Big Data als Grundlage zeitgenössischer Ökonomie


Essay, 2015
11 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entwicklung der digitalen Medien
2.1. Die Anfänge der mobilen Telekommunikation und des Internets
2.2. Big Data: Digitale Medien von heute und morgen

3. Auswirkungen auf Nutzer digitaler Medien
3.1. Vorteile für Nutzer
3.2. Nachteile und Risiken für Nutzer

4. Mögliche Maßnahmen zur Risikobewältigung

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Mensch als gläserne Kugel, die Wirtschaft als Wahrsager. So ungefähr kann man sich das heutige Verhältnis von Unternehmen und Endverbrauchern vorstellen. Im Zeitalter digitaler Medien scheint sich die Durchschaubarkeit der Menschen immer weiter zu vergrößern. Beim Surfen im Internet, Austausch von E-Mails, bei der Nutzung von Smartphone-Apps und selbst beim alltäglichen Einkauf hinterlassen wir manchmal bewusst, meist aber unbewusst Daten. Daten, die für die Wirtschaft ein gefundenes Fressen sind, da sie ein wertvolles Gut zur Profitsteigerung darstellen. Spätestens seit Edward Snowden, ehemaliger NSA-Mitarbeiter, das Ausmaß an Überwachungsaktivitäten und Datensammlungen enthüllte1, ist sich jeder über das „Big Data“-Prinzip bewusst. Oder doch nicht?

Obwohl das Thema mangelnden Datenschutzes digitaler Medien in aller Munde ist, unternehmen die Wenigsten etwas dagegen, sondern nutzen digitale Medien weiter wie bisher. Sehr zur Freude großer Internetunternehmen, die ihre Erfolge dadurch immer weiter ausbauen können.

In meinem Essay möchte ich aufdecken, wie genau sich die zeitgenössische Ökonomie Nutzerdaten digitaler Medien zunutze macht und wie sich das auf Endverbraucher auswirken kann. Selbstverständlich bieten neuste Techniken unzählige Annehmlichkeiten und erleichtern den Alltag ungemein. Doch was sind die Menschen bereit dafür im Umkehrschluss aufzugeben? Inwiefern können ihnen ihre eigenen Daten zum Verhängnis werden, wenn Unternehmen damit die Realität verändern und das menschliche Verhalten beeinflussen zu wollen?

2. Entwicklung der digitalen Medien

Ein Leben ohne Handys und ohne Internet. Ein Umstand, der heutzutage undenkbar ist. Laut einer BBC Umfrage, die 2010 durchgeführt wurde, sehen es 79 % der Befragten als ein fundamentales Grundrecht an, über Internetzugang zu verfügen.2 Und einer Studie des Bundesverband Digitale Wirtschaft nach ist jeder zweite Deutsche im Besitz eines sogenanntes Smartphones.3 Vor 30 Jahren kannte man noch nicht einmal die Begriffe „Internet“ und „Smartphone“.

2.1. Die Anfänge der mobilen Telekommunikation und des Internets

Sowohl das Mobiltelefon als auch das Internet erlebten Ende des letzten Jahrhunderts ihre Geburtsstunde. Das erste Mobiltelefon wurde 1973 von Motorola entwickelt mit dem Ziel ein persönliches Telefon zur kreieren, das nicht mehr an feste Orte gebunden sein sollte. 10 Jahre später wurde es dann auch der Öffentlichkeit zu einem stolzen Preis von 3.500 Dollar zum Kauf angeboten.4

Ungefähr zur gleichen Zeit wurde auch das Internet entwickelt. Es basiert auf seinem Vorreiter, dem Arpanet. Das Arpanet war ein 1962 entwickeltes Netzwerk, das verschiedene, amerikanische Forschungsinstitute miteinander verbinden sollte, um den Informationsaustausch zu erleichtern. Das Arpanet wurde zunehmend erweitert und vernetzte 1983 schon circa 500 Rechner von Forschungslabors und Universitäten miteinander. 10 Jahre später wurde dann bereits die Millionengrenze an Internetnutzern überschritten, da Menschen auf der ganzen Welt Teil des Netzes sein wollten. Weil die Nutzung zum damaligen Zeitpunkt aber noch hohe Fachkompetenzen verlangte, fanden sich nur Menschen aus technischen oder naturwissenschaftlichen Berufen mit der komplexen Bedienungsoberfläche zurecht. Deshalb wurde zur gleichen Zeit das World Wide Web entwickelt, das die Internetnutzung erleichtern und für alle zugänglich machen sollte. Daran fanden nicht nur Privatnutzer Gefallen, sondern auch viele Unternehmen. Sie entdeckten das Internet als ein interessantes Werbemedium für sich.5

2.2. Big Data: Digitale Medien von heute und morgen

Seitdem es das Internet gibt, hat es einen großen Wandel vollzogen. Während sich wegen immens hoher Kosten früher nur die gut verdienende Gesellschaft einen Internetzugang und Mobiltelefone leistete, gilt es heutzutage als selbstverständlich im Besitz dieser Dinge zu sein. Für eine geringe monatliche Pauschale bieten etliche Anbieter drahtloses Internet an.6 Und dieses dient schon lange nicht mehr nur der besseren Organisation von Forschungszentren. Es ist kommerziell geworden. Nahezu jedes Unternehmen hat eine eigene Homepage oder bietet seine Ware sogar in Onlineshops an. Die Menschen haben auf ihrer Suche nach neuen, sozialen Erfahrungen7 Social Media Plattformen wie Facebook, Twitter und Instagram für sich entdeckt, auf denen sie sich mit Freunden, Bekannten und Fremden aus aller Welt vernetzen und Inhalte teilen können. Ganz groß im Geschäft ist auch die Internet-Suchmaschine Google. Auf seinem Gebiet kann das Internetunternehmen quasi als Monopolist angesehen werden. Kein anderer Suchmaschinenanbieter ist so erfolgreich wie Google.8

Aber auch die Mobiltelefone sind heute kaum noch vergleichbar mit den anfänglichen Handys. Im jetzigen Zeitalter ist fast nur noch die Rede von sogenannten Smartphones. Hierbei handelt es sich um die innovative Kombination aus Mobiltelefon und Internet. 1993 erschien das erste Smartphone auf dem Markt, das als „Simon Personal Communicator“ betitelt wurde.9 Es war das erste Mobiltelefon, das mit einem Touchscreen und einer E-Mail-Funktion ausgestattet war. Doch das eigentliche Smartphone, wie wir es heute kennen, entwickelte Apple über 10 Jahre später. 2007 erschien das erste iPhone, mit dem es den Menschen plötzlich möglich war, Webseiten vollständig auf dem Handy zu öffnen und bequem im Internet zu surfen, wie es zuvor sonst nur am stationären PC möglich war. Ein Jahr später entwickelte Apple dann auch die ersten Apps, die es dem Smartphone-Nutzer ermöglichten, das Gerät auf die jeweiligen, individuellen Bedürfnisse anzupassen. So war es von da an zum Beispiel selbstverständlich, die oben erwähnten Social Media Plattformen auch ganz leicht vom Smartphone aus bedienen zu können.10

Schnell wurden sich die großen Internetunternehmen ihrer Macht bewusst und fanden Wege, diese auszunutzen. Jedes von ihnen strebte nach größerem Profit, weshalb sich das werbefinanzierte Modell zunehmend durchsetzte.11 Und der erwünschte finanzielle Erfolg stellte sich alsbald ein. Allein die Werbeeinnahmen von Google lagen 2014 bei circa 400 Milliarden Dollar. Damit belegt Google den zweiten Platz auf der Rangliste der wertvollsten börsennotierten Unternehmen direkt hinter Apple.12

Und auch Facebook lebt vor allem von Werbeeinnahmen. Anfang 2014 lagen diese bei rund 2,6 Milliarden Dollar.13 Vor allem erfolgreich sind personalisierte Werbeanzeigen, die sich individuell an den jeweiligen Internetnutzer richten. Das stellt auch der Facebook-Kreativdirektor Mark D'Arcy fest:

„Je besser Inhalte auf die Nutzer zugeschnitten sind, desto besser die wirtschaftlichen Ergebnisse, aber auch die Nutzererfahrung. Wir und die Werbetreibenden stehen mit den Möglichkeiten, wie die Plattform genutzt werden kann, erst am Anfang.“14

Doch von welchen unausgeschöpften Möglichkeiten spricht der Kreativdirektor hier? Das Erfolgsrezept der Zukunft stellt für die digitalen Medien „Big Data“ dar. Mit Big Data ist der Ausbau einer unvorstellbar großen Datensammlung gemeint, die aus verschiedenen Quellen entstammt. Nur mithilfe von großen Mengen an Nutzerdaten können Werbeanzeigen noch personalisierter eingesetzt werden und letztlich zum gewünschten Verkaufserfolg führen. Mit solchen Nutzerdaten sind aber nicht nur der Name und vielleicht noch das Geburtsdatum gemeint, also Daten, die wir bewusst bei Facebook eingeben. Hinter Big Data verbirgt sich noch viel mehr. Sämtliche Aktivitäten im Internet werden haargenau erfasst und dem jeweiligen Nutzer zugewiesen. Es werden dabei sogenannte Metadaten gesammelt, die Aufschluss über die Gewohnheiten und Interessen eines Nutzers geben können.15

„Wer Big Data geschickt einsetzt, ähnelt einem Spieler, der sich durch ‚Kartenzählen‘ einen Vorteil verschafft. Alle anderen sind chancenlos.“16

Nutzer digitaler Medien, die ihre genutzten Internetangebote für kostenlos halten, liegen falsch. Zwar werden sie nicht monetär finanziert, dafür aber mit Daten. Die meisten Menschen sind sich dessen aber offenbar nicht wirklich bewusst. Der Großteil von ihnen bemerkt überhaupt nicht, wie sie und ihre Daten bis aufs kleinste Detail analysiert und ausgekundschaftet werden.17

Wo soll das alles hinführen? Bei dem grenzenlosen Ehrgeiz, den Internetkonzerne wie Google an den Tag legen, wird es sicherlich nicht bei der bloßen Datenanhäufung bleiben. In Zukunft wird die Wirtschaft weitere Möglichkeiten finden, noch mehr Nutzen aus den gesammelten Daten zu ziehen. Laut der Ökonomin Shoshana Zuboff sei für Google die Realität das nächste große Projekt. Mithilfe der gesammelten Daten wolle der Konzern das Verhalten der Menschen soweit kennenlernen, dass er irgendwann in der Lage ist, Menschen zu durchschauen und dementsprechend beeinflussbar zu machen. Schauplatz sei für Google dann nicht mehr die virtuelle, sondern die eigentliche Realität.18 Mit Sensoren, Überwachungskameras, „Google Street View“ und Datenbanken wird das Verhalten der Menschen so lange durchleuchtet, bis sich Internetkonzerne in der Lage sehen, das Verhalten umzuformen.19 Alltagsgegenstände werden mit Chips ausgestattet, die Auskunft über sämtliche unserer Aktivitäten geben – auch außerhalb des Internets. So können beispielsweise Chips an der Supermarktkasse das Kaufverhalten von Kunden erfassen und irrational anmutende Veränderungen darin erkennen. So kann es künftig so weit kommen, dass die Schwangerschaft einer Frau an der Supermarktkasse erkannt werden kann, noch ehe sie selbst davon weiß.20

[...]


1 Vgl. Beuth, Patrick. Zeit Online (25.02.2015): Snowden-Enthüllungen. Alles Wichtige zum NSA-Skandal. Unter: http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2013-10/hintergrund-nsa-skandal (Stand: 18.03.2015)

2 Vgl. Zuboff, Shoshana. Frankfurter Allgemeine Zeitung (30.04.2014): Die Google-Gefahr. Schürfrechte am Leben. Unter: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-google-gefahr-zuboff-antwortet-doepfner- 12916606.html (Stand: 16.03.2015) S. 1

3 Vgl. Bundesverband Digitale Wirtschaft in Kooperation mit Google und TNS Infratest (Mai 2014): Faszination Mobile. Verbreitung, Nutzungsmuster und Trends. Unter: http://www.bvdw.org/presseserver/studie_faszination_mobile/BVDW_Faszination_Mobile_2014.pdf (Stand: 18.03.2015)

4 Vgl. Cooper, Martin (21.04.2003): Interview geführt von Maggie Shiels. BBC News Online. A chat with the man behind mobiles. Unter: http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/2963619.stm (Stand: 18.03.2015)

5 Vgl. Friedewald, Michael (2000): Vom Experimentierfeld zum Massenmedium. Gestaltende Kräfte in der Entwicklung des Internet. In: Technikgeschichte. Band 67. Nr. 4. S. 333 - 338

6 Vgl. Schaar, Peter (2014): Überwachung total. Wie wir in Zukunft unsere Daten schützen. Aufbau Verlag. Berlin. S. 74

7 Vgl. Zuboff, Shoshana. Frankfurter Allgemeine Zeitung (30.04.2014): Die Google-Gefahr. S. 2

8 Vgl. Becker, Jörg (2013): Die Digitalisierung von Medien und Kultur. Springer-Verlag. Wiesbaden. S. 190

9 Vgl. Schneider, Stefan H. (2015): Mobile Marketing - Die moderne Marketingkommunikation: Die Integration von Mobile Marketing in den Marketing-Mix. Igel Verlag RWS. S. 24

10 Vgl. Ebd. S. 25

11 Vgl. Zuboff, Shoshana. Frankfurter Allgemeine Zeitung (30.04.2014): Die Google-Gefahr. S. 2

12 Vgl. Zuboff, Shoshana. Frankfurter Allgemeine Zeitung (14.09.2014): Unsere Zukunft mit „Big Data“. Lasst euch nicht enteignen. Unter: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-digital-debatte/unsere-zukunft- mit-big-data-lasst-euch-nicht-enteignen-13152809.html (Stand: 17.03.2015) S. 3

13 Vgl. Süddeutsche.de (30.01.2014): Facebook steigert Umsatz um zwei Drittel. Unter: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/quartalszahlen-facebook-steigert-umsatz-um-zwei-drittel-1.1875496 (Stand: 19.03.2015)

14 D’Arcy, Mark (06.02.2013): Interview geführt von Christof Kerkmann. Handelsblatt. „Facebook ist wie früher das Fernsehen“. Unter: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/kreativdirektor-im-interview- facebook-ist-wie-frueher-das-fernsehen/7742050.html (Stand: 19.03.2015)

15 Vgl. Schaar, Peter (2014): Überwachung total. S. 21, 71

16 Lanier, Jaron. Frankfurter Allgemeine Zeitung (24.04.2014): Googles Datenmacht. Wer die Daten hat, bestimmt unser Schicksal. Unter: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/googles-datenmacht-wer-die- daten-hat-bestimmt-unser-schicksal-12907065.html (Stand: 17.03.2015) S. 3

17 Vgl. Zuboff, Shoshana. Frankfurter Allgemeine Zeitung (30.04.2014): Die Google-Gefahr. S. 3

18 Vgl. Ebd. S. 5

19 Vgl. Zuboff, Shoshana. Frankfurter Allgemeine Zeitung (14.09.2014): Unsere Zukunft mit „Big Data“. S. 3

20 Vgl. Schaar, Peter (2014): Überwachung total. S. 83

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Big Data als Grundlage zeitgenössischer Ökonomie
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
11
Katalognummer
V468314
ISBN (eBook)
9783668935747
Sprache
Deutsch
Schlagworte
big data, big data wirtschaft, big data unternehmen, big data ökonomie, big data medien, mediengeschichte
Arbeit zitieren
Jenny Jacobs (Autor), 2015, Big Data als Grundlage zeitgenössischer Ökonomie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/468314

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Big Data als Grundlage zeitgenössischer Ökonomie


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden