Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, ob Personen, insbesondere gehörlos geborene Säuglinge und Kleinkinder im Kontext des Krankheits- und Behinderungsbegriffes Anspruch auf ein Cochlea-Implantat generieren können. Dabei wird zunächst die Bedeutung der Gehörlosigkeit aufgezeigt und das Cochlea-Implantat vorgestellt. Im nächsten Schritt wird der Krankheitsbegriff im Kontext von Naturalismus und Normativismus diskutiert. Danach folgt eine Betrachtung des Behinderungsbegriffes. Lange war Gehörlosigkeit nicht therapierbar. Seitdem es jedoch das Cochlea-Implantat gibt, ist Hörbehinderung Gegenstand sozio-kultureller und ethischer Diskussion. Auch die Begriffe Krankheit, Gesundheit und Behinderung werden von Philosophen und Soziologen neu diskutiert.
Ein funktionierendes Gehör ist notwendig für eine ungestörte Kommunikation, sei es im privaten oder beruflichen Bereich. Zwischenmenschliche Beziehungen basieren auf Gesprächen und Worten. Berufliche Kontakte werden geknüpft, indem man sich mündlich unterhält und austauscht. Doch was, wenn man Geräusche nicht wahrnehmen kann? Eine Gehörlosigkeit gilt – zumindest sozialrechtlich – als eine schwere Behinderung. Ist das Gehör ist irreparabel beschädigt, greift man auf Hörgeräte oder Implantate zurück. Was aber ist mit Kindern, die von Geburt an kein funktionsfähiges Gehör besitzen? Im Gegensatz zu erwachsenen Personen, welche zum Zeitpunkt einer Implantation oder dem Einsetzen eines Hörgeräts den Spracherwerb schon abgeschlossen haben, haben gehörlos geborene Kinder nicht die Möglichkeit, Sprechen zu lernen. Mithilfe von sogenannten Cochlea-Implantaten kann dieses Problem jedoch umgangen werden.
Unter bestimmten Voraussetzungen ist es möglich, hörgeschädigten Kleinkindern Cochlea-Implantate einzusetzen und ihnen somit eine normale Sprachentwicklung zu ermöglichen – und damit einhergehend auch die Chance auf ein "normales" Leben. Nicht nur Komplikationen in Partner- und Berufswahl kann somit aus dem Weg gegangen werden. Auch Diskriminierung und Stigmatisierung aufgrund einer Behinderung werden verhindert. Dementsprechend klingt es einleuchtend, schwerhörigen Säuglingen ein Implantat zu operieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Cochlea-Implantat & Gehörlosigkeit
3. Krankheitsbegriff
4. Behinderungsbegriff
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die ethische und soziologische Fragestellung, ob gehörlose Menschen, insbesondere Säuglinge und Kleinkinder, im Kontext des Krankheits- und Behinderungsbegriffs einen Anspruch auf eine Cochlea-Implantat-Versorgung haben.
- Analyse der medizinischen und ethischen Bedeutung der Gehörlosigkeit.
- Untersuchung des Krankheitsbegriffs unter naturalistischen und normativen Gesichtspunkten.
- Diskussion des Behindertenbegriffs und der gesellschaftlichen Wahrnehmung.
- Betrachtung der elterlichen Verantwortung gegenüber dem Kindeswohl bei der Entscheidung für oder gegen ein Implantat.
- Reflexion über das Ziel eines autonomen und selbstbestimmten Lebens für Menschen mit Hörbehinderung.
Auszug aus dem Buch
3. Krankheitsbegriff
Das folgende Kapitel widmet sich der Analyse des Krankheitsbegriffes und prüft dabei, ob Gehörlosigkeit darunterfällt. Ferner wird untersucht, ob gehörlose Kinder im Kontext von Gehörlosigkeit als Krankheit einen Anspruch auf medizinische Versorgung, speziell der eines Cochlea-Implantats haben.
Zum Einstieg folgt eine erste Definition des Begriffs Gesundheit. Ist jemand gesund, so ist er nicht krank – das klingt zunächst einleuchtend. Krankheit wird oftmals als Dysfunktion im Organismus oder Anormalität beschrieben. So folgt daraus, dass eine gesunde Person eben weder unter Dysfunktionen, noch unter irgendeiner Form von Anormalität leidet. Dennoch entwickelte sich in den Köpfen der Menschen über Jahre hinweg noch eine weitere Vorstellung von Gesundheit, nämlich die Idee davon, dass Gesundheit nicht nur die Abwesenheit von Krankheit, sondern darüber hinaus ein positives Allgemeinbefinden darstellt, welches sich nicht nur auf den Körper bezieht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Gehörlosigkeit ein, stellt das Cochlea-Implantat als technologische Lösung vor und leitet zur Forschungsfrage über, ob ein Anspruch auf diese Behandlung besteht.
2. Das Cochlea-Implantat & Gehörlosigkeit: Dieses Kapitel erläutert die Funktionsweise der Cochlea-Implantate und thematisiert die Kontroversen um die „Deaf Community“, welche Gehörlosigkeit nicht als pathologisch betrachtet.
3. Krankheitsbegriff: Hier erfolgt eine philosophische Auseinandersetzung mit den Begriffen Krankheit und Gesundheit, unterteilt in die Perspektiven von Naturalismus und Normativismus, sowie deren Anwendung auf Gehörlosigkeit.
4. Behinderungsbegriff: Dieses Kapitel untersucht, wie Behinderung gesellschaftlich konstruiert wird und inwiefern der Status als „behindert“ das individuelle Wohlbefinden und die Lebensqualität beeinflusst.
5. Fazit: Das Fazit fasst die ethischen Abwägungen zusammen und konstatiert, dass bei Kindern ein Anspruch auf medizinische Versorgung besteht, um ihnen die Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen.
Schlüsselwörter
Gehörlosigkeit, Cochlea-Implantat, Krankheitsbegriff, Behinderungsbegriff, Bioethik, Medizinethik, Deaf Community, Disability, Disease, Illness, Naturalismus, Normativismus, Kindeswohl, medizinische Versorgung, Teilhabe
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die bioethische und soziologische Frage nach dem Anspruch gehörloser Kinder auf ein Cochlea-Implantat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Definitionen von Krankheit und Behinderung, die Rolle der Deaf Community sowie die elterliche Fürsorgepflicht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu klären, ob gehörlose Menschen im Kontext philosophischer Krankheits- und Behindertendefinitionen einen begründeten Anspruch auf medizinische Intervention haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Untersuchung, die philosophische und soziologische Theorien auf die spezielle Problematik der Gehörlosigkeit anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Krankheits- und Behinderungsbegriff sowie die ethische Spannung zwischen elterlichem Selbstbestimmungsrecht und dem staatlichen Kindeswohlauftrag.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gehörlosigkeit, Cochlea-Implantat, Bioethik, Disease, Illness, Disability und das Kindeswohl.
Warum lehnt die „Deaf Community“ das Cochlea-Implantat teilweise ab?
Sie betrachtet Gehörlosigkeit nicht als Defizit oder Krankheit, sondern als ein kulturelles Merkmal und Ausdruck einer positiven Andersartigkeit.
Welche Rolle spielt der Normativismus bei der Beurteilung von Gehörlosigkeit?
Der Normativismus bewertet den Zustand als „schlecht“ oder „unerwünscht“, sofern er von der gesellschaftlichen Norm abweicht, und leitet daraus einen Handlungsbedarf zur Korrektur ab.
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- Anonym (Author), 2018, Gehörlosigkeit im Kontext des Krankheits- und Behinderungsbegriffs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/467903