Die vorliegende Arbeit entstand als Hauptseminararbeit am Institut für Steuerrecht der Universität zu Köln im Jahr 2005. Behandelt wird das deutsche Einkommensteuergesetz (Veranlagungszeitraum 2004) und somit die gesetzliche Grundlage für die im Rahmen dieser Arbeit zu analysierende Besteuerung von Kapitaleinkünften. Das EStG weist zahlreiche Lücken und Missstände auf. Durch Messung des geltenden Rechtes an den Kriterien der Gleichmäßigkeit und Gerechtigkeit der Besteuerung, der einfachen, umfassenden, vollständigen und ökonomischen Steuererhebung und der intertemporalen Neutralität sowie durch das Aufzeigen von Erhebungsdefiziten wird die Reformbedürftigkeit des deutschen Einkommensteuergesetzes in Bezug auf die Besteuerung von Kapitaleinkünften unbeschränkt Steuerpflichtiger in Deutschland dargelegt.
Die Erläuterung und Analyse verschiedener Reformvorschläge (z.B. „Kölner Entwurf eines Einkommensteuergesetzes“ und „Einfachsteuer“) sind Gegenstand des weiteren Vorgehens. Ein Mangel an Reformvorschlägen herrscht nicht, aus Gründen des Umfanges dieser Arbeit wird auf die wichtigsten abgestellt. Anhand der zugrunde liegenden Analysekriterien wird schließlich im letzten Teil gefolgert, welcher Reformvorschlag in ein neues Einkommensteuergesetz implementiert werden sollte, auch unter Beachtung europäischer Anforderungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das geltende Recht
2.1 Einkommensteuergesetz für den Veranlagungszeitraum 2004
2.2 Analyse und Bewertung des geltenden Rechts
2.3 Fazit
3. Reformvorschläge
3.1 Die Einfachsteuer
3.1.1 Das Konzept
3.1.2 Analyse und Bewertung der Einfachsteuer
3.1.3 Konzeptanwendung – Das Steuerrecht in Kroatien
3.1.4 Fazit
3.2 Abgeltungssteuer
3.2.1 Das Konzept
3.2.2 Analyse und Bewertung der Abgeltungssteuer
3.2.3 Konzeptanwendung – Das Steuerrecht in Österreich
3.2.4 Fazit
3.3 Dual Income Tax
3.3.1 Das Konzept
3.3.2 Analyse und Bewertung der Dual Income Tax
3.3.3 Konzeptanwendung – Finnland, Norwegen und Schweden
3.3.4 Fazit
3.4 Kölner Entwurf eines Einkommensteuergesetzes
3.4.1 Das Konzept
3.4.2 Analyse und Bewertung des Kölner Entwurfes
3.4.3 Fazit
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert das aktuelle deutsche Einkommensteuergesetz im Hinblick auf die Besteuerung von Kapitaleinkünften, identifiziert bestehende Defizite wie die intertemporale Neutralität sowie eine unzureichende Gleichbehandlung der Einkunftsarten und bewertet verschiedene Reformvorschläge zur Optimierung des Steuersystems.
- Analyse des geltenden Steuerrechts unter Berücksichtigung von Leistungsfähigkeit und Gerechtigkeit.
- Untersuchung des Einfachsteuer-Konzepts von Manfred Rose und dessen Anwendung in Kroatien.
- Evaluierung der Abgeltungssteuer und ihrer Auswirkungen, beispielhaft dargestellt am österreichischen Modell.
- Diskussion der Dual Income Tax und deren Umsetzung in nordischen Ländern.
- Eingehende Betrachtung des Kölner Entwurfs eines Einkommensteuergesetzes als Reformalternative.
Auszug aus dem Buch
3.4.1 Das Konzept
Der Kölner Entwurf eines Einkommensteuergesetzes ist das Konzept eines Gremiums von Wissenschaftlern unter dem Vorsitz des Kölner Steuerrechtslehrers Prof. Dr. Joachim Lang. Ziel ist es, eine umfassende Bemessungsgrundlage mit einem einfachen Steuerrecht zu verknüpfen, um die dringend notwendige Reform des deutschen Einkommensteuergesetzes voranzutreiben.
„Einkünfte aus Finanzkapital“ fließen nach § 2 EStG-E in die Bemessungsgrundlage ein. § 6 EStG-E definiert folgerichtig und einfach verständlich solche Einkünfte als Einkünfte aus Anteilen an einem körperschaftsteuerpflichtigen Unternehmen, aus anderen Körperschaften, Personenvereinigungen und Vermögensmassen im Sinne des Körperschaftsteuergesetzes, aus nicht im Sinne des § 8 II,1 EStG-E zertifizierten Kapitallebens- und Rentenversicherungen und vergleichbaren Verträgen der Zukunftssicherung sowie aus Kapitalüberlassung jeglicher Art.
„Einkünfte aus Zukunftssicherung [...] sind nachgelagert zu besteuern, indem Beiträge und andere Einzahlungen in die Zukunftssicherung als Erwerbsausgaben im Zeitpunkt des Abflusses und Auszahlungen aus der Zukunftssicherung als Erwerbseinnahmen im Zeitpunkt des Zuflusses anzusetzen sind“. Zertifizierte Einrichtungen müssen danach Informationen über Einzahlungen eines Steuerpflichtigen sowie dessen Arbeitgebers sowie daraus erwirtschaftete Erträge dem Finanzamt übermitteln. Bei diesem sollen nach § 31 Abs. 2 und 3 EStG-E zwei Vorsorgekonten A und B geführt werden, um nach versteuerten und unversteuerten Zugängen bei der Altersvorsorge zu differenzieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung benennt die Mängel des geltenden deutschen Einkommensteuergesetzes bei der Besteuerung von Kapitaleinkünften und führt die zu analysierenden Reformvorschläge ein.
2. Das geltende Recht: Dieses Kapitel erläutert die gesetzlichen Grundlagen und kritisiert die systembedingte Komplexität sowie die wirtschaftliche Doppelbelastung des Kapitals.
3. Reformvorschläge: Hier werden zentrale Konzepte wie die Einfachsteuer, die Abgeltungssteuer, die Dual Income Tax sowie der Kölner Entwurf detailliert vorgestellt und hinsichtlich ihrer Tauglichkeit für eine Steuerreform bewertet.
4. Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer Empfehlung zur Reform, wobei der Kölner Entwurf als realistischste und überzeugendste Variante für eine zukunftsfähige Steuergestaltung hervorgehoben wird.
Schlüsselwörter
Einkommensteuerreform, Kapitaleinkünfte, Quellensteuer, Kölner Entwurf, Einfachsteuer, Abgeltungssteuer, Dual Income Tax, intertemporale Neutralität, Leistungsfähigkeitsprinzip, Nettoprinzip, Steuergerechtigkeit, Zinsbesteuerung, Kapitalvermögen, Steuersystem, EU-Zinsrichtlinie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der notwendigen Reform des deutschen Einkommensteuergesetzes, insbesondere mit dem Fokus auf eine gerechte und effiziente Besteuerung von Kapitaleinkünften.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Analyse des geltenden Rechts, die Fehlstellen der aktuellen Gesetzgebung sowie vier maßgebliche Reformmodelle: die Einfachsteuer, die Abgeltungssteuer, die Dual Income Tax und den Kölner Entwurf.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, aufzuzeigen, welcher Reformvorschlag am besten geeignet ist, ein einfaches, ökonomisch sinnvolles und gerechtes Einkommensteuergesetz unter Beachtung europäischer Anforderungen zu implementieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine deskriptive und analytische Untersuchung von Steuerkonzepten, ergänzt durch einen Rechtsvergleich der Umsetzung dieser Konzepte in anderen Ländern wie Kroatien, Österreich und den nordischen Staaten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung und kritische Analyse des geltenden Rechts sowie eine detaillierte Prüfung der genannten Reformmodelle hinsichtlich ihrer Systematik und Umsetzbarkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Steuerreform, Kapitaleinkünfte, Nettoprinzip, Kölner Entwurf und intertemporale Neutralität charakterisiert.
Was bemängelt der Autor am geltenden Einkommensteuergesetz?
Der Autor kritisiert insbesondere die Komplexität durch zahlreiche Querverweise, die ökonomische Doppelbesteuerung des Kapitals sowie das Fehlen einer intertemporalen Neutralität.
Warum wird der Kölner Entwurf als besonders vorteilhaft bewertet?
Er wird als besonders realistisch eingestuft, da er das Ziel einer umfassenden Bemessungsgrundlage mit einem einfachen Steuerrecht verknüpft und eine nachgelagerte Besteuerung zur Vermeidung von Substanzbesteuerung vorsieht.
Welche Rolle spielt die europäische Einbeziehung?
Der Autor betrachtet die europäische Ebene als langfristig wichtig für die Harmonisierung von Steuervorschriften, um Anreize zur Kapitalflucht zu minimieren und eine einheitliche Besteuerung zu ermöglichen.
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- Sebastian Müller-Potthoff (Author), 2005, Das deutsche Einkommensteuergesetz und die Besteuerung der Kapitaleinkünfte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46703