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Der Umgang der Polizei mit häuslicher Gewalt gegen Männer

Titel: Der Umgang der Polizei mit häuslicher Gewalt gegen Männer

Hausarbeit , 2018 , 20 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Simone Engels (Autor:in)

Soziale Arbeit / Sozialarbeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Angesichts der Bedeutung des strukturellen Machtgefälles zwischen den Geschlechtern hat sich im Kontext häuslicher Gewalt eine generalisierte Zuschreibung von Opferschaft an Frauen und von Täterschaft an Männer manifestiert. Auch auf Fachtagungen, in Publikationen, den Massenmedien sowie in der Rechtsprechung findet häusliche Gewalt gegen Männer allenfalls als Fußnote oder Randbemerkung Beachtung. Die hierdurch transportierte Botschaft ist der Mythos häusliche Gewalt ist Männergewalt. Diese Arbeit thematisiert, inwiefern Polizeiangehörige entsprechend im Umgang mit häuslicher Gewalt gegen Männer geschult werden können.

Die Polizei hat, nicht zuletzt seit Inkrafttreten des sogenannten Gewaltschutzgesetzes, das Betätigungsfeld der Krisenintervention übernommen und sieht sich inzwischen selbst als eine Institution, die kontextual Erstintervention betreiben muss. Dabei werden solche Dienste stärker unter der Perspektive einer Parteilichkeit für die jeweils schwächere Partei und nicht unter der alleinigen Perspektive der Durchsetzung von Recht und Ordnung wahrgenommen. Häusliche Gewalt gegen Männer unterliegt jedoch nicht nur einem spezifischen situativ-motivationalen Kontext, sondern auch einem gesellschaftlichen, medialen sowie politischen Tabu und bedingt möglicherweise andere Orientierungsmuster als sie im Umgang mit häuslicher Gewalt gegen Frauen notwendig sind. Themenbezogen ist in diesem Zusammenhang aber fraglich, ob eine solche veränderte Perspektive unter den derzeitigen Problematisierungstendenzen von Polizeiangehörigen überhaupt erlernt und dadurch erwartet werden kann.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung

3. Wissenschaftliche Diskurse und Kontroversen

4. Herausforderungen für gewalterfahrene Männer

5. Die Polizei und häusliche Gewalt gegen Männer

5.1. Das Gewaltschutzgesetz und seine (Aus-)Wirkung

5.2. Gesellschaftspolitische Wahrnehmung und ihre (Aus-) Wirkung

5.2.1. Ein Blick auf Männer als Opfer

5.2.2. Ein Blick auf Frauen als Täterinnen

6. Zusammenfassung und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Hausarbeit setzt sich theoretisch mit dem Phänomen häuslicher Gewalt gegen Männer auseinander, wobei der Fokus auf der Rolle der Polizei sowie gesellschaftspolitischen Tabus liegt. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen gesellschaftlichen Geschlechterstereotypen und der polizeilichen Interventionspraxis zu beleuchten, um Wege zu einem vorurteilsfreieren Umgang mit männlichen Opfern aufzuzeigen.

  • Strukturelle Machtgefälle und die Verfestigung von Täter-Opfer-Zuschreibungen
  • Die Rolle der Polizei bei der Krisenintervention und polizeiliche Fürsorge
  • Gesellschaftspolitische Wahrnehmung von Gewalt und das Paradoxon männlicher Opferschaft
  • Herausforderungen durch Geschlechterstereotype bei Polizei und Hilfesystemen

Auszug aus dem Buch

5.2.1. Ein Blick auf Männer als Opfer

Obgleich ihr Geschlecht in einer patriarchalischen Gesellschaft ansonsten als eher privilegiert angesehen wird, wird gewalterfahrenen Männern nicht nur die Anteilnahme an ihrem Schicksal verwehrt, sie werden zudem ihrem Schicksal überlassen und mitunter stigmatisiert. Hagemann-White und Lenz (2002) begründen diesen Unterschied zwischen den Geschlechtern mit der hegemonial organisierten Gesellschaftskultur, welche auf Herrschaft und Kontrolle beruht. Mit diesem hegemonialen Konzept von Männlichkeit werden Verhaltensweisen der Unterwerfung, der Aneignung, des Sich-Erhebens assoziiert. Schwäche, Ohnmacht, Hilflosigkeit, also Gefühlszustände, die mit einem Opfersein verbunden werden, laufen hingegen konträr zu diesem hegemonialen Männerbild (Walter 2002). Besonders für andere Männer bedeutet eine Konfrontation mit der von Männern erlebten Erfahrung von Ohnmacht, Passivität und Opfersein ein radikales Infragestellen des eigenen Mann-Seins und besonders die Verstrickungen in die patriarchalen Verhältnisse wirken in Folge einer Solidarisierung entgegen (Hagemann-White & Lenz 2002). In dieser Logik stellt der Begriff des männlichen Opfers ein gesellschaftliches Paradoxon dar: Entweder gilt jemand als Opfer oder er ist ein Mann (vertiefend siehe Lenz 1996, 2000, 2004). Diese Mechanismen bewirken, dass männliche Opfer hinter der vermeintlichen Normalität verschwinden. Lenz (2007) postuliert, dass Verletzungen eines Mannes erst dann sozial und politisch ernst genommen werden, wenn der Betroffene sozial auffällig wird und als Gewalttäter agiert. Hier löse sich sodann auch das Paradoxon auf, indem der Mann nicht weiter als Opfer, sondern als Täter wahrgenommen werden kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die gesellschaftliche Marginalisierung männlicher Opfer von häuslicher Gewalt und die daraus resultierenden Herausforderungen für Betroffene und Institutionen wie die Polizei.

2. Begriffsbestimmung: Dieses Kapitel erörtert die Komplexität des Gewaltbegriffs und definiert häusliche Gewalt als ein breites Spektrum, das physische, psychische und verbale Handlungen umfasst.

3. Wissenschaftliche Diskurse und Kontroversen: Hier werden die vorherrschenden Forschungstraditionen skizziert, die Gewalt primär als männliches Verhalten gegen Frauen framen, und der wachsende, aber unterrepräsentierte Diskurs zu männlichen Opfern diskutiert.

4. Herausforderungen für gewalterfahrene Männer: Das Kapitel analysiert, warum Scham, internalisierte Geschlechterrollen und gesellschaftliche Ignoranz den Zugang von Männern zu Hilfsangeboten erheblich erschweren.

5. Die Polizei und häusliche Gewalt gegen Männer: Dieser Hauptteil beleuchtet die Rolle der Polizei im Kontext des Gewaltschutzgesetzes sowie die Einflüsse kultureller Stereotype auf das polizeiliche Handeln.

5.1. Das Gewaltschutzgesetz und seine (Aus-)Wirkung: Es wird untersucht, wie rechtliche Normen und polizeiliche Routinen die Wahrnehmung von Gewalt beeinflussen und welche Bedeutung der "polizeilichen Fürsorge" zukommt.

5.2. Gesellschaftspolitische Wahrnehmung und ihre (Aus-) Wirkung: Die Analyse konzentriert sich auf die Auswirkungen gesellschaftlicher Tabus auf das polizeiliche Krisenmanagement.

5.2.1. Ein Blick auf Männer als Opfer: Das Kapitel erläutert, warum männliche Opfer in einer hegemonialen Männlichkeitsvorstellung als Paradoxon wahrgenommen und oft nicht als solche anerkannt werden.

5.2.2. Ein Blick auf Frauen als Täterinnen: Hier wird thematisiert, warum die Wahrnehmung von Frauen als Täterinnen gesellschaftlich und institutionell auf erheblichen Widerstand stößt.

6. Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Problematiken zusammen und formuliert Ansätze für eine vorurteilsfreie, präventionsorientierte polizeiliche Praxis.

Schlüsselwörter

Häusliche Gewalt, Männliche Opfer, Polizei, Gewaltschutzgesetz, Geschlechterstereotypen, Cop Culture, Patriarchat, Maskulinität, Viktimisierung, Krisenintervention, Genderbias, Gewaltdiskurs, Soziale Kontrolle, Prävention, Täter-Opfer-Paradoxon

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die theoretische Auseinandersetzung mit häuslicher Gewalt gegen Männer und analysiert, wie gesellschaftliche Geschlechterbilder und polizeiliche Routinen den Umgang mit männlichen Opfern prägen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das gesellschaftliche Tabu männlicher Opferschaft, die Rolle der Polizei im Rahmen des Gewaltschutzgesetzes sowie die Bedeutung von hegemonialen Männlichkeitskonstruktionen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die spezifischen Probleme männlicher Gewaltopfer zu schaffen und Anregungen für eine vorurteilsfreie polizeiliche Praxis zu geben.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Annäherung und einer Analyse bestehender wissenschaftlicher Diskurse und Forschungsarbeiten zur Kriminologie und Soziologie.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Auswirkungen von Gesetzen und gesellschaftlichen Diskursen auf die polizeiliche Arbeit, inklusive einer detaillierten Betrachtung des Paradoxons von Männern als Opfer und Frauen als Täterinnen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind häusliche Gewalt, männliche Opfer, Polizei, Gewaltschutzgesetz, Geschlechterstereotype, Maskulinität und Viktimisierung.

Welchen Einfluss hat die "Cop Culture" auf das Handeln der Polizei?

Laut der Arbeit kann die androzentrische Cop Culture bei Polizeiangehörigen zu einer binären Logik führen, die es erschwert, Männer als Opfer wahrzunehmen, da dies dem Leitbild des "Kriegertypus" widerspricht.

Warum wird Männern ihre Gewalterfahrung oft nicht geglaubt?

Aufgrund eines tief verwurzelten selektiven Alltagsmythos werden Männer oft als privilegiert oder als potenzielle Täter gesehen, wodurch das Eingeständnis einer Opferrolle mit Scham und Inkompetenzgefühlen verbunden ist.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Der Umgang der Polizei mit häuslicher Gewalt gegen Männer
Hochschule
Universität Hamburg  (Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Kontrollpolitik I - Policing
Note
1,3
Autor
Simone Engels (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
20
Katalognummer
V468436
ISBN (eBook)
9783668938892
ISBN (Buch)
9783668938908
Sprache
Deutsch
Schlagworte
umgang polizei gewalt männer
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Simone Engels (Autor:in), 2018, Der Umgang der Polizei mit häuslicher Gewalt gegen Männer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/468436
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  20  Seiten
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