Diese Hausarbeit befasst sich mit den Kontroversen und der diversen Diskussion, inwieweit die beschriebene Gewalt in den Märchen der Brüder Grimm angemessen und sinnvoll ist. Hierzu werden auch verschiedene Märchen näher erörtert und analysiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition des Märchens und des Bösen
2.1 Das Märchen
2.2 Das Böse
3. Die Sammlung der Brüder Grimm
3.1 Kritik und Lob für die Kinder- und Hausmärchen
3.2 Die Rechtfertigungen der Brüder
3.3 Editierung und Zensur
4. Die Märchen
4.1 Hänsel und Gretel
4.2 Rotkäppchen
4.3 Rapunzel
4.4 Blaubart
4.5 Wie Kinder Schlachtens miteinander gespielt haben
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Kontroverse um die Darstellung von Gewalt und Grausamkeit in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Ziel ist es, zu analysieren, inwiefern diese oft drastischen Inhalte als notwendiges Element der Erzählstruktur dienen, wie sie zeitgenössisch und retrospektiv kritisiert wurden und wie die Brüder Grimm selbst auf die Forderung nach Zensur reagierten.
- Historische Einordnung der Kinder- und Hausmärchen
- Analyse der Funktion des "Bösen" und der Gewalt in der Märchenhandlung
- Diskurs über Zensur und pädagogische Eignung der Sammlung
- Untersuchung spezifischer Fallbeispiele (u.a. Hänsel und Gretel, Rapunzel)
- Reflektion über das Verhältnis zwischen Märchen, Realität und moralischer Erziehung
Auszug aus dem Buch
3.1 Kritik und Lob für die Kinder- und Hausmärchen
Die Sammlung der grimmschen Märchen enthält in den letzten eigens editierten Versionen von 1857 genau 202 Geschichten. Diese zieren insgesamt 132 Tote, welche keines natürlichen Ursprungs starben. Dieser Aspekt kann wohl als Indiz gesehen werden, weshalb bereits in den ersten Jahren gesteigerte Kritik an den Märchen und somit auch ihren Verantwortlichen, den Grimms, aufkam.
Dieser enormen Anzahl an Tötungsdelikten, in denen diverse Verletzungen etc. noch nicht mit inbegriffen sind, brachten bereits in den frühesten Jahren der Kinder- und Hausmärchen Kritiker auf den Plan. Diese Diskussion besteht, ebenso wie die Märchen, noch heute.
Es stellt sich für manche die Frage: Ist man als Elternteil unverantwortlich, wenn man den Kindern von Tanzabenden inklusive glühenden Pantoffeln mit Todesfolge oder von einem Serienkiller in Form eines Wolfs vorliest?
Diese Frage beschäftigte schon zu den Lebzeiten der Grimms die Menschen, so wie sie die Pädagogen, Erzieher und Eltern der Gegenwart tangiert.
Clemens Brentano, ein enger Freund der Brüder, war einer der ersten Kritiker, da ihm die Art und Weise der Dichtung unangenehm auffiel. Ihm ging es indes also weniger um die Gewaltdarstellungen als um die sehr schlichte Art der Textgestaltung anhand von sprachlichen Mitteln. Es sei nicht unterhaltsam, sondern in einem sehr trockenen Stil verfasst.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der grimmschen Märchen ein und erläutert die zentrale Fragestellung bezüglich der Kontroverse um die darin enthaltene Gewalt.
2. Definition des Märchens und des Bösen: Das Kapitel definiert die theoretischen Grundlagen, insbesondere das Wesen des Volksmärchens und die narrative Funktion des Bösen als Antrieb für Märchenhandlungen.
3. Die Sammlung der Brüder Grimm: Hier wird der Entstehungsprozess der Sammlung beleuchtet sowie die zeitgenössische Kritik und die Rechtfertigungsstrategien der Brüder Grimm detailliert analysiert.
4. Die Märchen: In diesem Hauptteil erfolgt eine Analyse ausgewählter Märchen, wobei sowohl die inhaltliche Gewalt als auch die Gründe für spätere redaktionelle Anpassungen untersucht werden.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Eignung der Märchen für Kinder unter Berücksichtigung der historischen Bedingungen und der moralischen Lehren.
Schlüsselwörter
Brüder Grimm, Kinder- und Hausmärchen, Gewalt, Grausamkeit, Zensur, Volksmärchen, Märchenanalyse, Pädagogik, Böses, Märchenfiguren, Literaturgeschichte, Moral, Erziehungsbuch, Kindheit, Literaturkritik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der moralischen und pädagogischen Debatte um die explizite Darstellung von Gewalt und Grausamkeit in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der historische Kontext der Märchensammlung, die Rolle des "Bösen" als narrativer Motor, die zeitgenössische Kritik an dieser Gewalt und die spätere redaktionelle Zensur durch die Brüder Grimm.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu ergründen, warum die Grimms an gewalttätigen Inhalten festhielten und wie sich die Wahrnehmung dieser Aspekte durch die Elternschaft und Pädagogik über die Zeit gewandelt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die auf Sekundärliteratur zur Märchenforschung basiert und die Primärtexte der Kinder- und Hausmärchen in Bezug auf ihre Gewaltdarstellungen untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl die allgemeinen Rechtfertigungsversuche der Grimms für ihre Sammlung als auch konkrete Fallbeispiele wie "Hänsel und Gretel", "Rotkäppchen", "Rapunzel" und "Blaubart" analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Brüder Grimm", "Gewaltdarstellung", "Zensur", "Pädagogik" und "Märchenkultur" geprägt.
Warum wurde das Märchen "Blaubart" aus späteren Auflagen entfernt?
Aufgrund der extremen, detailreichen Schilderungen der bestialischen Delikte wurde dieses Märchen als ungeeignet für die Zielgruppe eingestuft und komplett aus den späteren Auflagen gestrichen.
Wie verhält es sich mit der Zensur bei "Rapunzel"?
Bei "Rapunzel" war nicht die Gewalt, sondern die sexuelle Anspielung auf eine Schwangerschaft der Grund für spätere Überarbeitungen, um das Märchen "jugendfreier" und moralisch akzeptabler zu gestalten.
- Arbeit zitieren
- Michael Müller (Autor:in), 2019, Zur Kontroverse der Grausamkeit in den Märchen der Brüder Grimm, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/465980