In den letzten Jahrzehnten ist die durchschnittliche Lebenserwartung der Bevölkerung massiv gestiegen, wodurch nicht nur die Sorge um die Sicherung der Renten, sondern auch um die gesundheitliche Versorgung wächst. Bei gleichzeitigem Rückgang der Geburtenzahlen hat die daraus resultierende zunehmende Überalterung auch zu einer Steigung der Anzahl an Demenzkranken geführt (vgl. Gutzmann, 1992). Von dieser Situation sind nicht nur die Angehörigen alter Menschen, sondern auch die Alten- und Pflegeheime besonders betroffen, da die Betreuung von Demenzkranken die Entwicklung neuer Konzeptionen und spezieller Maßnahmen verlangt. Die besonderen Erfordernisse der Betreuung von Demenzkranken stellen in Zukunft jedoch auch für die in diesem Handlungsfeld tätigen Sozialpädagogen eine große Herausforderung dar.
Meines Erachtens ist daher eine umfassende und detaillierte Erforschung der in der Altenarbeit etablierten Betreuungsstrukturen und Behandlungsansätze in Hinblick auf ihre Eignung für Demenzkranke unabdingbar. Nur so kann in Anbetracht der weiter steigenden Demenzzahlen eine optimale Versorgung gewährleistet werden. Denn gerade dort, wo es seitens der Fachkräfte aufgrund unzureichender Erfahrungswerte im Umgang mit Dementen häufig zu starken Belastungen und Überforderungen kommt, können weitere Mängel entstehen.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich insbesondere mit der Bedeutung biografischen Wissens in der Betreuung von Betroffenen der Alzheimerschen Krankheit:
Teil I: Einführung in die theoretischen Grundlagen der demenziellen Erkrankungen
Teil II: Erkundungsstudie zum biografischen Wissen in der Pflege von Alzheimerkranken
Inhaltsverzeichnis
I. Theoretische Grundlagen
1. Demenzielle Erkrankungen
1.1 Terminologie
1.2 Klassifikation der Demenzen
1.2.1 Demenz vom Alzheimertyp
1.2.2 Vaskuläre Demenzen
1.2.3 Parkinsonsche Krankheit
1.2.4 Picksche Krankheit
1.2.5 Huntington-Krankheit
1.2.6 Andere Demenzen
1.3 Häufigkeit und Neuerkrankungsrate
2. Erscheinungsbild der Demenz vom Alzheimertyp
2.1 Symptomatik und Folgeerscheinungen
2.1.1 Beeinträchtigung der Gedächtnisleistungen
2.1.2 Probleme im Alltag
2.1.3 Verhaltensauffälligkeiten und psychische Störungen
2.1.4 Kommunikationsschwierigkeiten
2.1.5 Gefahrenquellen und indirekte Folgen
2.2 Forschungsergebnisse
2.2.1 Neurologische Veränderungen
2.2.2 Ursachen und Risikofaktoren
2.3 Diagnostik
2.3.1 Tomografische Verfahren
2.3.2 Psychometrische Tests
2.3.3 Problematiken
3. Umgang mit Demenz
3.1 Allgemeine Grundhaltung und Verhaltensempfehlungen
3.2 Validation
3.3 Therapeutische Maßnahmen
3.3.1 Pharmakotherapien
3.3.2 Milieutherapien
3.3.3 Realitätsorientierungstraining (ROT)
3.3.4 Wahrnehmung und Erleben
3.4 Biografiearbeit
II. Biografisches Wissen in der Pflege von Alzheimerkranken
1. Planung und Vorbereitung
1.1 Forschungsziele und Fragestellungen
1.2 Auswahlverfahren
1.2.1 Methodisches Vorgehen
1.2.2 „Die Brücke“
1.2.3 Studienteilnehmer und Bewohner
1.3 Konstruktion des Leitfadens
1.3.1 Gliederung in Teilbereiche
1.3.2 Modifikationen und Überarbeitung
2. Erhebungsphase
2.1 Allgemeiner Interviewverlauf
2.2 Subjektive Eindrücke und Problematiken
3. Präsentation der Ergebnisse
3.1 Kategorienbildung
3.2 Zuordnung des Datenmaterials
3.2.1 „Sie kann noch ziemlich viel.“ (Interview Nr. 1)
3.2.2 „Für ihn zählte nur Leistung.“ (Interview Nr. 2)
3.2.3 „Ihre Mutter war eine sehr dominante Persönlichkeit.“ (Interview Nr. 3)
3.2.4 „Sie war eine sehr feine Frau.“ (Interview Nr. 4)
3.2.5 „Wenn sie nicht essen wollten, hat’s Schläge gegeben.“ (Interview Nr. 5)
3.2.6 „Sie ist mit zwölf vom Schullehrer missbraucht worden.“ (Interview Nr. 6)
3.3 Überblick der Ergebnisse
3.3.1 Kategorie A: Allgemeines
3.3.2 Kategorie B: Biografische Daten des Bewohners
3.3.3 Kategorie C: Umsetzung biografischen Wissens
3.3.4 Kategorie D: Erwerb biografischen Wissens
3.3.5 Kategorie E: Subjektive Einschätzung biografischen Wissens
3.3.6 Kategorie F: Persönliche Daten des Befragten
4. Diskussion
5. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht die Bedeutung und praktische Anwendung von biografischem Wissen bei der Betreuung von Menschen mit Alzheimer-Demenz in einer stationären Einrichtung. Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, inwieweit das Pflegepersonal über die Lebensgeschichte der Bewohner informiert ist und wie dieses Wissen genutzt wird, um den Pflegealltag sowie therapeutische Maßnahmen individuell zu gestalten.
- Grundlagen der Demenz und des Krankheitsbildes Alzheimer
- Methoden des Umgangs mit Demenzkranken (z.B. Validation, Biografiearbeit)
- Empirische Untersuchung in der Einrichtung „Die Brücke“ mittels Leitfadeninterviews
- Analyse der Kategorien von biografischem Wissen und deren praktischer Umsetzung
- Diskussion über Möglichkeiten und Grenzen der biografischen Orientierung in der Pflege
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Beeinträchtigung der Gedächtnisleistungen
Den zentralen Ausgangspunkt vieler Schwierigkeiten im Umgang mit Dementen bilden die Gedächtnisstörungen. Vor diesem Hintergrund formulierte der niederländische Gerontopsychologe Huub Buijssen (1999) zwei Gesetzmäßigkeiten zum Verständnis der Problematik der DAT und entsprechenden Verhaltensweisen der Betroffenen.
1. Gestörte Einprägung
Grundsätzlich werden alle Eindrücke und Wahrnehmungen eines Individuums zunächst im Kurzzeitgedächtnis für etwa 20 bis 30 Sekunden gespeichert. Je nach abgeschätzter Relevanz der Informationen werden diese wieder gelöscht oder in den Langzeitspeicher übernommen, um später erneut abrufbar zu sein. Hier können unendlich viele Informationen gespeichert werden. Diese Übertragung wird auch „Einprägen“ genannt. Ob eine Information in das Langzeitgedächtnis aufgenommen wird, hängt vom Grad der Aufmerksamkeit ab, die sie beim Individuum erzeugt, welcher wiederum durch Emotionen bestimmt wird. Besonders gut werden Informationen eingeprägt durch Wiederholung, Veranschaulichung oder Vorstellung, Aktivierung mehrerer Sinne, Assoziation, Ordnung, Zuschreibung von Bedeutung und Humor.
Im Falle einer DAT ist dieser biologische Transport von Informationen gestört. Dadurch können lediglich jene Informationen erinnert werden, die im Kurzzeitgedächtnis gespeichert sind, die also nicht länger als maximal 30 Sekunden zurückliegen. Nur bei ständiger Wiederholung oder starker emotionaler Betroffenheit können in Ausnahmefällen Informationen behalten werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Demenzielle Erkrankungen: Dieses Kapitel erläutert die medizinische Definition und Klassifizierung verschiedener Demenzformen, wobei der Fokus auf den neurologischen Grundlagen und der epidemiologischen Verteilung liegt.
Erscheinungsbild der Demenz vom Alzheimertyp: Es werden die spezifischen Symptome wie Gedächtnisabbau, psychische Störungen und Kommunikationsschwierigkeiten sowie die neurologischen Ursachen und Diagnostikmethoden detailliert beschrieben.
Umgang mit Demenz: Hier werden bewährte therapeutische Ansätze und praktische Verhaltensempfehlungen für den Alltag im Pflegekontext zusammengestellt, wobei insbesondere der Biografiearbeit und Validation eine zentrale Rolle zukommt.
Planung und Vorbereitung: Dieser Abschnitt widmet sich dem Forschungsdesign der durchgeführten Studie, einschließlich der Zielformulierung, des methodischen Vorgehens durch Leitfadeninterviews und der Vorstellung der gewählten Einrichtung.
Erhebungsphase: Es wird der konkrete Verlauf der durchgeführten Befragungen dokumentiert, inklusive der methodischen Erfahrungen und der subjektiven Eindrücke aus den Interviewprozessen.
Präsentation der Ergebnisse: Die erhobenen Daten werden systematisch in Kategorien wie „Allgemeines“, „Biografische Daten“ und „Umsetzung biografischen Wissens“ unterteilt und anhand der Fallbeispiele ausgewertet.
Diskussion: Dieses Kapitel vergleicht die gewonnenen empirischen Ergebnisse mit den theoretischen Ansätzen und hinterfragt die Möglichkeiten und Grenzen biografischen Arbeitens im Pflegealltag.
Ausblick: Die Autorin fasst die Erkenntnisse zusammen und plädiert für einen intensiveren Austausch zwischen Theorie und Praxis zur Optimierung der Betreuungsqualität von Demenzkranken.
Schlüsselwörter
Alzheimer, Demenz, Biografiearbeit, Validation, Pflege, Sozialpädagogik, Langzeitgedächtnis, Gedächtnisstörungen, Lebensgeschichte, Bezugspflege, stationäre Altenhilfe, psychische Störungen, Kommunikation, therapeutische Interventionen, Lebenssinn.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie biografisches Wissen von Pflegekräften genutzt wird, um die Betreuung von Bewohnern mit Alzheimer-Demenz in einem Pflegeheim individueller und empathischer zu gestalten.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Autorin?
Die Themen umfassen die theoretischen Hintergründe von Demenzerkrankungen, bewährte therapeutische Methoden sowie eine eigene empirische Erkundungsstudie über die Anwendung von Biografie-Wissen in der täglichen Pflege.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Ziel ist es zu ergründen, welchen Stellenwert lebensgeschichtliche Hintergründe im Pflegealltag haben und wie das Personal biografische Kenntnisse gewinnt und gezielt einsetzt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin führte eine explorative Erkundungsstudie mittels teilstrukturierter Leitfadeninterviews mit sechs Mitarbeitern aus dem Bereich Pflege und Betreuung einer Heimeinrichtung durch.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte liegen im Hauptteil?
Der Hauptteil analysiert, was Pflegekräfte über die Biografien ihrer Bewohner wissen, woher diese Informationen stammen und wie sie diese bei Problemen, bei der Alltagsgestaltung oder zur Verbesserung der Beziehung nutzen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Text am besten charakterisieren?
Alzheimer, Biografiearbeit, Validation, Altenpflege, Lebensgeschichte und empathische Betreuung sind die prägendsten Begriffe dieser Arbeit.
Warum wird die Biografiearbeit als so essenziell für Demenzkranke erachtet?
Die Arbeit legt dar, dass Demenzkranke oft in ihrer Vergangenheit leben. Durch die Kenntnis ihrer Lebensgeschichte können Pflegende eine tragfähige Kommunikationsbasis schaffen, Ängste abbauen und das Gefühl von Identität und Sicherheit bei den Betroffenen stärken.
Welche Rolle spielt die Einbeziehung von Angehörigen in dieser Studie?
Die Angehörigen werden als primäre Wissensquelle identifiziert, da die Betroffenen selbst aufgrund des fortgeschrittenen Krankheitsstadiums oft nicht mehr in der Lage sind, ihre Biografie kohärent zu vermitteln.
Wie unterscheidet sich die Theorie vom tatsächlichen Alltag in der Einrichtung?
Die Diskussion zeigt, dass zwar ein Bewusstsein für die Wichtigkeit biografischen Wissens vorhanden ist, dessen Umsetzung im Alltag jedoch oft intuitiv und aufgrund von Zeitmangel oder unzureichenden Ressourcen fragmentarisch erfolgt.
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- Julia Groos (Author), 2002, Demenz und Biographie. Zur Rekonstruktion von Lebenssinn, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46710