Effektivität der Systemischen Beratung innerhalb des Familiensystems


Hausarbeit, 2018

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Aufbau der Arbeit

2. Grundlagen und Entwicklung der Systemtheorie
2.1. Hauptbegründer
2.2. Geschichtlicher Hintergrund
2.3. Allgemeine Merkmale

3. Systemische Beratung im Familiensystem, als eine mögliche Beratungsmethode
3.1. Entstehung und Grundzüge der systemischen Beratung
3.2. Das Mikrosystem Familie
3.3. Vorteile und Chancen der systemischen Beratung innerhalb der Familie
3.4. Schwierigkeiten und Grenzen der systemischen Beratung innerhalb der Familie

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

Oswald (1988):

Systeme sind geordnete Gebilde jeder Art, seien dies nun Atome, biologische Zellen, Maschinen, Erscheinungen des Seelenlebens, soziale Gruppen oder Sternensysteme. Es handelt sich um eine Menge von Elementen … - das hei ß t um definierte Teile, zwischen denen Wechselbeziehungen bestehen.

Diese Wechselbeziehungen bilden eine bestimmte Ordnung aus und verbinden die Elemente zu einer h ö heren Einheit, dem System. (S. 9)

„ F ü r die Beratungsarbeit mit Klient_innen ist es aus einer systemischen Sicht bedeutsam, dass ihre Subjektivit ä t mit Blick auf ihre Beziehungsgeschichte und ihre aktuellen Beziehungen verstanden wird. “ (Stimmer & Ansen, 2016, S. 261).

1. Einleitung

Unter dem Begriff Systemtheorie oder systemische Beratung firmieren mittlerweile unterschiedliche theoretische Ansätze und Annahmen.

Die bekannteste und einflussreichste Systemtheorie im Bereich der Sozialwissenschaften und Sozialen Arbeit, ist die Niklas Luhmanns (Merten, 2013).

Somit bezieht Luhmann erstmals die allgemeine Systemtheorie, welche in der Technik und den Naturwissenschaften fundiert ist, auf die Gesellschaft.

Denn gesellschaftliche Systeme funktionieren im Kern genauso, wie Organismen und lebende Systeme (Becker, 2001).

Um sich dem weit verbreiteten Diskurs über einen zunehmenden Paradigmenwechsel anzunähern, ist vorab festzustellen, dass das Gebiet der Systemtheorie grundsätzlich sehr vielseitig und sowohl Profession, als auch Disziplin übergreifend ist.

Des Weiteren befinden sich die Systemische Therapie und Beratung in einem fließenden Übergang, was eine genaue Definition und Trennung erschwert.

Denn zwischen der systemischen Therapie und Beratung können keine grundsätzlichen theoretischen oder methodischen Unterschiede bestimmt werden.

Jegliche Unterschiede lassen sich lediglich aus den unterschiedlichen Handlungsfeldern, wie der Medizin, Psychotherapie, Sozialarbeit, Management und viele weitere, zurückführen (Schlippe & Schweizer, 2007).

So kommt es neben individuellen körperlichen, kognitiven, psychischen und sozialen Problemen, insbesondere durch die Struktur und Dynamik moderner Industriegesellschaften, zunehmend zu Beratungsbedürfnissen einzelner Individuen und Systemen.

Ebenfalls führen zunehmende Komplexität, Technologisierung, Bürokratisierung und Globalisierung der Gesellschaft zu einem verstärkten Potenzial der Verunsicherung, welches ebenfalls den Beratungsbedarf impliziert. (Stimmer & Ansen, 2016).

Inwiefern die systemische Beratung, unter Anbetracht der allgemeinen und soziologischen Systemtheorie, als eine Form und mögliche Beratungsmethode, innerhalb des Familiensystems effektiv angewendet werden kann, soll die vorliegende Hausarbeit behandeln.

Dementsprechend beinhaltet die Arbeit, innerhalb des bereits genannten Beratungskontext, die Klärung der Frage nach der Effektivität der Systemischen Beratung, neben der Gegenüberstelllug und Auswertung von ihren Chancen und Grenzen.

1.1. Aufbau der Arbeit

Zu Beginn der Arbeit werden vorab die Hauptbegründer, der geschichtliche Hintergrund und allgemeine Merkmale der Systemtheorie bestimmt, da diese Grundvoraussetzungen für das Verständnis und die Annäherung an die systemische Beratungsmethode sind. Dem entsprechend werden unterschiedliche Formen und Merkmale kurz und prägnant beschrieben, welche sich im Folgenden auf die Thematik der systemischen Beratung und den damit verbundenen Beratungsmethoden übertragen lassen.

Im Hauptteil richtet sich der Fokus einerseits auf die Grundzüge der systemischen Beratung und andererseits auf die Bestimmung und Merkmale des Mikrosystems Familie, in welchem die systemische Beratung, vor allem im Hinblick auf die zu diskutierenden Fragen der Hausarbeit, ihre Anwendung findet.

Konkret werden dabei die Vorteile, Chancen und Grenzen dieser Beratungsmethode beleuchtet.

Abschließend werden im Schlussteil mögliche Rückschlüsse, bezüglich der Chancen und Grenzen in Relation gesetzt, um Konsequenzen für die Effektivität der systemischen Beratung, innerhalb des Familiensystems, zu ziehen und zu beurteilen.

2. Grundlagen und Entwicklung der Systemtheorie

2.1. Hauptbegründer

Innerhalb der Sozialen Arbeit beinhalten diverse Theorieansätze und Annahmen das Verständnis des Systembegriffs.

Allerdings kann man hierbei von keinem einheitlichen und exakt abgrenzbaren systemtheoretischen Paradigma ausgehen.

Stattdessen trifft man auf verschiedene und grenzüberschreitende Paradigmen (Lambers, 2016).

Als einer der zentralen Hauptbegründer, bezüglich der modernen und allgemeinen Systemtheorie, gilt der Biologe Bertalanffy, welcher diese innerhalb der Biologie und Physiologie begründet sieht. Als fundamentale Prämisse seiner Theorie gilt anzunehmen, dass ebenfalls komplexe Prozesse, durch die Klärung ihrer Wechselbeziehungen und Ableitung von Regeln und Prinzipien, sowohl plan-, als auch steuerbar sind (Schlippe & Schweitzer, 2007).

Das Funktionieren einzelner Systeme kann somit grundsätzlich bestimmt werden und allgemeine Funktionsregeln, biologischer und physikalischer Systeme, auf die sozialen Kontexte bezogen werden (Sickendiek, Engel & Nestmann, 2008).

Weiterführend projiziert der Soziologe Talcot Parson beispielhaft, in seiner klassischen Systemtheorie, die von Bertalanffy aufgestellte allgemeine Systemtheorie, speziell auf den gesellschaftlichen Kontext.

Dabei differenziert er explizit zwischen sozialen Systemen und deren Unterteilung in Subsysteme, in dem er menschliche Interaktionen mit dem Gesamtsystem der Gesellschaft in Relation setzt und deren rahmende Strukturen und Funktionen definiert (Sickendiek, Engel & Nestmann, 2008).

Allerdings stellt die Systemtheorie Niklas Luhmans, mit seinem systemtheoretisch- konstruktivistischen Ansatz, den derzeit größten Einfluss auf die Sozialwissenschaften und die Theorieentwicklung der Soziale Arbeit dar.

Anknüpfend an die Theorie Parsons, werden Wirklichkeitskonstruktionen niemals als objektiv und allgemeingültig aufgefasst, sondern als Reduktion einer unüberschaubaren Umweltkomplexität verstanden, welche die soziale Ordnung bildet und auf einem kommunikativen Austausch basiert (Lambers, 2016).

Um Handlungen vollziehen zu können und aus einem vorhanden Repertoire an Handlungsmöglichkeiten wählen zu können, bedürfen einzelne Individuen eines Systems sowohl die Kompetenz der Komplexitätsreduzierung, als auch das Verständnis von sozialer Kommunikation, als selbstreferentielle soziale Operationen (Sickendiek, Engel & Nestmann, 2008).

2.2. Geschichtlicher Hintergrund

Die Systemtheorie ist zur heutigen Zeit keine einheitliche und konkret abgrenzbare Theorie mehr und bildet die wichtigsten Strömungen des wissenschaftlichen Denkens.

Systemtheoretische Ansätze ziehen sich interdisziplinär durch die unterschiedlichsten Wissenschaften und Disziplinen und formen somit Ergänzungen zum reinen analytischen Denken (Wenzel, 2012).

Demnach hat das systemische Denken in den unterschiedlichsten Bereichen, wie zum Beispiel in der Organisationsberatung, Psychotherapie und Managementseminaren, fundamentale Wurzeln geschlagen.

Es gilt dabei als eine notwendige Basiskompetenz, welche sich aus den grundlegenden theoretischen Hintergründen der biologischen, mathematischen, psychologischen, soziologischen und diversen weiteren Wissenschaftsdisziplinen entwickelt hat (Wenzel, 2012).

Wie bereits erwähnt, hat die Systemtheorie 1956 ihre Anfänge in der Biologie mit Bertalanffy gefunden und kam als Kybernetik, nach dem zweiten Weltkrieg, zum Durchbruch (Schlippe & Schweitzer, 2007).

Sie wird heute noch auf metaphorischer Ebene in andere Systemtheoretische Ansätze eingebunden, denn durch das Bild eines Organismus, mit seinen einzelnen Organen, lassen sich grundlegende Merkmale des Systembegriffs darstellen.

Das Bild eines Organismus verbildlicht somit die grundlegende Theorie über offenen Systeme, welche sich in einem permanenten Fluss von Wechselwirkungen befinden und in Bezug zum gesamten Organismus, wiederum ein grundlegendes Gleichgewicht anstreben.

Weitergehend folgten Ansätze innerhalb der Chemie und Physik.

1970 dann Ansätze bezüglich der Chaostheorie, welche ähnliche Phänomene beschreibt, jedoch den Fokus auf die Selbstorganisation der Systeme lenkt.

Zentral ist nun weniger das Gleichgewicht der Systeme, sondern die Veränderungen innerhalb dieser.

Somit verschiebt sich zu Beginn der achtziger Jahre der Fokus zunehmend auf die innere und autonome Selbstorganisation lebender Systeme und einhergehend damit, auf die Grenzen des externen Einflusses (Schlippe & Schweitzer, 2007).

Des Weiteren lassen sich bereits Mitte der 1970er Jahre die ersten systemtheoretischen Ansätze der Sozialen Arbeit feststellen, wobei sich eine ausführliche Debatte, bezüglich dieser Thematik, erst Mitte der 1990er Jahre entwickeln konnte (Merten, 2013).

2.3. Allgemeine Merkmale

Allgemein gesagt ist die Systemtheorie, welche sich in vielen Bereichen beinahe parallel entwickelte, der Versuch mehrerer wissenschaftlicher Disziplinen, die strukturellen Ähnlichkeiten ihrer wissenschaftlichen Gegenstände hervorzuheben.

Dabei wurde insbesondere in den Anfängen der Systemtheorie um die Begriffe Struktur und Funktion debattiert.

Strukturen definieren dementsprechend Regelmäßigkeiten, welche sich innerhalb eines Systems bilden und diesem Stabilität garantieren.

Dem gegenüber bezeichnet die Funktion eines Systems, den Beitrag einzelner Elemente zur Erhaltung dessen.

Alles außerhalb eines Systems wird als seine Umwelt bezeichnet, denn dieses ist grundsätzlich umfangreicher und komplexer.

Folglich lässt sich daraus auf den Austausch und die notwendige Reduzierung von Komplexität dieser Umwelt schließen (Wenzel, 2012).

Da die Komplexität der Systemtheorie zu tiefe Wurzel schlägt, um alle Merkmale dieser aufzugreifen, beschränkt sich die vorliegende Hausarbeit, unter Anbetracht der folgenden, zu thematisierenden systemischen Beratung, auf die grundsätzlichen Prämissen der Autopoiesis, Kybernetik zweiter Ordnung und den Konstruktivismus.

Die Autopoiesis meint dabei konkret, dass sich ein lebendiges System selbstreferentiell und selbsterhaltend organisiert und reproduzieren kann.

Also die Fähigkeit besitzt, in Differenzierung und Abgrenzung zu seiner Umwelt, einen Bezug zu sich selbst herzustellen.

Zentral sind hierbei vor allem die Grenzen eines Systems, welche bestimmen ob ein offenes oder operativ geschlossenes System vorliegt und somit den möglichen Austausch mit der Umwelt verdeutlicht (Wenzel, 2012).

Unter Kybernetik versteht man allgemein, die objektiven Aussagen über Systeme und ihr Verhalten, beziehungsweise die entwickelten Theorien über beobachtete Systeme (Schlippe & Schweitzer, 2007).

Dem gegenüber stellt die Kybernetik zweiter Ordnung den Rückbezug der kybernetischen Prinzipien der Beobachtung auf diese selbst dar, also die Theorien über die Beobachter. Das heißt der Beobachter wird Teil des Kontextes, den er beobachtet und tritt demnach interaktiv in das System ein (Lambers, 2016).

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Effektivität der Systemischen Beratung innerhalb des Familiensystems
Hochschule
Fliedner Fachhochschule Düsseldorf
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
19
Katalognummer
V466007
ISBN (eBook)
9783668941830
ISBN (Buch)
9783668941847
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Beratung, Hilfeplanung, Systemische Beratung, Familienberatung, System, Familie
Arbeit zitieren
Evelyn Fleig (Autor), 2018, Effektivität der Systemischen Beratung innerhalb des Familiensystems, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/466007

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