Die Forschungsfrage dieser Arbeit wurde in einer Gruppe von vier Studenten aufbauend auf einer Anfangsfrage erarbeitet und im Laufe des Forschungsprozesses immer wieder überarbeitet, um anschließend jeweils ein Interview anhand des Interviewleitfadens zu führen. Daraufhin wurden die Interviews miteinander abgeglichen und parallel zueinander ausgewertet. Die Vorgehensweise dabei beruht auf der Grounded Theory. Diese generelle Vorgehensweise wird in dieser Arbeit dem individuellen Forschungsprozess angepasst und es wird dargelegt, warum jeweils wie vorgegeben oder anders vorgegangen wurde. Das Ziel dieser Arbeit ist es also, das Vorgehen der Grounded Theory anhand ihrer Anwendung an der Forschungsfrage „Sozialkapital Online: Bedeutung von Freundschaft für Studenten im Sozialen Netzwerk Facebook“ zu erläutern und kritisch zu hinterfragen.
Inhaltsverzeichnis
1. Wie Facebook und Freundschaft zusammenhängen
2. Angepasste Vorgehensweise der Grounded Theory
2.1 Sample
2.2 Erhebungsmethode und -durchführung
2.3 Transkription
2.4 Auswertung
2.4.1 Globalauswertung
2.4.2 Offenes Codieren
2.4.3 Axiales Codieren
2.5 Vorläufige Ergebnisse des Forschungsprozesses
3. Reflexion des Vorgehens
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Verständnis von Freundschaft bei Studenten im Kontext des sozialen Netzwerks Facebook unter Anwendung einer angepassten Grounded Theory. Das Ziel ist es, Muster im Nutzungsverhalten und in der Definition von Online- versus Offline-Freundschaften herauszuarbeiten und kritisch zu hinterfragen, welchen Stellenwert das Netzwerk im Alltag der Befragten einnimmt.
- Qualitative Sozialforschung an der Schnittstelle von Online- und Offline-Kommunikation
- Anwendung der Grounded Theory als methodische Grundlage
- Vergleich von realer Freundschaft und Facebook-Kontakten
- Analyse des Nutzungsverhaltens von Studenten im universitären Alltag
- Entwicklung eines Kategoriensystems zur Interpretation der sozialen Bedeutung
Auszug aus dem Buch
2.4.3 Axiales Codieren
Beim axialen Codieren geht es um die Herausarbeitung eines Beziehungsgeflechtes zwischen den übergeordneten Konzepten, die Kategorien genannt werden. Dabei wird jeweils eine Kategorie betrachtet und um sie herum das Beziehungsgefüge erstellt, das auf Ursachen, Raum und Zeit, Mittel und Zweck-Beziehungen basieren kann. Damit sollen Zusammenhänge, Folgen und Bedingungen herausgearbeitet werden (Böhm 2008: 479 f.).
In unserer Forschungsarbeit sind wir dabei etwas anders vorgegangen, da wir die einzelnen Codegefüge für unsere Arbeit als zu unverbunden empfanden: Nach dem Schritt des offenen Codierens haben wir genau dasselbe Vorgehen noch einmal in umgekehrter Reihenfolge angewandt, also von großen Sinnzusammenhängen aus immer kleinere Codes entwickelt, bis wir den Eindruck hatten, alle wichtigen Aspekte erfasst zu haben. Dadurch hatten wir im Sinne der Grounded Theory automatisch sowohl Konzepte als auch Kategorien erhalten. Nun setzten wir diese beide nicht in Form einer etwaigen Mind Map in einzelne Zusammenhänge, sondern vernetzten sie durch eine Aufsplittung ihrer Selbst, das heißt, wir erstellten anhand der in den Interviews markierten Codes einen im Gegensatz zur typischen Vorgehensweise des axialen Codierens zusammenhängenden Codebaum, der unter den jeweiligen Kategorien die entsprechenden Konzepte und darunter jeweils thematische Abzweigungen enthielt, wie zum Beispiel die Kategorie „Einstellung zu Freundschaft“:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Wie Facebook und Freundschaft zusammenhängen: Einführung in die Thematik der digitalen Freundschaften und Definition der Forschungsfrage unter Berücksichtigung der Relevanz für studentische Nutzer.
2. Angepasste Vorgehensweise der Grounded Theory: Erläuterung der methodischen Grundlagen, der Stichprobenziehung, der Interviewführung sowie der spezifischen Codierschritte nach Anselm Strauss und Barney Glaser.
2.1 Sample: Begründung der Auswahlkriterien für die befragten Studenten und Diskussion der Repräsentativität hinsichtlich Fachrichtung und Facebook-Aktivität.
2.2 Erhebungsmethode und -durchführung: Beschreibung der Durchführung der leitfadengestützten Interviews und der Überlegungen zur Gesprächssituation und -atmosphäre.
2.3 Transkription: Erörterung der Vorgehensweise bei der Verschriftlichung der Interviews unter Berücksichtigung von Notationsregeln und Anonymisierung.
2.4 Auswertung: Darstellung des analytischen Prozesses, der von der Globalauswertung bis hin zum axialen Codieren reicht, um inhaltliche Zusammenhänge zu erschließen.
2.4.1 Globalauswertung: Darstellung des ersten Analyseschritts zur thematischen Strukturierung und zum Gewinn eines Überblicks über das Interviewmaterial.
2.4.2 Offenes Codieren: Erläuterung der Identifikation zentraler Konzepte durch gezieltes Fragen an das transkribierte Material.
2.4.3 Axiales Codieren: Beschreibung der Erstellung eines zusammenhängenden Codebaums, der Kategorien und Konzepte systematisch miteinander vernetzt.
2.5 Vorläufige Ergebnisse des Forschungsprozesses: Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse über die Bedeutung von Facebook für die befragten Studenten.
3. Reflexion des Vorgehens: Kritische Würdigung des eigenen Forschungsprozesses und Bewertung der Eignung der Grounded-Theory-Methode für die vorliegende Fragestellung.
Schlüsselwörter
Grounded Theory, Qualitative Sozialforschung, Facebook, Freundschaftsbegriff, Studenten, Leitfadeninterview, Soziales Netzwerk, Online-Kommunikation, Soziale Interaktion, Codierung, Globalauswertung, Sozialkapital, Lebenswelt, Digitale Medien, Kommunikationsverhalten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie Studenten das soziale Netzwerk Facebook nutzen und wie sie den Begriff „Freundschaft“ im digitalen Kontext im Vergleich zu realen Beziehungen definieren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind der alltägliche Umgang mit Facebook, die Bedeutung von Online-Freundschaften, das Kommunikationsverhalten auf der Plattform sowie die theoretische Fundierung und methodische Reflexion eines qualitativen Forschungsprozesses.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Ziel ist es, die Bedeutung von Facebook-Freundschaften aus der Perspektive von Studenten zu erläutern und dabei zu zeigen, wie die Methode der Grounded Theory auf eine spezifische Forschungsfrage angewandt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der Grounded Theory, wobei der Forschungsprozess durch leitfadengestützte Interviews und eine systematische, mehrstufige Auswertung (Offenes und Axiales Codieren) umgesetzt wurde.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Beschreibung des Forschungsprozesses – von der Stichprobenwahl über die Durchführung der Interviews bis hin zur detaillierten Codierung – und stellt anschließend die daraus resultierenden Ergebnisse zur Facebook-Nutzung dar.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Grounded Theory, Soziale Netzwerke, Freundschaftsverständnis, studentische Mediennutzung, qualitative Interviewmethodik und digitale Kommunikation.
Wie gehen die Befragten mit der Unterscheidung zwischen realer und digitaler Freundschaft um?
Die Befragten trennen Facebook-Freundschaften in der Regel klar vom klassischen Freundschaftsbegriff ab, da sie Online-Kontakte als oberflächlicher empfinden und die physische Interaktion für die Beziehungsqualität als wesentlich erachten.
Warum wird die Grounded Theory nicht streng nach Lehrbuch angewandt?
Die Autoren passen die Methode an ihren individuellen Forschungsprozess an, da sie einzelne Codegefüge als zu unverbunden empfanden und stattdessen einen zusammenhängenden Codebaum entwickelten, um die Ergebnisse besser vergleichen zu können.
- Citation du texte
- Olivia Mantwill (Auteur), 2016, Sozialkapital Online. Bedeutung von Freundschaft für Studenten im Sozialen Netzwerk Facebook, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/466044