Dieser Artikel soll in die Diskussion zur Marx'schen Arbeitswerttheorie und zur Werttheorie insgesamt neue Gedanken einbringen. Der Autor macht deutlich, dass die klassische Interpretation der Marx'schen Werttheorie fehlerbehaftet ist, weil damit ein ideeller Wertbegriff beschrieben wird.
Der Autor zeigt einen Weg, den Wert als wirkliches gesellschaftliches Verhältnis zu erfassen. Dabei wird deutlich gemacht, dass der Wert nicht nur auf Produkte menschlicher Arbeit bezogen werden kann. Der so gewonnene Wertbegriff kann für sämtliche dem Tausch unterliegenden Güter und Aktivitäten genutzt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Kosten, Mehrwert und Wert
2 Die unbezahlte Arbeitszeit kann nicht als Produktionsfaktor festgelegt werden
3 Erwartungswert und Angebotspreis
4 Erwartungswert
5 Bezugspunkte für Wertbeziehungen
6 Markt
7 Der Wert wird auf dem Markt gebildet
8 Die Triebkräfte für die Wertbildung
9 Das gesellschaftliche Verhältnis Wert: Merkmale
10 Die Bestandteile des Wertes
11 Wert wird auf der gesellschaftlichen Ebene mittels Wertverhältnis den Waren und den Wertäquivalenten zugeordnet.
12 Die gesellschaftlichen Verhältnisse Wert und Eigentum
13 Voraussetzungen für Wertbeziehungen:
14 Der Wert und seine Bezugspunkte – wie werden die Bezugspunkte gebildet
15 Gegenüberstellung menschlicher und maschineller Arbeitskräfte sowie der Arbeitskraft Natur
16 Wie Bezugspunkte von Wertbeziehungen in die Gesellschaft eingebunden werden
17 Menschliche und maschinelle Arbeitskräfte und die Arbeitskraft Natur
18 Der ökonomische Tausch
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der klassischen Arbeitswerttheorie auseinander und entwickelt ein alternatives Modell der Wertbildung, welches den Wert nicht als im Produktionsprozess „vergegenständlichte“ Arbeit, sondern als gesellschaftliches Verhältnis zwischen Tauschpartnern auf dem Markt begreift.
- Kritik an der klassischen Vorstellung von Arbeit als alleiniger Wertquelle.
- Analyse des Marktes als zentralem Ort der Wertbildung durch das Tauschverhältnis.
- Unterscheidung zwischen dem theoretischen Erwartungswert bei Produktion und dem realen Wert beim Tausch.
- Erweiterung der Werttheorie um die Rollen von maschineller Arbeit und der Arbeitskraft Natur.
- Diskussion über die gesellschaftliche Einbindung von Wertbeziehungen und Perspektiven für automatisierte Produktionsprozesse.
Auszug aus dem Buch
7 Der Wert wird auf dem Markt gebildet
Wertbildung bedeutet nicht die Schaffung von Grundlagen bzw. Voraussetzungen für Wertbeziehungen.
Der Wert wird als gesellschaftliches Verhältnis zwischen Menschen, konkret zwischen Käufer und Unternehmer, und zwar bezogen auf die Tauschgüter, gebildet.
Der Wert beschreibt, wie sich Käufer und Verkäufer bezogen auf die Tauschgüter zueinander verhalten. Er beschreibt, welchen Teil vom eigenen Anrecht auf einen prozentualen Anteil an allen ökonomisch zu verteilenden Gütern im Währungsgebiet, d. h. welche Geldmenge, der Käufer dem Unternehmer als Gegenleistung für seine Ware gibt.
Den Wert bilden Käufer und Unternehmer miteinander, wenn sie sich auf eine gemeinsame Wertgröße geeinigt haben und sodann Ware gegen Geld tauschen:
Die gemeinsame Wertgröße kann im Dialog gebildet werden – das ist typisch für den Basar und den Großhandel, sie kommt aber in den (zahlenmäßig) meisten Fällen durch Anpassung des Käufers an die Vorstellungen des Unternehmers zustande – dafür typisch sind die Warenhäuser und Supermärkte.
Der Verkäufer hat seine potenzielle Ware zusammen mit seinem Erwartungswert in Form des Angebotspreises in das Wertverhältnis eingebracht.
Der Käufer wird seine Vorstellung zu der potenziellen Ware an die des Unternehmers anpassen oder versuchen zu handeln. Im Anschluss bringt er seine resultierende Einschätzung der Arbeitsergebnisse in Form des Wertäquivalents in Höhe der gemeinsamen Wertgröße, meist in Form von Geld, in das Wertverhältnis ein. Oder er unterlässt den Kauf, womit er das Wertverhältnis ohne erfolgreichen Abschluss verlässt.
Wert ist ein Verhältnis, keine Singularität!
Zusammenfassung der Kapitel
1 Kosten, Mehrwert und Wert: Einführung in die marxistische Kostenstruktur (konstantes/variables Kapital) und die klassische Formel der Wertbildung.
2 Die unbezahlte Arbeitszeit kann nicht als Produktionsfaktor festgelegt werden: Kritik an der Vereinfachung des Begriffs der unbezahlten Arbeitszeit als realem Produktionsfaktor.
3 Erwartungswert und Angebotspreis: Darstellung, dass auf der Produktionsseite lediglich Erwartungswerte entstehen, die erst am Markt verifiziert werden.
4 Erwartungswert: Vertiefung der Problematik, dass Mehrwerte vor dem Verkauf nur geschätzte Erwartungen darstellen.
5 Bezugspunkte für Wertbeziehungen: Definition der Produktion als Schaffung von Voraussetzungen, nicht als Wertschöpfung an sich.
6 Markt: Charakterisierung des Marktes als Interaktionsraum zwischen Käufer und Unternehmer.
7 Der Wert wird auf dem Markt gebildet: Zentrale These der Arbeit: Wert entsteht als gesellschaftliches Verhältnis während des Tauschaktes.
8 Die Triebkräfte für die Wertbildung: Untersuchung der Bedürfnisse als Triebkraft hinter dem Eingehen von Wertverhältnissen.
9 Das gesellschaftliche Verhältnis Wert: Merkmale: Zusammenfassung der Kerneigenschaften des Wertverhältnisses.
10 Die Bestandteile des Wertes: Analyse der objektiven und ideellen Komponenten im Wertverhältnis.
11 Wert wird auf der gesellschaftlichen Ebene mittels Wertverhältnis den Waren und den Wertäquivalenten zugeordnet.: Anwendung der Werttheorie auf verschiedene Warengruppen, inklusive Arbeitskraft.
12 Die gesellschaftlichen Verhältnisse Wert und Eigentum: Vergleich und Abgrenzung von Wert und Eigentum als gesellschaftliche Konstrukte.
13 Voraussetzungen für Wertbeziehungen:: Auflistung notwendiger Bedingungen für die Existenz von Wertbeziehungen.
14 Der Wert und seine Bezugspunkte – wie werden die Bezugspunkte gebildet: Erläuterung der Rolle von Qualitätserhöhungsprozessen bei der Vorbereitung von Waren.
15 Gegenüberstellung menschlicher und maschineller Arbeitskräfte sowie der Arbeitskraft Natur: Analyse der unterschiedlichen Beiträge von Mensch, Maschine und Natur zur Qualitätserhöhung.
16 Wie Bezugspunkte von Wertbeziehungen in die Gesellschaft eingebunden werden: Untersuchung der Vermittlung über den Unternehmer und Fallbeispiel Archäologie.
17 Menschliche und maschinelle Arbeitskräfte und die Arbeitskraft Natur: Zukunftsausblick auf die zunehmende Automatisierung und die Implikationen für die Wertbildung.
18 Der ökonomische Tausch: Zusammenfassende Modellierung des Gesamtzusammenhangs zwischen Produktion, Tausch und Kaufkraft.
Schlüsselwörter
Wertbildung, Wertverhältnis, Arbeitswerttheorie, gesellschaftliches Verhältnis, Markt, Erwartungswert, Tausch, Eigentum, Qualitätserhöhungsprozess, Mehrwert, Arbeitskraft, Potenzielle Ware, Nicht-Stoffliches, Automatisierung, Ökonomischer Tausch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit hinterfragt die klassische marxistische Arbeitswerttheorie und argumentiert, dass Wert nicht in der Produktion entsteht, sondern ein gesellschaftliches Verhältnis ist, das erst auf dem Markt zwischen Tauschpartnern gebildet wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Marktmechanismen der Wertbildung, die Abgrenzung von Erwartungswerten zu realen Werten, die Rolle von Eigentum sowie der Einfluss von maschineller Arbeit und Naturkräften auf den ökonomischen Prozess.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass der Wert keine inhärente Eigenschaft einer Ware (verursacht durch Arbeitszeit) ist, sondern aus den Interaktionen und Einschätzungen der Tauschpartner resultiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-ökonomische Diskussionsschrift, die auf einer kritischen Analyse der klassischen Arbeitswerttheorie basiert und diese durch ein eigenes Modell (gesellschaftliches Verhältnis) ergänzt bzw. korrigiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert schrittweise die Wertbildung auf dem Markt, die Rolle der Produktionsfaktoren (Mensch, Maschine, Natur), die Voraussetzungen für Wertbeziehungen und die Bedeutung des ökonomischen Tauschs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Wertverhältnis, gesellschaftliche Wertbildung, Erwartungswert, Markt, Tausch, Eigentum und Qualitätserhöhung.
Inwiefern spielt die Natur eine Rolle in der Werttheorie des Autors?
Der Autor argumentiert, dass die Natur (z. B. durch biologische Prozesse) ebenfalls als Arbeitskraft fungiert und in Qualitätserhöhungsprozesse eingebunden ist, womit sie einen Beitrag zur Wertbildung leistet, was die klassische Theorie vernachlässigt.
Wie bewertet das Buch die Auswirkungen der zunehmenden Automatisierung?
Das Buch sieht einen Trend, bei dem die menschliche Arbeit in der Wertbildung abnimmt. Dies wirft Fragen für die Zukunft auf, etwa hinsichtlich der Finanzierung gesellschaftlicher Ansprüche, und diskutiert spekulativ Ansätze wie ein bedingungsloses Grundeinkommen.
- Arbeit zitieren
- Rainer Lippert (Autor:in), 2019, Was ist falsch an der Arbeitswerttheorie? Wie der Wert wirklich gebildet wird, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/469059