Allein unter Männern. Die Unterrepräsentanz von Frauen im österreichischen Nationalrat


Seminararbeit, 2018

16 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Rückblick der Frauenbewegungen in Österreich
2.1. Der mühevolle Weg zum allgemeinen Wahlrecht
2.2. Die Pionierinnen
2.2.1. Hildegard Burjan
2.2.2. Emma „Emmy“ Freundlich
2.2.3. Adelheid Popp

3. Frauen in der Politik
3.1. Diskriminierungen und Vorurteile
3.2. Eine dünne Personaldecke
3.3. Die Quotenfrauen, die Listen und das Wahlsystem
3.3.1. Die Quotenfrauen
3.3.2. Die Liste
3.3.3. Das Wahlsystem
3.4. Die Verteilung der Arbeit in den parlamentarischen Ausschüssen
3.5. Je wichtiger die Debatte, desto weniger Frauen haben etwas zu reden

4. Entwicklung des Frauenanteils im österreichischen Parlament
4.1. Der Nationalrat
4.2. Präsidium des Nationalrates
4.3. Frauenanteil der Abgeordneten im Nationalrat in den einzelnen Parteien...

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Frauen haben heute in Österreich formal die gleichen Rechte und Pflichten wie Männer, aber das war nicht immer so. Auch heute gibt es Bereiche, in denen noch immer ein Unterschied zwischen den Geschlechtern besteht. Die Politik ist keine Ausnahme. Frauen waren in politischen Gremien stets die Minderheit und mussten sich dem männlich dominierten und strukturierten System ausnahmslos anpassen, um in der Politik Fuß fassen zu können.1

Frauen war allein aufgrund der Geschlechterzugehörigkeit eine politische Aktivität und Organisierung ausdrücklich verboten.2 In Österreich beinhaltete der § 30 des Vereinsgesetzes aus dem Jahr 1867 die Bestimmung: „Ausländern, Frauenspersonen und Minderjährigen ist die Mitgliedschaft in politischen Vereinen untersagt.“3 Dieses Verbot richtete sich vor allem gegen die politischen Emanzipationsbestrebungen der sozialdemokratischen Frauen, die sich für die Rechte der Frauen, aber vor allem für bessere Arbeitsbedingungen der Frauen und auch der Männer besonders einsetzten.4 Das politische System und ihre Regeln wurden ausschließlich von Männern und für Männer gemacht. Frauen waren in diesem System nicht vorgesehen. Um dieses System und dessen Vorurteile gegenüber den weiblichen Kolleginnen zu durchbrechen, benötigte es starke und disziplinierte Frauen, die den Weg für zukünftige weibliche Abgeordnete ebneten.5

Die Seminararbeit „ Allein unter M ä nnern “ beschäftigt sich mit der Frage: „Ist die Politik unter Betrachtung des österreichischen Parlaments männlich dominiert? Gibt es geschlechterspezifische Unterschiede?“ Zu Beginn dieser Seminararbeit wird kurz der mühevolle Weg der Frauenrechtsbewegung und deren Pionierinnen erörtert. Anschließend beschäftigt sich die Arbeit mit den Errungenschaften der Frauen in der Politik, den Diskriminierungen und Vorurteilen gegenüber den weiblichen Abgeordneten und mit den Gründen der Unterrepräsentanz der Frauen in politischen

Ebenen. Abschließend wird die Entwicklung des Frauenanteiles im österreichischen Parlament analysiert.

2. Historischer Rückblick der Frauenbewegungen in Österreich

2.1.Der mühevolle Weg zum allgemeinen Wahlrecht

Als die Sozialdemokraten 1888 in Hainfeld ihr erstes Parteiprogramm beschlossen, stand das Frauenwahlrecht noch nicht auf der Agenda. Obwohl es bereits einzelne Vertreterinnen der Frauenbewegungen gab, waren sie selber der Meinung, dass die Frauen dafür noch nicht so weit waren. Therese Schlesinger, die 1919 als eine der ersten Frauen ins Parlament einzog, vertrat selbst die Meinung, dass die Frauen jener Zeit noch nicht so weit waren, sich dafür einzusetzen. Frauen dieser Zeit meinten, dass Politik reine Männersache sei. Es wurden das Frauenwahlrecht, die Gleichberechtigung und der Zutritt der Frauen zu allen Ämtern zwar schon diskutiert, jedoch waren diese Themen noch nicht vorrangig. Die Pionierinnen der Frauenrechtsbewegung strebten zunächst das Ziel an, dass die Männer der Arbeiterklassen eine Gleichberechtigung mit den Männern anderer Klassen erlangen sollten.6 Ende des 19. Jahrhunderts hatten die Männer der Arbeiterklassen nämlich im öffentlichen Leben genauso wenige Rechte wie Frauen. Erst als die Männer politisch gleichberechtigt waren, konnten die Frauen daran denken, ebenfalls nach politischer Gleichberechtigung zu streben.7

Mit dem ersten Weltkrieg begann das Umdenken in den Köpfen der Frauen. Im Krieg wurden Frauen in der Rüstungsindustrie und für alle jene Arbeitsplätze benötigt, die die Männer verlassen mussten, um in den Krieg zu ziehen. Die Frauen wurden zum Wiederaufbau des plötzlich klein gewordenen Österreich dringend gebraucht. So sahen sie ihre Chance auf die Einführung des Frauenwahlrechts. Am 12. November 1918 rief die provisorische Nationalversammlung die Republik Deutsch-Österreich aus. Gleichzeitig wurde das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht ohne Unterschied des Geschlechtes für alle Staatsbürger beschlossen.8 Am 4. März 1919 fand die Eröffnungssitzung der konstituierenden Nationalversammlung für Deutschösterreich statt. Erstmals befanden sich unter den 159 Abgeordneten auch 8 Frauen. Als erste Frau hielt Adelheid Popp im April 1919 eine Rede mit dem Thema „Die Aufhebung des Adels, der weltlichen Ritter- und Damenorden und gewisser Titel und Würden.“9 Das erste eingebrachte Gesetz war das Hausgehilfinnengesetz, das Urlaubsrechte, Ruhezeiten und Rechte gegenüber der Hausfrau beinhaltete.10

2.2.Die Pionierinnen

Die ersten acht Frauen im Parlament waren Hildegard Burjan, Anna Boschek, Emmy Freundlich, Adelheid Popp, Gabriele Proft, Therese Schlesinger, Amalie Seidel und Maria Tusch. Abgesehen von Hildegard Burjan, die als Gemeinderätin für die Christlichsoziale Partei fungierte, waren die anderen genannten Frauen Sozialdemokratinnen. Die drei besonders herausragenden weiblichen Persönlichkeiten werden im Folgenden beschrieben.

2.2.1. Hildegard Burjan

Hildegard Burjan war die erste Abgeordnete der Christlichsozialen Partei. Sie war Gründerin der Caritas Socialis und Mitglied der Frauenkommission. Burjan setzte sich für die Gründung einer staatlichen mittleren Mädchenschule ein.11

2.2.2. Emma „Emmy“ Freundlich

Emmy Freundlich war ab 1907 Mitarbeiterin der sozialdemokratischen Theoriezeitschrift „ Der Kampf “ und als einzige Frau Mitglied der Wirtschaftssektion des Völkerbundes.12

2.2.3. Adelheid Popp

Adelheid Popp hielt im April 1919 als erste Frau eine Rede im Nationalrat. Sie war schon in frühester Jugend Fabriksarbeiterin und Mitglied der Arbeiterbewegung. Popp war Begründerin der proletarischen Frauenbewegung.13 Außerdem ist sie als Gründerin der Arbeiterinnen-Zeitung bekannt und wurde im ersten Weltkrieg Vorsitzende des Internationalen Frauenkomitees der Sozialdemokraten.14

3. Frauen in der Politik

3.1.Diskriminierungen und Vorurteile

Mit Diskriminierungen und Vorurteilen kämpfen Frauen heute noch, denn in der Politik waren Frauen ursprünglich nicht vorgesehen. Ausschließlich Männer gaben der Politik ihre Form, Struktur und Regeln. Sie waren es, die die Institutionen, Verfahrensweisen und Spielregeln entwarfen. Als Frauen das Recht bekamen sich zu beteiligen, waren politische Einrichtungen und Regeln bereits etabliert. Frauen, die sich politisch engagieren wollen, haben sich nach dem politischen System, welches männlich geformt und geprägt ist, auch heutzutage noch anzugleichen.15

Diskriminierungen sind allgegenwärtig, wie das Beispiel eines Zwischenrufes im Nationalrat von ÖVP-Abgeordneten Paul Burgstaller an Grün Politikerin Terezija Stoisits zeigt. Herr Burgstaller riet Frau Stoisits, das Mikrofon, das auf niedrige Lautstärke eingestellt war und sie sich deshalb sehr weit nach vorn gebeugt hatte, in die Hand zu nehmen, um fest daran zu lutschen.16 Es ging um den Bericht des Gleichbehandlungsausschusses, über die Verstöße gegen das Gleichbehandlungsgesetz und um die Frage, worin Frauen in der Gesellschaft benachteiligt werden. Laut Frauenministerin Dohnal werden Frauenthemen nur selten sachlich abgehandelt, weder von Männern, noch von den meisten Frauen.17 Die Stimmung bei Gleichbehandlungsdebatten ist meist besonders angespannt. Wichtig ist vor allem nicht nur, was gesagt wird, sondern auch wie etwas gesagt wird. Durch diverse Zwischenrufe versuchen die männlichen Abgeordneten ihre Macht zu demonstrieren.18

Weiblichen Abgeordneten, die in einem Gespräch mit einem männlichen Kollegen sind, wird auch gerne unterstellt, zu flirten.19 Auch frauenfeindliche Witze werden im Beisein der Frauen gemacht.20 Gertrude Brinek (ÖVP) meint, dass Männer ihre Kolleginnen nicht immer gleichberechtigt behandeln, da sie daheim eine gehorsame Frau haben, die dem gängigen Klischee einer diskreten und braven Hausfrau entspricht. Sie meint, dass Frauen nur gut behandelt werden, wenn sie sich gefälligst unterordnen. Das bedeutet im politischen Bereich, wenn eine Politikerin harmlos ist, wird sie geduldet, und ist sie nicht harmlos, wird sie abgestoßen.21

3.2.Eine dünne Personaldecke

Die Unterrepräsentanz von Frauen zeigt sich auf allen politischen Ebenen. Die Rekrutierungsmuster der politischen Parteien haben Einfluss darauf, in welche Weise Frauen im politischen Prozess teilnehmen können, denn die Parteien selber entscheiden, wer zur Wahl steht. Sie haben die Personalhoheit über die politischen Institutionen eines Landes. An der Basis, in der Kommunalpolitik, beginnt die klassische politische Karriere. Da das Engagement von Frauen auf dieser Ebene eher die Ausnahme als die Regel ist, ist die Anzahl der Frauen in der Kommunalpolitik geringer gegenüber ihren männlichen Kollegen. 2010 waren in Österreich von 2.238 Bürgermeistern 119 weiblich, das entspricht einem Frauenanteil von 5 Prozent.22 Aufgrund der mangelnden Vertretung von Frauen auf lokaler Ebene werden Großteils politische Entscheidungen nach wie vor von Männern gefällt. Die Frauen verpassen somit entscheidende politische Lern- und Sozialisationserfahrungen für eine spätere politische Karriere.23

Mögliche Gründe für den geringen Frauenanteil in der Politik können in der alten Tradition des Ausschlusses von Frauen aus dem politischen Aufgabegebiet zu finden sein. Denn struktur- und regelgebend für das politische Feld waren Männer.

[...]


1 Vgl. Rösslhumer Maria, Appelt Birgit, Hauptsache Frauen. Politikerinnen in der Zweiten Republik, Graz, Wien, Köln 2001. 7.

2 Vgl. Rösslhumer Maria, Appelt Birgit, Hauptsache Frauen. Politikerinnen in der Zweiten Republik, Graz, Wien, Köln 2001.20.

3 Rösslhumer Maria, Appelt Birgit, Hauptsache Frauen. Politikerinnen in der Zweiten Republik, Graz, Wien, Köln 2001. 20.

4 Vgl. Rösslhumer Maria, Appelt Birgit, Hauptsache Frauen. Politikerinnen in der Zweiten Republik, Graz, Wien, Köln 2001. 21.

5 Vgl. Rossmann Eva, Unter Männern. Frauen im österreichischen Parlament, Bozen 1995. 32.

6 Vgl. Rossmann Eva, Unter Männern. Frauen im österreichischen Parlament, Bozen 1995. 18.

7 Vgl. Rossmann Eva, Unter Männern. Frauen im österreichischen Parlament, Bozen 1995. 19.

8 Vgl. Rossmann Eva, Unter Männern. Frauen im österreichischen Parlament, Bozen 1995. 21.

9 Vgl. Rossmann Eva, Unter Männern. Frauen im österreichischen Parlament, Bozen 1995. 24.

10 Vgl. Rossmann Eva, Unter Männern. Frauen im österreichischen Parlament, Bozen 1995. 25.

11 Vgl. Rossmann Eva, Unter Männern. Frauen im österreichischen Parlament, Bozen 1995. 25.

12 Vgl. https://www.parlament.gv.at/PAKT/PR/JAHR_2002/PK0154/index.shtml 2002, [03.11. 2018]

13 Vgl. Rossmann Eva, Unter Männern. Frauen im österreichischen Parlament, Bozen 1995. 24.

14 Vgl. https://www.parlament.gv.at/PAKT/PR/JAHR_2002/PK0154/index.shtml 2002, [03.11. 2018]

15 Vgl. Rösslhumer Maria, Appelt Birgit, Hauptsache Frauen. Politikerinnen in der Zweiten Republik, Graz, Wien, Köln 2001. 19.

16 Vgl. Rossmann Eva, Unter Männern. Frauen im österreichischen Parlament, Bozen 1995. 123.

17 Vgl. Rossmann Eva, Unter Männern. Frauen im österreichischen Parlament, Bozen 1995. 123.

18 Vgl. Rossmann Eva, Unter Männern. Frauen im österreichischen Parlament, Bozen 1995. 132f.

19 Vgl. Rossmann Eva, Unter Männern. Frauen im österreichischen Parlament, Bozen 1995. 153.

20 Vgl. Rossmann Eva, Unter Männern. Frauen im österreichischen Parlament, Bozen 1995. 155.

21 Vgl. Rossmann Eva, Unter Männern. Frauen im österreichischen Parlament, Bozen 1995. 138.

22 Vgl. Blaha Babara, Kuba Sylvia, Das Ender der Krawattenpflicht. Wie Politikerinnen in der Öffentlichkeit bestehen, Wien, 2012. 20f.

23 Vgl. Blaha, Sylvia, Das Ender der Krawattenpflicht. Wie Politikerinnen in der Öffentlichkeit bestehen, Wien, 2012. 22.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Allein unter Männern. Die Unterrepräsentanz von Frauen im österreichischen Nationalrat
Hochschule
Fachhochschule Burgenland
Note
2
Autor
Jahr
2018
Seiten
16
Katalognummer
V468167
ISBN (eBook)
9783668941595
ISBN (Buch)
9783668941601
Sprache
Deutsch
Schlagworte
allein, männern, unterrepräsentanz, frauen, nationalrat
Arbeit zitieren
Elisabeth Grasi (Autor), 2018, Allein unter Männern. Die Unterrepräsentanz von Frauen im österreichischen Nationalrat, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/468167

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