Inklusion und Exklusion von Menschen in verschiedenen Lebenssituationen. Wie unterscheiden sich die Inklusionchancen und Exklusionsformen?


Hausarbeit, 2019
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Einleitung

2 Der Begriff Inklusion
2.1 Inklusion und Integration – Unterschiede

3 Der Begriff Exklusion
3.1 Exklusion in Verbindung mit Mehrdimensionalität, Rationalität und Dynamik im Lebenslauf

4 Inklusion und Exklusion in verschiedenen Lebenslagen
4.1 Familie
4.2 Alte Menschen
4.3 Menschen mit psychischen/physischen Beeinträchtigungen

5 Vergleich

6 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Unter Inklusion versteht man die uneingeschränkte und gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen. Dabei zielt sie auf Vielfältigkeit ab und möchte diese als Normalität in der Gesellschaft verwirklichen. Exklusion als Gegenstück bezieht sich auf Ausgrenzungserfahrungen, die bestimmten Personen oder auch Personengruppen in ihrem Leben zu spüren bekommen. Dabei haben Exklusionsereignisse immer einen mehrdimensionalen Charakter und können aufeinander aufbauen.

Inklusion und Exklusion spielen in der Sozialen Arbeit eine grundlegende Rolle. Das Konzept der Inklusion stellt sich in der heutigen Gesellschaft noch als Herausforderung dar und befindet sich in einem Wandel. Exklusionserfahrungen hingegen müssen aufgezeigt und vorgebeugt werden. Familien, alte Menschen und Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen zählen zu den Gruppen, welche von beiden Phänomenen betroffen sind.

Ziel der vorliegenden Arbeit soll es sein die Begriffe Inklusion und Exklusion genauer zu erklären. Im ersten Abschnitt geht es um die Begriffsbestimmung von Inklusion und Integration, um zu prüfen welche Unterschiede diese Themen aufweisen. Danach werden die Gemeinsamkeiten von Exklusion benannt, wie diese sich bestärken und Ausgrenzungserfahrungen hervorrufen können. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf den drei Gruppen „Familie“, „alte Menschen“ und „Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen“. Diese werden getrennt voneinander definiert und es werden sowohl Inklusionschancen, als auch Exklusionsformen aufgezeigt. Zum Schluss werden alle drei Gruppen verglichen. Als letztes folgt ein Fazit, welches Handlungsoptionen für die Soziale Arbeit aufzeigt.

2 Der Begriff Inklusion

Unter Inklusion versteht man den gleichen Zugang für alle Menschen zu verschiedenen Institutionen. Dabei dürfen das Geschlecht, sowie physische und psychische Einschränkungen keine Rolle spielen. Das bedeutet zum Beispiel, dass ein Rollstuhlfahrer den gleichen uneingeschränkten Zugang zu einem Gebäude haben muss, wie ein Mensch ohne Behinderung. Inklusion ist, wenn sich Unterschiedlichkeiten aller Menschen ergänzen und zum Ziel führen. Wenn alle gleichberechtigt teilnehmen können trotz verschiedener Leistungen. Wenn beispielsweise jemand etwas in der Schule vorträgt und jemand anderes es für Gehörlose übersetzt. Dann können alle, egal welchen Unterstützungsbedarf sie haben, unterrichtet werden und es müsste keine unterschiedlichen Schulformen geben.

Inklusion ist ein Konzept, welches alle Menschen, egal welche Besonderheiten oder Unterstützungsbedarfe sie haben miteinbezieht und Verschiedenheiten als etwas Positives und Ergänzendes in der Gesellschaft sieht (Wunder, 2010, S. 25).

2.1 Inklusion und Integration – Unterschiede

„Zwischen Hineingenommenwerden und Dazugehören ist ein Unterschied“ (Wunder, 2010, S. 22). Dieses Zitat spiegelt Integration und Inklusion wieder. Den Begriff „Hineingenommenwerden“ kann man Integration zuordnen und unter dem Begriff „Dazugehören“ verbirgt sich Inklusion. Dabei ist es wichtig zu differenzieren, dass Inklusion ein unabhängiges und anderes Konzept gegenüber Integration darstellt (Wunder, 2010, S. 22).

Integration meint, dass Menschen, welche in irgendeiner Form eingeschränkt sind, wie beispielsweise einer Behinderung oder einer anderen Einschränkung, aktiv mit in die Gesellschaft eingebunden werden. Somit versteht man unter einer integrativen Gesellschaft, dass sie Wege und Regelungen für Menschen mit als auch ohne Einschränkungen hervorbringt und diese von ihnen genutzt werden kann. Dies ist auch das Ziel der Integration, damit für Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf normale gesellschaftliche Bedingungen hergestellt werden können (Wunder, 2010, S. 23).

Kritikpunkt der Integration ist, dass man Menschen mit Einschränkungen aktiv miteinbezieht. Denn dies setzt eine Gesellschaft voraus, welche als Leitbild gilt. Das bedeutet auch, dass Menschen, welche diese Voraussetzungen nicht erfüllen aus dem Raster herausfallen. Genauer, bedeutet das, dass eine Andersartigkeit nicht geduldet und eine Anpassung angestrebt wird (Wunder, 2010, S. 23f.).

Ein weiterer Kritikpunkt ist die „Zwei-Klassen-Gesellschaft“. Denn unter Integration, bezieht man immer Menschen aktiv mit in die Gesellschaft hinein, welche unter Einschränkungen leiden. Das bedeutet also auch, dass man Unterscheidungen zwischen ihnen macht und sie stigmatisiert (Wunder, 2010, S. 23f.).

Genauso werden Abstufungen bezüglich des Grades des Unterstützungsbedarfs getätigt. Das bedeutet, dass Menschen, welche einen hohen Unterstützungsbedarf benötigen weniger Chancen haben in die Gesellschaft miteinbezogen zu werden, anstatt diejenigen, welche einen niedrigen Unterstützungsbedarf haben (Wunder, 2010, S. 23f.).

Bei dem Konzept der Inklusion steht der Mensch mit seinen Wünschen im Vordergrund. Dabei ist Inklusion an keine Bedingungen geknüpft und zielt auf die aktive Partizipation, also die Teilhabe der Menschen an gesellschaftliche Prozesse ab. Die Menschen in der Gesellschaft sollen unabhängig von ihrem Geschlecht und anderen ihnen zugeschriebenen Attributen miteinbezogen werden und aktiv mitteilnehmen können. Dabei steht die Gleichberechtigung an erster Stelle. Ebenfalls wird von Vielfalt in der Gesellschaft gesprochen, was so viel bedeutet, dass man nicht nur zwei Gruppen hat, wie beispielsweise die der Menschen mit und ohne Einschränkungen, sondern, dass alle Menschen egal welche verschiedenen Charakteristika oder Besonderheiten sie besitzen miteinbezogen werden (Wunder, 2010, S. 25). Hier wird angeknüpft an Adornos „Miteinander des Verschiedenen“ (Wunder, 2010, S. 25).

Ebenso schirmt sich das Konzept der Inklusion davon ab, Menschen Bezeichnungen zuzuschreiben. Es sollen die Unterschiedlichkeiten eines jeden anerkannt und respektiert werden. Hier zeigt sich, wie Menschen mit Verschiedenheiten beziehungsweise Unterschiedlichkeiten umgehen können und wie diese Vielfalt genutzt werden kann. Denn jeder Mensch kann trotz bestimmter Unterstützungsbedarfe seinen Teil für die Gesellschaft miteinbringen (Wunder, 2010, S. 26f).

Wie bei der Integration können auch Risikopunkte als auch Vorzüge bei dem Konzept der Inklusion entstehen. Ein großer Vorteil ist, dass Menschen nicht mehr klientelisiert werden. Denn durch diese Zuschreibung sind Menschen erst in die Hilfebedürftigkeit hineingekommen beziehungsweise wurde sie dadurch produziert (Wansing, 2005, S. 186). Durch das Konzept werden alle Menschen gleichbehandelt. Hier wird also das System gestärkt, um einer Ausgrenzung vorzubeugen (Wunder, 2010, S. 28).

Ein Kritikpunkt könnte sein, dass die Bedürfnisse des Einzelnen teilweise doch sehr hoch sind und diese von der durchschnittlichen Unterstützung abweicht. Genauso müsste es Beratungsstellen geben, welche für alle Menschen gelten, was aber einen sehr hohen und gleichzeitig spezifischen Aufwand, sich in verschiedene Bereiche weiterzubilden, bedeuten würde (Wunder, 2010, S. 28f.).

3 Der Begriff Exklusion

Exklusion ist ein sehr breit gefächerter Begriff den man nicht genau definieren kann. „Ganz allgemein wird soziale Exklusion interpretiert als Ausschluss von Personen oder Personengruppen von grundlegenden politischen, ökonomischen und sozialen Leistungen und Prozessen der Gesellschaft“ (Wansing, 2005, S. 60).

Trotz der Unterschiede den Exklusionsbegriff genauer zu definieren gibt es Gemeinsamkeiten, welche diesen bestärken. Diese sind Mehrdimensionalität, Rationalität und Dynamik im Lebenslauf (Wansing, 2005, S. 60f.).

3.1 Exklusion in Verbindung mit Mehrdimensionalität, Rationalität und Dynamik im Lebenslauf

Heutzutage wissen wir, dass sich Mehrdimensionalität in der sozialen Exklusion wiederspiegelt. Sie ist ein Faktor der sich aus mehreren Instanzen zusammensetzt. Dazu zählen die Aspekte „… ökonomisch, als auch sozial, kulturell und politisch“ (Wansing, 2005, S. 61). Dabei können sich die einzelnen Ressourcen ergänzen allerdings auch Ausgrenzung schaffen. Beispielsweise wenn die ökonomische Ressource, auch materielle Ressource genannt, fehlt oder nur gering ausgeprägt ist, kann dies die kulturelle oder soziale Ressource eindämpfen. Um dies genauer darzustellen folgt ein Beispiel. Wenn man nicht genügend Geld zur Verfügung hat, (ökonomische Ressource) kann man sich nicht den Trends in der Modebranche folgen, da man sich dies nicht leisten kann. Dies kann zur sozialen Ausgrenzung führen, da man nicht Teil dieser Personengruppe werden kann. Dieses Beispiel verdeutlicht, wie die einzelnen Ressourcen abhängig voneinander sind und sich wechselseitig ergänzen (Wansing, 2005, S. 61).

Bei dem Faktor der Relationalität geht es um die Gesellschaft und ihre Organisationen, welche selbst Ausgrenzungen schaffen. Dabei stehen Inklusion und Exklusion immer im Verhältnis zueinander. Denn die Organisationen, wie beispielsweise das Schulsystem nehmen jeden Schüler_innen auf, da eine Schulpflicht in Deutschland herrscht. Allerdings werden Schüler_innen nach Leistung eingeteilt, sodass auch hier wieder Ausgrenzungen stattfinden. Das heißt also, dass Exklusion von der Gesellschaft und ihren Institutionen verbreitet wird. Somit werden Menschen klassifiziert und eingeteilt, anstatt dem Gedanken der Inklusion zu folgen (Wansing, 2005, S. 62ff.).

Im Kontext der Rationalität muss der Begriff der Exklusion noch weiter definiert werden. Denn unter Exklusion versteht man eine Form der Ausgrenzung. Diese wiederum schafft, dass Menschen aus einer bestimmten gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen werden. Sich also im gesellschaftlichen „Draußen“ befinden. Bei dem Begriff der Inklusion ist genau das Gegenteil gemeint. Hier wird die gesellschaftliche Teilhabe in den Vordergrund gerückt. Also ein gesellschaftlichen „Drinnen“ angestrebt (Wansing, 2005, S. 64).

Abgegrenzt von dem Begriff der Exklusion ist es vorteilhaft den Begriff der Ausgrenzung zu verwenden, da Exklusion sich immer um einen „…verfestigten Status handelt, …“ (Wansing, 2005, S. 64) Das heißt also, wenn jemand vollkommen an gesellschaftlicher Teilhabe im Leben ausgeschlossen ist. Deswegen ist es wichtig auch davon abzugrenzen, dass dies nur in Ausnahmefällen passiert. Denn Ausgrenzung kann nur jemand erfahren, der es zumindest schon einmal probiert hat an bestimmten Organisationen teilzunehmen und gescheitert ist (Wansing, 2005, S. 64f.). Zuletzt stellt sich die Frage: „Wer oder was grenzt wen auf welche Weise aus? Wie sinnvoll ist es darauf zu reagieren, und wie lässt sich der Prozess bereits im Vorfeld vermeiden?“ (Wansing, 2005, S. 64)

Der letzte Punkt des Abschnittes beschäftigt sich mit der Dynamik im Lebenslauf und welchen Stellenwert diese in der Exklusion hat. Unter Dynamik im Lebenslauf versteht man die verschiedenen Lebensphasen die ein Mensch durchläuft. Diese werden durch die Gesellschaft eingeteilt in „schlechte“ und „gute“ Leistungen und können sich somit positiv oder negativ auf die Zukunftsperspektiven auswirken. Das heißt also, wenn ein Teenager schlechte Noten in der Schule erworben hat, kann sich das negativ auf seine Berufschancen auswirken. Ebenso können die schlechten Noten Ausgrenzungserfahrungen in der Schule hervorrufen. Diese können sich bis zur nächsten Lebensphase strecken. Somit ist es ein lebendiger Prozess im Lebenslauf der vorangegangene Situationen und Erfahrungen mit in die Zukunft hineinbezieht (Wansing, 2005, S. 66ff.).

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Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Inklusion und Exklusion von Menschen in verschiedenen Lebenssituationen. Wie unterscheiden sich die Inklusionchancen und Exklusionsformen?
Hochschule
Theologische Hochschule Friedensau
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
18
Katalognummer
V468475
ISBN (eBook)
9783668930377
ISBN (Buch)
9783668930384
Sprache
Deutsch
Schlagworte
inklusion, exklusion, menschen, lebenssituationen, inklusionchancen, exklusionsformen
Arbeit zitieren
Paula Scharff (Autor), 2019, Inklusion und Exklusion von Menschen in verschiedenen Lebenssituationen. Wie unterscheiden sich die Inklusionchancen und Exklusionsformen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/468475

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