Internetmedien stehen zunehmend im Interessensgebiet von Kommunikationswissenschaft und Medienpraxis. Unter dem Stichwort „Medienkonvergenz“ wird der Effekt beschrieben, dass die Medien angesichts der technischen Entwicklungen immer näher zusammenrücken, und die neuen Medienangebote dadurch andere Funktionalitäten übernehmen. Ihre Grenzen verschwimmen immer mehr, so dass bewährte Erkenntnisse aus der Kommunikationswissenschaft auf dem Prüfstand stehen. Allein die Abgrenzung, was als ein Medium zu bezeichnen sei, und wodurch es sich auszeichnet und von anderen Medien unterscheiden lässt, gerät zu einer schwierigen Aufgabe.
Ein weiterer Begriff, der in diesem Zusammenhang häufig genannt wird, ist „Crossmedialität“. Hierunter versteht man eine Kooperation oder Verbindung zwischen Angeboten verschiedener Medientypen, oder anders ausgedrückt ein Gesamtangebot, das über Mediengrenzen hinweg verteilt ist. Im Rahmen der beiden verwandten Themengebiete „Konvergenz“ und „Crossmedia“ bzw. „Crossmedialität“ soll in dieser Arbeit das Verhältnis zwischen Print und Online untersucht werden. Bisherige Beiträge w enden sich häufig dem Themen-Bereich der Online-Tageszeitungen zu. Da jedoch auch die Zeitschriftenverlage ein breites Internetangebot haben, und sich gerade aufgrund der fehlenden Tagesaktualität und des im allgemeinen eher unterhaltenden Inhaltes von Zeitschriften andere Rahmenbedingungen ergeben, soll hier der Frage nachgegangen werden, wie das Verhältnis zwischen Zeitschriften und ihren Internet-Auftritten beschaffen ist. Es soll festgestellt werden, ob das Online-Medium das Print-Objekt substituiert oder sich komplementär dazu verhält. Eine dritte Möglichkeit, die ebenfalls geprüft werden soll, besteht theoretisch darin, dass sich Print- und Online-Angebot neutral gegenüberstehen.
Unter Online-Zeitschriften sollen hierbei im Folgenden Online-Auftritte bezeichnet werden, deren Muttermedium eine Zeitschrift aus dem Print-Bereich ist. Es soll sich dabei nicht um eine Eins-zu-eins-Kopie in elektronischer Form, also um ein so genanntes „e-paper“, handeln, sondern um einen inhaltlich gestalteten Internet-Auftritt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Vorgehensweise
2 Hauptteil
2.1 Angebot und Nutzung von Online-Zeitschriften
2.1.1 Formen der Internetangebote von Zeitschriftenverlagen
2.1.2 Nutzung von Online-Medien
2.2 Untersuchungen zum zukünftigen Verhältnis von Print- und Online Zeitschriften
2.3 Fallstudien
2.3.1 Zur Vorgehensweise bei den Fallstudien
2.3.2 Spiegel.de
2.3.3 Fitforfun.de
2.3.4 heise.de
3 Schluss
3.1 Zusammenfassende Betrachtung: Gefährdet das Internet die (Print-) Zeitschriften?
3.2 Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themenfelder
Diese Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen traditionellen Print-Zeitschriften und deren digitalen Pendants vor dem Hintergrund der Medienkonvergenz. Die zentrale Forschungsfrage lautet, ob Online-Angebote die gedruckten Zeitschriften substituieren oder als komplementäre Ergänzung fungieren.
- Analyse der verschiedenen Angebotsformen von Online-Zeitschriften (Imitation, Kooperation, Crossmedia).
- Evaluation des Nutzungsverhaltens im Hinblick auf Online-Medien und Zeitschrifteninhalte.
- Vergleich von Nutzerbefragungen und Expertenmeinungen zum zukünftigen Verhältnis von Print und Online.
- Durchführung von Fallstudien (Spiegel.de, Fitforfun.de, heise.de) zur Überprüfung theoretischer Modelle.
- Diskussion über das Substitutionspotenzial im Kontext medienübergreifender Verlagsstrategien.
Auszug aus dem Buch
2.3.2.3 Online-Auftritt versus Print-Medium
Wie die Allensbacher Computer- und Telekommunikationsanalyse 2003 ergab, lesen 37 Prozent der Online-User auch den Print-Spiegel, und 9,7 Prozent der Magazinleser nutzen wöchentlich das Online-Angebot. Daraus kann man zwar nicht ablesen, ob das Internet-Angebot dem gedruckten Magazin in bestimmtem Umfang Leser „wegnimmt“, aber das Ergebnis spricht auf jeden Fall dafür, dass die beiden Angebote durchaus von einem Teil der Rezipienten als komplementär wahrgenommen werden.
Das lässt sich auch inhaltlich erklären: Das Spiegel-Online-Angebot setzt sich inhaltlich vom Spiegel ab und verfolgt damit nach der Klassifizierung aus Kapitel 2.1.1. die Strategie der „Kombination“ bzw. aufgrund des geringen Anteils an übernommenen Texten kann man fast von der Strategie der „Werbung“ sprechen. Zwar werden offenbar ähnliche Qualitätsmaßstäbe angelegt, aber während der Print-Spiegel ein wöchentlich erscheinendes Nachrichtenmagazin ist, setzt Spiegel-Online sehr stark auf Aktualität und macht damit weniger seinem Muttermedium, als vielmehr anderen tagesaktuellen Medien wie Tageszeitungen oder Online-Nachrichtenangeboten Konkurrenz. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass im Falle von Spiegel-Online und Spiegel eher Komplementarität als Substitution vorliegt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Themengebiete Medienkonvergenz und Crossmedialität ein und definiert die Problemstellung der Arbeit.
2 Hauptteil: Der Hauptteil analysiert Angebotsformen, Nutzertrends und führt drei spezifische Fallstudien zur Untersuchung des Substitutionsverhältnisses durch.
3 Schluss: Dieses Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und diskutiert das Verhältnis zwischen Print- und Online-Medien im Hinblick auf ein mögliches Substitutionsszenario.
Schlüsselwörter
Medienkonvergenz, Crossmedialität, Print-Zeitschriften, Online-Zeitschriften, Substitution, Komplementarität, Internetangebote, Spiegel.de, Fitforfun.de, heise.de, Mediennutzung, Verlagsstrategie, e-paper, digitale Transformation, Publizistik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie die zunehmende Bedeutung von Internetangeboten das Bestehen klassischer Print-Zeitschriften beeinflusst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Medienkonvergenz, Crossmedialität, Nutzerverhalten bei Online-Medien und die strategische Ausrichtung von Zeitschriftenverlagen im Internet.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Kernfrage ist, ob Online-Zeitschriften eine Bedrohung für ihr Print-Pendant darstellen, diese ersetzen (substituieren) oder sie sinnvoll ergänzen (komplementär wirken).
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Grundlegung durch Literaturanalyse sowie einer empirischen Überprüfung mittels dreier Fallstudien (Spiegel.de, Fitforfun.de, heise.de).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Angebotsformen, die Auswertung von Nutzerstudien und Expertenbefragungen sowie die detaillierte Untersuchung der drei Fallbeispiele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Medienkonvergenz, Crossmedialität, Substitution, Komplementarität und die untersuchten Online-Plattformen.
Was ist das zentrale Ergebnis der Fallstudie zu Spiegel Online?
Spiegel Online ergänzt die Print-Ausgabe eher komplementär, da das Internetangebot durch hohe Aktualität andere Bedürfnisse bedient als das wöchentlich erscheinende Nachrichtenmagazin.
Wie unterscheidet sich die Strategie bei fitforfun.de?
Bei Fitforfun.de steht die Kommerzialisierung durch Service-Elemente und Cross-Promotion stärker im Vordergrund, während die publizistischen Inhalte eher in den Hintergrund treten.
Welche Rolle spielt die Themenverwandtschaft bei heise.de?
Aufgrund der hohen Affinität der Zielgruppe zu Technikthemen konnte heise.de eine starke, verlagsübergreifende Online-Präsenz aufbauen, die den Print-Bereich eng einbindet.
- Quote paper
- Sonja Pölig (Author), 2004, Konvergenz zwischen Print und Online: Substituieren Online-Zeitschriften ihr Print-Pendant, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46693