Um die Verbindung von Beschreibung der Tugend und Handlungsanweisung zu erkennen, soll im ersten Teil der vorliegenden Arbeit – nach einer kurzen Einführung zu Autor und Werk – untersucht werden, wie Cicero magnitudo animi definiert (beziehungsweise umschreibt) und wie sein Argumentationsgang in Hinblick auf die praecepta gestaltet ist. Da die Nachfolgegeneration der römischen Staatsmänner als Adressatenkreis identifiziert worden ist, soll analysiert werden, inwiefern speziell hierauf argumentiert wird.
Aus der ausgiebigen Illustration seiner Argumente mit Zitaten und exempla ergibt sich der zweite Teil. Callicratides, Q. Maximus und Pompeius sind nur einige der Namen, die Cicero als Beispiele in seiner Darstellung der magnitudo animi von Panaitios übernimmt oder selbst aufzählt, während andere, die zum Beispiel Aristoteles in diesem Zusammenhang anführt, keine Erwähnung finden. Selbstverständlich kann es sich bei einem Autor wie Cicero nicht um bloßes "name-dropping" handeln.
Aus diesem Grund muss untersucht werden, wer als exemplum angeführt wird, wie das entsprechende Beispiel in die Stelle passt und was der Leser daraus (an Einsichten) gewinnen kann. Hierbei wird unterschieden zwischen griechischen und römischen exempla, wobei Cicero sich selbst als Vorbild für seinen Sohn zwei Paragraphen widmet. Ein weiterer interessanter Punkt ist die ausgiebige Verwendung von Zitaten, die seiner Argumentation Anschaulichkeit verleihen. Namen berühmter Philosophen und Dichter verleihen Autorität, markante Vergleiche runden die Schrift ab.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Autor und Werk
3 Magnitudo animi
3.1 Die griechischen Begriffe...
3.2 ... und ihre lateinische Definition bei Cicero (61 – 73)
3.3 Bedeutung für den Adressatenkreis – de officiis als Handlungsanweisung
3.3.1 An wen richtet sich De officiis?
3.3.2 Gliederung und Folgerungen für den Staatsmann (74 – 92): non nobis solum nati sumus
4 Zitate und exempla
4.1 Zitate zur Veranschaulichung von magnitudo animi
4.2 Griechische und römische exempla
4.3 Ciceros Selbstdarstellung
4.4 Bewertung: exempla als uneingeschränkte Vorbilder?
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert, wie Cicero in seinem Werk "De officiis" (1, 61-92) das Konzept der magnitudo animi definiert und mittels Zitaten sowie exempla als Handlungsanweisung für die römische Jugend und seinen Sohn aufbereitet, um politische Ideale in einer Zeit des Umbruchs zu vermitteln.
- Definition und philosophische Herleitung der Tugend magnitudo animi.
- Analyse der rhetorischen Strategien und Zitatverwendung.
- Die Funktion historischer und mythologischer exempla als Vorbilder.
- Ciceros Selbstdarstellung als politisches Exempel.
- Untersuchung der Relevanz für den Adressatenkreis der jungen Elite.
Auszug aus dem Buch
4.1 Zitate zur Veranschaulichung von magnitudo animi
Zunächst zu Zitaten aus der Dichtung. Schon im ersten Paragraphen beginnt Cicero mit zwei Zitaten, die in Fällen, wenn magnitudo animi fehlt, Schmähungen illustrieren. Woher Vos enim, iuvenes, animum geritis muliebrem, illa virgo viri (61) stammt, ist unklar; Dyck vermutet ihn mit Ribbeck im Meleager von Accius. Salmacida spolia sine sudore et sanguine (61) ist ein Vers aus Ennius. Im ersten Vers werden die iuvenes (aus antiker Sicht) erniedrigt, indem ihr Verhalten als weibisch bezeichnet und ihr animus in Kontrast mit einer Frau gesetzt wird, die „männlicher“ ist als sie selber. Der zweite Vers kann auf vielerlei Weisen interpretiert werden. Dies ergibt sich aus der Unklarheit der Satzglieder und dem fehlenden Kontext. In allen Fällen ist die Implikation von Salmacida Verweichlichung, die durch die Alliteration der spöttisch klingenden S-Laute hervorsticht. Cicero nutzt die Verse als Gegenbild zu den später folgenden ruhmreichen Männern und erklärt die magnitudo animi somit zunächst ex negativo. Außerdem wird hierdurch ein wichtige Komponente eingeführt, „indem die beiden Zitate, die von „weibischem“ Verhalten handeln, andeuten, daß die fortitudo mit inbegriffen ist“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Werkes "De officiis" als politisches Vermächtnis und Erläuterung des Untersuchungsgegenstandes der Tugend magnitudo animi.
2 Autor und Werk: Einordnung von Cicero und seinem Werk in den historischen und philosophischen Kontext der späten Römischen Republik.
3 Magnitudo animi: Analyse des Begriffs magnitudo animi und seiner stoischen Definition im Vergleich zum griechischen Konzept.
3.1 Die griechischen Begriffe...: Untersuchung der philologischen Herkunft und der Adaptation griechischer Tugendbegriffe.
3.2 ... und ihre lateinische Definition bei Cicero (61 – 73): Detaillierte Analyse der lateinischen Begriffsbildung und der inhaltlichen Differenzierung durch Cicero.
3.3 Bedeutung für den Adressatenkreis – de officiis als Handlungsanweisung: Erörterung der zielgruppenorientierten Strukturierung des Werkes als Handbuch für Staatsmänner.
3.3.1 An wen richtet sich De officiis?: Identifikation der Adressaten, insbesondere des Sohnes Marcus und der römischen Nachwuchselite.
3.3.2 Gliederung und Folgerungen für den Staatsmann (74 – 92): non nobis solum nati sumus: Analyse der praktischen Anwendung des Konzepts auf das öffentliche Leben und die Pflichten des Staatsmannes.
4 Zitate und exempla: Untersuchung der illustrativen Mittel und ihrer Funktion für die Überzeugungskraft der Argumentation.
4.1 Zitate zur Veranschaulichung von magnitudo animi: Analyse der poetischen und philosophischen Zitate als argumentative Verstärker.
4.2 Griechische und römische exempla: Vergleich der Wirkung und Auswahl von griechischen gegenüber römischen Vorbildern.
4.3 Ciceros Selbstdarstellung: Untersuchung der Selbstinszenierung Ciceros als vorbildhafter Staatsmann.
4.4 Bewertung: exempla als uneingeschränkte Vorbilder?: Kritische Reflexion über die Anwendbarkeit der Vorbilder unter Berücksichtigung der Situationsethik.
5 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse zur Funktionalität von Zitat und Exempel bei Cicero.
Schlüsselwörter
Cicero, De officiis, magnitudo animi, Stoa, Panaetius, exempla, politische Philosophie, Tugendethik, Staatsmann, Rhetorik, Antike, Handlungsanweisung, Zitate, Res publica, Situationsethik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das erste Buch von Ciceros philosophischem Werk "De officiis", wobei der Fokus auf der Tugend magnitudo animi (Seelengröße) und deren didaktischer Vermittlung durch Zitate und Beispiele liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die stoische Definition der magnitudo animi, die Rolle von Zitaten und exempla (Beispielen) als Überzeugungsmittel sowie die praktische Anwendung dieser Konzepte als Handlungsanweisung für junge römische Politiker.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage ist, wie Cicero das Konzept der magnitudo animi definiert und durch die gezielte Auswahl von Zitaten und Vorbildern (exempla) in eine konkrete Handlungsanweisung für seinen Sohn und die römische Jugend überführt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine philologische und textanalytische Arbeit, die den philosophischen Argumentationsgang in De officiis untersucht, Sekundärliteratur zur stoischen Ethik einbezieht und die Funktion der illustrativen Elemente (Zitate/Beispiele) im Kontext von Ciceros eigener politischer Zielsetzung analysiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst der Begriff der magnitudo animi definiert, die Adressaten des Werkes identifiziert und anschließend die Verwendung verschiedener exempla (Griechen/Römer) sowie die Selbstdarstellung Ciceros kritisch beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Cicero, magnitudo animi, Stoa, exempla, politische Ethik, Staatsmann und Rhetorik charakterisieren.
Warum verwendet Cicero ausgerechnet Zitate von Platon und Ennius in diesem Abschnitt?
Cicero nutzt diese Zitate, um seine eigenen Ausführungen zu legitimieren, die Argumentation zu verdichten und Autorität zu erzeugen, indem er bekannte philosophische und dichterische Stimmen als Kronzeugen für seine stoisch geprägte Pflichtenlehre einsetzt.
Inwiefern spielt Ciceros Selbstdarstellung eine Rolle für das Werk?
Cicero nutzt seine eigene Vita als exemplum Romanum, um seinem Sohn Marcus ein konkretes Vorbild für pflichtgemäßes Handeln im Staat zu liefern und gleichzeitig seine politische Rehabilitierung nach der Diktatur Caesars voranzutreiben.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der historischen Vorbilder (exempla)?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass exempla keine absolut gültigen Vorbilder sind, sondern unter Berücksichtigung der "situational variability" (Situationsethik) interpretiert werden müssen, da ihr Wert vom spezifischen Kontext abhängt.
- Citar trabajo
- Sarah-Marie Möller (Autor), 2015, Name-dropping bei Cicero. Zitate und Exempla zur Veranschaulichung von magnitudo animi (Off. 1, 61 – 92), Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/468199