„Ohne Kontexte ist ein Text wertlos“
Dies gilt ebenfalls für die schriftlichen Werke von Farid Esack zu seiner Theologie der Befreiung. Bevor ich auf diese eingehen werde, werde ich zunächst einen kurzen Einblick in die Biographie Esacks geben um ein besseres Verständnis seiner Theologie zu ermöglichen. Esack wurde 1959 als sechster Sohn in ärmlichen Verhältnissen in Wynberg, Kapstadt, geboren. Obwohl seine Mutter als Fabrikarbeiterin arbeitete, mussten er und seine Geschwister zum Überleben im Township nach Brot betteln. Schon früh ging er in die örtliche Moschee, welche ein wichtiger Ort für ihn wurde. Er gehörte bereits mit neun Jahren der Tablighi Jamaat („Gemeinschaft der Verkündigung“) an, in welcher es vor allem um eine streng an Koran und Sunna ausgerichtete Glaubenspraxis ging.
Aufgrund seiner Abstammung, er galt in Südafrika als Farbiger, durfte er dort nicht studieren. Er bekam, dank seiner Gemeinschaft, jedoch die Möglichkeit eines Stipendiums und ging nach Pakistan, wo er sein Theologiestudium mit Bravur abschloss. Hatte er in Südafrika erlebt wie der Islam als Minderheit unterdrückt wurde, waren es in Pakistan die Christen und Hindus. Neben seiner Mitgliedschaft in einer islamischen Studentenverbindung war er ebenfalls Mitglied in einer christlichen Studentenbewegung, in welcher er sich unter anderem an der humanitären Arbeit in den Slums der Hindus und Christen beteiligte. Während dieser Zeit wurde Esack die große Diskrepanz zwischen der konservativen Theologie der Tablighi Jamaat, mit der er aufwuchs, und seiner progressiven Praxis bewusst. Er beendete seine Mitgliedschaft in der „Gemeinschaft der Verkündigung“ mit dem Wunsch in seiner Theologie Raum für den Anderen zu schaffen. Mit seiner Rückkehr wurde er in die Situation des Unterdrückten zurückversetzt. Sein Kampf gegen die Apartheid begann. Die Kindheit in den Slums und der Kampf gegen die Apartheid stellen Esacks prägenden Lebenskontext dar und zugleich den Ausgangspunkt seiner Theologie.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der interreligiösen Wirtschaftsethik ein und begründet das Forschungsinteresse an einer islamischen Befreiungstheologie als Pendant zum christlichen Verständnis.
2. Komparative Theologie: Dieses Kapitel erläutert die methodischen Ansätze der komparativen Theologie, insbesondere nach Klaus von Stosch, als Instrument, um religiöse Geltungsansprüche kritisch zu vergleichen.
3. Befreiungstheologie im Christentum nach Gustavo Gutiérrez: Es werden das theologische Grundverständnis und die drei Dimensionen der Befreiung bei Gustavo Gutiérrez dargelegt, wobei die Praxis als Ausgangspunkt betont wird.
4. Eine islamische Theologie der Befreiung nach Farid Esack: Die Biographie und der sozio-ökonomische Kontext von Farid Esack werden skizziert, um zu zeigen, wie seine Theologie aus der gelebten Praxis gegen Unterdrückung entsteht.
5. Auf dem Weg zu einer gemeinsamen Theologie der Befreiung?: Hier werden beide Ansätze miteinander in Beziehung gesetzt, wobei Gemeinsamkeiten in der Praxis und Unterschiede in den theologischen Begründungszusammenhängen identifiziert werden.
6. Fazit: Das Kapitel fasst zusammen, dass aufgrund der verschiedenen Begründungsansätze keine gemeinsame Einheits-Theologie möglich ist, jedoch ein wertvolles dialogisches Verhältnis besteht.
7. Literaturverzeichnis: Hier werden alle für die Ausarbeitung verwendeten Quellen und wissenschaftliche Fachliteratur aufgeführt.
Schlüsselwörter
Befreiungstheologie, Gustavo Gutiérrez, Farid Esack, Komparative Theologie, Gerechtigkeit, Praxis, Interreligiöser Dialog, Islam, Christentum, Armut, Unterdrückung, Exodus, Solidarität, Theologie der Religionen, Kontextualität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen einer interreligiösen Befreiungstheologie, indem sie christliche und islamische Konzepte miteinander vergleicht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind das Verständnis von Befreiung, die Rolle der religiösen Praxis bei der Theologiebildung und der Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist herauszufinden, ob Christentum und Islam, trotz ihrer unterschiedlichen Ursprünge, eine gemeinsame Basis für eine Theologie der Befreiung entwickeln können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es wird die Methode der komparativen Theologie angewandt, welche konkrete Positionen verschiedener Traditionen vergleicht, anstatt nur Religionen in ihrer Gesamtheit zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich den Werken von Gustavo Gutiérrez (Christentum) und Farid Esack (Islam) und analysiert deren biografische sowie theologische Ansätze zur Befreiung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Befreiungstheologie, interreligiöser Dialog, soziale Gerechtigkeit, Solidarität mit den Armen und Kontextualität.
Welche Rolle spielt der Exodus-Bericht für beide Theologen?
Für beide Theologen dient der Exodus als zentrales biblisches bzw. koranisches Motiv für eine Gottheit, die sich solidarisch an die Seite der Unterdrückten stellt.
Warum hält die Autorin eine "gemeinsame" Theologie für schwierig?
Obwohl die praktische Zielsetzung identisch ist, unterscheiden sich die theologischen Begründungszusammenhänge (Liebe Gottes vs. Auftrag zur Gerechtigkeit) so stark, dass ein Dialog sinnvoller ist als eine Vermischung.
- Arbeit zitieren
- Carina Schwantje (Autor:in), 2017, Christliche und islamische Befreiungstheologie. Auf dem Weg zu einer gemeinsamen Theologie der Befreiung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/465957