Über jüdische Flüchtlinge in China gibt es nur spärlich Literatur. Mir fiel ein Buch mit dem Titel "GHETTO SHANGHAI" von Evelyn Pike Rubin in die Hand, welches ich in dieser Seminararbeit behandeln möchte. Die Autorin erzählt hier in autobiographischer Form. Sie beginnt mit ihrer Kindheit in Schlesien und der Machtübernahme Hitlers in Deutschland, die sie und ihre Eltern zur Flucht zwang, da sie Juden waren.
Den Hauptteil des Buches bildet die Zeit in Shanghai, mit all ihren Höhen und Tiefen. Die Autorin verbrachte dort ihre Kindheit
von 1939-1947. Dieser Lebensabschnitt wird sehr ausführlich dargelegt und gibt auch Außenstehenden einen realistischen Einblick in das Leben von damals, als Fremder in einem fremden Land. Die Zeit danach in Amerika und Europa bilden den Abschluss der Lebensgeschichte, ebenso berichtet die Autorin über die damaligen historischen Gegebenheiten.
Diese Arbeit behandelt ausschließlich das Buch "Ghetto Shanghai", da dies den Anforderungen des Seminars entspricht und das Leben als Jude in Shanghai sehr gut dargestellt wird. Ich behielt die Kapiteleinteilung der Autorin bei und übersetzte die Überschriften ins Deutsche, da auf diese Weise der beste Überblick gewährleistet ist. Die Zitate übernahm ich auf Englisch
original. Nachdem alle Zitate aus demselben Buch stammen, führe ich bei jedem zur Wiederfindung im Originaltext nur die Seitenzahl an.
Inhaltsverzeichnis
1 Der Anfang vom Ende (1930 - 1939)
2 Ein neues Leben (1939-1943)
3 Hongkew (1943-1945)
4 Befreiung (1945-1947)
5 Ein Traum wurde wahr (1947-1951)
6 Hiatus - Lücke, Spalt, Kluft (1951-1975)
7 Nachwirkungen
ABSCHLIESSENDE WORTE
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Seminararbeit ist die Analyse der autobiographischen Lebensgeschichte von Evelyn Pike Rubin im Buch „Ghetto Shanghai“. Die Arbeit untersucht dabei insbesondere die Erfahrungen jüdischer Flüchtlinge, die vor der nationalsozialistischen Verfolgung nach China flohen, und setzt diese in den Kontext der historischen Gegebenheiten jener Zeit.
- Die Flucht und das Überleben jüdischer Flüchtlinge im Exil in Shanghai.
- Die Lebensbedingungen im Stadtteil Hongkew, der als Ghetto für Flüchtlinge fungierte.
- Die Auswirkungen von politischer Verfolgung und Krieg auf die familiäre Identität.
- Der Prozess der Integration und Assimilation nach der Emigration in die USA.
Auszug aus dem Buch
3 Hongkew (1943-1945)
Nachdem Evelyn nun in einem anderen Teil Shanghais wohnte, aber dieselbe Schule besuchte, brauchte sie 1-3 Stunden, um zur Schule zu gelangen. Die meisten Eltern, so berichtet die Autorin, hätten Angst gehabt, ihre Kinder zu Kriegszeiten allein so weit fort in die Schule zu schicken und meldeten sie in der jüdischen Schule in Hongkew an. Evelyn wollte das nicht, da in ihrer Schule die meisten ihrer Freunde waren.
Die Ghetto-Ausgänge wurden streng bewacht. Wollte man es verlassen, brauchte man einen bestimmten Pass, den es auf einem dafür eingerichteten Amt gab. Konnte jemand den Pass nicht auf Verlangen vorweisen, konnte die Person im Gefängnis landen. Um 18 Uhr musste man wieder im Ghetto sein. Diese Pässe waren nicht leicht zu bekommen. Schüler hatten meist Vorrang, jedoch nutzten auch hier die Japaner in vollen Zügen ihre Autorität aus:
„Many had a very hard time getting a pass. People were told to come back, time and time again, and even then they would not get a pass for the area that they wanted. If a man was tall, and Ghoya was in a bad mood, he could count on getting slapped.“ (S. 124).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Der Anfang vom Ende (1930 - 1939): Dieses Kapitel beleuchtet die Kindheit der Autorin in Schlesien und die zunehmende Bedrohung durch das NS-Regime, die zur Flucht nach China führt.
2 Ein neues Leben (1939-1943): Hier wird die Ankunft in Shanghai sowie der Alltag der Flüchtlingsfamilie in einer klimatisch und kulturell völlig fremden Umgebung beschrieben.
3 Hongkew (1943-1945): Dieser Abschnitt thematisiert die Zwangsumsiedlung in das Ghetto in Hongkew und die täglichen Repressalien unter japanischer Besatzung.
4 Befreiung (1945-1947): Die Befreiung vom Ghetto-Dasein und die Vorbereitungen zur Emigration in die USA bilden den inhaltlichen Schwerpunkt dieses Kapitels.
5 Ein Traum wurde wahr (1947-1951): Dieses Kapitel beschreibt die Ankunft in Amerika und die Herausforderungen, die mit der Eingewöhnung und dem Aufbau einer neuen Existenz verbunden sind.
6 Hiatus - Lücke, Spalt, Kluft (1951-1975): Hier wird das Leben in Europa und die spätere Rückkehr in ein bürgerliches Familienleben in den USA reflektiert.
7 Nachwirkungen: Der letzte inhaltliche Abschnitt widmet sich den familiären Veränderungen und dem Vermächtnis der Mutter.
Schlüsselwörter
Jüdische Flüchtlinge, Ghetto Shanghai, Exil, Holocaust, Nationalsozialismus, Migration, Integration, Assimilation, Autobiographie, Evelyn Pike Rubin, Hongkew, Zweiter Weltkrieg, Identität, Flucht, Trauma.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das autobiographische Werk „Ghetto Shanghai“ von Evelyn Pike Rubin, das die Flucht einer jüdischen Familie aus Deutschland nach China während der NS-Zeit dokumentiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Flucht vor dem Holocaust, die schwierigen Lebensbedingungen im Exil in Shanghai, die Internierung im Ghetto Hongkew und die spätere Integration in den USA.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, ein realistisches Bild über das Leben als jüdischer Flüchtling in Shanghai zu vermitteln und die Kapiteleinteilung des Originalwerks für einen besseren Überblick beizubehalten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin wählt einen literaturanalytischen Ansatz, bei dem sie die Autobiographie der Autorin zusammenfasst, in den historischen Kontext einbettet und mit Zitaten belegt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil folgt chronologisch der Lebensgeschichte von der Kindheit in Schlesien über die Jahre in Shanghai bis hin zum Leben der Autorin in Amerika und Europa.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie jüdische Flüchtlinge, Ghetto Shanghai, Migration, Integration und Identität charakterisiert.
Welchen Stellenwert hat der Tod des Vaters im Buch?
Der Tod des Vaters im Jahr 1941 in Shanghai wird als Zäsur dargestellt, die nicht nur einen persönlichen Verlust bedeutet, sondern auch die prekäre gesundheitliche Situation der Flüchtlinge durch Buchenwald und tropische Krankheiten verdeutlicht.
Wie reagiert das Umfeld in den USA auf die Emigranten?
Die Autorin beschreibt irritierende Erfahrungen mit amerikanischen Juden, die Vorurteile gegenüber deutschen Juden äußerten, was zu einer Auseinandersetzung mit dem Thema „Jüdischer Antisemitismus“ führt.
- Citation du texte
- Nadja I. Wieczorek (Auteur), 2000, Zu "Ghetto Shanghai" von Evelyn Pike Rubin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/470089