In dieser Forschungsarbeit werden die hemmenden Faktoren der Sprachrezeption und Sprachproduktion beim Lernenden im DaF-Unterricht untersucht. Im Mittelpunkt des Interesses steht die Rolle und die Bedeutung der Motivation als individueller Faktor für den Fremdsprachenlernprozess und Fremdsprachenlernerfolg im DaF-Unterricht und deren Hemmungsmöglichkeiten durch unterrichtliche Faktoren. Dabei wird auch der Zusammenhang zwischen Motivation einerseits, Interessen und Motiven des Lernenden andererseits als wichtiger Faktor für Fremdsprachenlernerfolg fokussiert. Die Motivation lässt sich wiederum von verschiedenen Faktoren beeinflussen. Die Entstehung, Schwäche und Stärke der Motivation lassen sich unter anderem von der Lernsituation also von der Unterrichtsmethode und der Herangehensweise wie man den Kurs gestaltet und ob man im Unterricht die Interessen und Motive der Lernenden durch Kursaktivitäten anspricht, sodass die Konzentration und die Ansatzbereitschaft bei dem Lernenden abgerufen werden, stark manipulieren. Daher ist es relevant und von großer Bedeutung, dass man auf die Unterrichtsgestaltung und deren Prinzipien im DaF-Unterricht eingeht und deren Einfluss auf individuelle Faktoren am Beispiel von Motivation der Lernenden und Sprechangst überprüft.
Der Anlass für diese Forschungsarbeit rührt aus beabsichtigten Beobachtungen und Bemerkungen, die ich in der Schulpraxis gemacht habe. Ich habe zuerst im Allgemeinen gemerkt, dass Motivation der Schüler von den Unterrichtsfaktoren stark beeinflusst werden kann. Ich bin in der Praxis darauf gekommen, als ich zum ersten Mal im Jahr 2003, den DaF- Studenten an der Universität Algier, die Wahl gegeben habe, selbst und freiwillig die Lerninhalte auszusuchen, und sich selbst in Gruppen zu teilen, nachdem sie selbst für diese Sozialform "Gruppenarbeit" entschieden haben. Am Ende haben wir jedes einzelne von den Gruppen bearbeitete Thema zusammen besprochen. Ich habe gemerkt, dass alle Studenten - auch die, die meistens wenig im Unterricht aktiv waren - sehr motiviert am Unterricht teilnahmen und tüchtig in der Gruppe zusammenarbeiteten. Gleichzeitig habe ich anhand eigener Erfahrungen und Beobachtungen feststellen können, dass die DaF-Lernenden im Unterricht vorwiegend Schwierigkeiten haben, Deutsch anzuwenden. Meistens kommen Deutschlernende am Ende deren Ausbildung mit mehr oder weniger großer Menge an Informationen über die Fremdsprache Deutsch (Grammatik, Linguistik, Wortschatz).
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
1.1 Einleitung
1.2 Forschungsstand der individuellen Faktoren des Lerners im Fremdsprachenunterricht
2 Theoretische Hintergrundkenntnisse: Lernen in einflussreichen Lerntheorien
2.1 Lernen in der behavioristischen Lerntheorie
2.1.1 Rolle des Lehrers
2.1.2 Lernprozess
2.1.3 Kritik
2.2 Lernen in der kognitivistischen Lerntheorie
2.2.1 Rolle des Lehrers
2.2.2 Lernprozess
2.2.3 Kritik
2.3 Lernen in der konstruktivistischen Lerntheorie
2.3.1 Zum Begriff Konstruktion
2.3.2 Int erdisziplinarität als neues Forschungsfundament
2.3.3 Grundannahmen und Prinzipien des Konstruktivismus
2.3.4 Lernprozess
2.3.4.1 Authentizität des Lernens
2.3.4.2 Erläuterung des Begriffs Viabilität
2.3.4.3 Erläuterung des Begriffs Konsensualität
2.3.5 Rolle des Lehrers
2.3.6 Kritik
2.4 Lerntheorien im Vergleich
3 Fremdsprachenlernen: neue Wege
3.1 Fremdsprachenlernen oder Fremdsprachenerwerben
3.2 Lernersprache ist lernerautonom
3.3 Ganzheitliches und lernerautonomes Fremdsprachenlernen
3.3.1 Lernerautonomie im Fremdsprachenlernen
3.3.2 Autonomie und Ganzheitlichkeit des Fremdsprachenlerners
3.3.3 Lernerautonomie und ganzheitliche Fremdsprachenunterrichtsaktivitäten
3.3.4 Ganzheitlichkeit der Fremdsprachenforschung
3.4 Kognition und Affektion: dichotomisch oder komplementär?
4 Motivation als individueller Faktor beim Fremdsprachenlernen
4.1 Zur Begriffsbestimmung der Motivation
4.2 Motivation und Motive
4.2.1 Allgemeine Motive
4.2.2 Entstehung der Motivation
4.2.3 Motivation und Motive in Fremdsprachenforschung
4.2.4 Relevante Motive für das Fremdsprachenlernen
4.3 Motivationsarten
4.3.1 Instrumentelle und integrative Motivation
4.3.2 Intrinsische und extrinsische Motivation
4.4 Zur Rolle der Motivation im Fremdsprachenlernen
4.4.1 Motivation und Lernerfolg
4.4.1.1 Kausal- und Resultativhypothese
4.4.1.2 Internale und externale Lokation
4.4.2 Motivation und Lernerautonomie
4.5 Motivationsförderung im Fremdsprachenunterricht
4.5.1 Motivierungstechniken des Fremdsprachenlernenden
4.5.2 Förderung der intrinsischen und extrinsischen Motivation
4.6 Einfluss der Motivationsänderung auf das Fremdsprachenlernen
4.6.1 Amotivationsmöglichkeiten im Unterricht
4.6.2 Demotivationsmöglichkeiten im Unterricht
4.6.3 Einfluss von Selbstkonzept auf Motivation im Unterricht
5 Motivation und Sprechangst
5.1 Angst als erweiterte Stressreaktion
5.2 Sprechangst
5.3 Angst und Ängstlichkeit
5.4 Faktor Angst in der Fremdsprachenforschung
5.4.1 Förderliche und hinderliche Angst
5.4.2 Situations- und persönlichkeitsbezogene Angst
5.4.3 Einfluss der Sprechangst auf Fremdsprachenlernprozess
6 Empirische Studie
6.1 Methodisches Vorgehen
6.2 DaF-Unterricht in Algerien
6.2.1 DaF- Unterricht im algerischen Schulsystem
6.2.2 Deutsch in der schulischen Unterrichtspraxis
6.2.2.1 Unterrichtsmethoden und Sozialformen
6.2.2.2 Lehrmaterialien, Lerner- und Lehrerrolle
6.2.2.3 Fehlerkorrektur und Leistungsbewertung
6.3 Fragebögen
6.3.1 Fragebogengestaltung und Datenerhebung
6.3.2 Datenauswertung und -analyse
6.3.2.1 Orientierungen und Einstellungen der DaF-Schüler
6.3.2.2 Einfluss der Lernerautonomie auf Motivation
6.3.2.3 Demotivationsfaktoren der Sprachanwendung im DaF-Unterricht
6.3.2.4 Hemmende Faktoren durch Sprechangst und Selbstkonzept
6.3.2.5 Datenauswertung für Lehrer-Fragebogen
7 Fazit
7.1 Zielsetzung und Vorgehen
7.2 Zusammenfassung
7.3 Folgerungen und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Magisterarbeit untersucht die hemmenden Faktoren bei der Sprachrezeption und Sprachproduktion im DaF-Unterricht in algerischen Schulen, wobei der Fokus auf dem Einfluss individueller motivationsbezogener Faktoren sowie der Rolle der Sprechangst im schulischen Kontext liegt.
- Rolle und Bedeutung der Motivation im Fremdsprachenlernprozess
- Einfluss von unterrichtlichen Faktoren auf die Lerner-Motivation
- Fremdsprachenlernen im Kontext neuer Lerntheorien (insbesondere Konstruktivismus)
- Zusammenhang zwischen Sprechangst, Selbstkonzept und Sprachanwendung
- Empirische Analyse des DaF-Unterrichts in algerischen Gymnasien
Auszug aus dem Buch
1. Einführung
Der herkömmliche, rein instruktionelle Unterricht, ist geprägt durch die Dominanz des Lehrers und eine rezeptive Passivität der Schüler. Oft wird Wissen in einer Form erworben, die eine spätere Anwendung ausschließt. Die Schüler können ihr Wissen in konkreten Situationen nicht anwenden, weil sie seinen Sinn und Wirklichkeitsbezug nicht erkennen. Sie können ihr abstraktes Wissen nicht übertragen. Es bleibt also 'träge'. (Müller 1998: Online Dokument)
Wenn man heute Jemanden fragt, was er sich unter schulischem Unterricht vorstellt, sollte er über Lehrkraft, Lehrmaterial, Lerner und Klassenzimmer sprechen. Die Lernenden sitzen in Reihen und versuchen den Lernstoff, der vom Lehrer erklärt wird, zu verstehen. Der Lehrer bestimmt die Ziele des Unterrichts und vermittelt ein Wissen, welches sich die Lernenden nach einer bestimmten Zeit aneignen sollen. Durch Übungen versucht die Lehrkraft dafür zu bürgen, dass der Lernstoff von den Lernenden aufgenommen und in deren Köpfen bewirkt wird. Danach wird dieses Gelernte durch Klassenarbeiten und Prüfungen nach Kriterien, die von der Lehrperson bestimmt werden, geprüft.
Wenn es im Unterricht um das Erlernen einer Fremdsprache - mit deren multidimensionalen Aspekten und Komplexität - geht, scheint es eindeutig, dass diese Vorstellung des Fremdsprachenunterrichts, welche der Realität unseres Schulalltags entspricht, sehr mangelhaft und aus verschiedenen Blickwinkeln nicht einwandfrei ist. Diese traditionelle Vorstellung des Unterrichts geht davon aus, dass Wissen eine „Träge“ ist. Man kann es einfach dem Lerner vermitteln, indem man den Lernstoff in kleinen Teilen zerstückelt und den Lernenden damit füttert, damit er am Ende des Lernprozesses ein erfolgreiches Lernen erreicht. Diese Vorstellung ähnelt im größten Teil der Vorstellung des „Nürnberger Trichters“ (siehe Kapitel 2).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Dieses Kapitel legt den Grundstein der Arbeit, indem es das Problem des herkömmlichen instruktionellen Unterrichts beschreibt und die Relevanz der Untersuchung individueller Faktoren wie Motivation und Sprechangst für den Erfolg im Fremdsprachenlernen hervorhebt.
2 Theoretische Hintergrundkenntnisse: Lernen in einflussreichen Lerntheorien: Hier werden behavioristische, kognitivistische und konstruktivistische Lerntheorien vorgestellt und hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Rollen von Lehrer und Schüler sowie auf den Lernprozess kritisch verglichen.
3 Fremdsprachenlernen: neue Wege: Dieses Kapitel erläutert neue Paradigmen im Fremdsprachenunterricht, insbesondere durch die Konzepte der Lernerautonomie, Ganzheitlichkeit und des konstruktivistischen Lernens als Alternative zu traditionellen Methoden.
4 Motivation als individueller Faktor beim Fremdsprachenlernen: Das Kapitel analysiert Motivation als komplexes, individuelles Konstrukt und untersucht deren Entstehung, verschiedene Motivationsarten sowie deren Wechselwirkung mit unterrichtlichen Faktoren.
5 Motivation und Sprechangst: Hier wird der Fokus auf Sprechangst als emotionalen Störfaktor im Lernprozess gelegt und dessen hemmende Wirkung auf die Motivation sowie die Sprachproduktion detailliert dargelegt.
6 Empirische Studie: In diesem Kapitel wird das methodische Vorgehen der Studie beschrieben, der DaF-Unterricht in algerischen Schulen analysiert und die Ergebnisse der Fragebogen-Datenerhebung detailliert ausgewertet und interpretiert.
7 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen, reflektiert das Vorgehen und diskutiert die pädagogischen Implikationen sowie Perspektiven für die zukünftige Fremdsprachenforschung.
Schlüsselwörter
DaF-Unterricht, Motivation, Fremdsprachenlernen, Sprechangst, Lernerautonomie, Konstruktivismus, Sprachproduktion, Lernmotivation, Individuelle Faktoren, Selbstkonzept, Unterrichtsmethoden, Algerien, Ganzheitlichkeit, Sprachrezeption, empirische Studie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welche Faktoren beim Fremdsprachenlernen (Deutsch als Fremdsprache) eine hemmende Wirkung auf die Sprachrezeption und Sprachproduktion haben, insbesondere im Hinblick auf das algerische Schulsystem.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Rolle der Motivation und der Sprechangst als individuelle Faktoren, die Bedeutung von Lernerautonomie sowie den Einfluss verschiedener Lerntheorien auf die Unterrichtspraxis.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Zusammenhänge zwischen individuellen Faktoren der Lernenden und unterrichtlichen Bedingungen aufzudecken, um hemmende Faktoren zu identifizieren und Möglichkeiten für einen erfolgreicheren, lernerzentrierten Unterricht aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit verwendet einen interdisziplinären Mehr-Methoden-Ansatz, der quantitative Fragebogenauswertungen mit qualitativen Unterrichtsbeobachtungen kombiniert, um ein umfassendes Bild der algerischen Lernsituation zu erhalten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen (Lerntheorien, Motivation, Sprechangst) und einen empirischen Teil, in dem die Ergebnisse der Fragebögen an algerischen Gymnasien analysiert und interpretiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind DaF-Unterricht, Motivation, Sprechangst, Lernerautonomie, Konstruktivismus und individuelle Unterschiede der Lernenden.
Welche Rolle spielt die Sprechangst im algerischen DaF-Unterricht laut den Ergebnissen?
Die Arbeit stellt fest, dass Sprechangst ein maßgeblicher Hemmfaktor für die mündliche Produktion ist, wobei insbesondere die direkte Fehlerkorrektur und der Konkurrenzdruck im Unterricht eine negative Rolle spielen.
Warum ist das "Selbstkonzept" laut Autor so wichtig für den Lernerfolg?
Ein positives Selbstkonzept fördert die Risikobereitschaft und Motivation. Die Arbeit zeigt, dass Schüler mit niedrigem Selbstvertrauen gehemmt sind und eher zu einer passiven Lernhaltung tendieren, was den Fremdsprachenerwerb behindert.
Wie bewertet der Autor den Einfluss des algerischen Lehrstils?
Der Autor kritisiert den vorherrschenden lehrerzentrierten Frontalunterricht, da dieser wenig Raum für die individuellen Bedürfnisse und die Autonomie der Lernenden lässt und somit kontraproduktiv für die Entwicklung kommunikativer Kompetenz ist.
- Citation du texte
- Nourredine Bouchama (Auteur), 2013, Die hemmenden Faktoren der Sprachrezeption und Sprachproduktion im DaF-Unterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/469984