So vielfältig wie die Textsorten, in denen Stille thematisiert wird, sind auch die Repräsentationsformen derselben. So kann Stille nicht nur als angenehm und behaglich repräsentiert und empfunden werden, sondern auch als unangenehm, furchterregend oder traurig (z.B. ‘Funkstille’, ‘Totenstille’ oder beim traurigen Schweigen). Lyrik und Popsongs bilden zusammengenommen eine Vielfalt der Repräsentationsformen von Stille ab. Dabei legen literarische Gedichte den Fokus unter anderem auf die Verbundenheit mit der Natur, bilden jedoch auch eine Schnittstelle zur Popmusik, die Stille primär mit zwischenmenschlichen Beziehungen in Verbindung bringt.
An den Gedichten "Ein Gleiches" von Johann von Goethe, "Mondnacht" von Joseph von Eichendorff und "Sachliche Romanze" von Erich Kästner sowie an den Popsongs "Still" von Jupiter Jones und "The Sound of Silence" von Disturbed soll in dieser Arbeit untersucht werden, wie Stille in der Lyrik und Popmusik repräsentiert wird. Dabei soll analysiert werden, wie das Motiv der Stille stilistisch und thematisch umgesetzt wird, welche Wirkungen die Verwendung der unterschiedlichen Stilmittel bezüglich der Stille haben und welche Gemeinsamkeiten und/oder Unterschiede Gedichte und Popsongs bezüglich der Repräsentationsformen von Stille haben. Diese Aspekte sind besonders interessant, weil das Motiv der Stille in der Literaturwissenschaft bisher wenig Beachtung fand und somit kaum erforscht ist. Dementsprechend basiert die Arbeit auf der eigenen Analyse und Interpretation der Primärtexte und verwendet kaum Sekundärliteratur. Für die Interpretation der Gedichte und Popsongs werden Stilmittel und Form analysiert. Zusätzlich wird bei den Popsongs die musikalische Gestaltung mitberücksichtigt, um ein Gesamtbild zu schaffen. Nach erfolgter Analyse und Interpretation aller Primärtexte werden die jeweiligen Ergebnisse miteinander in Verbindung gesetzt und sollen schlussendlich einen Einblick in die verschiedenen Repräsentationsformen von Stille in Lyrik und Popmusik liefern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Repräsentationen von Stille in der Lyrik und Popmusik
3. Fazit
4. Verwendete Literatur
5. Anhang
5.1 Verwendete Gedichte
5.2 Verwendete Songtexte und Übersetzungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, wie das Motiv der Stille in ausgewählten lyrischen Werken und zeitgenössischen Popsongs stilistisch sowie inhaltlich umgesetzt wird, um die unterschiedlichen Repräsentationsformen und deren Wirkung auf den Rezipienten zu analysieren.
- Vergleichende Analyse von Lyrik und Popmusik
- Stille als Motiv in Naturdarstellungen und zwischenmenschlichen Beziehungen
- Einsatz formaler Stilmittel zur Konstruktion von Stille
- Die psychologische Wirkung von Stille in der Musik
- Wandel des Stille-Motivs von der Romantik zur Moderne
Auszug aus dem Buch
2. Repräsentationen von Stille in der Lyrik und Popmusik
In diesem Kapitel wird die Konstruktion der Stille in den Gedichten Ein Gleiches, Mondnacht und Sachliche Romanze sowie in den Songtexten Still und The Sound of Silence, die bereits in der Einleitung erwähnt wurden, analysiert und interpretiert.
Dabei beginne ich chronologisch mit Goethes Gedicht Ein Gleiches, welches am Abend des 6. Septembers 1780 entstand und von Goethe auf die Holzwand einer Jagdhütte auf dem Kickelhahn bei Ilmenau geschrieben wurde, weshalb es als ein spontan entstandenes Werk angesehen wird. Dabei erfasste Goethe die Ruhe des Abends auf dem Berg und transportierte diese in sein Gedicht. Dies gelang ihm nicht nur durch den Inhalt des Gedichts, sondern auch durch die gewählte Form. Das Gedicht besteht aus nur einer Strophe mit acht Versen, die weder Metaphern noch Symbole, Vergleiche oder ähnliche Stilmittel, abgesehen von Inversionen, enthalten. Die Kürze und Schlichtheit des Gedichts macht es sehr einprägsam und lässt die Verse „‘ins Auge’, ins Ohr und Sinn“ fallen, was den Inhalt für den Leser schnell erfassbar macht und so einen direkten Zugang zur Stille ermöglicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Motiv der Stille ein, stellt die zu untersuchenden Primärtexte vor und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, eine Lücke in der literaturwissenschaftlichen Erforschung dieses Motivs zu schließen.
2. Repräsentationen von Stille in der Lyrik und Popmusik: Das Hauptkapitel widmet sich der detaillierten Analyse und Interpretation der ausgewählten Gedichte und Songtexte hinsichtlich ihrer stilistischen und inhaltlichen Stille-Konstruktionen.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und bestätigt, dass Lyrik und Popmusik eine große Vielfalt an Repräsentationsformen von Stille abbilden, wobei ein Wandel von Naturverbundenheit zu zwischenmenschlicher Entfremdung erkennbar ist.
4. Verwendete Literatur: Dieses Kapitel listet sämtliche Primär- und Sekundärquellen sowie Internetseiten auf, die für die Erstellung der Arbeit herangezogen wurden.
5. Anhang: Der Anhang enthält die vollständigen Originaltexte der analysierten Gedichte sowie die Songtexte und Übersetzungen der behandelten Popsongs zur weiteren Nachvollziehbarkeit.
Schlüsselwörter
Stille, Lyrik, Popmusik, Motivik, Natur, Zwischenmenschliche Beziehungen, Kommunikation, Funkstille, Isolation, Einsamkeit, Literaturwissenschaft, Interpretation, Stilmittel, Sinnbild, Entfremdung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Arten, wie das Motiv der „Stille“ in lyrischen Werken des 19. Jahrhunderts und modernen Popsongs dargestellt und stilistisch geformt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Naturverbundenheit in der Lyrik, zwischenmenschlicher Funkstille in Beziehungen und der gesellschaftlichen Isolation in der Moderne.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Die Arbeit geht der Frage nach, wie das Motiv der Stille stilistisch umgesetzt wird, welche Wirkungen dies auf den Leser bzw. Hörer hat und welche Gemeinsamkeiten oder Unterschiede sich zwischen Lyrik und Popmusik zeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Autorin verwendet eine primärtextnahe Analyse, bei der stilistische Merkmale wie Versbau, Reimschema und Rhythmus sowie die musikalische Gestaltung der Popsongs interpretiert werden.
Was wird im Hauptteil des Buches behandelt?
Der Hauptteil analysiert chronologisch und thematisch die Gedichte „Ein Gleiches“, „Mondnacht“ und „Sachliche Romanze“ sowie die Lieder „Still“ von Jupiter Jones und „The Sound of Silence“ von Disturbed.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Stille, Einsamkeit, Isolation, zwischenmenschliche Entfremdung und literarische Motivik beschreiben.
Inwiefern unterscheidet sich die Stille bei Goethe von der bei Erich Kästner?
Bei Goethe wird Stille als Ruhe und Einklang mit der Natur inszeniert, während sie bei Kästner negativ besetzt ist und als „Funkstille“ die Distanz zwischen zwei sich entfremdeten Personen symbolisiert.
Wie trägt die Musik in „The Sound of Silence“ zur Darstellung der Stille bei?
Die Musik fungiert als Verstärker; während der Gesang kraftvoller wird, unterstreicht die monotone Hintergrundmusik die Unausweichlichkeit der Einsamkeit und das „Anschreien“ gegen die Stille.
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- Master of Education Isabel Kern (Author), 2018, Repräsentationen von Stille in Lyrik und Popmusik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/469736