Mt 21,12-17
Die Tempelreinigung Jesu
12 Und Jesus ging in den Tempel hinein und trieb heraus alle Verkäufer und Käufer im Tempel und stieß die Tische der Geldwechsler um und die Stände der Taubenhändler 13 und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben (Jes 56,7): „Mein Haus soll ein Bethaus heißen“; ihr aber macht eine Räuberhöhle daraus. 14 Und es gingen zu ihm Blinde und Lahme im Tempel und er heilte sie. 15 Als aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten die Wunder sahen, die er tat, und die Kinder, die im Tempel schrien: Hosianna dem Sohn Davids!, entrüsteten sie sich 16 und sprachen zu ihm: Hörst du auch was diese sagen? Jesus antwortete ihnen: Ja! Habt ihr nie gelesen (Ps 8,3): „Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob bereitet“? 17 Und er ließ sie stehen und zur Stadt hinaus nach Betanien und blieb dort über Nacht.
Die sogenannte „Tempelreinigung“ Jesu finden wir in allen vier kanonischen Evangelien.
Das Besondere dieser Perikope ist der kurzfristige Gewaltausbruch Jesu im Jerusalemer Tempel, der von allen vier Autoren in wenigen kurzen Versen beschrieben wird. Der historische Jesus, welcher in den restlichen Erzählungen der kanonischen Evangelien als Prediger, Heiler und Wundertäter beschrieben wird, übt im Tempel von Jerusalem Gewalt aus.
Diese Exegese befasst sich mit der Perikope der Tempelreinigung bei Matthäus und den damit verbundenen Fragen:
- Was ist das Besondere an der Darstellung des Geschehens bei Matthäus?
- Wie wollte Matthäus den historischen Jesus darstellen?
- Beschreibt Matthäus in seinem Evangelium weitere, ähnliche Äußerungen?
- Gegen wen oder was richtete sich der Gewaltausbruch Jesu und
- was wollte Jesus mit seiner Aktion im und gegen den Tempel erreichen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung:
1.1. Wirkungsgeschichtliche Reflexion
1.2. Abgrenzung der Perikope
2. Strukturanalyse:
2.1. Textlinguistische Fragestellungen
2.2. Formkritik
3. Analyse des innovativen Potentials:
3.1. Synoptischer Vergleich
3.1.1. Die Perikope des Matthäus im Vergleich zu den Synoptischen Evangelien
3.1.2. Die Tempelreinigung im Evangelium des Johannes
3.1.3. Schlussfolgerung
3.2. Traditionsgeschichte und religionsgeschichtlicher Vergleich
4. Frage nach der Wirkabsicht:
4.1. Pragmatische Analyse
4.2. Kompositions- und Redaktionskritik
4.3. Soziologische Fragen
5. Ergebnissicherung und Ausblick:
5.1. Ergebnis, Fazit
5.2. Hermeneutischer Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit widmet sich einer exegetischen Untersuchung der Tempelreinigung Jesu nach Matthäus (Mt 21,12-17). Ziel ist es, das spezifische Jesusbild des Matthäus herauszuarbeiten und zu analysieren, wie der Autor durch die bewusste Einfügung von Sondergut den Konflikt zwischen Jesus und den jüdischen Autoritäten sowie die Rolle der Marginalisierten als wahre Repräsentanten Israels darstellt.
- Exegetische Analyse der Perikope Mt 21,12-17
- Synoptischer Vergleich und traditionsgeschichtliche Einordnung
- Untersuchung der pragmatischen und soziologischen Wirkabsicht des Matthäus
- Deutung der Rolle von Kindern und Notleidenden im matthäischen Jesusbild
- Historizitätskritische Reflexion zur Tempelaktion
Auszug aus dem Buch
1.1. Wirkungsgeschichtliche Reflexion
Die sogenannte „Tempelreinigung“ Jesu finden wir in allen vier kanonischen Evangelien.
Das Besondere dieser Perikope ist der kurzfristige Gewaltausbruch Jesu im Jerusalemer Tempel, der von allen vier Autoren in wenigen kurzen Versen beschrieben wird. Der historische Jesus, welcher in den restlichen Erzählungen der kanonischen Evangelien als Prediger, Heiler und Wundertäter beschrieben wird, übt im Tempel von Jerusalem Gewalt aus. Diese Exegese befasst sich mit der Perikope der Tempelreinigung bei Matthäus und den damit verbundenen Fragen:
- Was ist das Besondere an der Darstellung des Geschehens bei Matthäus?
- Wie wollte Matthäus den historischen Jesus darstellen?
- Beschreibt Matthäus in seinem Evangelium weitere, ähnliche Äußerungen?
- Gegen wen oder was richtete sich der Gewaltausbruch Jesu und
- was wollte Jesus mit seiner Aktion im und gegen den Tempel erreichen?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema ein, reflektiert die Wirkungsgeschichte der Perikope und definiert die Fragestellungen sowie die Abgrenzung des zu untersuchenden Textabschnitts.
2. Strukturanalyse: Hier erfolgt eine textlinguistische und formkritische Untersuchung, die den Handlungsablauf und die Spannungsbögen innerhalb der Perikope bei Matthäus aufzeigt.
3. Analyse des innovativen Potentials: Dieses Kapitel stellt die Perikope in den synoptischen Vergleich und beleuchtet die Traditionsgeschichte der verwendeten Zitate im Kontext des matthäischen Sondergutes.
4. Frage nach der Wirkabsicht: Diese Sektion untersucht durch pragmatische Analyse, Kompositionskritik und soziologische Fragestellungen, welche Intention Matthäus mit der Darstellung Jesu als Sohn Davids und der Abwertung der jüdischen Elite verfolgt.
5. Ergebnissicherung und Ausblick: Hier werden die Ergebnisse der Exegese zusammengefasst und ein didaktischer Vorschlag für die Verwendung im schulischen Religionsunterricht skizziert.
Schlüsselwörter
Tempelreinigung, Matthäusevangelium, Exegese, Historizität, Davidssohn, Wirkabsicht, Synoptischer Vergleich, Jesusbild, Priesteraristokratie, Sondergut, Religionsunterricht, Schriftverständnis, Perikope, Zeichenhandlung, Israel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit einer detaillierten exegetischen Untersuchung der Tempelreinigung Jesu, wie sie im Matthäusevangelium in den Versen 21,12-17 überliefert ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen das Jesusbild des Matthäus, der Konflikt mit den jüdischen Führern sowie die symbolische Bedeutung des Tempels und der Einbezug der „Kleinen“ (Kinder und Arme) als wahre Repräsentanten Israels.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu analysieren, wie Matthäus durch den Einsatz von Sondergut den historischen Jesus als Davidssohn und Heiler darstellt und wie sich diese Darstellung von der bei Markus, Lukas und Johannes unterscheidet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden klassische exegetische Methoden wie die Strukturanalyse, Formkritik, ein synoptischer Vergleich sowie die Kompositions- und Redaktionskritik angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Szenerie der Tempelreinigung, den synoptischen Vergleich, die traditionsgeschichtliche Herleitung der Zitate und die pragmatische Wirkabsicht des Textes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Tempelreinigung, Matthäusevangelium, Davidssohn, Exegese, Sondergut und die theologische Abgrenzung zwischen den jüdischen Autoritäten und dem Gottesvolk.
Warum ist die Unterscheidung von Matthäus zu Markus und Lukas so wichtig?
Matthäus fügt spezifisches Sondergut ein, wie die Heilung von Blinden und Lahmen und die Huldigung durch Kinder, um Jesus konsequent als barmherzigen Messias und nicht als bloßen politischen Revolutionär zu zeichnen.
Welche Rolle spielen die Kinder im matthäischen Bericht?
Die Kinder fungieren bei Matthäus als diejenigen, die Jesus als Messias und Sohn Davids erkennen, womit sie die Hohenpriester und Schriftgelehrten als geistig blinde Autoritäten ablösen.
- Quote paper
- Bettina Kuß (Author), 2005, Die Perikope der Tempelreinigung (Exegese Mt 21,12-17). Eine historisch-kritische Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46904