Was ist falsch an der Arbeitswerttheorie? Wie der Wert wirklich gebildet wird


Escrito Polémico, 2019
51 Páginas

Extracto

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Vorbemerkungen

1 Kosten, Mehrwert und Wert

2 Die unbezahlte Arbeitszeit kann nicht als Produktionsfaktor festgelegt werden

3 Erwartungswert und Angebotspreis

4 Erwartungswert

5 Bezugspunkte für Wertbeziehungen

6 Markt

7 Der Wert wird auf dem Markt gebildet

8 Die Triebkräfte für die Wertbildung

9 Das gesellschaftliche Verhältnis Wert: Merkmale

10 Die Bestandteile des Wertes

11 Wert wird auf der gesellschaftlichen Ebene mittels Wertverhältnis den Waren und den Wertäquivalenten zugeordnet.

12 Die gesellschaftlichen Verhältnisse Wert und Eigentum

13 Voraussetzungen für Wertbeziehungen:

14 Der Wert und seine Bezugspunkte – wie werden die Bezugspunkte gebildet

15 Gegenüberstellung menschlicher und maschineller Arbeitskräfte sowie der Arbeitskraft Natur

16 Wie Bezugspunkte von Wertbeziehungen in die Gesellschaft eingebunden werden

17 Menschliche und maschinelle Arbeitskräfte und die Arbeitskraft Natur

18 Der ökonomische Tausch

19 Abbildungen

20 Quellen

Abbildungsverzeichnis

Bild 1: Wert als gesellschaftliches Verhältnis – wo er gebildet wird, wo er wirkt, wo er nicht

Bild 2: Die klassische Interpretation der Arbeitswerttheorie – unbezahlte und bezahlte Arbeitszeit

Bild 3: Aktualisierte Darstellung der Werttheorie – Unternehmerseite

Bild 4: Der Unternehmer instanziiert einseitig ein Wertverhältnis

Bild 5: Das Wertverhältnis wird erfolgreich beendet

Bild 6: Gegenüberstellung der gesellschaftlichen Verhältnisse Wert und Eigentum

Bild 7: Wie werden die Bezugspunkte für Wertbeziehungen gebildet

Bild 8: Wertbildung bei archäologischen Objekten

Bild 9: Gesamtumfang aller ökonomisch zu verteilenden Güter und die dazugehörige Kaufkraft

Vorbemerkungen

Die folgenden Gedanken basieren auf dem Buch „Mit Marx zur Marktwirtschaft?“. /1/

In den Aussagen dieser Diskussionsschrift wird, um die Erläuterungen zu vereinfachen, der Handel nicht als Extra-Institution einbezogen. Käufer und Unternehmer stehen für Einzelpersonen, aber auch für Unternehmen.

„Die Ökonomie handelt nicht von Dingen, sondern von Verhältnissen zwischen Personen und in letzter Instanz zwischen Klassen; diese Verhältnisse sind aber stets an Dinge gebunden und erscheinen als Dinge.“ (Friedrich Engels: Karl Marx „Zur Kritik der Politischen Ökonomie“)

Dieser Aussage kann man fast vollständig zustimmen. Der Wert ist ein Verhältnis, das Menschen miteinander eingehen, konkret Tauschpartner. Ziel ist der wertäquivalente Tausch von Eigentum gegen Eigentum (Pacht o. ä. wird hier nicht separat erwähnt) (Bild 1).

Nicht ganz exakt ist die Formulierung „…sind aber stets an Dinge gebunden und erscheinen als Dinge.“

Wert wird genauso auf Nicht-Stoffliches wie auf Ideen, Musikaufführungen, alle Arten von Dienstleistungen u. v. a. bezogen, ebenso, im Gegensatz zur klassischen Interpretation der Arbeitswerttheorie, auch auf bestimmte Naturgüter.

In vielen Wertverhältnissen werden typische Waren, wie z. B. technische Geräte, getauscht. Die zunächst nur potenziellen Waren befinden sich nach ihrer Fertigstellung im Eigentum der Unternehmer. Mit solchen Waren soll hier begonnen werden.

1 Kosten, Mehrwert und Wert

Mit der Produktion von zunächst potenziellen Waren entstehen den Unternehmern Kosten. Marx hat diese eingeteilt in das konstante Kapital c (Maschinen und Werkzeuge, Gebäude, Verbrauchsmaterialien, Rohstoffe, Zulieferprodukte usw.) und das variable Kapital v (die Werte der Arbeitskräfte, d. h. die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter, in vielen Fällen auch die Gehälter der Unternehmer selbst, zumindest teilweise).

Diese Kosten möchten die Unternehmer mit dem Verkauf ihrer Waren ersetzt bekommen. Ihr eigentliches Ziel ist jedoch, mehr zu erhalten, als sie für die Produktion ausgegeben haben.

Sowohl die Kosten für das konstante als auch für das variable Kapital werden anteilig auf jede (potenzielle) Ware umgelegt, um so die notwendigen Gegenleistungen für die einzelnen Produkte zu ermitteln.

Die Kosten der Arbeitskräfte sind dermaßen niedrig, dass die Unternehmer üblicherweise mit dem Verkauf ihrer Waren mehr an Geld einnehmen, als sie für die Arbeitskräfte und das konstante Kapital ausgegeben haben. Diese Tatsache wird von Karl Marx mit der Aussage veranschaulicht, dass die Arbeiter nur einen Teil ihrer Arbeitszeit bezahlt bekommen. Dieser Teil entspricht der „notwendigen“ Arbeitszeit. Die Arbeitsergebnisse des unbezahlten Teils der Arbeitszeit würden sich die Unternehmer unentgeltlich als Mehrwert m aneignen. Aus den Angaben zu den Kosten und dem (erwarteten) Mehrwert leitet Marx die Wertformel ab: W = c + v + m.

Damit bringt er zum Ausdruck, dass der Wert aus den Produktionskosten c + v sowie dem (erwarteten) Mehrwert entsteht. Nach Marx wird Mehrwert mit den Waren produziert. /2/

2 Die unbezahlte Arbeitszeit kann nicht als Produktionsfaktor festgelegt werden

Die Aussage von Marx zur unbezahlten Arbeitszeit entspricht jedoch nur einer Vereinfachung der Situation in Form einer bildlichen Darstellung. In der Realität bezahlen die Unternehmer die Arbeitskräfte für die volle Arbeitszeit, z. B. für 8 Stunden am Tag und nicht für 4 Stunden mit der Ergänzung, dass die Arbeiter 4 Stunden unbezahlt arbeiten müssten. Jedoch liegen die Löhne / Gehälter dermaßen niedrig, dass das Bild von der unbezahlten Arbeitszeit gezeichnet werden kann.

Dass die Unternehmer die Arbeitskräfte nicht für 4 Stunden bezahlen und ihnen sagen, sie müssten trotzdem 8 Stunden arbeiten, liegt jedoch nicht nur daran, dass eine solche Bezahlung psychologisch nicht gut zu vermitteln wäre. Das hat auch den praktischen Grund, dass die Höhe der unbezahlten Arbeitszeit nicht auf der Produktionsseite der Warengesellschaft festgelegt werden kann (Bild 2). Dazu mehr im folgenden Abschnitt.

3 Erwartungswert und Angebotspreis

Die Unternehmer möchten mit der Produktion der Waren mehr Geld einnehmen, als sie dafür ausgegeben haben. Das ist das Ziel der kapitalistischen Produktion.

Erreichen können die Unternehmer dieses Ziel nur dann, wenn sie die Waren so entwickeln und fertigen lassen, dass sich Käufer dafür finden, dass also die Waren Gebrauchswerte für die Menschen besitzen.

Doch die (zunächst nur potenziellen) Waren dürfen nicht nur prinzipielle Gebrauchswerte aufweisen. Die Gebrauchswerte müssen von potenziellen Käufern als dermaßen gut eingeschätzt werden, dass sie bereit sind, im Tausch gegen diese Waren Wertäquivalente, üblicherweise in Form von Geld, abzugeben.

Finden sich keine Käufer für die potenziellen Waren, dann waren die dafür aufgewandten Arbeiten gesellschaftlich nicht nützlich und sie werden damit als nicht wertbildend qualifiziert. /3/ /4/ Solche Arbeiten werden auch als sogenannte „private Arbeiten“ bezeichnet, da sie in den privaten Bereichen der Unternehmer ausgeführt und nicht darüber hinaus wirksam werden.

Um die Waren zu verkaufen, müssen die Unternehmer sie auf dem Markt anbieten. Dazu müssen sie potenziellen Käufern deutlich machen, was sie als Gegenleistung erwarten.

Die erforderliche Gegenleistung berechnen sie nach der oben genannten Wertformel. Das Ergebnis verknüpfen sie als Erwartungswert in Gestalt des Angebotspreises mit der potenziellen Ware.

Doch wenn die Wertformel auf die Produktionsseite der Warengesellschaft angewendet wird, kommt als Ergebnis nur der Erwartungswert heraus, da die Ware zunächst nur eine potenzielle ist. Erst auf dem Markt wird darüber entschieden, ob die für die Ware aufgewandte Arbeit gesellschaftlich nützlich und damit wertbildend war und folglich, ob die potenzielle Ware zu einer realen Ware transformiert wird. Demzufolge sollten die Parameter der Wertformel entsprechend qualifiziert werden: W|erwartet = c|Kostenfaktor; Ersatz erwartet + v|Kostenfaktor; Ersatz erwartet + m|erwartet (Bild 3).

Ob sich überhaupt ein Käufer für die zunächst potenzielle Ware findet, und wenn ja, ob er c und v vollständig ersetzt, ob er einen Mehrwert bezahlt, und wenn ja, in welcher Höhe, ist auf der Produktionsseite der Warengesellschaft nicht bekannt.

4 Erwartungswert

Da die Höhen der Mehrwerte, welche die Käufer für die einzelnen Waren bezahlen werden, vor dem Verkauf nicht bekannt sind und es noch nicht einmal sicher ist, ob die (potenziellen) Waren verkauft werden können, kann der Anteil der sogenannten unbezahlten Arbeitszeit vor dem Verkauf der potenziellen Waren nur geschätzt werden. Das Produktionsergebnis der unbezahlten Arbeitszeit erscheint erst beim Verkauf als Mehrwert (in der „unbezahlten Arbeitszeit“ werden die Bezugspunkte für die Mehrwertzahlungen produziert). Da die Mehrwertzahlungen nicht sicher sind, ist auch vor dem Verkauf der Waren nicht sicher, ob es zu „unbezahlten Arbeitszeiten“ kommt. Zwänge dazu, die Waren zu kaufen oder Mehrwerte dafür zu bezahlen, lassen sich nicht(!) mit der Produktion in die potenziellen Waren einbauen.

Wenn es den Unternehmern nicht gelingen sollte, mit dem Verkauf der Waren Mehrwerte von den Käufern zu erhalten, dann waren sämtliche für diese Waren aufgewandten Arbeitszeiten lediglich notwendige Arbeitszeiten.

5 Bezugspunkte für Wertbeziehungen

Daraus, dass die Werte der zunächst potenziellen Waren vor ihrem Verkauf nicht gegeben sind, ergibt sich, dass mit der Produktion keine Werte geschaffen werden. Produziert werden lediglich Voraussetzungen bzw. Bezugspunkte für mögliche Wertbeziehungen.

Mit dem Angebot seiner potenziellen Ware auf dem Markt instanziiert der Unternehmer einseitig ein Wertverhältnis (Bild 4).

Der Unternehmer bringt seine potenzielle Ware als einen Bezugspunkt in das Wertverhältnis ein, verbunden mit seinem Erwartungswert in Gestalt des Angebotspreises.

6 Markt

Auf dem Markt stehen sich Käufer und Unternehmer gegenüber.

Das Ziel des Käufers ist es, mit möglichst wenig Geld möglichst viel an wirklichem Gebrauchswert zu erhalten.

Das Ziel des Unternehmers ist es, mit möglichst wenig Kapitaleinsatz möglichst viel realen Mehrwert zu generieren.

Auf dem Markt entdecken potenzielle Käufer die Produkte. Damit bringen sie sich in bereits instanziierte Wertverhältnisse ein. Für sie ist vor allem wichtig, welchen Nutzen diese potenziellen Waren für sie haben. Nur wenn der (erwartete) Nutzen im Vergleich zu anderen Produkten für die gleichen oder auch für andere Ziele hoch genug erscheint, werden potenzielle Käufer bereit sein, Wertäquivalente dafür im Tausch abzugeben.

7 Der Wert wird auf dem Markt gebildet

Wertbildung bedeutet nicht die Schaffung von Grundlagen bzw. Voraussetzungen für Wertbeziehungen.

Der Wert wird als gesellschaftliches Verhältnis zwischen Menschen, konkret zwischen Käufer und Unternehmer, und zwar bezogen auf die Tauschgüter, gebildet.

Der Wert beschreibt, wie sich Käufer und Verkäufer bezogen auf die Tauschgüter zueinander verhalten. Er beschreibt, welchen Teil vom eigenen Anrecht auf einen prozentualen Anteil an allen ökonomisch zu verteilenden Gütern im Währungsgebiet, d. h. welche Geldmenge, der Käufer dem Unternehmer als Gegenleistung für seine Ware gibt.

Den Wert bilden Käufer und Unternehmer miteinander, wenn sie sich auf eine gemeinsame Wertgröße geeinigt haben und sodann Ware gegen Geld tauschen:

Die gemeinsame Wertgröße kann im Dialog gebildet werden – das ist typisch für den Basar und den Großhandel, sie kommt aber in den (zahlenmäßig) meisten Fällen durch Anpassung des Käufers an die Vorstellungen des Unternehmers zustande – dafür typisch sind die Warenhäuser und Supermärkte.

Der Verkäufer hat seine potenzielle Ware zusammen mit seinem Erwartungswert in Form des Angebotspreises in das Wertverhältnis eingebracht.

Der Käufer wird seine Vorstellung zu der potenziellen Ware an die des Unternehmers anpassen oder versuchen zu handeln. Im Anschluss bringt er seine resultierende Einschätzung der Arbeitsergebnisse in Form des Wertäquivalents in Höhe der gemeinsamen Wertgröße, meist in Form von Geld, in das Wertverhältnis ein. Oder er unterlässt den Kauf, womit er das Wertverhältnis ohne erfolgreichen Abschluss verlässt.

Wert ist ein Verhältnis, keine Singularität!

Die gemeinsame Wertgröße steht für den objektiven Anteil des Wertverhältnisses:

Nur diese gemeinsame Wertgröße steht als objektive Größe im Kaufvertrag oder auf der Rechnung.

Nur für diese objektive Wertgröße müssen Steuern bezahlt werden.

Nach dem Tausch ist die Kaufkraft des Käufers objektiv um die gemeinsame Wertgröße des Wertverhältnisses niedriger, die des Unternehmers objektiv um diese gemeinsame Wertgröße höher.

Nur mit dieser gemeinsamen Wertgröße verbunden, sollte die Ware in den Gesamtwertumfang aller ökonomisch zu verteilenden Güter eingehen und damit in den Umfang der Existenzmittel, auf welchen die wirklichen Werte der Arbeitskräfte bezogen werden.

Alle anderen Wertgrößen (oft in diesem Zusammenhang, im Unterschied zum Tauschwert, als Waren- bzw. Arbeitswert bezeichnet) sind einseitige Wert-Wunschvorstellungen und haben keine gesellschaftliche Entsprechung als reale Werte!

Einen Unterschied zwischen dem realen und dem Tauschwert kann es nicht geben.

Dieser Unterschied wurde von Karl Marx definiert, weil er zu seiner Zeit davon ausging, dass der Wert mit der Arbeit „vergegenständlicht“ würde /5/, er jedoch mit dieser Auffassung nicht den Unterschied zwischen dem Wert auf dem Markt und dem angeblich vergegenständlichten Wert erklären konnte. Ein gesellschaftliches Verhältnis kann jedoch nicht vergegenständlicht werden – es wirkt zwischen Menschen.

Alles was von der gemeinsamen Wertgröße, auf die sich die Tauschpartner geeinigt haben, abweicht, ist ein einseitiger und ideeller Wertanteil und nicht Bestandteil des Wertverhältnisses.

Die Wertformel für den realen Wert kann nur auf den Markt angewendet werden, da Wert nicht produziert werden kann (Bild 5).

Die präzisierte Wertformel lautet demzufolge: W|real = c|ersetzend + v|ersetzend + m|real.

Auch anhand dieser Wertformel wird deutlich, dass der Wert auf dem Markt gebildet wird, denn in den Wert fließen nicht die Produktionskosten c und v sowie der erwartete Mehrwert m ein, sondern der Ersatz der Produktionskosten sowie der reale Mehrwert, der nur zustande kommt, wenn zuvor c und v ersetzt werden. Das alles geschieht nur auf dem Markt.

Diese aktualisierte Wertformel stimmt nicht ganz mit der von Marx überein. Marx wendet seine Formel auf die Produktionsseite der Warengesellschaft an:

Zum Beispiel werden 500 Stück eines Produktes gefertigt. Der Wert wird nach Marx mit W = (c + v + m) x 500 = (€60 + €90 + €70) x 500 = €220 x 500 = €110.000 berechnet. Das Ergebnis repräsentiert einen Erwartungswert.

Werden nur 250 der 500 produzierten Produkte verkauft, sinkt der Gesamtwert auf €55.000. Es gäbe keinen Tausch-Gesamtwert von €55.000 und einen wirklichen Waren- bzw. Arbeitswert von €110.000.

Sollten alle Produkte verkauft werden, aber nicht zu den erwarteten Mehrwerten, würde der reale Wert ebenfalls vom Erwartungswert abweichen.

Beispiel W = (€60 + €90 + €50) x 500 = €200 x 500 = €100.000. In diesem Beispiel kann der Unternehmer die Käufer nur zu €50 statt €70 Mehrwertzahlung bewegen. Somit käme es in diesem Fall nicht zu einen Gesamt-Tauschwert von €100.000 und einem wirklichen Gesamt-Waren- bzw. Arbeitswert von €110.000, wie es die klassischen Interpreten der Arbeitswerttheorie behaupten, sondern nur zu einem realen Wert von €100.000. Das ist ein völlig objektiver Fakt. Eine Wertvorstellung von €110.000 wäre in diesem Fall eine ideelle Wert-Wunsch-Vorstellung.

Der reale Mehrwert ist das eigentliche Ziel der Produktion.

Nur über den realen Mehrwert, der vom Käufer bezahlt wird, kann der Unternehmer Gewinn machen.

Erst mit dem realen Mehrwert kann ein Teil der aufgewandten Arbeitszeit als unbezahlte Arbeitszeit deklariert werden.

Der Käufer bezahlt folglich nicht direkt die aufgewandte Arbeitszeit, sondern er schätzt die Ergebnisse der Arbeiten ein und bezahlt das Arbeitsergebnis. Sollte er mit diesem zufrieden sein, wird er damit den erwarteten Preis bezahlen und so die Aufwendungen c und v (und damit auch die Arbeitszeit) ersetzen sowie den erwarteten Mehrwert bezahlen.

Auf dem Basar: Sollten die Arbeitsergebnisse nicht ganz seinen Vorstellungen entsprechen, zahlt er weniger, als der Unternehmer erwartet.

In einem Warenhaus: Dort werden einige der nicht völlig zufriedenen Käufer den Kauf unterlassen, andere werden die Ware trotzdem zum geforderten Preis kaufen, d. h. sie passen ihre Vorstellungen an die des Unternehmers an. Das Ergebnis, über alle Produkte betrachtet, kann für den Unternehmer möglicherweise den gleichen Gewinn bedeuten wie beim Verkauf seiner Produkte auf dem Basar, d. h. im Warenhaus kann in der Summe etwa das Gleiche zustande kommen wie auf dem Basar.

Wert ist keine Singularität.

Auch dadurch, dass der Käufer, damit der Wert zustande kommt, die Produktionskosten c und v zumindest teilweise ersetzen muss, er üblicherweise sogar mehr bezahlt, nämlich den Mehrwert dazu, wird deutlich, dass der Wert keine Singularität, sondern ein Verhältnis zwischen den Tauschpartnern ist.

8 Die Triebkräfte für die Wertbildung

Die Triebkräfte dafür, dass Käufer und Unternehmer ein Wertverhältnis miteinander eingehen, sind ihre Bedürfnisse nach dem Tauschgut des Partners.

Das Bedürfnis nach der Ware des Unternehmers muss beim Käufer stark genug wirken, damit er dazu bewegt wird, sich von seinem Geld in der Betragshöhe zu trennen, die der Unternehmer noch als Gegenleistung für die Ware akzeptiert.

Dieses Bedürfnis muss ein gewichtetes sein, da der Käufer für seinen Lebensunterhalt verschiedene Dinge benötigt und sich wünscht, er aber nur eine begrenzte Menge an Geld zur Verfügung hat.

Das Bedürfnis nach dem Geld des Käufers muss beim Unternehmer stark genug wirken, damit er bereit ist, sich von seiner Ware zu trennen.

Auch beim Unternehmer ist dieses Bedürfnis ein gewichtetes, da er die Ware an beliebige Käufer verkaufen könnte. Er wird versuchen, das möglichst optimale Wertäquivalent für seine Ware zu erhalten.

Damit der Wert in der Gesellschaft herausgebildet werden konnte, mussten Triebkräfte wirken:

Der Wert wirkt vor allem der Vergeudung von Ressourcen entgegen.

1. Auf der Produktionsseite der Warengesellschaft: Der Produzent möchte mit seinem Produkt möglichst viel mehr einnehmen, als ihm die Herstellung des Produktes an Aufwendungen (Kosten) bereitet hat. Das gelingt umso besser, je weniger Arbeitszeit pro Produkt bei dessen Herstellung aufgewendet wird, je weniger Ressourcen für die Herstellung des Produktes verwendet werden und je besser die Produktgestaltung an die Bedürfnisse der Käufer angepasst ist (Mehrwert). Karl Marx formuliert das zumindest für einen Aspekt der Produktionsseite mit dem Begriff der gesellschaftlich nützlichen Arbeit. Was die (potenziellen) Käufer als zu viel an Arbeitsaufwand einschätzen (d. h. mehr als der gesellschaftlich durchschnittlich notwendige Arbeitsaufwand bzw. mehr als nur „nützliche Arbeit“), wird nicht gekauft (die potenziellen Waren verbleiben damit in diesem Stadium) oder dieser Anteil wird nicht bezahlt. /3/
2. Auf der Käuferseite der Warengesellschaft: Beim Käufer wirkt der Wert der unnützen Ansammlung von Tauschgütern entgegen: Die Bedürfnisse des Käufers sind (wie bei praktisch allen Menschen) umfangreicher als seine Mittel, diese zu befriedigen. Durch den Wert wird der Käufer dazu angehalten, seine Bedürfnisse zu wichten. Auch die Käuferseite wird durch die Formulierung von Marx erfasst: Was an Produkten von den Menschen als nicht wichtig / nicht notwendig anerkannt wird, wird keine Käufer finden. Die entsprechenden Arbeiten waren dann nicht wertbildend. Die Ressourcen können in Zukunft besser verwendet werden. Ob solche Einschätzungen objektiv begründet sind oder auf Fehleinschätzungen beruhen, kann an den Wertverhältnissen nicht ausgemacht werden.

Da Marx den Mehrwert und auch den Wert als auf der Produktionsseite der Warengesellschaft vor dem Verkauf produziert ansieht, kann er jedoch nicht die Produktgestaltung, den Inhalt von Büchern usw. als Triebkraft zur Herausbildung von Wertgrößen erfassen. /2/

[...]

Final del extracto de 51 páginas

Detalles

Título
Was ist falsch an der Arbeitswerttheorie? Wie der Wert wirklich gebildet wird
Autor
Año
2019
Páginas
51
No. de catálogo
V469059
ISBN (Ebook)
9783668934573
ISBN (Libro)
9783668934580
Idioma
Alemán
Etiqueta
Arbeitswerttheorie, Werttheorie, Karl Marx, Wertbildung, Wert, Markt
Citar trabajo
Rainer Lippert (Autor), 2019, Was ist falsch an der Arbeitswerttheorie? Wie der Wert wirklich gebildet wird, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/469059

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