Bislang in der Forschung vernachlässigt wurden die Schüler und Schülerinnen (SuS) mit sonderpädagogischem Förderbedarf und ihre Bedürfnisse. Da am Gymnasium vor allem SuS mit Autismus-Spektrums-Störung inklusiv beschult werden, sollen diese in den Fokus dieser Arbeit gestellt werden. Mit Hilfe problemzentrierter und leitfadengestützter Interviews sollen drei autistische SuS befragt werden, um herausfinden, wie schulische Inklusion für sie funktionieren kann und wo eventuell Verbesserungsbedarf besteht.
Auf Grund der Aktualität der Thematik beschäftigt sich vorliegende Arbeit folglich mit der zentralen Fragestellung nach den Bedürfnissen von SuS mit Autismus-Spektrum-Störung, so dass ein Ausgangspunkt für eine gelingende inklusive Beschulung geschaffen werden kann.
Das erste Kapitel der Arbeit ist den definitorischen Grundlagen gewidmet. Diese sollen das Fundament der Arbeit bilden. Hierzu wird zunächst eine grundlegende Definition von Inklusion gegeben. Diese beinhaltet die begriffliche Definition von Inklusion. Im Zuge dessen wird auch die UN-Behindertenrechtskonvention2 thematisiert, da diese als Grundsteinlegung für die Inklusionsentwicklungen betrachtet werden kann. Im Anschluss daran soll auch eine Definition von inklusiver Bildung gegeben werden, da diese einen Hauptaspekt der Arbeit bildet. Die theoretischen Grundlagen der vorliegenden Arbeit sollen mit der Definition von Autismus-Spektrum-Störung beendet werden. Hierzu werden nach einer begrifflichen Definition und der Einordnung nach ICD-10 auch einige der häufigsten Störungsbilder bzw. Ausprägungen wie z.B. der Asperger-Autismus oder der frühkindliche Autismus näher betrachtet. Folgend soll sich im Rahmen der Arbeit mit SuS im Autismus-Spektrum befasst werden, da auf diesem Personenkreis das Hauptaugenmerk der Arbeit liegt. Hierzu werden charakteristische Merkmale sowie Herausforderungen im Schulalltag, schulische und institutionelle Rahmenbedingungen und die schulische Inklusion thematisiert.
Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der Evaluation der leitfadengestützten Schülerinterviews. Vorbereitend wird dafür der aktuelle Forschungsstand dargestellt, die Forschungsfrage formuliert und das methodische Vorgehen beschrieben, bevor eine Darstellung der Ergebnisse stattfindet. Diese werden im Anschluss in Diskussion gestellt und kritisch analysiert sowie reflektiert.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Theoretischer Hintergrund
1.1 Inklusion
1.1.1 Begriffsdefinition
1.1.2 UN-Behindertenrechtskonvention
1.1.3 Inklusive Bildung und Didaktik
1.2 Autismus-Spektrum-Störung
1.2.1 Begriffsdefinition
1.2.2 Krankheitsbild nach ICD-10
1.2.3 Frühkindlicher Autismus
1.2.4 Asperger-Autismus
1.2.5 Atypischer Autismus
2. Schülerinnen und Schüler mit Autismus-Spektrum-Störung
2.1 Charakteristische Merkmale und Herausforderungen im Schulalltag
2.2 Rahmenbedingungen
2.3 Schulische Inklusion bei Autismus-Spektrum-Störung
3. Empirischer Forschungsstand
4. Forschungsfrage
5. Methodik
5.1 Problemzentriertes und leitfadengestütztes Interview
5.2 Leitfaden
5.3 Interviewtranskription
5.4 Auswertung nach Kuckartz
5.4.1 Die inhaltlich strukturierende qualitative Inhaltsanalyse
5.4.1.1 Initiierende Textarbeit
5.4.1.2 Kategoriensystem
5.4.1.3 Codierung
5.4.2 Gütekriterien
5.4.2.1 Interne Studiengüte
5.4.2.2 Externe Studiengüte
6. Ergebnisse
6.1 Zusammenfassung der Interviews
6.1.1 Interview 1
6.1.2 Interview 2
6.2 Das Kategoriensystem
6.3 Kategorienbezogene Auswertung
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Masterarbeit untersucht die spezifischen Bedürfnisse von Schülerinnen und Schülern (SuS) mit Autismus-Spektrum-Störung (ASS) im Kontext einer inklusiven Beschulung an Regelschulen, um Ansätze für eine gelingende Inklusion zu identifizieren. Die Forschungsfrage fokussiert darauf, welche Bedürfnisse diese Gruppe hat, da die bisherige Forschung Inklusion oft primär aus der Lehrerperspektive beleuchtet hat.
- Bedürfnisse von SuS mit Autismus-Spektrum-Störung in inklusiven Schulumgebungen
- Die Rolle der Lehrpersonen und die Bedeutung von Wissen über die Störung
- Notwendigkeit von Strukturierung und Nachteilsausgleichen
- Einfluss von sozialen Interaktionen und Mitschülern auf das Wohlbefinden
- Bedeutung der Schulbegleitung für Sicherheit und Unterrichtsteilnahme
Auszug aus dem Buch
Charakteristische Merkmale und Herausforderungen im Schulalltag
Wie eingangs erwähnt handelt es sich bei Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung um eine sehr heterogene Personengruppe. Auf Grund dessen weisen folgende Charakteristika, die den Schulalltag von autistischen Kindern und Jugendlichen betreffen, keinen dogmatischen Status auf und müssen immer unter dem Aspekt der Individualität betrachtet werden. Außerdem erheben die folgenden Ausführungen keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Es soll lediglich skizziert werden, welche charakteristischen Merkmale SuS mit Autismus-Spektrum-Störung aufweisen können und welche Herausforderungen und Probleme auf sie und auch auf die Lehrpersonen zu kommen können. SuS mit Autismus-Spektrum-Störung erreichen je nach Ausprägungsgrad der Behinderung Schulabschlüsse verschiedener Bildungsgänge (vgl. Küpperfahrenberg 2011, 367).
Dabei können autistischen SuS im Laufe ihrer Schullaufbahn verschiedene Probleme begegnen.
Verständigungsprobleme und Missverständnisse können wunderliche und amüsant erscheinende Formen annehmen. Die Kommunikationsschwierigkeiten können mit der Kommunikation zweier Menschen vergleichbar sein, von denen einer die gemeinsame Kommunikationssprache nur bruchstückhaft beherrscht. (Schuster 2013, 88)
Die Schwierigkeiten bestehen aber nicht nur darin, dass sie manche Wörter nicht kennen, sondern vielmehr darin, dass sie oft alles wortwörtlich verstehen. Sie haben große Probleme bildlicher Sprache wie z.B. Metaphern oder Sprichwörtern, indirekt Formuliertem oder ironischen Ausdrücken die eigentlichen Aussagen zu entnehmen (vgl. Schuster 2013, 88). „Für autistische Menschen ist die sprachliche Welt ihrer Mitmenschen voller Rätsel. Es ist offensichtlich, dass Kinder hierbei in der Schule an ihre Grenzen stoßen können“ (Schuster 2013, 88). Für Autisten hat die Wortwörtlichkeit eine besondere Bedeutung, sodass es wichtig ist, auch Aufforderungen klar zu formulieren. Implizite Aufforderungen wie „Kannst du das Fenster schließen?“ werden Autisten bejahen, aber nicht die Aktion des Fenster-Schließens durchführen, da man sie nicht explizit darum gebeten hat.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese führt in die bildungspolitische Relevanz der Inklusion ein und verdeutlicht das Forschungsdefizit hinsichtlich der Bedürfnisse von Schülerinnen und Schülern mit Autismus-Spektrum-Störung.
1. Theoretischer Hintergrund: Hier werden zentrale Definitionen von Inklusion, inklusiver Bildung und den verschiedenen Ausprägungen der Autismus-Spektrum-Störung nach ICD-10 erarbeitet.
2. Schülerinnen und Schüler mit Autismus-Spektrum-Störung: Dieses Kapitel beleuchtet spezifische Charakteristika und Herausforderungen im Schulalltag sowie notwendige Rahmenbedingungen für eine gelingende inklusive Beschulung.
3. Empirischer Forschungsstand: Der Überblick zeigt, dass bisher vor allem Lehrkräfte und Eltern befragt wurden, was die Notwendigkeit dieser Arbeit unterstreicht.
4. Forschungsfrage: Hier wird die zentrale Forschungsfrage nach den Bedürfnissen von SuS mit ASS für eine gelingende Inklusion formuliert.
5. Methodik: Es wird das problemzentrierte und leitfadengestützte Interview als Erhebungsmethode sowie die Auswertung nach Kuckartz detailliert begründet und beschrieben.
6. Ergebnisse: Die Ergebnisse der beiden geführten Interviews werden zusammengefasst, das Kategoriensystem vorgestellt und die gewonnenen Erkenntnisse ausgewertet.
8. Fazit: Die Arbeit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit von Wissen, Struktur und individueller Unterstützung für autistische Schülerinnen und Schüler.
Schlüsselwörter
Inklusion, Autismus-Spektrum-Störung, Asperger-Autismus, inklusive Schule, Bedürfnisse von Schülern, problemzentriertes Interview, qualitative Inhaltsanalyse, Schulbegleitung, Nachteilsausgleich, Sonderpädagogik, Schülerperspektive, Unterrichtsgestaltung, Kommunikation, soziale Interaktion, Lehrerkompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die persönlichen Erfahrungen und Bedürfnisse von Schülerinnen und Schülern mit Autismus-Spektrum-Störung, die an Regelschulen inklusiv beschult werden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Inklusionspädagogik, das Krankheitsbild Autismus, die spezifischen Herausforderungen im Unterricht sowie die Rolle von Hilfspersonen wie der Schulbegleitung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist es, ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse dieser spezifischen Schülerschaft zu gewinnen, um die inklusive Beschulung für sie funktionaler und angenehmer zu gestalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Datenerhebung verwendet?
Es werden qualitative, problemzentrierte und leitfadengestützte Interviews mit betroffenen Schülerinnen und Schülern durchgeführt.
Wie werden die erhobenen Daten analysiert?
Die Auswertung erfolgt mittels der inhaltlich strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Udo Kuckartz.
Welche Rolle spielt die Schulbegleitung im Schulalltag der Befragten?
Sie wird als essenzielle Unterstützung wahrgenommen, die nicht nur beim Streitschlichten hilft, sondern auch Struktur gibt und Sicherheit in chaotischen Situationen vermittelt.
Wie nehmen die autistischen Schülerinnen und Schüler den Unterricht an Regelschulen wahr?
Sie schätzen klare Strukturen, Rituale und Fachkompetenz der Lehrkräfte, empfinden jedoch unvorhersehbare Änderungen, Lärm und soziale Konflikte als belastend.
Welche konkreten Verbesserungsvorschläge werden von den Schülern genannt?
Genannt werden unter anderem die Einführung von festen Regeln, verlässliche Lehrerteams, mehr Möglichkeiten zur Handynutzung für Notfälle und das Schaffen von Rückzugsorten.
Warum ist die Thematisierung der Behinderung im Klassenverband wichtig?
Die Befragten geben an, dass Aufklärung dazu beiträgt, dass Mitschüler ihre Verhaltensweisen besser verstehen und Konflikte durch Missverständnisse reduziert werden können.
- Citar trabajo
- Talina Weiler (Autor), 2019, Bedürfnisse von Schülerinnen und Schülern mit Autismus-Spektrum-Störung für eine gelingende inklusive Beschulung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/466384