Borderline-Erkrankte zeigen abweichendes Verhalten, also Verhalten, welches nicht den gesellschaftlichen Werten und Normen entspricht. Verhalten wie Wutausbrüche, selbstverletzendes Verhalten oder auch der mögliche Kontrollverlust über bestimmte Lebensbereiche. Wie oben schon erwähnt, beziehen sich die Devianztheorien nur auf Kriminalität als abweichendes Verhalten. Es gibt kaum Literatur, die eine Verknüpfung zwischen Persönlichkeitsstörungen und Devianztheorien schafft. Aus diesem Grund ist der größte Teil der Verknüpfungen von Devianztheorien und Borderline-Erkrankung selbst geschaffen.
Zu Beginn werden die Begriffe abweichendes Verhalten, Persönlichkeitsstörung und Borderline-Syndrom definiert. Im nächsten Kapitel wird das Erleben und die Merkmale der Störung erläutert und die Symptome die auftreten können. Im vierten Kapitel wird die Anomie Theorie nach Merton und zusätzlich das anomische Selbstbild beschrieben. Der zweite Teil des vierten Kapitels besteht aus der Verknüpfung von Anomietheorie und der Borderline-Erkrankung. Das letzte Kapitel ist die Beschreibung von deviantem Verhalten und die Beschreibung von deviantem Verhalten anhand von Borderline. Abgerundet wird die Arbeit mit einem Fazit.
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine nicht zu unterschätzende Erkrankung. Sie äußert sich in psychischen und verhaltensbezogenen Symptomen. Abweichendes Verhalten ist dann erst abweichendes Verhalten, wenn es nicht den gesellschaftlichen Vorstellungen entspricht. In Mertons Anomietheorie kommen Punkte vor wie der soziale Rückzug, Rebellion und Innovation. Diese Punkte sind in abgewandelter Form in der Borderline-Erkrankung zu finden. Auch andere Punkte aus der Anomietheorie sind in der Borderline-Erkrankung zu finden.
Hinzu kommen die innerpsychischen Konflikte, welche Spannungen in den Betroffenen auslösen. Diese können die Spannungen aber nicht durch gesellschaftlich akzeptierte Möglichkeiten lösen, deshalb greifen sie zu anderen Methoden. Das Verhältnis zwischen den Betroffenen und ihrer Umwelt ist in keinem Gleichgewicht. Auch der Substanzenmissbrauch ist nach Merton eine Verhaltensweise, die als abweichend gilt. Durch abweichende Verhaltensweisen wird meistens ein möglicher Kontrollverlust über eine Situation vermindert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmungen
2.1 Abweichendes Verhalten
2.2 Persönlichkeitsstörung
2.3 Borderline-Syndrom
3. Persönlichkeitsstörung Borderline
3.1 Erleben und Merkmale von Borderline
3.2 Symptome
4. Devianztheorie und Borderline
4.1 Merton’s Typologie abweichenden Verhaltens
4.2 Verknüpfung zwischen den Devianztheorien und der Borderline-Erkrankung
5. Deviantes Verhalten und Borderline
5.1 Beschreibung von deviantem Verhalten
5.2 Deviantes Verhalten anhand von Borderline
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die Zusammenhänge zwischen soziologischen Devianztheorien und dem klinischen Krankheitsbild der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit Verhaltensweisen von Borderline-Erkrankten als „abweichend“ im Sinne gesellschaftlicher Normen klassifiziert werden können und ob klassische Ansätze, wie Mertons Anomietheorie, zur Erklärung dieser Verhaltensmuster beitragen können.
- Grundlagendefinitionen von Devianz, Persönlichkeitsstörungen und dem Borderline-Syndrom.
- Analyse der Symptomatologie und des Erlebens bei Borderline-Erkrankungen.
- Theoretische Einordnung mittels Robert K. Mertons Typologie abweichenden Verhaltens.
- Verknüpfung von innerpsychischen Konflikten mit soziologischen Anpassungsmechanismen (z. B. Innovation, Rebellion).
- Kritische Diskussion über die Anwendung von Devianztheorien auf psychische Erkrankungen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Erleben und Merkmale von Borderline
Je nach Ausprägung unterscheidet sich das Borderline-Syndrom von Betroffenem*r zu Betroffenem*r. Es unterscheidet sich auch in der Art und Weise, wie es sich äußert (Rohde-Dachser, 2004, S. 31f.).
Viele Betroffene fühlen sich, als wären sie nicht so wie die anderen Personen in ihrem Umfeld. Sie fühlen sich unfair behandelt. Durch die hohe emotionale Instabilität, unter der die Betroffenen leiden, entsteht ein Gefühl, welches sie hilflos und innerlich leer erscheinen lässt. Die innere Leere lässt sie abhängig von äußeren Reizen und anderen Personen werden. Die Betroffenen suchen nach Möglichkeiten aus der Hilflosigkeit. Eine Möglichkeit ist dabei der Konsum von Drogen und Alkohol. Viele erleben die emotionalen Spannungen als Kontrollverlust. Die Betroffenen versuchen, durch Bewältigungsstrategien die Spannungen im Inneren ihres Körpers zu lösen. Meistens suchen sie das Gespräch mit einer ihnen vertrauten Person, der sie nicht erklären können, wie sie sich fühlen. Nach einem solchen Gespräch kann es passieren, dass sich der*die Betroffene nicht verstanden fühlt und der Gesprächspartner sich auch überfordert fühlt mit der Situation (Rahn, 2013, S. 14f.).
Die Betroffenen sind in belastenden Situationen, nicht in der Lage die richtigen Abwehrmechanismen zu finden. Da diese zu unflexibel und nicht ausreichend ausgebildet sind, gelingt es ihnen nicht. Durch die Differenzierung in Positiv und Negativ können sie sich kein großes Ganzes der Situation vorstellen. Sie reflektieren ihre furchteinflößenden Gedanken, die das innere Ich produziert, auf andere ihnen zugängliche Gegenstände oder Personen, die sie dadurch meiden, weil sie eventuell ihre Impulse nicht kontrollieren könnten. In den meisten Situationen fühlen sie sich, als würden sie die Kontrolle verlieren. Durch den Kontrollverlust in den Situationen, in denen sie mit anderen Mitmenschen in Kontakt treten könnten, erleben sie diese als beängstigend und ziehen sich daher zurück. Sie fühlen sich ausgelaugt und können daher nicht ihr Leben genießen, sondern es wird im Sparmodus vor einen hin gelebt (Battegay, 1982/2015, S. 51ff.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problemstellung ein, dass abweichendes Verhalten gesellschaftlich konstruiert ist und häufig psychische Erkrankungen wie Borderline in der klassischen Devianztheorie vernachlässigt werden.
2. Begriffsbestimmungen: Dieses Kapitel definiert die zentralen Fachbegriffe „abweichendes Verhalten“, „Persönlichkeitsstörung“ und „Borderline-Syndrom“ anhand gängiger wissenschaftlicher Literatur.
3. Persönlichkeitsstörung Borderline: Es wird das subjektive Erleben sowie die Symptomatik der Erkrankung, wie etwa emotionale Instabilität und Selbstverletzungsneigung, detailliert beschrieben.
4. Devianztheorie und Borderline: Dieses Kapitel überträgt Mertons Typologie abweichenden Verhaltens (Innovation, Ritualismus, Rebellion, etc.) auf die spezifischen Verhaltensweisen und Spannungszustände von Borderline-Patienten.
5. Deviantes Verhalten und Borderline: Hier werden klinische Kriterien für Störungen des Sozialverhaltens (ICD-10/MAS) erläutert und mit den spezifischen Verhaltensmerkmalen der Borderline-Störung verglichen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die theoretischen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, psychische Erkrankungen stärker in den soziologischen Diskurs über Devianz einzubeziehen.
Schlüsselwörter
Borderline-Persönlichkeitsstörung, abweichendes Verhalten, Devianztheorie, Anomietheorie, Robert K. Merton, emotionale Instabilität, Selbstverletzung, soziale Kontrolle, Persönlichkeitsstörung, psychosoziale Belastung, Impulskontrolle, Delinquenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der soziologischen Perspektive auf psychische Erkrankungen, spezifisch wie Borderline-Symptome als abweichendes Verhalten nach gesellschaftlichen Standards interpretiert werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition von Devianz, die psychodynamischen Merkmale des Borderline-Syndroms und die Anwendung klassischer soziologischer Anomietheorien auf dieses klinische Bild.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die theoretische Verknüpfung von Devianztheorien mit dem Borderline-Syndrom, um das Verständnis für die gesellschaftliche Bewertung von psychisch bedingtem, „auffälligem“ Verhalten zu erweitern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturarbeit, die existierende soziologische Konzepte (Merton) und klinische Klassifikationen (ICD-10, DSM-IV) analysiert und miteinander in Beziehung setzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die begriffliche Klärung, eine detaillierte Darstellung der Borderline-Symptomatik sowie die systematische Anwendung der Anomietheorie auf die Erkrankung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Borderline-Persönlichkeitsstörung, Devianztheorie, Anomietheorie, soziale Normen und emotionale Instabilität charakterisiert.
Wie erklärt die Arbeit den Zusammenhang zwischen Rebellion und Borderline?
Borderline-Betroffene nutzen laut Arbeit das „Abstandschaffen“ zum Partner als eine Form der Rebellion gegen die gesellschaftliche Erwartung, stabile zwischenmenschliche Beziehungen zu führen.
Warum wird im Dokument Mertons Konzept der „Innovation“ herangezogen?
Das Konzept wird genutzt, um zu erklären, wie Betroffene gesellschaftlich akzeptierte Ziele (wie Beziehungsführung) anstreben, aber aufgrund der Erkrankung an den „Möglichkeiten“ scheitern und alternative, oft destruktive Wege wählen.
- Citation du texte
- Vitarina Koch (Auteur), 2017, Deviantes Verhalten am Beispiel der Borderline-Persönlichkeitsstörung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/468237