Es bestehen viele unterschiedliche Motive für Frauen wieder in die Erwerbstätigkeit zurückzukehren, die in unterschiedlichen Studien herausgearbeitet worden sind. Auch Männer sind in den vergangenen Jahren häufig bezüglich der Themen Elternzeit und dem Wiedereinstieg ihrer Partnerin in den Beruf nach der Elternzeit befragt worden. Die Studienlage beschränkt sich jedoch auf die Motive der Frauen, in den Beruf zurück zu kehren sowie die Einstellung ihrer Partner zu diesem Thema. Paare sind demnach immer getrennt betrachtet und befragt worden. Als Folge daraus stellt sich die Frage, wie Paare die Entscheidung bezüglich des beruflichen Wiedereinstiegs der Frau gemeinsam treffen.
Die Erkenntnisse des geplanten Projektes werden im Hinblick auf die Fragestellung: „Was sind die Motive für einen beruflichen Wiedereinstieg nach der Elternzeit für Paare?“ ausgewertet. Wie in Kapitel 5 ausführlicher besprochen wird, werden die Paare gemeinsam zu ihren Motiven befragt. Dabei interessieren besonders folgende Teilfragen:
Welche Motive hatte die Frau wieder in den Beruf einzusteigen? Welche Motive hatte ihr Partner sie dabei zu unterstützen/sie nicht zu unterstützen? Wie wurde die Entscheidung zum beruflichen Wiedereinstieg getroffen? War es eine gemeinsame Entscheidung oder hat sich einer der beiden Partner durchgesetzt? Hängen die getroffenen Entscheidungen, die den beruflichen Wiedereinstieg betreffen mit den vorausgegangenen Entscheidungen bezüglich der Elternzeit zusammen?
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung
2. Forschungsstand
3. Fragestellung
4. Zielsetzung und Erkenntnisinteresse
5. Methoden und Material
Zielsetzung & Themen
Das Forschungsprojekt hat zum Ziel, die Motive für einen beruflichen Wiedereinstieg nach der Elternzeit aus der Perspektive von Paaren zu untersuchen, um den gemeinsamen Entscheidungsprozess und die gegenseitige Beeinflussung der Partner besser zu verstehen.
- Analyse von Motiven für den Wiedereinstieg aus einer Paar-Perspektive
- Untersuchung des gemeinsamen Entscheidungsfindungsprozesses bei Paaren
- Identifikation von Faktoren, die die Entscheidung für einen Wiedereinstieg beeinflussen
- Vergleich von männlichen und weiblichen Motiven in diesem Prozess
- Erforschung des Zusammenhangs zwischen Elternzeitentscheidungen und dem späteren Wiedereinstieg
Auszug aus dem Buch
1. Problemstellung
Die Müttererwerbsquote ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Lag sie im Jahr 2008 bei etwa 65% der Mütter zwischen 25 und 60 Jahren, so liegt sie im Jahr 2010 bei 71% (BMFSFJ (Hg.) 2013, S. 10). Die vorausgehende Erwerbsunterbrechung aufgrund der Geburt eines Kindes dauert bei 59% der Wiedereinsteigerinnen weniger als drei Jahre (BMFSFJ (Hg.) 2013, S. 14). Der Wiedereinstieg und die Entscheidung zu diesem stellt einen (häufig über mehrere Jahre andauernden) Prozess dar, an dem die gesamte Familie direkt oder indirekt beteiligt ist (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) (Hg.) 2010; BMFSFJ (Hg.) 2013, S. 6).
Dieser Anstieg ist unter anderem auf rechtliche Änderungen, wie zum Beispiel die Einführung des Elterngeldes im Jahr 2007 zurückzuführen, durch die der Anteil der Väter, die die Elternzeit in Anspruch nahmen um über 30% anstieg (Statistisches Bundesamt (Hg.) 2008, 2016). Die Väter, die ihre Erwerbsarbeitszeit zugunsten der Sorgearbeit (Care) für ihre Kinder verringern, werden in verschiedenen Studien als „neue“ Väter bezeichnet (Abel und Abel 2009; Ehnis 2009; Döge und Volz 2002; Walter 2002; Zulehner 2004). In einer aktuellen Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) geben zudem circa 70% der Väter an, dass sie deutlich mehr Sorgearbeit leisten als die Väter ihrer Elterngeneration. Überdies äußert jeder zweite, dass er sich die Betreuung der Kinder mit seiner Partnerin teilen möchte. Die Reduktion der Erwerbsarbeit darf ihren beruflichen Erfolg jedoch nicht minimieren (BMFSFJ (Hg.) 2016a).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung: Dieses Kapitel thematisiert den Anstieg der Müttererwerbsquote und die damit verbundenen Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf unter Berücksichtigung sich wandelnder Rollenbilder.
2. Forschungsstand: Hier wird aufgezeigt, dass bisherige Studien primär die Motive der Frau betrachten, während ein Mangel an Untersuchungen zum gemeinsamen Entscheidungsfindungsprozess des Paares besteht.
3. Fragestellung: Dieses Kapitel leitet die Forschungsfrage nach den Motiven für den Wiedereinstieg aus der Perspektive beider Partner ab und definiert spezifische Teilfragen zur Entscheidungsfindung.
4. Zielsetzung und Erkenntnisinteresse: Hier wird das Ziel dargelegt, Motive des beruflichen Wiedereinstiegs in Hypothesen zu fassen und durch verschiedene theoretische Schemata wie das „haushälterische Dreieck“ zu analysieren.
5. Methoden und Material: Dieses Kapitel erläutert das methodische Vorgehen, welches auf zehn qualitativen, leitfadengestützten Paarinterviews basiert, die mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet werden.
Schlüsselwörter
Beruflicher Wiedereinstieg, Elternzeit, Paar-Entscheidung, Sorgearbeit, Erwerbstätigkeit, Motive, Familienmodelle, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, qualitative Sozialforschung, Leitfadeninterviews, Gender-Pay-Gap, Rollenbilder, Entscheidungsfindungsprozess, Empowerment, Haushälterisches Dreieck.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Motiven für den beruflichen Wiedereinstieg von Müttern nach der Elternzeit, betrachtet dies jedoch explizit aus der gemeinsamen Perspektive des Paares.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Verteilung von Sorge- und Erwerbsarbeit sowie der Einfluss von Rollenbildern auf die Entscheidungsfindung in Partnerschaften.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Was sind die Motive für einen beruflichen Wiedereinstieg nach der Elternzeit für Paare?“
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Studie verwendet?
Es werden qualitative, leitfadengestützte Interviews mit insgesamt zehn Paaren durchgeführt und die gewonnenen Daten mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach einem 9-Stufen-Modell ausgewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der Forschungsstand zum Thema diskutiert, die Forschungsfrage hergeleitet, das Ziel der Arbeit definiert und das methodische Vorgehen bei der Datenerhebung und -analyse detailliert beschrieben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind beruflicher Wiedereinstieg, Paar-Entscheidung, Sorgearbeit, Rollenbilder, qualitative Forschung und das haushälterische Dreieck.
Welche Bedeutung hat das „haushälterische Dreieck“ in diesem Kontext?
Es dient als theoretischer Rahmen, um Entscheidungen im Haushalt basierend auf den Kategorien Wertorientierungen, Ressourcen und Handlungsalternativen besser einordnen zu können.
Warum konzentriert sich das Forschungsprojekt auf Paare statt nur auf Frauen?
Die Autorin argumentiert, dass bisherige Studien das Thema meist nur aus der Perspektive der Frau betrachten und es an Forschung mangelt, die den gemeinsamen Entscheidungsfindungsprozess und die gegenseitige Beeinflussung der Partner in den Blick nimmt.
- Arbeit zitieren
- B.Sc. Lena-Johanna Schmidt (Autor:in), 2017, Welche Motive gibt es für den beruflichen Wiedereinstieg nach der Elternzeit für Paare?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/468694