Global Governance ist ein Begriff der internationalen Politik, der in den vergangenen zehn Jahren vermehrt Einzug in die entsprechende Fachliteratur der Politikwissenschaft gehalten hat. Die dahinter stehenden Konzepte und Visionen erwecken den Eindruck, eine Antwort auf die rasanten Veränderungen in der Weltpolitik zu haben, letztendlich vertreten sie den Anspruch die Globalisierung politisch zu gestalten. Global Governance als Steuerungsmodell der internationalen Politik beruht im Kern auf der Annahme, dass es in einem Zeitalter immer engerer Netzwerke zwischen lokalen, nationalen und globalen Akteuren auf dieser Erde einen Mangel an der Zusammenarbeit zwischen den Agierenden gibt. Die Vertreter der Global Governance-Konzepte sind sich einig, dass diese Beziehungen neu geordnet werden müssen, um in Zukunft präventiv auf globale Krisen reagieren zu können.
Die Forschungsfrage, der ich in dieser Hausarbeit nachgehen möchte heißt deshalb: „Global Governance – ein Konzept zur Überwindung internationaler Konflikte?“
Zur Beantwortung dieser Überlegung befasse ich mich in einem ersten Abschnitt mit grundlegenden Definitionen der zentralen Begriffe in der aktuellen Diskussion, um sie zu präzisieren und gegenüber anderen Formulierungen abzugrenzen. Darüber hinaus zeige ich im zweiten Kapitel auf, inwieweit Global Governance mit Interdependenztheorien in Verbindung steht, um in einem darauf aufbauenden Schritt im dritten Kapitel in einem ausführlichen Diskurs drei Global Governance – Konzepte zu beschreiben. Zudem beschäftige ich mich mit den grundsätzlichen Voraussetzungen zur Umsetzung von Global Governance. Schlußendlich kommen auch die Kritiker zu Wort. Auf Grundlage dieser gesamten Überlegungen komme ich letztendlich auf meine Ausgangsfrage zurück und versuche, in Anbetracht der gesammelten Informationen, eine Antwort auf die Forschungsfrage meiner Hausarbeit zu finden.
Bei meiner Auseinandersetzung mit dem Thema Global Governance hat mich von Anfang an ein Sprichwort des US-amerikanischen Zukunftsforschers John Naisbitt begleitet. „Der zuverlässigste Weg in die Zukunft zu sehen, ist das Verstehen der Gegenwart.“ Dieser Gedanke gilt wohl für viele Bereiche des alltäglichen Lebens. In Bezug zur Global Governance Debatte ist er aber deshalb von zentraler Bedeutung, weil es in der Auseinandersetzung mit diesem Thema um elementare Fragen der Zukunft geht, nämlich wie gestalten wir in Zukunft Politik auf unserem Planeten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen
2.1 Global
2.2 Governance
2.3 Global Governance
3. Global Governance und interdependenztheoretische Ansätze
4. Der Diskurs über Global Governance
4.1 Historische Vorläufer
4.2 Warum ist Global Governance notwendig?
4.2.1 Weltwirtschaft
4.2.2 Weltgesellschaft
4.2.3 Weltressourcen
4.2.4 Weltfrieden
4.3 Verschiedene Konzeptionen von Global Governance
4.3.1 Das Konzept des Club of Rome
4.3.2 Der Bericht der Commission on Global Governance
4.3.3 Die Ideen des Instituts für Entwicklung und Frieden
4.3.4 Zusammenfassung und Gegenüberstellung der Konzepte
5. Grundvoraussetzungen für Global Governance
6. Kernkritikpunkte an der Global Governance Idee
7. Global Governance – ein Konzept zur Überwindung globaler Konflikte?
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Konzept der Global Governance als möglichen Ansatz zur Bewältigung gegenwärtiger internationaler Krisen und Konflikte. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern dieses Steuerungsmodell in der Lage ist, die komplexen Herausforderungen der Globalisierung politisch zu gestalten.
- Grundlagendefinitionen von Global Governance im Kontext der internationalen Politik.
- Verbindung zwischen Global Governance und interdependenztheoretischen Ansätzen.
- Diskursanalyse verschiedener Global Governance-Konzepte (u.a. Club of Rome, Commission on Global Governance).
- Analyse der notwendigen Voraussetzungen und kritische Auseinandersetzung mit der Idee.
- Untersuchung der Rolle von Nationalstaaten und gesellschaftlichen Akteuren.
Auszug aus dem Buch
4.2 Warum ist Global Governance notwendig?
Zu Beginn des 3. Jahrtausends hat die industrielle Entwicklung einen Stand erreicht, der für die Menschheit gefährliche Dimensionen angenommen hat, die sich in einer voranschreitenden globalen Vernetzung kaum noch erkennen bzw. abschätzen lassen. Nuklearwaffen, einschneidende Veränderungen des Klimas, die Vergiftung und Verschmutzung der Umwelt und die Folgen des sich rasant entwickelnden Bevölkerungswachstums sind nur ein kleiner Auszug neuer globaler Probleme, mit denen sich die Menschheit auseinanderzusetzen hat. Im Gegensatz zu früher sind viele Gefahren nicht mehr regional begrenzt. Hinzukommt die Tatsache, dass sie bei erstmaligem Eintreten kaum mehr revidierbar sind.
Einer sich immer schneller ausbreitenden globalen Marktwirtschaft, Kommunikations und Wissenschaftsinfrastruktur, sowie weltumspannender Verkehrs- und Transportinfrastruktur steht ein erheblicher Nachholbedarf in der Weiterentwicklung globaler politischer Zusammenarbeit gegenüber. Im aktuellen Diskussionsprozeß kristallisiert sich immer mehr die Frage heraus, ob das bestehende System einer durch Verträge kooperativ gestalteten internationalen Staatengemeinschaft noch fähig ist, auf die geschilderten Veränderungen kollektiv zu reagieren. Diese Entwicklung geht einher mit einer zunehmenden Sensibilisierung der Menschen, was weltweite Fehlentwicklungen, Widersprüche und Ungerechtigkeiten angeht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz von Global Governance ein und definiert die Forschungsfrage, ob das Konzept zur Überwindung internationaler Konflikte geeignet ist.
2. Definitionen: Hier werden die Begriffe Global und Governance expliziert, um darauf aufbauend eine präzise Definition von Global Governance als Steuerungsmodell zu erarbeiten.
3. Global Governance und interdependenztheoretische Ansätze: Das Kapitel erläutert den theoretischen Bezug zwischen Global Governance und dem Wandel von einer reinen Staatenwelt hin zu einer Gesellschaftswelt unter Einbezug nichtstaatlicher Akteure.
4. Der Diskurs über Global Governance: Dieser Abschnitt bietet einen historischen Überblick, analysiert die Notwendigkeit von Global Governance angesichts globaler Krisen und vergleicht zentrale Konzepte wie die des Club of Rome.
5. Grundvoraussetzungen für Global Governance: Es werden die notwendigen Bedingungen, wie der Souveränitätsverzicht von Nationalstaaten und die Erweiterung politischer Handlungsformen, detailliert beschrieben.
6. Kernkritikpunkte an der Global Governance Idee: Hier werden kritische Stimmen zur Idealistik des Konzepts sowie zur Problemlösungskompetenz der globalen Zivilgesellschaft zusammengefasst.
7. Global Governance – ein Konzept zur Überwindung globaler Konflikte?: Das Fazit wägt das Potenzial des Konzepts ab und schließt, dass trotz der Schwierigkeiten ein dialogorientierter Ansatz und Idealismus für politische Erneuerung unabdingbar sind.
Schlüsselwörter
Global Governance, Internationale Politik, Globalisierung, Governance, Interdependenztheorie, Weltgesellschaft, Vereinte Nationen, Zivilgesellschaft, Nachhaltigkeit, Weltwirtschaft, Mehrebenensystem, Politiksteuerung, Souveränität, Konfliktlösung, Nichtregierungsorganisationen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Global Governance als ein Steuerungsmodell der internationalen Politik, das darauf abzielt, die durch Globalisierung verursachten Probleme und Krisen durch Kooperation zu bewältigen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Global Governance, dessen theoretische Einordnung, die Notwendigkeit dieses Modells in verschiedenen Weltbereichen sowie die kritische Reflexion des Konzepts.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die primäre Forschungsfrage lautet: „Global Governance – ein Konzept zur Überwindung internationaler Konflikte?“
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und diskursanalytische Methode, um die bestehende Fachliteratur, verschiedene Global Governance-Konzepte und kritische Positionen gegenüberzustellen und zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Begriffsdefinitionen, der theoretische Rahmen durch Interdependenztheorien, historische Vorläufer, die Notwendigkeit des Konzepts anhand globaler Krisen und eine detaillierte Gegenüberstellung von Strategiepapieren sowie Kritikpunkten behandelt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders charakteristisch sind Begriffe wie Global Governance, Mehrebenensystem, Zivilgesellschaft, globale Krisen und politische Gestaltung.
Warum wird im Dokument auf den "Club of Rome" Bezug genommen?
Der Club of Rome wird als exemplarischer Akteur angeführt, dessen Bericht „The first Global Revolution“ wichtige Impulse für die öffentliche Wahrnehmung globaler Handlungsnotwendigkeiten setzte.
Wie unterscheidet der Autor zwischen "Government" und "Governance"?
Der Autor unterscheidet dahingehend, dass Government primär auf staatliche Institutionen und Gesetze verweist, während Governance informelle Netzwerke und die Einbindung nichtstaatlicher Akteure in soziale Prozesse miteinbezieht.
- Quote paper
- Tobias Schwab (Author), 2003, Global Governance - Ein Konzept zur Überwindung internationaler Konflikte?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46917