Das öffentliche Interesse an Kindern unter 14 Jahren, die durch ihr Verhalten in Konflikte mit dem Gesetz geraten und demzufolge auch mit der Gesellschaft, hat in letzter Zeit deutlich zugenommen. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass nach der ‚Polizeilichen Kriminalstatistik’ (PKS) seit den 90er Jahren verübte Taten von Kindern unter 14 Jahren gehäuft nachgewiesen wurden. Von großer Bedeutung ist es jedoch zu wissen, dass es sich bei den meisten dieser Taten um kleine Delikte handelt, die zudem nur einmalig begangen werden oder zeitlich begrenzt auftreten. Dies besagt folglich, dass delinquentes Verhalten bei Kindern keineswegs ein Anzeichen für eine ‚kriminelle Karriere’ im Erwachsenenalter darstellt. Über die eigentlichen Hintergründe, wie Familiensituation, Schulsituation und Freunde der auffälligen Kinder ist nur wenig bekannt. Meist werden besonders dramatische Fälle verallgemeinert. Doch dies stellt für die betroffenen Familien keinerlei Hilfe dar.
Von Kinderdelinquenz spricht man, wenn Kinder, die als noch nicht strafmündig gelten, Straftaten oder Delikte begehen, für die sie aufgrund ihres Alters nicht verantwortlich gemacht werden können. Der Begriff Delinquenz umfasst des Weiteren auch die Verletzung von Normen und Regeln, die als nicht strafbar gelten. Im Vergleich zu dem Begriff Kriminalität ist der der Delinquenz umfangreicher anzusehen (vgl. Hoops u.a. 2000, S.7ff). Darauf werde ich im Weiteren nochmals näher eingehen. Die Ausprägungen delinquenten Verhaltens können die unterschiedlichsten Ursachen haben. Bei Aussagen dahingehend müssen demzufolge vielerlei Faktoren beachtet werden, zu denen nicht nur ganz individuelle, sondern auch gesellschaftliche und ökonomische zählen. Ebenso hinterlassen auf das Verhalten folgende Reaktionen und Konsequenzen der Umgebung des Kindes ihre Wirkungen. Bei delinquenten Verhalten von Kindern unter 14 Jahren wurde durch verschiedene Forschungsergebnisse deutlich, dass hier der Einfluss der Familie eine sehr bedeutende Rolle spielt. Entscheidend wirken sich hierbei die Beziehungen untereinander und die Richtlinien, die von den Eltern vorgegeben werden auf das Verhalten der Kinder aus. Haben diese bereits abweichendes Verhalten gezeigt, kann der weitere Verlauf davon abhängig sein, wie die Familie mit dieser Situation umgeht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kinderdelinquenz und der Umgang der Gesellschaft mit dieser Erscheinung
2.1 Begriffsbestimmungen: Delinquenz vs. Kriminalität
2.2 Offiziell registrierte Delinquenz: Die Polizeiliche Kriminalstatistik
2.3 Wissenschaftliche Erkenntnisse zu delinquentem Verhalten
2.4 Theoretische Erklärungsansätze kindlicher Delinquenz
2.4.1 Sozialisationstheorien
2.4.2 Lerntheorien
2.4.3 Kontrolltheorien
2.4.4 Zur Differenzierung zwischen verfestigter und episodenhafter Delinquenz
2.4.5 Etikettierungstheorien
2.5 Kritische Betrachtung der Erklärungsansätze
2.6 Differenzierung des abweichenden Verhaltens nach Geschlecht
2.7 Veröffentlichungen von Kinderdelinquenz in den Massenmedien - Übertreibung oder Realität?
2.8 Was gibt es für Möglichkeiten delinquentem Verhalten entgegenzuwirken?
3. Zusammenfassung
3.1 Abschließende Betrachtung zur Kinderdelinquenz
3.2 Schlusswort
4. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, das Phänomen der Kinderdelinquenz bei Kindern unter 14 Jahren wissenschaftlich einzuordnen, die Ursachen sowie gesellschaftlichen Reaktionen zu analysieren und Möglichkeiten der präventiven Intervention aufzuzeigen. Die Forschungsfrage untersucht dabei, ob delinquentes Verhalten bei Kindern tatsächlich zunimmt oder ob die Wahrnehmung durch eine mediale Überzeichnung verzerrt wird.
- Begriffliche Abgrenzung von Delinquenz und Kriminalität
- Analyse offizieller Statistiken (Polizeiliche Kriminalstatistik) und deren Aussagekraft
- Überblick über theoretische Erklärungsmodelle (Sozialisation, Lernen, Kontrolle, Etikettierung)
- Geschlechtsspezifische Unterschiede und mediale Darstellung der Thematik
- Strategien zur Prävention und Rolle von Schutzfaktoren
Auszug aus dem Buch
2.4.3 Kontrolltheorien
In diesen Ansätzen werden unzureichende Beziehungen für die Entstehung delinquenten Verhaltens verantwortlich gemacht, da sie enge und bedeutende Bindungen nicht oder nur teilweise aufkommen lassen. Im Gegensatz zu den anderen Theorien geht man hier eher von der aktuellen Lebenslage aus und bezieht sich weniger auf die einstigen Erlebnisse. Man nimmt beispielsweise an, dass fehlende Bezugspersonen im Kindes- und Jugendalter ein Auslöser für abweichendes Verhalten sein können. Diesen Kindern fehlt oft die Zuneigung und Geborgenheit, die sie brauchen, sie bekommen nicht das entsprechende Interesse und die Aufmerksamkeit für ihre Person und ihre Handlungen und es gibt kaum jemanden, den sie sich anvertrauen können, der ihnen zuhört und mit dem sie über Probleme reden können.
Diese Kinder fühlen sich meist unverstanden und ausgegrenzt. Das Zeigen von abweichendem Verhalten tritt bei dieser gefährdeten Gruppe besonders häufig auf. Unerlaubtes zu tun, bedeutet für die Kinder meist eine Art ‚Ersatzbefriedigung’. Das mutwillige Zerstören von Gegenständen oder das Verletzen von vorgegebenen Normen und Werten tritt anstelle verbaler Auseinandersetzungen, da diese von den Kindern nicht anders gelöst werden können. Das Suchen nach Aufmerksamkeit und Zuwendung kann in diesen Fällen ebenfalls für das Auftreten von delinquenten Verhaltensweisen verantwortlich sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Kinderdelinquenz sowie Darstellung der Forschungsinteressen und der strukturellen Vorgehensweise.
2. Kinderdelinquenz und der Umgang der Gesellschaft mit dieser Erscheinung: Fundierte Auseinandersetzung mit Begriffsdefinitionen, statistischen Erfassungen, theoretischen Erklärungsansätzen, geschlechtsspezifischen Unterschieden, medialen Einflüssen sowie Präventionsstrategien.
3. Zusammenfassung: Synthese der vorangegangenen Analysen mit einem Appell zur differenzierten Betrachtung von Delinquenz bei Kindern.
4. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen, Fachbücher und Internetressourcen.
Schlüsselwörter
Kinderdelinquenz, Kriminalität, Polizeiliche Kriminalstatistik, Sozialisation, Lerntheorien, Kontrolltheorien, Etikettierung, Geschlechtsunterschiede, Medienwirkung, Prävention, Schutzfaktoren, Strafmündigkeit, Familienbindung, Risikofaktoren.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit delinquenten Verhaltensweisen bei Kindern unter 14 Jahren und untersucht, wie die Gesellschaft, das Umfeld und die Medien mit diesem Phänomen umgehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die theoretische Erklärung von Abweichungen, die Analyse der Polizeilichen Kriminalstatistik, geschlechtsspezifische Verhaltensmuster und die Möglichkeiten der Prävention.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Ursachen kindlicher Delinquenz zu schaffen und aufzuzeigen, dass delinquentes Verhalten bei Kindern oft nur eine vorübergehende Entwicklungsphase ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literatur- und Sekundäranalyse, bei der bestehende Studien, Theorien und statistische Daten zum Thema Kinderdelinquenz ausgewertet und kritisch reflektiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden verschiedene Erklärungsansätze (wie Sozialisations-, Lern- und Kontrolltheorien) diskutiert, geschlechtsspezifische Unterschiede analysiert und die Rolle der Medien bei der Darstellung von Kinderdelinquenz kritisch hinterfragt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Kinderdelinquenz, Prävention, polizeiliche Erfassung, Sozialisation, Stigmatisierung und die Unterscheidung zwischen kindlicher Delinquenz und krimineller Karriere.
Warum wird die Polizeiliche Kriminalstatistik in der Arbeit kritisiert?
Die Statistik wird kritisch betrachtet, da sie nur einen Teil der Delikte erfasst (Hellfeld), während das tatsächliche Ausmaß der Delinquenz (Dunkelfeld) sowie spielerisch motivierte Handlungen in der Statistik oft verzerrt dargestellt werden.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin zur Strafmündigkeitsgrenze?
Die Autorin äußert die Ansicht, dass eine Herabsetzung der Strafmündigkeitsgrenze sinnvoll sein könnte, betont jedoch gleichzeitig, dass der Fokus primär auf präventiven Maßnahmen und der Stärkung von Familien liegen sollte.
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- Nadine Heß (Author), 2005, Kinderdelinquenz und der Umgang der Gesellschaft mit dieser Erscheinung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46697